Hallo,
Frank hat sicher Recht mit seinem Einwand: Die empfohlenen Anlagemöglichkeiten sind für einen Investor entweder zu klein oder einfach nur traumtänzerischer Mist.
Wer Fahrräder repariert, lebt von seiner Hände Arbeit und muß froh sein, wenn der Laden seinen Mann ernährt. Ähnliches gilt für die Vermietung von Strandbuggys o. ä… Für solche Vorhaben kann man einem Freund, dem eigenen Partner, der Partnerin Geld leihen, aber der Hintergrund kann dann kaum Gewinnerzielung sein. Eine pfiffige neue Idee am Markt, eine neue Technologie oder ein neues Produkt mit dahinter stehendem Marktsegment muß es schon sein. Andernfalls legt man das Geld besser auf ein Sparbuch oder verbrennt es.
Viele Betriebe vertragen keine Beteiligung, weil sie nicht genug abwerfen oder weil der Prüfungs- und Verwaltungsaufwand im Mißverhältnis zur Gewinnaussicht steht. Solche Existenzgründungen werden zwar überall dringend gebraucht, aber sie müssen im wesentlichen aus Eigenkapital des Gründers finanziert werden, allenfalls mit Unterstützung geringer Kreditmittel. Das gilt durchgängig für so gut wie alle handwerklichen und Dienstleistungsunternehmen.
Ganz anders sieht es mit Innovationen aus, die von der Idee bis zur Marktreife einen 6 oder 7stelligen Betrag verschlingen, danach aber eine ungewöhnlich gute Ertragssituation versprechen. In diesen Fällen kann sich das eingegangene Risiko lohnen und der geförderte Betrieb kann dem Anleger eine ordentliche Rendite bieten.
Die Beteiligung in der falschen (zu kleinen) Betriebsgrößenordnung bringt weder dem Gründer noch dem Anleger etwas. Der Anleger braucht Kapitalverzinsung und der Gründer muß diese Verzinsung erwirtschaften. Schafft er das nicht, sind u. U. mehrere Jahre Arbeit für die Katz und die Beteiligung wird zum Klotz am Bein.
Die genannten Links sind an Phantasielosigkeit kaum zu toppen. Eben 08/15-Gründungen, deren Inhaber froh sein müssen, den Laden über die Runden zu bringen. Das ist bitte nicht zu verwechseln mit einem Abwerten solcher Gründungen, nur sind sie für einen Anleger uninteressant. Etwa ein Ferienhotel in Meck-Pom, da arbeitet i. d. R. das Inhaberpaar bis zum Umfallen, bringt es womöglich im Laufe von Jahren zu bescheidenem Wohlstand, kann aber keinen Teilhaber ernähren und braucht auch auf Dauer niemanden, der mit know-how zur Seite steht. Nach einiger Zeit macht denen niemand in der Branche noch etwas vor und Anleger und Berater aus welcher Ecke auch immer können sich nur lächerlich, aber nicht mehr nützlich machen.
Gründer sollten deshalb die zugeknöpften Banken als Chance begreifen und lieber mit kleinem eigenen Startkapital beginnen, als von Anfang an in die Schulden-, Zinsen-, Sicherungsübereignungs- und Berichtsfalle zu laufen.
Sehr schwer ist z. Zt. die Gründung von Technologieunternehmen, weil Banken und Beteiligungsgesellschaften die Struktur fehlt (solche Strukturen gab es bei einigen großen Geschäftsbanken früher durchaus), Technologie überhaupt beurteilen zu können. Die immer wieder bemühten biederen IHK-Gutachter sind überfordert und der Steuerberater sollte wirklich lieber bei seinem Leisten bleiben. Es gibt einige spezielle Beteiligungsgesellschaften, die sich z. B. nur in der Pharmakologie beteiligen. Dort existiert dann das erforderliche Urteilsvermögen. Wenn sich so eine spezielle Beteiligungsgesellschaft nicht finden läßt, haben die privaten Investoren ihre Chance. Mit dem erforderlichen Insiderwissen, um Technologie und Marktpotential zu beurteilen und mit kaufmännischem Sachverstand kann solch Engagement für den Investor und den Gründer zur Perle werden.
Aber alles nicht für 'ne Fahrradwerkstatt oder einen Surfbrettverleih.
Gruß
Wolfgang