Formulare ausfuellen

Hallo,

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob meine Frage in dieses Brett gehoert, aber es kommt mir so vor, als koennte man meinen Widerwillen, Formulare auszufuellen, nur noch psychologisch erklaeren. (Und ich scheine nicht die einzige zu sein, der es so geht.) Ob Steuererklärung oder was auch immer: lieber verzichte ich auf einige 100 Euro, als mich einen Nachmittag lang damit auseinanderzusetzen.

Dabei ist rueckblickend der Aufwand meistens gar nicht so gross. Heute z.B. habe ich endlich den „Antrag zur Kontenklaerung“ fuer die Rentenkasse fertiggemacht, fuer den ich 6 Monate Zeit hatte. (Applaus, ich bin noch 2 Wochen vor der Frist.) Was ist daran so unangenehm? Ich fülle einen Antrag ohne Weiteres flüssig und ungerührt aus, bis dann die 1. Frage kommt, bei der ich mit der Antwort nicht sicher bin. [Zuzug aus dem Ausland, Tag, Ortsamt - wann war das noch gleich? Ausländischer Versicherungsträger? - Hmm], oder wenn das 1. Feld kommt, bei dem die Antwort nicht mehr reinpasst und ich „siehe Beiblatt“ schreiben muss und vor die Notwendigkeit gestellt werde, ein passendes Beiblatt zu entwerfen. Das bringt mich dann so aus der Fassung, dass das Formular erstmal wieder für 2-3 Monate auf dem Tisch verschimmelt und einen ganzen Abend lang richtig schlecht gelaunt sein kann, wenn mir das unausgefüllte Formular zufällig wieder in den Sinn kommt.

Woher kommt das denn? Ist das vielleicht der Konflikt, etwas Falsches zu schreiben, wenn man es nicht mehr genau weiss? [Weil ich dann nicht sicher bin, ob ich die Felder lieber leer lasse, oder lieber eine ungefaehre Angabe mache.] Oder die Undurchsichtigkeit, was daraus wird, ob diese und jene Beantwortung nun einen Vorteil oder einen Nachteil bringt? Und wie geht man damit um? Ich weiss schon, am einfachsten waere: ausfuellen, wegschicken, vergessen, aber kann man das trainieren? Nebenbei verliere oder verlege ich auch immer wieder Unterlagen, was das Ausfuellen natuerlich auch nicht gerade erleichtert.

Ich hoffe, die Frage klingt nicht zu bloed.

Mit vielen Gruessen, Walkuerax

:wink:))

man könnte schon vor ort mit der zuständigen formularherausgabestelle dermassen streit bekommen dass sie einen gleich verhaften müssten…gelle?

das problem habe ich auch…ich schiebs vor mir her bis ich mahnungen und sonstige drohungen bekomme…

ich habe ADS…schon mal davon gehört?

verständnisvolle grüsse
iris

Hallo Walkuerax,

Ich hoffe, die Frage klingt nicht zu bloed.

erst einmal vielen Dank für das interessante Thema - hallo Leidensgenosse :smile:.
Unglücklicherweise habe ich von berufswegen immer wieder mit Formularen zu tun, und nach einigen Jahren Berufserfahrung immer noch meine Probleme damit.
Leider kann ich dir nicht mitteilen, womit diese Schwierigkeiten zu tun haben, und wo sie herkommen. Aber gerne erzähle ich dir, wie ich mir beim Formular ausfüllen helfe:
Zum einem schaffe ich das am bestenn, wenn ich nicht unter Zeitdruck bin, denn ich muss mir so ein Formular mehrmals durchlesen. Es dauert eine Weile, bis ich mir einen Überblick verschafft habe über all die verschiedenen Schriften, Zeichen und Kästchen. Dann markiere ich mir Bereiche, die wichtig sind auszufüllen, und um grobe Anhaltspunkte zu habe (da steckt bei mir wohl ein ähnliches Gefühl wie Prüfungsangst dahinter, bestehen zu müssen und es nicht bewältigen zu können).
Und dann lasse ich das Formular einen Tag offen liegen, und lese es anderntags nochmals durch. So entdecke ich ab und zu etwas, was zu lesen ich vergessen habe - das berühmte Kleingedruckte, das mir so manchesmal schon entgangen ist. Wie gesagt, mit viel Zeit ist es zu schaffen.

Übrigens eine meiner Töchter scheint ein ähnliches Problem wie ich zu haben. Legt man ihr einen längeren Text zum Abschreiben vor, dann bricht sie alle Rekorde beim Fehler machen. Wenn man ihr aber den Text optisch zerstückelt, dann schreibt sie selbst für sie unverständliche Texte fehlerlos ab. Es liegt an der Wahrnehmung, so stelle ich mir das vor.

viele Grüße
claren

Hallo Walkuerax

Man muss das so sehen: Die Arbeit an einem Formular belaeuft sich auf
1-6 Stunden, inklusive Telefonaten und Rennereien fuer die
Unterlagen, die man meistens mitabliefern muss. Dafuer bekommt man
vielleicht 200 EUR im Monat, ein Jahr lang. Macht einen Stundenlohn
von 200*12/6=400 EUR pro Stunde. Nicht schlecht oder? Und dabei ist
die Arbeit gar nicht mal schwer, nur langweilig. Bei manchen
Antraegen koennen es auch 600 EUR im Monat sein, was einen
Stundenlohn von 1200 EUR entspricht. Das kriegen viele im Monat nicht
zusammen und das bei 8h Schufterei am Tag.
Arbeit ist Gelderwerb. Und nirgends ist das
Aufwand-Nutzen-Verhaeltnis so gut wie beim Ausfuellen von Formularen.
Das sollte zur Motivation genuegen.

Das alles gilt auch dann noch, wenn es nur 100 EUR pro Antrag sind,
waeren schlimmstenfalls immer noch 17 EUR pro Stunde.

Gruss, Tychi

Formularphobie
Hallo,

das Problem kenne ich von meiner Mutter…
Meistens sind es Formulare in „Amtschinesisch“, wo man meist erst mal jede Zeile ein paarmal lesen muss, um zu verstehen was nun reingehört *g*
So in etwa wie bei der Kantschen Logik :wink:)
Es erfordert ein gewisses Mass an Konzentration und Durchhaltevermögen…
Wenn Du hierzu noch ein „Aufschieber“ sein solltest, der generell Dinge zunächst ruhen lässt, kann es sein, dass Du Dich da hineinsteigerst „keine Lust zum Ausfüllen“ zu haben…

Ich versteh es ja auch… mag es auch nicht, aber was erledigt ist, ist eben erledigt…

Versuch es doch mal mit Motivation und Belohnung bei erfolgreichem Ausfüllen- vielleicht hilfts?!

Grüße
Spotvolta

Hi Iris,

ich habe ADS…schon mal davon gehört?

Ja, ja, für einen ADSler ist es schon eine Zumutung, dass man sich mit solchen lächerlichen Dingen wie Formularen abgeben muss, wo man doch gerade dabei ist, die Welt neu zu ordnen…
Mitfühlende Grüße,
Anja

Hi,

Haette nicht gedacht, dass es andere gibt, denen es auch so geht! Ich verstehe auf den meisten formularen kein Wort, von Versicherungen oder Banken mal ganz zu schweigen. Bei mir ist es so, dass es viel besser klappt, wenn ich es mit jemandem zusammen ausfuelle, sonst verlier ich viel zu schnell die Geduld:
Mein Freund fragt mich das, was die auf dem Formular wissen wollen, in ganz normalem Deutsch und ich fuehl mich gleich 1000 mal sicherer, wenn ich meine Antwort eintrage, aber vermeiden wollen wuerd ich’s natuerlich trotzdem eigentlich lieber :smile:

Vielleicht liegt’s daran, dass meine Eltern mir frueher sowas eigentlich immer abgenommen haben und ich deshalb eine gewisse Scheu davor hab, weil ich gewisse Dinge „in meinem Alter“ noch nicht weiss…

A.

Jede Menge Leidesgenossen …

Hallo,

Erstmal vielen Dank für eure Antworten, ich war mir nämlich wirklich nicht sicher, ob die Frage nicht „zu blöd“ ist. Ich sehe, dass es vielen so geht. Wie schön! Die Gründe scheinen Ungeduld und eine Prise Schlampigkeit zu sein, und der Kopf voller wichtigerer Dinge. Ja, das trifft es wohl ganz gut.

Nun gut, mein Formular des letzten halben Jahren ist abgeschickt und ich hoffe, ich höre nichts wieder davon.

Mit vielen Grüßen, Walkuerax

Jetzt denkt doch mal darüber nach…
… dass es Leute gibt,
die beruflich Formulare entwerfen.

Was geht nun in solch einem Menschen vor
wenn er so etwas schreibt wie :
„Bitte geben sie 4 Gründe für … an:“
und dann gibt es nur drei Felder mit 1. 2. und 3.
*argl*

Gruß

Chris

Vielleicht eine Möglichkeit
Hallo,
Wie ist das Gefühlt wenn Du das Formular fertig ausgefüllt hast?

(Nachdenkpause einlegen - stell Dir dieses Gefühl vor - lass es richtig wirken)

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Wenn dieses Gefühl angenehme war: Dann denke bei jedem Formular daran, dass Du das wieder haben kannst wenn es vom Schreibtisch ist.

Von einer die 1x pro Jahr eine Steuereklärung machen muss

lg
Morrighan