Frage an Exp

Hallo,
bei uns zu Hause ist momentan der Teufel losgelassen.
Meine Tochter 9 Jahre hat sich, seit sie eingeschult
wurde, jedes Jahr sowohl schulisch, als auch (ich sags
mal so persönl.) verändert. Temperamentvoll war sie
immer, aber was jetzt abläuft, ist so schlimm:
sie bekommt unkontrollierbare Wutanfälle, zerstört
Mobiliar, schlägt, schreit in den höchsten Tönen und
ist durch absolut nichts zu beruhigen. Das geht
manchmal solange, bis sie sich selbst erschöpft hat und
sie hört nur damit auf, weil sie wirklich nicht mehr „kann“.
Diese Art „Anfälle“ passieren sowohl in der Schule, als
auch zu Hause und zwar immer dann, wenn an sie die auch
noch so geringste Anforderung gestellt wird.
Ich hab keine Ahnung mehr, wie das zu beheben ist, da sie
auch auf nichts reagiert. Z.B. sag ich, es ist 20.00 h, Du
gehst jetzt bitte ins Bad…u.s.w. Antwort: nein, mach ich nicht und sie machts auch nicht. WE: Hausaufgaben. nein, summa sumarum
sie tut was sie will. Bestrafungen nützen gar nichts, dann
ist es noch schlimmer. Bei uns liegen die Nerven blank, ein
„normales Familienleben“ ist nicht mehr möglich. Unsere Haus-
ärztin hält das für eine „Phase“. Ich bin so weit, mit ihr
psychol. Dienste in Anspruch zu nehmen, was meine eigentl. Frage
war (sorry für den langen Text). An welch eine Einrichtung
könnte ich mich richten? Gibt es Beratungsstellen? Oder gleich
zum Kinderpsychologen??? Wie verhalte ich mich bis dahin, um
einigermaßen Ruhe in die Fam. zu bringen.
Für eine Antwort wäre ich wirklich sehr dankbar.
Mit besten Grüßen
H.-D.

Kinderpsychotherapie

Hallo Heidi

Was du beschreibst:

sie bekommt unkontrollierbare Wutanfälle, zerstört
Mobiliar, schlägt, schreit in den höchsten Tönen und
ist durch absolut nichts zu beruhigen. Das geht
manchmal solange, bis sie sich selbst erschöpft hat und
sie hört nur damit auf, weil sie wirklich nicht mehr „kann“.

macht schon den Eindruck, daß es sinnvoll sein könnte, einmal in
der Kinderpsychotherapie Rat zu holen - am besten natürlich
irgendwo vor Ort (das kann durchaus auch ein
schulpsychologischer Dienst sein).

…immer dann, wenn an sie die auch
noch so geringste Anforderung gestellt wird.

Was für ein Problem dahinter steckt, läßt sich so auf die
Entfernung nur ahnen - es geht sicher um Leistungsdruck und
damit zusammenhängend um einen Konflikt in der sich allmählich
entwickelnden Handlungsautonomie. Eine Konfliktsituation mit den
Lehrpersonen oder auch mit Klassenkamerad(inn)en mag da auch
eine Rolle spielen: Was weißt du denn aus Gesprächen mit ihren
Lehrerinnen/Lehrern und mit ihren Freudinnen/Freunden (also
Gespräche, die du ja mit Sicherheit bereits geführt hast !?)

…summa sumarum sie tut was sie will.

Ist gar nicht so eine schlechte Idee, Kinder in diesem Alter hin
und wieder auch mal tun zu lassen , was sie wollen (selbst
auf die Gefahr hin, daß vorübergehend die Hausaufgaben
verschlampt werden - gerade deshalb wären diesbezügliche
Beratungen mit den Lehrerinnen wichtig) und sie in
Angelegenheiten, die sie selbst betreffen, nach ihrer Meinung zu
fragen (und diese ggf. zu respektieren). Beispiele: „was willst
du anziehen heute?“, „keine Lust, die Hausaufgaben zu machen?“,
„wie wärs mir Ins-Bett-Gehen?“ - ja ich weiß, daß das
oktroyierenden Erziehungsmethoden, bei denen man immer besser
weiß, was in den Kindern vorzugehen hat, zuwiderläuft… aber in
diesem Fall ist es ja offenbar so, daß du/ihr eben tatsächlich
nicht weißt, was in dem Mädchen vorgeht…

Mich wundert etwas, daß du gar nichts darüber schreibst, wie
deine Tochter denn auf deine Fragen, was in ihr vorgehe, selbst
geantwortet bzw. reagiert hat?

Bestrafungen nützen gar nichts, dann ist es noch schlimmer.

Das ist - besonders unter den von dir beschriebenen Umständen -
absolut selbstverständlich. Sie wird nicht nur in der einzelnen
Situation umso heftiger reagieren, sondern es wird generell
dadurch nur schlimmer - sie wird um so mehr in Panik geraten
(was du beschreibst, sind Panikreaktionen!).

An welche Einrichtung
könnte ich mich richten? Gibt es Beratungsstellen? Oder gleich
zum Kinderpsychologen???

Nach ausführlichen Gesprächen in ihrem Umfeld wäre eine Beratung
in der Kinderpsychologie ratsam. Am besten zunächst einmal, ohne
deine Tochter gleich mitzunehmen. Denn wenn du sie unvorbereitet
gleich zur Psychotherapie schleppst, wird das kaum gehen, ohne
daß sie sich von dir als „krank“ deklariert fühlen muß. Das
könnte nach dem oben von mir geschilderten Eindruck von
ihr zusätzlich als „Verrat“ empfunden werden…

Wie verhalte ich mich bis dahin, um
einigermaßen Ruhe in die Fam. zu bringen.

Wenn du etwas tust mit dem haupsächlichen Ziel, „Ruhe in
die Familie“ zu bringen, und nicht ausschließlich, um mit ihr
gemeinsam
ihr Problem zu lösen oder zu beschwichtigen, wird
das ein Rohrkrepierer. Bitte das als bloße Meinung von mir zu
nehmen und dies auch nur aufgrund einer (eigentlich immer
unsinnigen!) „Ferndiagnose“.

Wenn ich also nochmal einen Vorschlag machen darf: Sprich mal
vorübergehend (und solange du noch keinen fachkundigen
Rat einholen konntest) mit ihr wie mit einer autonomen und
souveränen erwachsenen Person. Frag sie nach ihrer
Befindlichkeit (ohne mit ihr darüber zu streiten), frag sie nach
ihren Wünschen und ihren Meinungen (und respektiere sie nach
sorgfältiger Abschätzung).

Wenn du fachkundigen Rat bekommen hast, wäre ich dir sehr
dankbar, wenn du mir davon etwas weitergeben würdest.

Auf Wunsch kann ich dir eine Adresse empfehlen, an die du dich
zumindest schriftlich bzw. telefonisch wenden könntest (ist ein wenig weit weg von Leipzig).

Grüße
M.G.

Hallo Metapher,

ganz herlichen Dank für die umfassende Antwort und
natürlich geb ich gerne fachl. Rat an Dich weiter.

Ja, ich hab vieles nicht erwähnt, weil es einfach
zuviel zu schreiben gebe, ich hätte ausführlicher mailen
können, nur war mir nicht sicher, wessen Zeit ich da stehle.

Was ich wissen wollte (und eigl. schon wußte, manchmal
fehlt einem einfach der Anstoß von außen) hast Du mir
vermittelt.

Sei herzlich bedankt
H.-D.

Hi Heidi,

ein Freund und Kollege hat mir ein wenig über systemische Ansätze und Familientherapie erzählt und ich fand den Ansatz, die Probleme des Kindes nicht isoliert, sondern immer auch als Bestandteil des Systems Familie (oder eben auch Schule) zu sehen, sehr plausibel.

In Leipzig gibt es ganz sicher eine Reihe systemisch orientierter Psychotherapeuten. Einen habe ich eben im Internet gefunden, die Adresse kannst Du bei Interesse bei mir erfragen.

Auf jeden Fall rate ich dringend dazu, daß Ihr professionelle Hilfe in Anspruch nehmt.

Alles Gute
Michael

Hallo,
bei uns zu Hause ist momentan der Teufel losgelassen.
Meine Tochter 9 Jahre hat sich, seit sie eingeschult
wurde, jedes Jahr sowohl schulisch, als auch (ich sags:mal so persönl.) verändert. Temperamentvoll war sie
immer, aber was jetzt abläuft, ist so schlimm:
sie bekommt unkontrollierbare Wutanfälle, zerstört
Mobiliar, schlägt, schreit in den höchsten Tönen und
ist durch absolut nichts zu beruhigen. Das geht
manchmal solange, bis sie sich selbst erschöpft hat und
sie hört nur damit auf, weil sie wirklich nicht mehr „kann“.
Diese Art „Anfälle“ passieren sowohl in der Schule, als
auch zu Hause und zwar immer dann, wenn an sie die auch
noch so geringste Anforderung gestellt wird.
auch auf nichts reagiert. Z.B. sag ich, es ist 20.00 h, Du
gehst jetzt bitte ins Bad…u.s.w. Antwort: nein, mach ich
nicht und sie machts auch nicht. WE: Hausaufgaben. nein, summa
sumarum
sie tut was sie will. Bestrafungen nützen gar nichts, dann
ist es noch schlimmer. Bei uns liegen die Nerven blank, ein
„normales Familienleben“ ist nicht mehr möglich. Unsere Haus-
ärztin hält das für eine „Phase“. Ich bin so weit, mit ihr
psychol. Dienste in Anspruch zu nehmen, was meine eigentl.
rage
war (sorry für den langen Text). An welch eine Einrichtung
könnte ich mich richten? Gibt es Beratungsstellen? Oder gleich
zum Kinderpsychologen??? Wie verhalte ich mich bis dahin, um
einigermaßen Ruhe in die Fam. zu bringen.
Für eine Antwort wäre ich wirklich sehr dankbar.
Mit besten Grüßen
H.-D.

vielleicht hilft das,wenn du dich mit deiner tochter im freien richtig austobst.bestimmt hat sie zu viel energie.hat sie schulfreundinnen,-und freunde?wenn nicht,reagiert sie viellecht damit darauf,wenn niemand zum spielen da ist,und sie nicht ausgelastet ist.
sabrina

So haben wir das gemacht…
hallo Heidi,
dass du profesionelle Hilfe brauchst und alldas weisst du ja bereits.
Wie du die Zeit bis dahin verbringst…vielleicht kann ich dir aus Erfahrung ein Paar Tipps geben…
Mein Sohn war sehr ähnlich…Dass du Ruhe bewahren musst, brauche ich dir nicht zu sagen…aber dass du sie auf keinen Fall für die Untaten bestrafen sollst, sondern vielmehr für die Taten belohnen - bringt dir vielleicht eine kleine Hilfe.
Wir haben damals ein Punktesystem (zusammen mit meinem Sohn) entwickelt und das war Zeitlang wirklich grandios. Es gab Punkte für die Erfüllung von Aufgaben und für die nichterfüllung keine. Bei bestimmten Anzahl von Punkten dürfte er sich was extra wünschen (zusammen Liste machen: zusammen was spielen, ins Kino gehen, schwimmen gehen, Radtour…alles mögliche was das Kind eben mit Eltern gerne tut- und in dem Alter ist es noch einiges)
Du musst das ja nicht machen, (jeder der das bei mir gesehen hat, meinte wir würden spinnen…) oder soll ich dir meine Excell Tabelle zumailen :wink:…aber das Prinzip hat sich zumindestens bei meinem Sohn als richtiger Knaller gezeigt. Zumal ich ihn damals eigentlich gar nicht bestrafen konnte, das hat ihm alles nichts ausgemacht…
Wir haben auch regelmässig (alle 2 Wochen) Familienrat abgehalten, mit Schriftführer und allem drum und dran. War auch gute Sache. Da dürfte jeder - ohn anzuklagen -erzählen was ihn an den anderen stört. Dann dürfte jeder vorschlagen wie man was besser machen kann. Wenn du deiner Tochter fragst welchen Vorschlag SIE hat damit die Hausaufgaben regelmässig gemacht werden, zu welchen Uhrzeiten sie das am besten findet, dann nimmst du ihr auch Wind aus den Segeln, weil du ihr keine Befehle gibst, sondern konstruktive Vorschläge verlangst.
Auch Unternehmungen wurden gemeinsam besprochen.
Alle Entscheidungen, die wir getroffen haben, wurden schriftlich gehalten und von jeden unterschrieben. Klar macht das bisschen arbeit, aber es lohnt sich.
Und noch was zum schlafen gehen: in dem Alter kann man den Kindern immer noch eine Geschichte vorlesen, oder die können sich eine vorm schlafen gehen über Casettenrecorder anhören, aber nur wenn sie es schaffen um z.B. 20 Uhr im Bett zu sein.
Ich habe meinen Sohn immer 30 Min. und 15 Min. davor benachrichtigt, und er ist ganz schön geflitzt um das zu schaffen.
Ich hoffe ich konnte dir ein Paar Anregungen geben…
und wünsche euch alles Gute.
Gruß,
Maja

hallo und erstmal Danke,

leider kommt dieses Konzept für mich weniger
infrage, da meine Tochter von 7.30 h bis 16.30 h
in Schule u. Hort betreut wird, ich meist vor
18./19.00 h gar nicht zu Hause bin.
Von meinem Mann lebe ich getrennt, weil wir
es eben nicht geschafft haben, mit unserer
Tochter fertig zu werden (aber er war durch
seinen Beruf auch so nur sehr selten überhaupt
zu Hause). Durch seinen Auszug ist die Sitation
schon wesentl. ruhiger geworden, aber für
mich allein nach der Arbeit noch großartige
Listen uws. zu entwerfen, ist leider nicht drin
(mein Sohn 18 lebt auch noch zu Hause), da ich
mich eigentl. ständig in zeitdruck befinde (Abendessen,
Haushalt, wobei ich keine „Hausfrau“ bin, also nur das
aller nötigste).
Aber vielen Dank, die Pankikattacken - ich hab schon
sowas vermutet - stimmen bei der Kleinen, sie kann
sich einfach nicht einordnen und hat wahrsch. hoch-
gradige Ängste (z.B. das ich auch irgendwann gehe).
Mit ganz fdl. Gruß
H.-D.

Hallo Heidi,
du musst nicht großartig Listen entwerfen :smile:
Das geht auch ohne Listen. Du kannst sie auch so ‚positiv bestärken‘, wenn sie was gut gemacht hat oder ähnlich.
Ich hatte zu damaligen Zeit auch keine Zeit für meinen Sohn, habe sowohl als Angestelte, als auch zuhause nebenbei gearbeitet und die Trennungsgeschichte haben wir auch verarbeiten müssen, nur bisschen früher als ihr. Irgendwann musste ich mir die Zeit einfach nehmen, es ging gar nicht anderst.
Das mit ‚familienrat‘ könntet ihr trotzdem machen. Ihr seit ja auch sozusagen eine Mini-Familie.
Es gibt auch Wochenenden, an dem du mit ihr was machen kannst. Deine Tochter muß auch spüren dass ihr ein 'Team seit, das ist sehr wichtig. Auch dass du sie liebst und dass das was ganz anderst ist mit Mutter/Kind als mit Mann/Frau.
Ich weiss nicht wie das bei euch ist, es scheint aber dass du gar keine Zeit für sie hast und das solltest du vielleicht versuchen zu ändern und wenn es nur 30 Minuten am Abend sind. Das lohnt sich auf jeden Fall, vor allem wenn das als Ritual und ganz feste 'Einrichtung existiert.
Und bei Abendessen und Haushalt machen bekommst du hoffentlich von deinen Kinder auch geholfen?

Viele Grüße, viel Kraft und alles Gute,
Maja

p.s. ich hoffe du verstehst meine Tipps nicht als anmaßend und Einmischung, sondern als Anregung-so was es nähmlich gemeint.

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p.s. ich hoffe du verstehst meine Tipps nicht als anmaßend und
Einmischung, sondern als Anregung-so was es nähmlich gemeint.

Um Himmelswillen, nein, so hab ich das keinewegs gedacht,
(ich rück immer weiter mit der Sprache raus:smile:)
Man fühlt sich trotz Freundeskreis (alle verstehen es näml.
gar nicht, da meine Tochter, wenn, dann eher zuviel Aufmerk-
samkeit bekommt) zieml. alleine, es passiert auch nie, daß
sie derart ausklinkt, wenn wer dabei ist, aber kaum ist sie
mit mir allein zu Haus und ich sage was, dann geht das los.
So schlimm, daß kaum mehr Kommunikation möglich ist. Oft reicht
es schon, zum Tel. zu greifen, sofort verstummt sie, könnte
ja wer merken, daß sie grad so „unheimlich“ ist.
Und ich hab grad aufgehört, all meine Zeit mit ihr zu verbringen, ich „gönne“ mir auch mal ein Wochende (wenn sie beim
Papa ist) und fahr weg, ohne sie, ich brauch die Kraft einfach,
aber da wir uns jetzt Hilfe holen, bin ich doch sehr optimistisch, es wieder in „normale“ Bahnen lenken zu können.
Ansonsten geht es näml. in der „Minifamilie“ sehr lustig zu,
wir sind alle zieml. offen, keiner muß mit seiner Meinung hinterm Berg halten, es wird viel gelacht, jetzt ist es aller-
dings eher Galgenhumor, deshalb vermute ich auch eine Störung
bei meiner Tochter, die ich allein nicht ausbügeln kann.
Also vielen Dank nochmal für die Wünsche, und die Kraft, ja
die brauchen wir alle und alles Gute auch für Deine Familie
Sei herzl. bedankt
Heidi-Dilarah

Hallo Heidi,
als leidgeprüfte Mutter kann ich dich sehr gut verstehen. Bei uns ist es soweit, daß mittlerweile Schule, Jugendamt, Arzt und wir zusammenarbeiten.
Kann es sein, daß deíne Tochter hoch intelligent ist? Außerdem kann ich mir vorstellen, daß sie schon in der Pubertät ist.
Vor kurzem hatten wir das Thema auch im Commu-chat. Aus eigener Erfahrung kann ich dir nur sagen, daß, egal wie dus machst, du dir vielleicht irgendwann Vorwürfe machen willst… Tus nicht…
Ich bin mittlerweile soweit, daß ich mit dem Gedanken spiele, es mal mit Hopfen zu versuchen.
Ansonsten kann ich dir leider keinen Rat geben… Sorry…
Was ich euch wünsch ist auf jeden Fall, daß die Sache bald ausgestanden ist und ihr wieder zur Ruhe kommt.
Kopf hoch…
Daggi