Hallo WWW’ler,
kraft der mir innewohnenden gottgleichen überlegenen Intelligenz habe ich mich dazu hinreißen lassen eine Wette mit einer Sechstklässlerin einzugehen: Sie behauptete Fliegenpilze seien essbar. „Lächerlich, jedes Kind weiß doch, dass die giftig sind“… Naja, am nächsten Tag maschierte sie in die Schule und präsentierte mir stolz einen Auszug aus Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Fliegenpilz#Der_Fliegen…
Hmpf… Weiteres googlen brachte dann seltsames zu Tage:
0. Gift sei bei Jungpilzen nur in der Huthaut, daher leicht zu entgiften
Hamburg und Umgebung habe eine Fliegenpilzesstradition
Je östlicher, desto essbarer (Deutsche in Russland WWII und so)
Japaner (die ja auch auf Kugelfische stehen) sind Spezialisten im Essen von Fliegenpilzen
Jetzt meine Frage an Euch: Ist der essbare Fliegenpilz eine Urban Legend, oder muss ich wirklich was dazulernen (und meine Wette verlieren…)?
Jetzt meine Frage an Euch: Ist der essbare Fliegenpilz eine
Urban Legend, oder muss ich wirklich was dazulernen (und meine
Wette verlieren…)?
Auch Knollenblätterpilze sind essbar, nur eben nicht sehr oft. Der Fliegenpilz wirkt auf Nervensystem, Herz und Kreislauf hauptsächlich durch das enthaltene Muscimol (von Musca, „Fliege“ ).
Wessen Herz- und Kreislaufsystem noch nicht angeknoxen ist, der wird von Fliegenpilzen nicht sofort und auf der Stelle tot umfallen. Außerdem sind die Giftstoffe unter der Huthaut konzentroren, so dass der Pilz ohne diese viel von seiner giftigen Wirkung verliert. Viel gefährlicher als der Fliegenpilz sind Pantherpilz und alle Risspilze, die eine wesentlich höhere Giftkonzentration aufweisen.
Da die Empfindlizität jedoch von Mensch zu Mensch völlig unterschiedlich ist, ist der Fliegenpilz kein Speisepilz. Die Letalität liegt bei Fliegenpilzvergiftungen im einstelligen Prozentbereich.
„Lächerlich, jedes Kind weiß doch, dass die
giftig sind“…
Hallo Jartul,
je nachdem, was ihr genau gewettet habt, könntet ihr euch auf ein Unentschieden einigen (wenn dein Ego das zulässt), die Pilze enthalten zwar Gift, aber tödlich sind sie in der Regel nicht. Die Aussage „kann man essen“ ist daher auch nicht falsch, besonders im Schützengraben in einem russischen Wald darf man nicht so wählerisch sein.
Auch wenn Eillicht recht hat, dass die Tödlichkeit von Fliegenpilzen im einstelligen Prozentbereich liegt, ist die Aussage „Fliegenpilze sind giftig!“ trotzdem richtiger als „Fliegenpilze sind ungiftig.“
Man sollte mit Fliegenpilzen nicht spaßen. Es gibt Leute, die halluzinogene Wirkung des Fliegenpilzgifts zur „Bewusstseinserweiterung“ einsetzten. Ich weiß von einem solchen Versuch, der für längere Zeit in der geschlossenen psychiatrischen Antstalt endete…
sagen wir es mit Paracelsum
Die Dosis macht das Gift.
Ich habe mehrere Quellen vorliegen
Ein Standardwerk ist sicher Roth Frank Kormann
Giftpilze - Pilzgifte
Dort sind folgende Angaben:
Die tödliche Dosis liegt bei über 100 g Frischpilz, wobeidr Toxingehalt je nach Standort auch sehr geringer sein kann, und der Fliegenpilz ohne Nachwirkungen gegesssen werden kann. Die Fliegenpilzintoxikation macht 1 - 2 % sämtlicher Pilzvergiftungen aus. Die Latalität liegt bei 5 %
Andererseits wird im Medizinischen Teil geschrieben, daß in der Russischen Volksmedizin der Fliegenpilz in diversen Zubereitungsformen gegen eine Vielzahl von Beschwerden eingesetzt wird.
Schmidtbauer, von Scheidt
Handbuch der Rauschdrogen gibt folgendes her
Mehr als zehn Pilzköpfe können tödlich sein, obschon es keinen exakt dokumentierten Fall einer tödlichen Vergiftung gibt, bei der Fliegenpilz allein die Ursache waren.
Dort wird auch ausgeführt, daß es in Russland Rituale gibt, in denen Fliegenpilz zwecks Rauschwirkung eingenomen wird. Als ‚Schmankerle‘ wird erwähnt, daß der Wirkstoff oder die Wirkstoffe unverändert mit dem Urin ausgeschieden wird, der dann zwecks Wiederverwendung getrunken wird.
Römpps Chemielexikon schließlich erwähnt auch, daß keine dokumentierten tödlichen Vergiftungen bekannt seien.