Hallo Angelika!
ganz komme ich bei Deinem Thema nicht mit.
Du willst einen Flyer für nur eine Schule erstellen?
Nein.
Wir haben an einem Regelgymnasium seit einigen Jahren einen
Arbeitskreis, in dem wir uns insbesondere mit der Förderung
von (Hoch)Begabten befassen.
Sowohl im Sinne von Binnendifferenzierung als auch mit
weitergehenden Angeboten.
So haben wir z.B. nach dem Drehtürmodell nach Renzulli einige
mathematisch außergewöhnlich begabte Schüler gehabt, die
parallel die Oberstufe absolvierten, aber „nebenher“
Mathematik studierten und alle Scheine bei ihrem späteren
Mathe-Studium an unserer Uni angerechnet bekamen.
Einen „Debating-Club“ für Klasse 9+10 gab es bereits, in dem
etwa 10 Schüler mit einem Muttersprachler politische
Diskussionen auf Englisch führten.
Also das hört sich ja alles schon sehr gut an. Da liegen schon Welten zwischen dem, was es heutzutage an Angebot gibt und vor 15 Jahren. Vom Studieren neben der Schule habe ich gerade erst gelesen.
Da kann man in der Regel die Hochbegabten an einer Hand
abzählen.
Hier irrst Du! (Gauss´sche Glocke)
Also 2/100. Normalerweise 1000 Schüler, also 20 in einer Gesamtschule, beim Gymnasium dann vielleicht 40 in den verschiedensten Klassenstufen?
Mir scheint auch die Tendenz dahin zu gehen, dass HB alle
merkwürdige Verhaltensauffälligkeiten haben sollen?
Nicht alle, aber viele.
Lustig, ich denke mal das gilt für normale Kinder auch.
Also die „normalste“ Auffälligkeit wäre, dass diese durchweg
gute Noten haben, ihre Hausaufgaben während den 5 Min Pausen
erledigen und zu Hause wenig oder gar nichts für die Schule
tun.
Nun stellt sich mir die Frage, in wiefern Du Dich bisher mit
dem Thema beschäftigt hast.
Mir scheint, noch gar nicht.
Denn Hochbegabung heißt absolut nicht, dass man gute Noten
oder Hausaufgaben mit links und schon gar nicht, dass man
nichts für die Schule tun muss!!!
Sagen wir mal so. Ich bin hochbegabt und die ich in meiner Schule damals für hochbegabt gehalten habe, ging es so wie mir, wie beschrieben.
Wichtiger wäre vielmehr, dass HB, die einmal als solche
erkannt wurden Schulkreisübergreifend eigene Klassenverbände
bilden, soweit das logistisch möglich ist. (sicher einfacher
in Großstädten)
Ist es nicht, da viele HBs sich nicht gerne als solche outen
mögen. Der Versuch einer D-Zug-Klasse an unserer Schule
scheiterte exakt daran.
Zudem wollen wir auch daran arbeiten, dass Kinder, die mit
ihren anderen Gedankengängen aus dem Rahmen fallen, nicht
gleich in die Schublade von doof und/oder unerzogen und falsch
am Gymnasium gesteckt werden, sondern man genau hinguckt WARUM
sie so sind.
Und dass schon gar nicht wir Eltern von morgens bis abends mit
den Sprösslingen üben, um sagen zu können „mein Kind ist und
kann aber…“ nach dem Prinzip der Eislauf-Muttis.
Leider erleben viele HBs bzw. deren Eltern an den Schulen das
übliche Schubladendenken.
Was ich bei Deinen obigen Aussagen auch leider sehe.
Was ist denn daran schlimm, dass ich die meisten Hochbegabten für intergrationsfähige Schüler halte, die gelangweilt gut Noten nach Hause bringen. Ist ja bei Dir schon fast ein Ausschlußkriterium.
Unerzogen sind Kinder meistens, weil sie nicht erzogen sind.
Und wir möchten gerne Lehrer dafür sensibilisieren, dass es
eben NICHT grundsätzlich ein Segen ist hochbegabt zu sein oder
ein solches Kind zu haben, dass man eben NICHT einen
problemlos lernenden und „funktionierenden“ kleinen Einstein
zuhause hat, sondern häufig ein Kind, das zutiefst verzweifelt
in seinem anderen Denken gefangen ist.
Also das hört sich schon sehr dramatisch an. Mag ja sein, dass Du gerade mit solchen Kindern zu tun hast, aber Deine Wahrnehmung hinsichtlich der Anzahl von Problemkindern unter HB scheint dadurch etwas verfärbt.
Das optisch 7 Jahre alt ist, aber geistig 16, das auf
rhetorische Schlagabtäusche mit den Lehrern anspringt wie ein
6-Zylinder und hinterher nicht versteht, warum der Lehrer das
nicht toll fand.
Du diskreditierst Dich doch selber mit solchen BILD Zeitung aussagen.
Auf der einen Seite finde ich es gut, dass Du Dich da so sehr engagierst, auf der anderen Seite finde ich Deine Argumentation einseitig und zu emotionsgeladen.
Während viele Hochbegabte vielleicht schon früh logische Zusammenhänge von höchster Komplexität begreifen, befinden sie sich dennoch emotional noch im Kindesalter. Eine reine „Therapie“, die auf der Bereitstellung von mehr Lernmöglichkeiten aufbaut, sehe ich als bedenklich.
Zu häufig habe ich HB kennengelernt, die nicht Kommunizieren wollten, konnten, weil ihre Gedanken so vielfach schneller waren als ihr Körper (Mundwerk) fähig diese auszusprechen.
Wichtig sind daher auch „therapeutische“ Angebote, wie Meditation, Konzentrationsübungen und Gruppenarbeit. Gerade auf die emotionale Arbeit würde ich daher an Deiner Stelle jetzt Wert legen, da die Chancen zum Ausleben der HB ja schon ganz gut vorhanden sind.
Besten Gruß
Mathias