Hallo,
vielen Dank für diese äußerst ausführliche Antwort.
Fördergeld kann ein gefährliches Gift für einen Betrieb sein,
wenn man damit wirtschaftlich nicht tragfähige Strukturen
aufbaut oder am Leben erhält. So ist es überhaupt kein
Problem, für einen Langzeitarbeitslosen einen erheblichen
Zuschuß zu erhalten. Dir nützt aber ein Mitarbeiter nichts,
wenn nicht viel mehr dabei heraus kommt, außer Deine Zeit zu
binden.
Genau das ist das Thema. Der Geschäftsbereich wirft Gewinne ab. Schön und gut. Mein idealer Mitarbeiter arbeitet natürlich selbständig und kennt sich aus. So jemand zu finden ist meiner Meinung nach sowieso so gut wie unmöglich.
Du kannst Dir in einem Kleinbetrieb keinen einzigen
personellen Fehlgriff leisten! Du kannst Dir auch keine
volkswirtschaftliche Denkweise leisten, wonach die Einstellung
Arbeitsloser dringend erforderlich wäre. Damit bist Du sofort
der Dumme und zahlst anderer Leute Krankenversicherung und
Altersversorgung. Du mußt zunächst und ausschließlich dafür
sorgen, daß Dein Geschäft auf sicheren Füßen steht und Du mußt
ordentlichen Gewinn erwirtschaften. Du brauchst unbedingt
genügend Eigenkapital, um unabhängig vor allen Dingen von
Banken zu sein.
Ich arbeite seit Jahren mit Freelancern zusammen. Hierbei gebe ich im Monat ca. 5000 Euro für externe Arbeiten aus. Das klappt so weit gut. Die Frage ist, ob eigene Mitarbeiter im Endeffekt aufgrund fester Kosten günstiger sind. Im Endeffekt darf dieser unterm Strich nicht mehr als 70 Euro / Stunde inkl. aller Nebenkosten kosten. Hierbei darf man nicht vergessen, dass ich bei Freelancern nur die Arbeitszeit bezahle. Eigene Mitarbeiter sind natürlich auch krank und die Kosten für Fortbildung, teure Software, Arbeitsplatzpflege (Schreibtisch, aktueller PC…) darf ich auch nicht vergessen.
Bei einem qualifizierten Mitarbeiter triffst mit allem Drum
und Dran eine 50.000 €-Entscheudung. Sicher ist dabei, daß Du
dieses Geld irgendwie wirst aufbringen müssen und daß Du viel
Zeit zu investieren hast. Dazu kommen alle Ausgaben, die man
zur Ausstattung eines Arbeitsplatzes so braucht. Das liegt je
nach Tätigkeit zwischen überschaubar und satt 6stellig.
Genau das ist mein Problem. Ich denke so langsam, personal ist ZU TEUER in diesem Land.
Dein Betrieb existiert erst kurze Zeit. Du stehst noch nicht
auf einigermaßen sicheren Füßen. Von den eher seltenen
Ausnahmen abgesehen, wo jemand mit unternehmerischer
Beteiligung eines Kapitalgebers etwas auf die Füße stellt,
braucht jeder andere Betrieb mehrere Jahre, bis er nicht mehr
von jedem Windhauch umgepustet wird. Gehalt und Sozialabgaben
werden gnadenlos zum Ultimo fällig. Klar, da war doch noch der
freundliche Mensch hinter dem Banktresen, mit dem man das Wort
„Betriebsmittelkredit“ schon einmal buchstabiert hatte. Solche
Kredite eignen sich aber ganz und gar nicht zum Stopfen von
Löchern, wenn der Betrieb nicht genug abwirft. Und sie sind
regelmäßig mit stiller Forderungsabtretung, Globalzession,
Verpfändung aller mobilen und immobilen Sachen sowie mit
Berichtswesen und insbesondere mit gefährlicher Abhängigkeit
verbunden.
Die Banken sind so eine Sache. Ich habe mich da tatsächlich übel verrant, Lehrgeld bezahlt und seit ein paar Monaten endlich ALLES abbezahlt. Banken sind so ziemlich das letzte Mittel zur Geldbeschaffung.
Folgende Ratschläge hören sich vielleicht altmodisch an: Denke
über Ausgaben und laufend wiederkehrende Belastungen nach,
wenn Du das Geld dazu hast und es Dein eigenes Geld ist. Gehe
grundsätzlich keine Verpflichtung ein, weil es Fördergeld
gibt. Gehe die Verpflichtung nur ein, wenn Du sie bezahlen
kannst und nimm Fördergeld als Gimmik mit.
Hierfür war es Gedacht. Zur Rücklage um turbulente Zeiten schnell auszugleichen und so den sicheren Betrieb zu ermöglichen. Ich habe inzwischen gelehrnt, das Geldknappheit einen sehr sehr viel Arbeitszeit kosten kann. Also soll dieser Punkt durch eine Rücklage mit schnellem Zugriff eliminiert werden, so dass die Zeit auch für die Arbeit bleibt.
Sieh zu, daß Du Dein Geschäft in eigenen Räumen mit bezahltem
Dach über dem Kopf betreibst. Sorge für Krankheit und
Berufsunfähigkeit vor.
Das war Lektion eins. Kranken-, Renten und Berufsunfähigkeitsversichuren sind alle da und aufgrund meines alters auch sehr günstig. Das sollte wirklich JEDER haben!
Dabei meine ich keine Beiträge für
Angestellte, sondern Vorsorge für Dich selbst! Wenn Du ein
Girokonto brauchst, gehe zur Bank. Wenn Du für Dein Geschäft
viel Geld brauchst, gehe nicht zur Bank, sondern suche eine
unternehmerische Beteiligung. Falls Du die nicht bekommst,
backe kleinere Brötchen und hilf Dir über die Zeit selbst.
Schließlich ein Grundsatz, der ohne jede Ausnahme immer gilt:
Eine zu schmale finanzielle Geschäftsbasis wird durch
Angestellte weiter geschmälert.
Klingt sinnvoll. Eine Beteiligung hat meiner Nach zu viele Nachteile. Und zu Banken habe ich oben schon etwas geschrieben.
Du möchtest z. B. Aufträge annehmen, die Du bisher nicht
annehmen konntest, weil Dir Personal fehlte. Das werden dann
Aufträge sein, die längere Bearbeitungszeit erfordern. Das
heißt nichts anderes als Vorfinanzierung, z. B. von Gehältern.
Genau hierfür sollen Förderungen da sein, um die Vorfinanzierung zu ermöglichen. Allerdings haben mir die letzten Jahre gezeigt, dass nur das Modell 303040 funktioniert: 30% bei Auftrag, 30% bei Vorstellung und 40% bei Übergabe. So ist das Risiko für einen Totalausfall bei Null, auch wenn man so nicht alle Auträge bekommt.
Bei Licht betrachtet brauchst Du nicht den Angestellten, Du
brauchst das Geld zur Vorfinanzierung. Mit dem Geld könntest
Du Aufträge, die Deine Kapazität überschreiten, an Freelancer
abgeben. Dabei zahlst Du nur für das fristgemäße Ergebnis.
Stimmt.
Beim Angestellten zahlst Du ergebnisunabhängig, weil der Monat
zu Ende ist. Ob der Angestellte überfordert war, zu wenig auf
die Reihe brachte, Liebeskummer oder Urlaub hatte oder eine
Krankmeldung ablieferte, spielt keine Rolle. Du zahlst in
jedem Fall. Das alles kannst Du Dir mit oder ohne Förderung
nicht leisten!
Ich hasse dieses System. Kann man sich dagegen nicht versichern
???
Gruß
Wolfgang
Vielen DANK!
Sebastian
PS: Deine Homepage konnte ich mir leider nur unvollständig
ansehen. Weiß der Teufel, welche Voraussetzungen dafür
erforderlich sind. Für mich ließ sich nur dünner Text auf
rotem Untergrund mit viel Mühe entziffern. Vielleicht liegt’s
ja nur an meiner alten Netscape-Version. Die Ladezeit ohne DSL
ist übrigens auch beträchtlich. Nicht alle Kunden sind Freaks,
die dauernd neue Software laden wollen. Die Leute haben i.d.R.
andere Sorgen. Kannst Du Dir solche Seite leisten?
Inzwischen halte ich IE5 oder Netscape6, Opera6 oder Safari sowie ein Modem für einen Mindeststandard. Ein kleiner Nebeneffekt: Hostingkunden, die halbwegs vertraut mit der Leistung sind und somit auch halbwechs aktuelle Software benutzen, kennen sich mit Mail, FTP… meist besser aus. Die zahlt sich nachweislich durch weniger Supportzeit je Kunde aus:smile: Ist vielleicht nicht ganz fein, funktioniert aber hervorragend.