Fliesenarbeiten

Liebe/-r Experte/-in,

unsere Terrasse muss von Grund auf saniert werden. Fliesen und Estrich werden abgetragen bis auf die Betonplatte.

Wie sieht der fachlich korrekte Aufbau der neuen Terrasse aus, beginnend mit neuem Estrich.

Ich habe 4 Angebote von Fachfirmen vorliegen mit unterschiedlichen Aussagen.

Damit ich erkennen kann, was sinnvoll bzw. sogar zwingend notwendig ist, wäre ich für Informationen dankbar.

Ich bin Laie, möchte den Auftrag an eine Fachfirma vergeben, brauche aber etwas Hintergrundwissen (kann sicher nicht schaden).

Vielen Dank im voraus und mit freundlichen Grüßen

Elisabeth

Liebe Elisabeth
Dein Problem ist in unserer Branche wohl das Schwierigste und das Heissumstrittenste sowie jenes Gebiet, bei welchem am häufigsten Schäden entstehen.

Wenn ich das richtig verstehe, ist unter der Terrasse ein möglicherweise beheizter Raum oder mindestens ein unbeheizter Raum bzw. ein unterlüfteter Raum.
Sollte dies nicht so sein, wird von einem Balkon gesprochen (dafür würden geringfügig differente Konstruktionsdetails gelten).
Gehen wir davon aus, dass es sich wirklich um eine Terrasse handelt, dann folgendes:
Auf der untersten Schicht (unter dem allfälligen Estrich) muss in jedem Fall die Abdichtung im Gefälle, ca. min. 1% liegen. Diese muss an den Wänden heraufgezogen werden.
Meine Empfehlung:
Auf der Abdichtungsschicht ist eine Splittschicht 3 - 6 cm aufzubauen. Darauf wird ohne Mörtel eine möglichst grosse und dicke Steinzeug- oder Feinsteinzeugplatte aufgebracht (Format 60 x 60 cm, Dicke min. 20 mm.
Dieser Belag ist dank seinem Eigengewicht sehr stabil. Nachteil sind die offenen Fugen, in denen zwar das Meteorwasser ablaufen kann, aber mit der Zeit Unkrautwuchs entsteht. Vorteil ist: der Belag hat eine fast endlose Lebensdauer und dieser Belag kann mit nur leichtem, einseitigen Gefälle (vom Gebäude weg!) verlegt werden. Tische und Stühle wackeln nicht.
Der Wasserablauf muss zuunterst im Gefälle, direkt am tiefsten Punkt der Abdichtung zu liegen kommen.
Eine weitere Möglichkeit ist folgende:
Abdichtung wie vor zuunterst, darauf ein Estrich dessen Oberfläche mit Verbundabdichtung gegen Durchfeuchtung geschützt ist (z. B. PCI-Seccoral o. gleichwetig). Darauf eine Drainagematte (z. B. von Gutjahr), welche das durch die Fugen eindringende Meteorwasser ableitet.
Es ist sicherzustellen, dass das in den Belag eindrigende Meteorwasser wirklich entlasten kann, d. h. irgend an einer Stelle kontrolliert ausfliessen kann.
Auf dieser Konstruktion ist ein kermamischer Plattenbelag mit gefüllten Fugen möglich.
Allerdings sind bei der Materialwahl des Oberbelags folgende Kriterien zu beachten:
Extrudierte, frostbeständige Steinzeug - Fliesen sind sehr ratsam (Feinsteinzeug ist eher nicht geeignet)
Format maximal 30 x 30 cm,
Fugenbreite minimal 5 mm
Materialdicke möglichst 12 - 15 mm
Helle Farben
Dazu noch folgende Empfehlung:
Nach dem Verlegen des Belags sollte mit dem Verfugen abgewartet werden, bis der Fliesenkleber wirklich gut ausgehärtet ist (Wartezeit mindestens 5 - 7 trockene Tage, ev. Witterungsschutz einrichten).
Alle allenfalls nicht diesen Empfehlungen folgenden Konstruktionen sind nach meiner Meinung eher zum Scheitern verurteilt!!
Ich wünsche Ihnen viel Glück bei der Sanierung Ihrer Terrasse und würde mich freuen, von Ihnen zu hören, wie die Sache ausgegangen ist.
Auf jeden Fall ist ein versierter, geschulter (Meisterprüfung) Fliesenfachmann beizuziehen.
Vielleicht können Sie noch eine 10 jährige Gewährleistungsgarantie vereinbaren.
Mit freundlichen Grüssen aus der Schweiz
Mathias Grimm
dipl. Plattenlegermeister
Gutachter
CH - 8750 Glarus

Vielen Dank für Ihre Ausführungen.
Unter der Terrasse ist kein abgeschlossener Raum, sondern zum Keller hin abschüssiges Gelände. An einer Seite befindet ich die Wand zum Kellerabgang, die andere Seite ist offen. Also doch wohl eher Balkon. Hier kommt wohl nur die 2. Variante in Frage, die jetzt auch vorhanden ist. Welche Konstruktionsdetails sind hier zu beachten.

Vielen Dank und freundliche Grüße

Elisabeth

Hallo Elisabeth
Grundsätzlich ist eine Balkonkonstruktion bezüglich Durchfeuchtung oder eindringendes Wasser wesentlich weniger heikel da das Wasser keine Schäden in den darunterliegenden Räumen anrichtet.
Die Bodenkonstruktion kann somit beliebig gewählt werden. Der Drainage ist grosse Beachtung zu schenken.
Auch bei einwandfrei gefugten Belägen dringt Meteorwasser ein. Falls dieses Wasser nicht ausfliessen kann, sättigt sich die gesamte Konstruktion auf und bei Frost-/Tauwechseln wird der Belag rasch defekt.
Ausserdem werden Kalziumkarbonat - Ausblühungen auf der Belagsoberfläche nicht zu vermeiden sein.
Jede Konstruktion die erlaubt, das eindringendes Wasser rauslaufen kann ist richtig.
Mit freundlichen Grüssen
Mathias Grimm