meine Tochter hat heute einen Test im Fach „Deutsch“ zurück bekommen. Ich habe dazu eine Frage an euch:
Die Aufgabenstellung lautet wie folgt:
Frage nach den unterstrichenen Satzteilen:
a) Vater schlägt vor einen Kriminalfilm anzuschauen. ( „einen Kriminalfilm“ ist unterstrichen)
In Klammern ist angegeben, dass nach (Wen?) gefragt werden soll!
Meine Tochter hat die Aufgabe so gelöst, indem sie die Frage wie folgt gestellt hat:
Was schlägt Vater vor anzuschauen?
Darauf ihr die Lehrerin keine Punkte gegeben, jedoch bin ich der Meinung, dass meine Tochter die Aufgabe richtig gelöst hat! Man fragt doch nicht: Wen schlägt Vater vor anzuschauen oder (der Film ist doch sächlich?) Was ist Ihre Meinung dazu???
a) Vater schlägt vor einen Kriminalfilm anzuschauen.
( „einen Kriminalfilm“ ist unterstrichen)
In Klammern ist angegeben, dass nach (Wen?) gefragt werden
soll!
Meine Tochter hat die Aufgabe so gelöst, indem sie die Frage
wie folgt gestellt hat:
Was schlägt Vater vor anzuschauen?
obwohl die Anweisung lautete, mit „Wen …?“ zu fragen?
Darauf ihr die Lehrerin keine Punkte gegeben, jedoch bin ich
der Meinung, dass meine Tochter die Aufgabe richtig gelöst
hat! Man fragt doch nicht: Wen schlägt Vater vor anzuschauen
oder (der Film ist doch sächlich?)
Das Problem ist, dass man mit „Was …?“ sowohl ein Subjekt (Was steht im Walde? - Ein Männlein.) erfragen kann als auch ein Objekt (Was liest du? - Ein Buch.).
Klarheit schafft nur ein Pronomen, an dem der Kasus zu erkennen ist, daher wird üblicherweise nach dem Subjekt „We r oder was …?“ gefragt, nach dem direkten Objekt „We n oder was …?“
Darauf ihr die Lehrerin keine Punkte gegeben, jedoch bin ich
der Meinung, dass meine Tochter die Aufgabe richtig gelöst
hat! Man fragt doch nicht: Wen schlägt Vater vor anzuschauen
oder (der Film ist doch sächlich?) Was ist Ihre Meinung
dazu???
Ich halte die Entscheidung der Lehrerin für vollkommen korrekt, auch wenn Ihre Tochter im Prinzip keinen wirklichen Fehler gemacht hat. Das Problem an dieser Konstellation ist aber, dass man nicht nur nach dem im Beispiel angegebenen Akkusativ mit dem Wörtchen „was“ fragen kann, sondern auch nach fast allen anderen Fällen:
Nominativ: Wer oder was?
Genitiv: Wessen? (einzige Ausnahme)
Dativ: Wem oder was?
Akkusativ: Wen oder was?
Sie bemerken das Problem? Die Lehrerin müsste sich hier entscheiden, welchen der drei infrage kommenden Fälle ihre Tochter hier im Sinn hatte, und dies ist von der Lehrerin nicht zu verlangen. Bzw, ist von Ihrer Tochter zu verlangen, die korrekten und eindeutigen Fragewörter zu benutzen.
Die Frage nach dam Akkusativ ist ohne Kontext „Wen oder was?“. Die Antwort „Wen?“ wäre dabei wohl tatsächlich falsch (oder zumindest irritierend/irreführend), außer „Kriminalfilm“ ist die Bezeichnung eines Mitglieds einer bestimmten Personengruppe, das der Vater vorschlägt, anzugaffen. Was ich für relativ unwahrscheinlich halte.
Und in einem derartigen Fragesatz noch ein Subjekt und ein Prädikat einzubauen, macht die Frage nicht nur grammatikalisch vollständig, sondern ist auch noch recht üblich.
Sollte die Antwort nach Ersetzen von „Was“ durch „Wen“ als richtig gelten, stimmt da in der Tat etwas nicht. Mir scheint die Antwort auch richtig (auch wenn ich nach „vor“ ein Komma gesetzt hätte, aber das spielt jetzt wohl keine Rolle).
Mag sein, dass dieser Grammatik-Unterricht bei mir schon zu lange zurückliegt, aber den Nominativ würde ich bei der Frage durch gesunden Menschenverstand ausschließen.
Genitiv: Wessen? (einzige Ausnahme)
Dativ: Wem oder was?
So habe ich das noch nie gehört.
Ich kenne das nur als „Wem?“.
Akkusativ: Wen oder was?
Sie bemerken das Problem? Die Lehrerin müsste sich hier
entscheiden, welchen der drei infrage kommenden Fälle ihre
Tochter hier im Sinn hatte, und dies ist von der Lehrerin
nicht zu verlangen. Bzw, ist von Ihrer Tochter zu verlangen,
die korrekten und eindeutigen Fragewörter zu benutzen.
Gut, „Wen oder was […]“ wäre wohl die beste Wahl, aber eindeutig finde ich das „Was“ schon.
In Klammern ist angegeben, dass nach (Wen?) gefragt werden
soll!
Meine Tochter hat die Aufgabe so gelöst, indem sie die Frage
wie folgt gestellt hat:
Was schlägt Vater vor anzuschauen?
obwohl die Anweisung lautete, mit „Wen …?“ zu fragen?
Ich hatte das so verstanden, dass die Anmerkung „Wen?“ bei der Lösung bzw. Korrektur stand, nicht bei der Aufgabe. Ansonsten wäre das „Was“ natürlich keinen Punkt wert.
Grammatikalisch ist DER Film natürlich männlich, nicht sächlich. Aber er ist in der Tat eine Sache und keine Person. Daher ist „was“ in meinen Augen gerechtfertigt. Wenn allerdings bei der Angabe ausdrücklich steht, dass nach „Wen“ gefragt werden soll, tja, dann sollte wohl nach „wen“ gefragt werden. Ich bin nicht sicher, ob ich die Aufgabe verstehe.
Konkret würde ich aber die Lehrerin fragen, was sie sich dabei gedacht hat. Erstaunlicherweise sind auch Lehrer Menschen mit Fehlern. Sie finden bei SchülerInnen, die sie von vornherein für schlecht halten, wesentlich mehr Fehler als bei solchen, die sie von vornherein für gut halten.
Grammatikalisch ist DER Film natürlich männlich, nicht
sächlich. Aber er ist in der Tat eine Sache und keine Person.
Daher ist „was“ in meinen Augen gerechtfertigt.
Natürlich würde man im Alltag nicht fragen: „Wer oder was steht auf dem Tisch?“, "Wen oder was besuchst du?“.
Im Deutschunterricht geht es aber darum, Satzglieder zu bestimmen, und dazu ist es notwendig, die vier Fälle erkennen und unterscheiden zu können.
Die Kinder lernen, dass das Subjekt (auch: Satzgegenstand) immer im Nominativ (1. Fall / „Werfall“) steht, das direkte Objekt (Akkusativobjekt) im Akkusativ (4. Fall / „Wenfall“), das indirekte Objekt (Dativobjekt) im Dativ (3. Fall / „Wemfall“) etc.
Durch die „Abfrage-Methode“ sollen sie - über den jeweiligen Kasus - herausfinden, um welches Satzglied es sich handelt.
Mit „Was…?“ kann man aber sowohl nach dem Nominativ (→ Subjekt) fragen als auch nach dem Akkusativ (→ direktes Objekt):
Dein T-Shirt gefällt mir. – Was gefällt mir? → Subjekt
Du solltest dein T-Shirt mal waschen. - Was solltest du waschen? → direktes Objekt
Ohne dem „Was“, auch wenn es nicht um eine Person geht, die personenbezogenen Pronomina „wer“ bzw. „wen“ hinzuzufügen, bringt die Abfrage kein eindeutiges Ergebnis, was natürlich zu Fehlern führen kann.
Gut, „Wen oder was […]“ wäre wohl die beste Wahl, aber
eindeutig finde ich das „Was“ schon.
Aber darum geht es ja! Eindeutig ist es, weil du dir was dabei denkst. Wenn du aber als Lehrer anfängst zu hinterfragen, wie denn nun jeder deiner Schüler seine nicht ganz eindeutige Antwort gemeint haben könnte, kannst du die Noten auch gleich würfeln. Die Schüler haben die Aufgabe, ihre Antwort eindeutig zu geben, so dass der Lehrer nicht raten muss.
Ein anderes, vielleicht einleuchtenderes Beispiel sind die berühmten Groß-Klein-Buchstaben von Schülern. Die entstehen, wenn ein Schüler ein Wort zunächst großschreibt, dann bemerkt, dass es falsch ist und dann den kleinen Anfangsbuchstaben über den großen malt (ohne Tipp-Ex oder Tintenkiller).
Bevor ich mir dann als Lehrer aussuche, ob das Wort denn nun richtig oder falsch geschrieben ist, markiere ich das konsequenterweise als Fehler. Das wissen meine Schüler auch, und da wird auch nicht diskutiert.
„Wen?“ ist für mich aber eindeutig eine Frage nach einer Person, nicht nach etwas wie einem Kinofilm. Von daher würde ich „Wen oder was?“ als beste Antwort (bzw. Frage) und „Was?“ auf Platz zwei setzen.
Wenn das deine Schüler wissen, dann ist das auch vollkommen in Ordnung. Aber dann wäre die Frage vermutlich nicht gestellt worden.