Fluss-Schifffahrt

Hallo,
zu folgender Stammtisch-Frage gibt das Netz leider keine Antwort her. Ich hoffe, ich bin in dieser Kategorie nicht ganz verkehrt:

Es wird behauptet, man könne es schon am Motorengeräusch hören, ob ein Frachtschiff flussaufwärts oder flussabwärts fährt. Das wird damit begründet, dass es für das Schiff mühsamer ist, bergwärts als talwärts zu fahren.

Wer kann dazu was sagen? Vielen Dank im Voraus!

Montenovo.

Moin,

ganz unwissenschaftlicher Erfahrungsbericht aus einem Urlaub in der Wachau bei Weißenkirchen: Man hört es ganz eindeutig. Flussaufwärts röhren die Diesel zum Gottserbarmen, abwärts wird mit Standgas gefahren. Die Donau ist an dieser Engstelle ziemlich schnell.

Gruß
Ralf

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Klingt das nicht einsichtig ?
Gegen die Strömung braucht man viel mehr Antriebskraft, also muss der Motor mit höherer Drehzahl laufen, Das macht es lauter.
Talwärts hilft die Strömung in Fahrtrichtung deutlich mit = weniger Motorkraft nötig, leiser.

MfG
duck 313

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Das allein reicht nicht. Die Schiffe könnten ja prinzipiell in beide Richtungen mit Volldampf fahren. Ich gehe mal davon aus, dass das stromabwärts zu gefährlich und möglicherweise auch nicht wirtschaftlich ist.

Es hängt auch von der Fliessgeschwindigkeit ab. Salopp: je höher diese ist, desto größer der Unterschied zwischen aufwärts und abwärts, was das Geräusch angeht. Das gilt übrigens nicht nur für Motorengeräusche, sondern auch für Muskel betriebene, wie Kanus. :rofl:
(Schon Elbe Oder Rhein Rur Lahn Maas befahren habend…)

Am Donaukanal in Wien fahren regelmäßig die „Ausflugsfähren“ Vindobona, Wien und die neue (Name vergessen, wahrscheinlich Sisi oder Cordoba oder so) nach Bratislava ab;
Stromaufwärts klingen die Diesel wie volle Betonmischer, stromab dagegen wie Spülgang in der Waschmaschine.

Grüße; K.

Hallo Dr Stupid,

doch Duck313 hat vollkommen recht.

Hinzu kommt das es auch auf den Binnenschifffahrtswasserstraßen (wieviel Punkte waren das bei Scrabble?) Geschwindikeitsbegrezungen gibt: §15.04.
Warum sollte ich daher meine Maschine volllast laufen lassen, wenn ich auch mit weniger Kraft die erlaubte Höchstgeschwindigkeit erreiche?

Ich hoffe das hilft weiter.

Euer,
Ebenezer

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Das ist es aber nicht alleine. Der Zusammenhang zwischen Geschwindigkeit und Energieeinsatz ist nicht linear. Ich bin keine Physikleuchte, daher bitte ich etwaige Detailfehler zu entschuldigen. Was ich aber weiß, dass der Zusammenhang bis zu einem gewissen Punkt noch einigermaßen linear verläuft, dann aber drastisch eine Kurve macht. Das bedeutet, man kann „Gas geben“ wo viel man will, man wird kaum und irgendwann gar nicht mehr schneller. Das ist ja auf dem Land nicht anders, ist aber wohl auf dem Wasser stärker (?)
Und dann ist eben der Punkt, wie man Fortbewegung definiert. Das gegen die Strömung vom Ufer aus betrachtet scheinbar stehende Schiff bewegt sich ja durchaus fort.

Servus,

die Fließgeschwindigkeiten (Downloadlink) der Donau vermitteln durchaus eine Vorstellung, was die Frachtschiffe bewältigen und im Falle eines Falles ausbremsen müssen.

Gruß
Ralf

Du meinst vermutlich „mit deutlich weniger Gas“. Standgas wäre ein Zustand ohne Antrieb, bei dem der Motor nur laufen würde um Strom zu erzeugen und Nebenaggregate zu betreiben, der dem so genannten „Stiefeln“ entsprechen würde (mit dem Fluss treiben lassen). Das ist aber mW inzwischen aufgrund der dann deutlich eingeschränkten Manövierfähigkeit verboten.

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Das meinte ich mit „zu gefährlich“. Geschwindigkeitsbegrenzungen werden ja aus Sicherheitsgründen eingeführt.

Moin,

vieleicht verwechselst Du Standgas mit Leerlauf.

Gruß
Ralf

Das ist richtig. Allerdings hätte man das Problem eben auch abseits irgendeiner derartigen Gefahr. Man stelle sich einen großen Strom vor ohne jede Kurve oder Untiefen in einem Fahrwasser, kein störender Verkehr. Selbst dann ist das limitiert aus den genannten Gründen.

Moin,

Wie die Wasserratten zu sagen pflegen: Länge läuft. Du meinst wahrscheinlich die Rumpfgeschwindigkeit, siehe https://www.bootstechnik.de/rumpfgeschwindigkeit/

Rumpfgeschwindigkeit berechnen

Bei der Bestimmung der Höchstgeschwindigkeit von Verdrängern ist die sogenannte Rumpfgeschwindigkeit (s. Erläuterung bei Wikipedia) wichtig. Ein Verdrängerrumpf kann nämlich nicht wie beispielsweise ein Gleitboot mit entsprechend viel Leistung weiter beschleunigt werden, sondern kennt eine theoretische physikalische Grenze. Diese ist in erster Linie von der Länge des Rumpfes abhängig und kann auch durch mehr Leistung (im Prinzip) nicht überschritten werden. Sie steigt mit zunehmender Länge, weswegen beispielsweise Kriegsschiffe und Expressfähren Geschwindigkeiten fahren können, die eine Verdrängeryacht niemals schaffen wird.

Da Binnenschiffe typisch reine Verdränger sind, haben die ein Limit. Tante W erläutert das noch näher, es geht um die Wellenlänge der Bug- und Heckwelle. Ganz grob.

-Luno

Wenn es nur solche Wasserstraßen gäbe, dann würden wahrscheinlich auch andere Geschwindigkeitsbegrenzungen gelten.