Folgen Trennung

Hallo zusammen,

ich habe vor kurzem in einer Tageszeitung folgenden Satz gelesen:

„In der Psychologie gilt die Trennung als größter Stressauslöser. Nur der Tod (eines geliebten Menschen) ist noch stressiger.“

Stimmt dieses Aussage?

Wenn ja, kann eine Trennung (Ehetrennung und/oder Trennung mit Kindern) auch psychische Auffälligkeiten hervorrufen?
Angenommen man macht in dieser Situation einen psycholog. Test und dieser ergibt Hinweise auf paranoide Persönlichkeitszüge, Depression oder ähnliches.
Wie ist unter diesen Umständen mit den Ergebnissen dieses Tests seitens eines Psychologen umzugehen?

Gruß

Bori

Moin,

„In der Psychologie gilt die Trennung als größter
Stressauslöser. Nur der Tod (eines geliebten Menschen) ist
noch stressiger.“

Wenn in der Tageszeitung steht, dass ‚in der Psychologie… gilt‘ wird sich idR auf Studien bezogen und die geben statistische Mittelwerte und Prozentzahlen an. Trennung und Tod - was ja die extremste Form von ‚Trennung‘ ist - wirken meist sehr belastend.

Stimmt dieses Aussage?

Sie kann stimmen. Mit allen Einschränkungen die eine Normalverteilte Gruppe von Menschen aufweist.

Wenn ja, kann eine Trennung (Ehetrennung und/oder Trennung mit
Kindern) auch psychische Auffälligkeiten hervorrufen?

Jain. ‚Hervorrufen‘ in sofern, dass prädisponierte Personen über ein ‚normales‘ Maß hinaus z.B. traurig sind.

Angenommen man macht in dieser Situation einen psycholog. Test
und dieser ergibt Hinweise auf paranoide Persönlichkeitszüge,
Depression oder ähnliches.

Na ja, solche ‚Tests‘ sind ja immer nur ein Teil einer psychologischen Untersuchung. Kein ordentlicher Psychologe oder Psychiater wird z.B. eine ‚Paranoide Persönlichkeitsstörung‘ aufgrund eines einzelnen Tests diagnostizieren. Dazu gehören noch weitere Hinweise.

Wie ist unter diesen Umständen mit den Ergebnissen dieses
Tests seitens eines Psychologen umzugehen?

Ist man mit der gestellten Diagnose nicht einverstanden, kann auch bei Psychologen und Psychiatern immer eine zweite Meinung eingeholt werden.
Teils kann das anzweifeln der Diagnose als Symptom gewertet werden.
Um weitere Einschätzungen zu geben hast du zu wenige Infos gegeben.
…lux

Hallo,

Stress ist nicht gleich zu setzen mit Persönlichkeitsstörungen.
Wie kommst Du darauf?

Viele Grüße

pollux36 hat schon viel richtiges gesagt, ich möchte noch ein wenig hinzufügen, sorry wenn es redundant sein sollte:

„In der Psychologie gilt die Trennung als größter
Stressauslöser. Nur der Tod (eines geliebten Menschen)
ist noch stressiger.“

Wie bereits gesagt: Im Durchschnitt. Wichtiger als OB eine Trennung statt fand ist, WIE die Person zur Trennung steht.

Krasses Beispiel: Ein Patient unserer Station erholte sich nahezu schlagartig von einer mittelschweren Depression (und konnte infolge dessen entlassen werden), als seine Frau ihm offenbarte sich scheiden lassen zu wollen, da damit der durch die kriselnde Beziehung ausgelöste Stress abfiel.

Dann gibts noch das Diathese-Stress-Modell. Besagt grob: Wer viel Veranlagung (genetisch, Situativ, Erziehung, Wohnumfeld…) mitbringt, wird von stress relativ mehr beeinflusst als jemand mit wenig veranlagung. Je mehr Stress, desto größer die Interaktion.

Angenommen man macht in dieser Situation einen
psycholog. Test und dieser ergibt Hinweise auf
paranoide Persönlichkeitszüge, Depression oder ähnliches.

Angenommen jemand würde das tun, währe das ein echter Kunstfehler. Alle Testwerte sind State-Werte, sprich, sie sind vom aktuellen Befinden abhängig. Das liegt in der Funktion des Gehirns begründet besser Stimmungskongruent abrufen zu können. Sprich: Wenn eine Person +ber eine uneindeutige Frage nachdenkt („Sind sie allgemein ein erfolgreicher Mensch?“), dann greift sie auf Vorwissen zurück. Dabei ist Wissen, dass zur aktuellen Stimmungslage passt besser zugänglich. Der Mensch erinnert in einer Depression also eher Misserfolge und bewertet sich schlechter.
Da so gut wie alle Tests die Instruktion „so schnell und spontan wie möglich antworten“ haben, dürfte klar sein, was dabei raus kommt, wenn man jemandem in einer akuten Krise einen Test vorlegt.

Wie ist unter diesen Umständen mit
den Ergebnissen dieses Tests seitens
eines Psychologen umzugehen?

Es gibt einen Grund für Psychologen in Krisensituationen zu testen, nämlich um dem Patienten im Nachhinein zu beweisen, dass sich sein Zustand gebessert hat (Stichwort: SCL-90-R).
Anhand eines Tests auf die Persönlichkeit zu schließen geht nicht, da die Persönlichkeitsstörung sinngemäß ein „langanhaltendes und durchgehendes und unflexibles Muster“ von Verhaltensweisen voraussetzt.

Wenn jemand nach einem Trauerfall paranoid wird, dann denkt man psychiatrisch primär an eine schwere Depression mit psychotischer Symptomatik (F32.3), sekundär an etwas, das früher passend „reaktive Psychose“ hieß. Das hat aber nix mit einer Persönlichkeitsstörung zu tun.

Erst wenn die Person auch vor dem Trauerfall schon paranoid war, oder es noch nach eindeutig erfolgter Verarbeitung ist, dann kann man an eine Persönlichkeitsstörung denken.

Hallo,

nur zusätzlich zu den fachkundigen Auskünften, die Du schon bekommen hast, noch ein pragmatischer Rat:

Angenommen man macht in dieser Situation einen psycholog. Test und dieser ergibt Hinweise auf paranoide Persönlichkeitszüge, Depression oder ähnliches.
Wie ist unter diesen Umständen mit den Ergebnissen dieses Tests seitens eines Psychologen umzugehen?

Man könnte das als Hinweis nehmen, dass man jetzt, in dieser Situation, gut Hilfe in Anspruch nehmen könnte, weil man gerade mit sich nicht gut zurecht kommt.

Viele Grüße,

Jule