Forecasting/Zeitreihenanalysen

Hallo,

Folgendes Problem…Ich soll eine Prognose für das Call-aufkommen erstellen, dienen soll diese Prognose zur Mitarbeiterplanung. Mein Problem dabei ist, dass ich nichts über dieses Thema weiss.

Habe einiges an Literatur organisieren können, jedoch werde ich aus dieser nicht wirklich schlau, außer das ich einen ziemlich großen Datensatz brauche (welchen ich auch habe!) um einen guten Forecast zu erstellen.

So nun die wichtige Fragen, muss ich ‚nur‘ ein verfahren anwenden? Bzw. welches würde sich besonders für meinen Fall eignen? Oder muss ich mehrere Rechnungen vornehmen? (Und bitte sagt mir nicht ARIMA-X-11 o. 12, solche Programme scheinen icht kompatibel zu Oracle-DB zu sein, wenn doch belehrt mich!)

Vielen Dank schonmal im vorraus

Mit freundlichen Grüßen

Nick

Hallo Nick,

Folgendes Problem…Ich soll eine Prognose für das
Call-aufkommen erstellen, dienen soll diese Prognose zur
Mitarbeiterplanung. Mein Problem dabei ist, dass ich nichts
über dieses Thema weiss.

dein Auftraggeber/Chef scheint davon auch nicht gar so viel an Ahnung zu haben. Sonst hätte er es dir schon gesagt, von welchen Parametern und ggfls wie sein zu prognostizierendes Call-aufkommen abhängt, um danach irgendein mathematisches Verfahren einzusetzen.
Und darüber hinaus : Einzig und allein auf das Aufkommen in der Vergangenheit zu setzen, um daraus in die Zukunft zu extrapolieren, das vermittelt zwar manchem das Gefühl, mit einer Berechnung auf der richtigen Seite zu liegen. Aber genau so gut kann man auch in die Glaskugel gucken.
Gruß
Karl

dein Auftraggeber/Chef scheint davon auch nicht gar so viel an
Ahnung zu haben. Sonst hätte er es dir schon gesagt, von
welchen Parametern und ggfls wie sein zu prognostizierendes
Call-aufkommen abhängt, um danach irgendein mathematisches
Verfahren einzusetzen.

Muss ich dir Recht geben, leider verstehe ich nur nicht was du mit ‚Parametern‘ meinst…Meinst du etwa Trends/Saisonalität.

Und darüber hinaus : Einzig und allein auf das Aufkommen in
der Vergangenheit zu setzen, um daraus in die Zukunft zu
extrapolieren, das vermittelt zwar manchem das Gefühl, mit
einer Berechnung auf der richtigen Seite zu liegen. Aber genau
so gut kann man auch in die Glaskugel gucken.

Ja irgendwie schon, jedoch gibt es die Methoden doch nicht umsonst. Ich glaub kaum das sich sonst soviele Menschen mit dieser Thematik beschäftigen würden bzw es studieren! Und leider hilft es mir nicht wesentlich weiter, ihm eine Glaskugel zu besorgen und zu sagen „guck mal, vielleicht geht das ja…“

Trotzdem Vielen Dank für die schnelle Antwort!

Grüße, Nick

Hallo Nick,

Muss ich dir Recht geben, leider verstehe ich nur nicht was du
mit ‚Parametern‘ meinst…Meinst du etwa Trends/Saisonalität.

laut ViKa bist du mathemathisch-technischer Assistent. Ich kenne die Ausbildung nicht genau, aber da scheint’s ja wirklich Defizite zu geben.

Brauchbare (wohlgemerkt: brauchbare!) Trendanalysen verlangen gute Kenntnisse der zugrundeliegenden Techniken. Dein Chef scheint also entweder selbst keine Ahnung zu haben, keine Ahnung deiner Qualifikation zu haben oder dein Fähigkeiten zu überschätzen.

Du solltest das mit deinem Chef besprechen. Vielleicht kannst du es in Kooperation mit einem wissenschaftlichen Mitarbeiter hinbekommen (wenn es bei euch denn solche gibt).

Ja irgendwie schon, jedoch gibt es die Methoden doch nicht
umsonst. Ich glaub kaum das sich sonst soviele Menschen mit
dieser Thematik beschäftigen würden bzw es studieren! Und
leider hilft es mir nicht wesentlich weiter, ihm eine
Glaskugel zu besorgen und zu sagen „guck mal, vielleicht geht
das ja…“

Gerade in den Wirtschaftswissenschaften und assoziierten Fächern werden die Methoden oft zum Brechen gebogen. Was rauskommt, ist eben meistens nicht wirklich brauchbar. Die meisten Prognosen taugen auch nichts. Sonst gäbe es doch schon längst sichere Börsenanlagen. Broker sind auch nur deshalb gut, weil sie zur richtigen Zeit Glück hatten und/oder vor allem eben _andere_ Informationen kennen und nutzen, die konkrete, kurzfristige Änderungen anzeigen. Das hat aber nichts mehr mit einer mathematischen Prognose zu tun.

Die Krux ist, dass die Glaskugelleser eben Kohle dafür bekommen, weil es genug Dumme gibt, die daran glauben und das auch bezahlen. Das macht die „Prognosen“ an sich aber nicht besser.

Hinzu kommt, dass bei Prognosen oft kein Fehlerbereich angegeben wird. Gerade bei Daten aus Sozial- und Wirtschaftwissenschaften, aber auch oft bei zB. ökologischen oder epidemiologischen Daten sind die Fehlerbereiche von Prognosen gewaltig. Ist halt die Frage, was einem Aussagen bringen wie „im Jahr 2020 erwarten wir aufgrund der Prognose mit einer Wahrscheinlichkeit von 90% zwischen 1000 und 50000000 neue AIDS-Fälle.“ - Sollen jetzt schonmal Krankenhäuser gebaut werden oder nicht?!

Ok, 2020 ist weit hin. Was ist mit 2007? Für die AIDS-Inzidenz ist das eine kurzfristige Prognose. Kurzfristige Prognosen sind kein großes Problem. Warum? Weil sich „in kurzer Zeit“ ja per Definition nicht allsoviel ändert. Also kann man sagen, dass es 2007 etwa genausoviele neue Fälle geben wird wie dieses Jahr. Dazu braucht’s keine Mathematik. Natürlich _kann_ es auch ganz anders aussehen, wenn etwas unvorhersehbares oder ungewöhnliches passiert - aber genau sowas können ja Prognosemodelle auch nicht erfassen.

LG
Jochen

Naja ich merke schon weit werden wir hier nicht kommen…

Defizite kann ich mir in meinem Aufgabenfeld nicht zugestehen aber ok, ist deine Meinung und fertig.

Ich frage mich nur wieso einer unserer Kunden uns soetwas aufträgt wenn es eh für die Katz’ ist…*rolleyes*

Aber danke trotzdem für die nette Unterhaltung

leider verstehe ich nur nicht was du mit ‚Parametern‘ meinst
…Meinst du etwa Trends/Saisonalität.

Parameter für die Anzahl der Anrufer könnten sein :

  • die demografische Entwicklung (die ist ja halbwegs voraussagbar),
  • die Anzahl der Laptops, wenn es sich darum handelt,
  • wenn’s ein vom Ölpreis abhängiges Produkt ist, dessen Entwicklung
  • die Klimaentwicklung, wenn es sich um Ferienangebote am Nordpol geht,
    etc.
    Du siehst, man muss sich als Unternehmer/Planer intensiv über sein Produkt nachdenken, um für die Zukunft etwas abzuschätzen.
    :

Grüße, Nick

leider verstehe ich nur nicht was du mit ‚Parametern‘ meinst
…Meinst du etwa Trends/Saisonalität.

Parameter für die Anzahl der Anrufer könnten sein :

  • die demografische Entwicklung (die ist ja halbwegs
    voraussagbar),
  • die Anzahl der Laptops, wenn es sich darum handelt,
  • wenn’s ein vom Ölpreis abhängiges Produkt ist, dessen
    Entwicklung
  • die Klimaentwicklung, wenn es sich um Ferienangebote am
    Nordpol geht,
    etc.
    Du siehst, man muss sich als Unternehmer/Planer intensiv über
    sein Produkt nachdenken, um für die Zukunft etwas
    abzuschätzen.
    :

Ok dann ist es für mich, der kaum über das Produkt informiert ist, fast unmöglich einen Algorithmus zu Entwickeln?

Danke!

Ok dann ist es für mich, der kaum über das Produkt informiert
ist, fast unmöglich einen Algorithmus zu Entwickeln?

So ist es.

Danke!

Auch hallo.

Folgendes Problem…Ich soll eine Prognose für das
Call-aufkommen erstellen, dienen soll diese Prognose zur
Mitarbeiterplanung. Mein Problem dabei ist, dass ich nichts
über dieses Thema weiss.

Wie schon gesagt: es gilt Sättigungseffekte, saisonale, sich überlagernde (oder einander ausschliessende) Effekte,… zu beachten. Nicht nur in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften :wink:
Trotzdem gibt es Literatur zum Thema: http://www.amazon.de/s/ref=nb_ss_w/028-3817064-11965…
Für Genaueres müsste man den Datensatz kennen.

mfg M.L.

Naja ich merke schon weit werden wir hier nicht kommen…

Defizite kann ich mir in meinem Aufgabenfeld nicht zugestehen
aber ok, ist deine Meinung und fertig.

Ich frage mich nur wieso einer unserer Kunden uns soetwas
aufträgt wenn es eh für die Katz’ ist…*rolleyes*

Es gibt dafür hinreichend „blauäugige“ Zeitgenossen, unabhängig von der Position.

Aber danke trotzdem für die nette Unterhaltung

Ok dann ist es für mich, der kaum über das Produkt informiert
ist, fast unmöglich einen Algorithmus zu Entwickeln?

Absolut korrekt.

Neben der intimen Kenntnis aller (wesentlichen) Zusammenhänge um das Produkt müssen dann auch noch die Daten interpretiert werden. Das erfordert noch weitere Kenntnisse (wie _gut_ sind die Daten, wie genau sind sie gewonnen worden, gibt es ungewöhnliche Werte darunter, gibt es Ausreißer, usw.)

Ach ja, und zu meinem Artikel unten: Fühl Dich bitte nicht aus die Füße getreten. Es ist kein Vorwurf gewesen. Ich habe keine Ahnung von Deiner Ausbildung. Es steht mir nicht zu, zu urteilen, wie „gut“ Du bist - und das habe ich auch nicht getan. Es geht nur um die Feststellung, dass Du genau dieses Problem mit Deinen Kenntnissen und Fertigkeiten, die ich aufgrund deines Beitrages vermuten kann, offensichtlich nicht lösen kannst - auch nicht mit ein paar Tipps aus diesem Forum. So ist denn der einzig gute Tipp für Dich:

Sprich mit deinem Chef. Das Problem ist so, wie sich dein Chaf das vorstellt, nicht lösbar. Entweder, er macht genaue(!) Vorgaben, was wie zu machen ist (so dass du das abarbeiten kannst), oder er läßt sich etwas anderes einfallen (zB.: er spricht mit den Kunden oder läßt das extern von spezialisierten Profis machen).

LG
Jochen

Ok dann Danke ich euch beiden für die super schnellen Antworten!!

Ob es mir wirklich hilft stellt sich dann beim gespräch heraus…

Danke!

Hallo,

Trotzdem gibt es Literatur zum Thema:
http://www.amazon.de/s/ref=nb_ss_w/028-3817064-11965…

Wie schon gesagt verfüge ich bereits über gewisse Literatur doch werde nicht wirklich schlauer…

http://www.amazon.de/Forecasting-Methods-Application…

Für Genaueres müsste man den Datensatz kennen.

Der Datensatz besteht aus dem Datum und der Menge an Calls.

Was mir gerade noch einfällt…

…Ist es vll möglich ohne große Parameter zu Rechnen???..soll bedeuten, das ich gerne nur Feiertage einbeziehen würde.

Was mir gerade noch einfällt…

…Ist es vll möglich ohne große Parameter zu Rechnen???..soll
bedeuten, das ich gerne nur Feiertage einbeziehen würde.

Ähm, nee.

Schau mal, für eine Prognose versucht man, ein mathematisches Modell zu finden, welches die Werte einer sogenannten „abhängigen“ Variablen (bei dir: Calls, nennen wir sie Y) anhand der Werte einer sog. „unabhängigen“ Variablen (bei dir: Zeit bzw. Datum, nennen wir sie X) zu beschreiben. Allgemein sucht man also eine Funktion f, für die gilt: Y = f(X) + Fehlerstreuung, wobei die Fehlerstreuung so klein wie möglich sein soll.

Diese Funktion, f, hat eben Funktioneparameter. Im allereinfachsten Fall beschreibt f eine Gerade. Eine Gerade hat eine Steigung und einen Achsenabschnitt. Genau DAS sind in diesem Falle dann die Parameter.

Kennt man die Parameter (die man mit mathematischen Methoden aus denvorliegenden Daten schätzt), kann man eben für beliebige Werte von X die zugehörigen Werte von Y ausrechnen. Wenn der eingesetzte X-Wert in der Zukunft liegt, ist das eine Prognose.

Klarer jetzt?

LG
Jochen

Hallo Fragewurm,

Der Datensatz besteht aus dem Datum und der Menge an Calls.

Damit kannst du gerade mal rausfinden ob es eine saisonale Abhängigkeit gibt oder ob das Produkt eher privat oder geschäftlich genutzt wird (privat = mehr Calls abends und am WE/Feiertage).
Jetzt wird das ganze aber durch Werbung verfälscht.

Früher hat man das hier bei Wer-Weiss-Was deutlich sehen können. Immer wenn irgendwo im Fernsehen, Computerzeitschrift usw. ein Bericht über W-W-W erschienen ist, sind die Benutzerzahlen hochgeschnellt.

MfG Peter(TOO)

Diese Funktion, f, hat eben Funktioneparameter. Im
allereinfachsten Fall beschreibt f eine Gerade. Eine Gerade
hat eine Steigung und einen Achsenabschnitt. Genau DAS sind in
diesem Falle dann die Parameter.

Kennt man die Parameter (die man mit mathematischen Methoden
aus denvorliegenden Daten schätzt), kann man eben für
beliebige Werte von X die zugehörigen Werte von Y ausrechnen.
Wenn der eingesetzte X-Wert in der Zukunft liegt, ist das eine
Prognose.

Hallo,
das impliziert die (zu?) simple Annahme: „Wie es in der Vergangenheit ablief, so geht’s genauso in der Zukunft weiter.“ Um letztere zu prognostizieren, sollte man schon etwas mehr an Produktkenntnis einbringen.
Gruß
Karl

Moin,

das impliziert die (zu?) simple Annahme: „Wie es in der
Vergangenheit ablief, so geht’s genauso in der Zukunft
weiter.“

Auch wenn ich Dir aus Herzen zustimme, ist sowas jedoch eine gar nicht
so schlechte Annahme. Da man - wie offensichtlich in diesem Fall -
häufig wenig Kenntnis über Einfluß anderer Faktoren hat, kann man
vorerst eine Analyse machen „was-wäre-wenn alles so weiter geht“.
Anschließend sollte man in der Diskussion der so gewonnenen Ergebnisse
aber unbedingt auf die systematisch bedingten Grenzen oder Mängel
(Unkenntnis bzw. Ignorieren anderer Parameter) hinweisen und - sofern
möglich - zumindest abschätzen welche Größenordnung Änderungen dieser
Größen nach sich ziehen könnten.

Gruß,
Ingo

Hallo Ingo,

Moin,

das impliziert die (zu?) simple Annahme: „Wie es in der
Vergangenheit ablief, so geht’s genauso in der Zukunft
weiter.“

Auch wenn ich Dir aus Herzen zustimme, ist sowas jedoch eine
gar nicht
so schlechte Annahme. Da man - wie offensichtlich in diesem
Fall -
häufig wenig Kenntnis über Einfluß anderer Faktoren hat, kann
man
vorerst eine Analyse machen „was-wäre-wenn alles so weiter
geht“.
Anschließend sollte man in der Diskussion der so gewonnenen
Ergebnisse
aber unbedingt auf die systematisch bedingten Grenzen oder
Mängel
(Unkenntnis bzw. Ignorieren anderer Parameter) hinweisen und -
sofern
möglich - zumindest abschätzen welche Größenordnung Änderungen
dieser
Größen nach sich ziehen könnten.

Kommen wir auf die Ursprungsfrage zurück, was das Callcenter an Mitarbeiterkapazität in seine Planung einstellen soll.
Wenn man sagt: „Es bleibt, wie es ist.“, dann brauche ich gar nicht zu rechnen, sondern behalte die Mitarbeiteranzahl bei. Und selbst wenn ich von einem linearen Zuwachs ausgehe, dann rechne ich das selber aus, ohne jemanden anders damit zu beauftragen. Mit letzterem blamierte ich mich lediglich.
Gruß
Karl

Gruß,
Ingo