Hallo!
Aus einem Nachlass ist ein Bündel Fotos an mich gekommen, über die ich mich wundere. Es handelt sich um Bilder aus dem Zweiten Weltkrieg (Russlandfeldzug, zeitlich noch vor „Stalingrad“), aufgenommen mit einer privaten Leica, viele mit stenografischen Angaben auf der Rückseite.
War privates Fotografieren so einfach möglich?
Hat die Feldpostzensur solche Bilder (eher harmlos, privat wirkende, aber schon auch von russischen Familien) durchgehen lassen? Oder kann es sich da nur um Mitbringsel in den Heimaturlaub handeln?
Gruß!
Hannes
Hallo Hannes,
das ist schwer zu sagen ohne die Fotos zu kennen. Fotografieren war nicht grundsätzlich verboten, es sei denn, man fotografierte relevantes militärisches Material. Wobei in der Zeit vor Stalingrad die Sitten eher lockerer waren als hinterher (denn hinterher war das Wissen, was die Deutschen nicht zur Hand hatten sicher relevanter als vorher das Wissen, was sie im Überfluß hatten). Es kann sich also durchaus um Feldpost handeln, abhängig auch vom Inhalt der stenographischen Notizen auf der Rückseite der Bilder.
Gruß
Peter B.
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Hallo Hannes,
Aus einem Nachlass ist ein Bündel Fotos an mich gekommen, über
die ich mich wundere. Es handelt sich um Bilder aus dem
Zweiten Weltkrieg (Russlandfeldzug, zeitlich noch vor
„Stalingrad“), aufgenommen mit einer privaten Leica, viele mit
stenografischen Angaben auf der Rückseite.
War privates Fotografieren so einfach möglich?
Ja, war es. Ich habe von meinem Vater solch ein „russisches“ Album.
Hat die Feldpostzensur solche Bilder (eher harmlos, privat
wirkende, aber schon auch von russischen Familien) durchgehen
lassen?
Ich glaube nicht, daß tatsächlich Bilder verschickt wurden, denn wo hätten diese denn herkommen sollen? In der russischen Pampa gab es wohl nicht soviele Foto-Shops.
Es bleibt daher eher die Frage, ob die Zensur belichtete Filme in der Feldpost akzeptierte.
Oder kann es sich da nur um Mitbringsel in den
Heimaturlaub handeln?
Ich denke, daß die Filmentwicklung und die Bildabzüge erst in der Heimat gemacht wurden.
Gruß Gudrun
Ich denke, daß die Filmentwicklung und die Bildabzüge erst in
der Heimat gemacht wurden.
Mag sein, dass die Filmentwicklung erst hinterher in der Heimat gemacht wurde. Aber ich weiß selber aus leidvoller Erfahrung, wie bereits eine Woche Dauerregen nicht entwickelte Filme derart stark zusetzen können, dass die Bilder anschließend nicht mehr auswertbar sind. Und das war während meiner Radtour durch Deutschland in den 90ern! Nicht einige Wochen in der russischen Pampa mit weitaus wechselhafterer Witterung und Temperaturen…
Kurzer Nachtrag:
Es gab relativ viele Einheiten, in denen aus verschiedensten Gründen Fotos gemacht und entwickelt wurden, angefangen bei Propagandakompanien bis hin zu Artilleriebeobachtern, die damals bereits dokumentierten und zu Aufklärungszwecken. Es gab also durchaus Fotolabors in der russischen Pampa. Die Deutschen hatten sie mitgebracht. Und da Militär an der Basis immer gleich funktioniert, nehme ich an, für eine Flasche Schnaps oder ein paar Bier so Du denn hattest, kontest Du einen Haufen Bilder entwickeln lassen.
Gruß
Peter B.
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Hallo Hannes
Deine Frage ist zwar schon ein paar Tage alt aber vielleicht sieht Du diese Antwort ja doch noch.
Das private Fotografieren scheint bei der Wehrmacht ziemlich weit verbreitet gewesen zu sein, wahrscheinlich war es sogar gern gesehen, um die Moral der Truppe zu stärken. Kriegswichtige Geheimnisse waren auf diesen Bildern sicher nicht zu finden, die Ausrüstung war ja kein Geheimnis.
Mein Vater erzählt, aus seiner Zeit als Flakhelfer 1944 - 1945 von einigen Kameraden, die Fotoapparate dabei hatten und in „martialischen Posen“ vor den Geschützen posierten. So wie ich es verstanden habe, wurden die Filme auch sofort entwickelt und mit Hilfe einer Schreibtischlampe Kontaktabzüge hergestellt. Da damals Rollfilmkameras mit Negativen im Format 6x9 gebräuchlich waren, sind die Bilder schon gut erkennbar.
Es ist also sehr gut möglich, daß dein Vorfahr in der Begeisterung des schnellen Vormarschs fleißig fotografiert hat und diese Bilder auch sofort entwickelt wurden.
Viele Grüße
Chrischi
… die zur Klärung des Problems beigetragen haben.
Schönen Gruß!
Hannes