Hallo
Also ich bin der meinung, dass die hier beschriebene Situation
… nur selten auf die Frauen zutrifft, welche vorher beispielsweise
leitende Angestellte gewesen sind.
Na ja, ich habe ja auch extra geschrieben „normal verdient“ und nicht „überdurchschnittlich verdient“.
Ich halte es für absolut unumstösslich, dass es auf viele
beruflich niedrig qualifizierte Frauen einen gewissen Reiz
ausübt, sich mithilfe eines Kindes der Unterstützung des
Ex-Freundes oder des Staates zu versichern.
Hm, das will ich jetzt nicht abstreiten, weil ich nicht so viele solche Fälle kenne.
Wo ich es im Bekanntenkreis miterlebt habe, dass sich eine Frau (höchstwahrscheinlich) absichtlich ein Kind hat machen lassen, hatte ich eher gedacht, dass die den Freund in eine feste verbindliche Beziehung zwingen wollte(n). Das ist die uralte Geschichte mit dem Märchenprinzen, der einen aus all dem Elend herausholt.*)
In einem Fall hat er sie tatsächlich wegen des Kindes geheiratet, ist aber ständig fremdgegangen, am Ende Scheidung. Die Kinder sind aber liebevoll erzogen worden. In einem anderen Fall hatte sie nachher einen anderen Freund; da kann es zwar sein, dass sie irgendwie ans Geld gedacht hatte, das Kind wurde hinterher auch ziemlich vernachlässigt. Aber andererseits kam es bei mir auch so an, als ob der Vater sie (vorher) trotz Beziehung ziemlich verachtet hatte, und vielleicht hatte sie sich gedacht, dass er die Mutter seines Kindes nicht mehr verachten würde.
Das sind aber Fälle, die schon Jahre zurück liegen. Damals waren die Gesetze auch noch anders.
Ich kenne aber ziemlich viele (na ja, 3) Fälle von ledigen Müttern, die den Vater als unbekannt angegeben hatten, um einerseits den Vater von den Zahlungen zu befreien (der dann aber möglicherweise auch noch zusätzlich was fürs Kind abzweigt) und andererseits ihm gegenüber keine schlechtes Gewissen haben zu müssen, deshalb scheint mir das eher der Normalfall zu sein. Zwei von ihnen bekamen dann (teilweise) Sozialhilfe, also kam der Staat für das Kind auf. Für die Mütter wäre er damals noch sowieso aufgekommen.
Wieso denn die Mutter nur gegen heftigste Widerstände?? Diese
scheint doch mit der Situation nicht ganz unzufrieden.
Die soll doch unbedingt ganztags arbeiten gehen und das Kind in eine Kinderkrippe geben und dort erziehen lassen. Dieser Druck ist bei ledigen Müttern wirklich da und wird (manchmal, oft, immer?) auch als belastend erlebt.
Ob sie mit der Situation unzufrieden ist oder nicht, was spielt das für eine Rolle? Ich verstehe diesen Einwand nicht.
Oder hat sie zum Erzeuger gesagt „Hier ist dein Kind, kümmere
Dich drum, in den ersten drei Jahren werde ich Euch den
Unterhalt bezahlen!“ ?? Irgendwie ist von einer derartigen
Situation noch nie berichtet worden…
Ich hab das schon mal erlebt, dass eine Mutter ihr Kind dem Vater vor die Tür gestellt hat. Der Vater war dann erstmal sauer auf die Mutter. Um das Kind hat sich dabei niemand gekümmert, insbesondere der Vater nicht, der hat eigentlich nur auf die Frau geschimpft.
Es ist irgendwie hormonell so geregelt, dass sich eine Mutter direkt nach der Geburt ihres Kindes in selbiges verliebt, meistens klappt das auch. Deswegen wird sie im Normalfall ihr Kind nicht so rumschieben. Es ist für das Kind existenziell notwendig, dass das so ist. (Oft geht es Vätern - besonders wenn sie bei der Geburt dabei waren - sehr ähnlich. Offtopic-Anmerkung, damit das kein Streitpunkt wird)
Erstens verstehst Du mich da völlig falsch, ich halte es für
keinesfalls zuviel des Guten, dass ein Kind seine Mutter um
sich hat, ich halte es lediglich für überzogen, zu diesem
Zwecke finanzielle Forderungen an Ex-Partner oder Staat zu
stellen, und sich auf diese Weise auch noch der Verantwortung,
für den eigenen Lebensunterhalt sorgen zu müssen, zu
entziehen.
Wie soll man sich denn gleichzeitig um ein Baby und um einen Job kümmern? Das geht doch nicht.
Zweitens stellt sich für einen eventuellen
Sozialleistungsbezieher die Frage ja gar nicht, ob der die
vorangegange Generation unterstützen will, er wird ja eh von
der „aktuelle arbeitenden“ versorgt.
Drittens lebt die Mutter ja in diesem Fall vor, wie man auf
sein gesetzlich verankertes Recht auf finanzielle
Unterstützung besteht.
Zu zweitens: Vielleicht hat sich ja irgendwann in seinem Leben, evtl. noch während seiner Schulzeit, diese Frage gestellt? Und vielleicht fühlt er sich schon so stark in eine Ecke gestellt, dass er sich gar nicht motiviert fühlt, auch nur einen Handschlag für die Gesellschaft zu tun. Muss natürlich nicht sein, kann aber. Diese Vorurteile (dass das Kind von der Alleinerziehenden Sozialleistungsempfängerin sowieso Sozialleistungsempfänger wird), die ja nicht wenige Leute haben, können durchaus dazu beitragen.
Zu drittens dachte ich, wir reden nur über die ersten drei Jahre. Bei den gutverdienden Leute, die ich so kenne, haben übrigens fast alle Mütter in den ersten paar Jahren nicht gearbeitet, höchstens wirklich stundenweise (also mal ein oder zwei Stunden, aber solche Jobs kriegt man nur mit Beziehungen).
Denn einem Kind aus gutem Hause steht es selbstverständlich zu, wie von den Ärzten empfohlen mindestens 6 Monate voll gestillt und dann langsam und allmählich abgestillt zu werden. Und dann steht ihm auch selbstverständlich zu, die Welt in Gegenwart einer geliebten Bezugsperson im Gefühl totaler Geborgenheit zu entdecken, und nicht mit 10 anderen Babies zusammen von einer fremden, auch manchmal wechselnden Personen mehr oder minder notdürftig versorgt zu werden.
Dass man die Kindererziehung in der Massenabfertigung gut hinkriegen kann, ist zwar politisch erwünscht, entspricht aber nicht so ganz den Tatsachen.
Das soll übrigens nicht heißen, dass Kinderkrippen immer schlechter sein müssen als die Betreuung durch die eigene Mutter, aber sehr oft, schon deshalb, weil da nicht sehr viel Geld investiert wird. Und es scheint auch trotz PISA immer noch die Überzeugung zu geben: Wer gar nichts kann, der kann ja kleine Kinder betreuen.
Viele Grüße
Simsy