pollux36 hat schon viel richtiges gesagt, ich möchte noch ein wenig hinzufügen, sorry wenn es redundant sein sollte:
„In der Psychologie gilt die Trennung als größter
Stressauslöser. Nur der Tod (eines geliebten Menschen)
ist noch stressiger.“
Wie bereits gesagt: Im Durchschnitt. Wichtiger als OB eine Trennung statt fand ist, WIE die Person zur Trennung steht.
Krasses Beispiel: Ein Patient unserer Station erholte sich nahezu schlagartig von einer mittelschweren Depression (und konnte infolge dessen entlassen werden), als seine Frau ihm offenbarte sich scheiden lassen zu wollen, da damit der durch die kriselnde Beziehung ausgelöste Stress abfiel.
Dann gibts noch das Diathese-Stress-Modell. Besagt grob: Wer viel Veranlagung (genetisch, Situativ, Erziehung, Wohnumfeld…) mitbringt, wird von stress relativ mehr beeinflusst als jemand mit wenig veranlagung. Je mehr Stress, desto größer die Interaktion.
Angenommen man macht in dieser Situation einen
psycholog. Test und dieser ergibt Hinweise auf
paranoide Persönlichkeitszüge, Depression oder ähnliches.
Angenommen jemand würde das tun, währe das ein echter Kunstfehler. Alle Testwerte sind State-Werte, sprich, sie sind vom aktuellen Befinden abhängig. Das liegt in der Funktion des Gehirns begründet besser Stimmungskongruent abrufen zu können. Sprich: Wenn eine Person +ber eine uneindeutige Frage nachdenkt („Sind sie allgemein ein erfolgreicher Mensch?“), dann greift sie auf Vorwissen zurück. Dabei ist Wissen, dass zur aktuellen Stimmungslage passt besser zugänglich. Der Mensch erinnert in einer Depression also eher Misserfolge und bewertet sich schlechter.
Da so gut wie alle Tests die Instruktion „so schnell und spontan wie möglich antworten“ haben, dürfte klar sein, was dabei raus kommt, wenn man jemandem in einer akuten Krise einen Test vorlegt.
Wie ist unter diesen Umständen mit
den Ergebnissen dieses Tests seitens
eines Psychologen umzugehen?
Es gibt einen Grund für Psychologen in Krisensituationen zu testen, nämlich um dem Patienten im Nachhinein zu beweisen, dass sich sein Zustand gebessert hat (Stichwort: SCL-90-R).
Anhand eines Tests auf die Persönlichkeit zu schließen geht nicht, da die Persönlichkeitsstörung sinngemäß ein „langanhaltendes und durchgehendes und unflexibles Muster“ von Verhaltensweisen voraussetzt.
Wenn jemand nach einem Trauerfall paranoid wird, dann denkt man psychiatrisch primär an eine schwere Depression mit psychotischer Symptomatik (F32.3), sekundär an etwas, das früher passend „reaktive Psychose“ hieß. Das hat aber nix mit einer Persönlichkeitsstörung zu tun.
Erst wenn die Person auch vor dem Trauerfall schon paranoid war, oder es noch nach eindeutig erfolgter Verarbeitung ist, dann kann man an eine Persönlichkeitsstörung denken.