Frage an die klavierspieler

hallo!

zuerst mal möchte ich vorausschicken, dass die fragen die ich jetzt stelle für die geübten spieler unter euch lachhaft sind und mancher vielleicht glaubt dass ich ihn verarschen will, dem ist nicht so.

es geht um folgendes, ich wollte mit klavier anfangen, klassische musik, und werde bald unterricht nehmen, d.h. dass ich bis jetzt genau null spielen kann, ich weiss lediglich wie die töne der tasten heißen. allein schon wenn ich mich vor so ein echtes klavier setze, bin ich total überwältigt und wenn ich dann irgendwelche melodien versuche zu spielen treffe ich die schwarzen tasten überhaupt nicht gut. letztens hatte ich wieder einmal die gelegenheit vor einem flügel zu sitzen (musikgeschäft) und habe folgendes probiert: zwei basstöne mit der linken hand immer hin und her gespielt und dazu lediglich einen ton mit der rechten, mit der rechten hand habe ich den gleichen ton nicht gleichmäßig gespielt, sondern mit unterschiedlichen rythmen, was zu meiner großen enttäuschung dazu geführt hat, dass ich mit der linken hand JEDESMAL aus dem rythmus gekommen bin, also quasi steckengeblieben.

seitdem stelle ich mir klavierspielen als ungeheuer schwer vor (und ich rede nicht vom hummelflug und solcherlei sachen, auch leichteste melodien mit bassbegleitung) und weiss nicht, ob dieses problem mit dem rythmus und vor allem, zwei verschiedene stimmen zu spielen, zu bewältigen ist. wie übt man solche sachen, wenn man sie neu lernt? wie geht man vor, wenn man ein neues stück einstudiert? was lernt man normalerweise, wenn man mit klavier anfängt? wieviel stunden sollte man am tag üben?

ich würde mich sehr freuen, wenn mir jemand darüber berichten könnte. danke!

Hallo Eric,

vorneweg erstmal: Nur Mut!! Auch wenn Du am Anfang das Gefühl hast: „Das lern ich nie“ - die regelmäßige Übung macht’s, auch die Unabhängigkeit der beiden Hände, die anfangs gar nicht zu gelingen scheint.

was zu meiner großen enttäuschung
dazu geführt hat, dass ich mit der linken hand JEDESMAL aus
dem rythmus gekommen bin, …

wie übt man solche sachen, wenn man sie neu lernt? wie geht man vor,
wenn man ein neues stück einstudiert? was lernt man
normalerweise, wenn man mit klavier anfängt?

Das wird Dir alles Dein/e Lehrer/in vermitteln, das ist schriftlich schwierig; jede/r hat da die eigene Methode.

wieviel stunden sollte man am tag üben?

So lange Du magst und kannst! Zuviel gibt’s nicht. Je mehr Du übst, desto schneller wirst Du erstmal die Unabhängigkeit der beiden Hände voneinander einüben, eine wichtige Voraussetzung für alles weitere.
Sicher kommen bessere Ratschläge hier von den Experten, ich bin selbst nur langjährige Dilettantin.

Gutes Durchhaltevermögen und viel Freude!
LG, MrsSippi

hallo!

auch

der linken hand immer hin und her gespielt und dazu lediglich
einen ton mit der rechten, mit der rechten hand habe ich den
gleichen ton nicht gleichmäßig gespielt, sondern mit
unterschiedlichen rythmen, was zu meiner großen enttäuschung
dazu geführt hat, dass ich mit der linken hand JEDESMAL aus
dem rythmus gekommen bin, also quasi steckengeblieben.

Das ist vollkommen normal am Anfang, keine Sorge. Du kannst ja
erstmal paar generelle Unabhängigkeitsübungen der Hände (noch nicht
der Finger) machen, wie z.B.: kreise die linke Hand auf dem Tisch
(also wie wischen), und mit der rechten klopfst du gleichmäßig (also
grundschlagmäßig). Und Hände wechseln.

seitdem stelle ich mir klavierspielen als ungeheuer schwer vor
(und ich rede nicht vom hummelflug und solcherlei sachen, auch
leichteste melodien mit bassbegleitung) und weiss nicht, ob
dieses problem mit dem rythmus und vor allem, zwei
verschiedene stimmen zu spielen, zu bewältigen ist.

Das geht langsam, aber hat nur dann Erfolg, wenn Du viel Geduld
mitbringst und nicht von heute auf morgen sicht-/messbare Erfolge
erwartest. Prinzipiell sollte man zwar mit einem Instrument schon im
Kindesalter anfangen, und zwar aus folgenden Gründen:

  1. die Finger sind noch „formbarer“ (aber Du bist auch noch nicht so
    alt, dass da nix mehr zu machen ist!)
  2. und das ist der wichtigste Grund:
    Kinder messen nicht! Sie nehmen es einfach mit, machen, was man sagt,
    und wenn man kritisiert, ändern sie es, ohne es persönlcih zu nehmen.
    Das Problem bei erwachsenen Anfängern ist, dass sie sofort Komlexe
    kriegen, wenn etwas nicht gleich klappt. Und wenn sie dann sehen, wie
    die Kinder besser spielen als sie. Dabei haben diese Kinder oft schon
    wesentlich länger Unterricht.
    Denn eines muss man wissen: Erwachsene denken immer, sie müssten
    schneller vorankommen als Kinder. Klar, im logischen Bereich
    (Tonnamen, musikalische Strukturen) erfassen sie auch schneller, aber
    ansonsten ist Klavierspielen ein völlig neues Feld, wo es eben
    durchaus 3 Jahre dauert, bis man das Stückchen spielen kann, das
    einem gefällt.
    Aber dafür verlernt man es dann auch nicht mehr.

wie übt
man solche sachen, wenn man sie neu lernt? wie geht man vor,
wenn man ein neues stück einstudiert? was lernt man
normalerweise, wenn man mit klavier anfängt? wieviel stunden
sollte man am tag üben?

Anfänger spielen neue Stücke entweder erstmal einzeln, oder eine der
beiden Hände hat nur sehr wenig zu spielen.
Du wirst Rhythmusübungen bekommen, evtl. auch mal Melodien nachsingen
(sofern Du Dich nicht sträubst :smile:, Musiktheorie erfahren, einen
ordentlichen Sitz, Arm-, Hand-, Fingerhaltung vermittelt bekommen.
Die Koordination der beiden Hände ist meiner Erfahrung nach gar nicht
mal der schwierigste Punkt dann, eher: einen schönen Klang,
organische Dynamik hinzubekommen.
Wie Du das Stück am besten einstudierst, wird der Lehrer Dir schon
sagen.
Wieviel Stunden zu üben sind, finde ich immer doof, festzulegen. Ich
selber hab immer nur die Hälfte von dem geübt, was die anderen
(zumindest angeblich!) an Zeit verwendet haben. Insofern würde ich
nicht von Anfang an eine Stunde täglich verlangen. Lieber nur 20 min,
dafür aber wirklich jeden Tag, das ist grad am Anfang wichtig, denn
sonst geht viel wieder verloren von dem, was man am Tag vorher geübt
hat.
Und noch eins: Nicht verzweifeln, wenn Du jeden Tag das Gefühl hast,
am letzten Tag habe ja alles schon viel besser geklappt. Es geht
schleichend!

VIel Glück!

Judith

wußt ich’s doch… :wink: Grüße + owt
o

wieviel stunden sollte man am tag üben?

So lange Du magst und kannst! Zuviel gibt’s nicht.

doch, das gibt es. ein großteil des lerneffekts entsteht nicht direkt beim üben, sondern wenn sich das gehirn nachträglich mit dem geübten beschäftigt (u.a. auch im schlaf). wenn man zu viel übt, überlagert man nicht nur das direkt vorher geübte (das ist eine sog. retroaktive lernhemmung), sondern überlastet auch noch das gehirn.

beim üben geht es weniger um die quantität als um die qualität, und die kann man dadurch steigern, daß man üben lernt. die meisten spielen ein stück immer vom anfang bis zu der schwierigsten stelle, wo sie in der regel mühsam drüberholpern oder ganz rausfallen. dadurch können sie den anfang dann super, aber den schluß vielleicht gar nicht, und die schwierigen stellen gehen mehr schlecht als recht. erkennt sich hier jemand wieder?

übe komplexe stellen zunächst isoliert, und wenn es nicht geht, dann sogar noch in einzelne elemente zerlegt (also zb. den rhythmus ohne tonhöhen, den fingersatz ohne rhythmus usw.). es hilft auch, von hinten nach vorne zu üben, sprich mit dem letzten takt zu beginnen, und erst wenn der geht, einen takt weiter vorne anzufangen. so kommt man nie zu einer stelle, die man noch nicht kann. wichtig sind auch kleine pausen, zb. wenn man sich eine schwierige stelle erarbeitet hat, sonder überlagert man wieder das davor oder danach gelernte.

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Hallo gyuri,

völlig richtig, was Du schreibst, das deckt sich mit meiner Erfahrung (jaja, ich erkenne mich auch ein bißchen wieder…)
Aber gilt das nicht nur für das Üben von Stücken?

Ich hatte beim Schreiben den absoluten Anfänger vor Augen, der erstmal überhaupt die Unabhängigkeit der beiden Hände üben muß, unterschiedliche Rhythmen wischen/klopfen, wie Judy es so gut beschrieben hat - und dabei meine ich, kann man doch des Guten nicht zuviel tun.

Im übrigen: Wertvolle Einwände, wichtig erwähnt zu werden! Danke.

LG, MrsSippi

Aber gilt das nicht nur für das Üben von Stücken?

nein, das gilt für alles, was man lernt/übt.

na, irgendwozu…
…muss das Studium doch gut gewesen sein!

Grüße zurück! :wink:

ich danke euch allen!!