Hallo Nick,
Muss ich dir Recht geben, leider verstehe ich nur nicht was du
mit ‚Parametern‘ meinst…Meinst du etwa Trends/Saisonalität.
laut ViKa bist du mathemathisch-technischer Assistent. Ich kenne die Ausbildung nicht genau, aber da scheint’s ja wirklich Defizite zu geben.
Brauchbare (wohlgemerkt: brauchbare!) Trendanalysen verlangen gute Kenntnisse der zugrundeliegenden Techniken. Dein Chef scheint also entweder selbst keine Ahnung zu haben, keine Ahnung deiner Qualifikation zu haben oder dein Fähigkeiten zu überschätzen.
Du solltest das mit deinem Chef besprechen. Vielleicht kannst du es in Kooperation mit einem wissenschaftlichen Mitarbeiter hinbekommen (wenn es bei euch denn solche gibt).
Ja irgendwie schon, jedoch gibt es die Methoden doch nicht
umsonst. Ich glaub kaum das sich sonst soviele Menschen mit
dieser Thematik beschäftigen würden bzw es studieren! Und
leider hilft es mir nicht wesentlich weiter, ihm eine
Glaskugel zu besorgen und zu sagen „guck mal, vielleicht geht
das ja…“
Gerade in den Wirtschaftswissenschaften und assoziierten Fächern werden die Methoden oft zum Brechen gebogen. Was rauskommt, ist eben meistens nicht wirklich brauchbar. Die meisten Prognosen taugen auch nichts. Sonst gäbe es doch schon längst sichere Börsenanlagen. Broker sind auch nur deshalb gut, weil sie zur richtigen Zeit Glück hatten und/oder vor allem eben _andere_ Informationen kennen und nutzen, die konkrete, kurzfristige Änderungen anzeigen. Das hat aber nichts mehr mit einer mathematischen Prognose zu tun.
Die Krux ist, dass die Glaskugelleser eben Kohle dafür bekommen, weil es genug Dumme gibt, die daran glauben und das auch bezahlen. Das macht die „Prognosen“ an sich aber nicht besser.
Hinzu kommt, dass bei Prognosen oft kein Fehlerbereich angegeben wird. Gerade bei Daten aus Sozial- und Wirtschaftwissenschaften, aber auch oft bei zB. ökologischen oder epidemiologischen Daten sind die Fehlerbereiche von Prognosen gewaltig. Ist halt die Frage, was einem Aussagen bringen wie „im Jahr 2020 erwarten wir aufgrund der Prognose mit einer Wahrscheinlichkeit von 90% zwischen 1000 und 50000000 neue AIDS-Fälle.“ - Sollen jetzt schonmal Krankenhäuser gebaut werden oder nicht?!
Ok, 2020 ist weit hin. Was ist mit 2007? Für die AIDS-Inzidenz ist das eine kurzfristige Prognose. Kurzfristige Prognosen sind kein großes Problem. Warum? Weil sich „in kurzer Zeit“ ja per Definition nicht allsoviel ändert. Also kann man sagen, dass es 2007 etwa genausoviele neue Fälle geben wird wie dieses Jahr. Dazu braucht’s keine Mathematik. Natürlich _kann_ es auch ganz anders aussehen, wenn etwas unvorhersehbares oder ungewöhnliches passiert - aber genau sowas können ja Prognosemodelle auch nicht erfassen.
LG
Jochen