Frage zu Abschlusssatz im Arbeitszeugnis

Hallo zusammen,

ich habe hier bereits einmal mein letztes Arbeitszeugnis eingestellt und ihr hattet dieses insgesamt mit 1- bis 2 bewertet. Den Link zum Beitrag habe ich unten gepostet.

Jetzt ist mir aber noch etwas aufgefallen, und das ärgert mich irgendwie, weil ich den Vorschlag für den Schlusssatz selbst gemacht habe bzw. die Chance hatte, das Zeugnis selbst abzuändern, mir diese Stelle just in dem Moment - damals - allerdings recht perfekt vorkam :-/

Ich habe eigentlich 4 Fragen:

  1. Wenn ein Zeugnis insgesamt sehr gut ist („stets zur vollsten Zufriedenheit“), dann aber der Abschlusssatz „nur“ gut, weil das „sehr“ beim Bedauern fehlt:

„Wir bedauern diese Entscheidung, bedanken uns für die stets sehr guten Leistungen und wünschen Frau X für die Zukunft weiterhin viel Erfolg sowie persönlich alle Gute.“

–> fällt das irgendwie negativ auf, weil man es trotz sehr guter Leistungen doch nicht SEHR bedauert, dass ich gehe, sondern sozusagen nur NORMAL? :smile:
–> oder gleichen die „stets sehr guten Leistungen“ das fehlende kleine Wörtchen wieder aus?

  1. Stimmt es, dass es nur wenige Zeugnisse gibt, die glatt 1 sind, so dass ein Zeugnis mit kleinen Abstrichen u.U. glaubwürdiger sein mag - oder ist das ein Gerücht?

  2. Irgendwo schrieb jemand, dass es wichtig sei, dass man auch gute Wünsche für die BERUFLICHE Zukunft erhält - ist das wirklich wichtig? Versteht es sich nicht vielmehr von selbst, dass sich „weiterhin viel Erfolg“ auf die berufliche Laufbahn bezieht? *amKopfkratz*

  3. Zu guter Letzt: Kann es sein, dass wenn man sich zu lange mit all diesen kleinen Formulierungen beschäftigt, man dem Ganzen irgendwann eine zu große Bedeutung beimisst? *seufz* Ich wusste schon vorher ein bisschen was über Zeugnisformulierungen, aber bin jetzt noch viel kritischer geworden. Insbesondere, weil das mein bisher wichtigstes Arbeitszeugnis ist. Gleichzeitig denke ich, ich sollte mich vielleicht mal etwas entspannen :smile:

Liebe Grüße
betazoid

http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

Hallo,

ohne jetzt das ganze Zeugnis gelesen zu haben gilt für den Schlußsatz und allgemein Folgendes:

„Wir bedauern diese Entscheidung, bedanken uns für die stets
sehr guten Leistungen und wünschen Frau X für die Zukunft
weiterhin viel Erfolg sowie persönlich alle Gute.“

–> fällt das irgendwie negativ auf, weil man es trotz sehr
guter Leistungen doch nicht SEHR bedauert, dass ich gehe,
sondern sozusagen nur NORMAL? :smile:
–> oder gleichen die „stets sehr guten Leistungen“ das
fehlende kleine Wörtchen wieder aus?

Bei einem insgesamt gleichmäßig guten Zeugnis ändert ein einziges „sehr“ im Schlußsatz nichts an der Gesamtbeurteilung. Insofern brauchst du dir hier keinen Kopf machen.

Was mir aber auffällt: dir wird persönlich alles Gute gewünscht, aber nicht explizit auch für die berufliche Zukunft. Daraus könnte ein besonders kritischer Zeugnisleser womöglich den Schluß ziehen dass du krankheitsbedingt persönlich gute Wünsche bekommst während sich eine berufliche Zukunft nicht abzeichnet…
Es ist in diesem Fall nicht so wild weil da immer hin „weiterhin“ viel Erfolg steht, und außerdem, wie erwähnt, ändert eine einzelne unglückliche Formulierung nicht den Gesamtcharakter. Ich möchte es der Vollständigkeit halber nur anmerken…

  1. Stimmt es, dass es nur wenige Zeugnisse gibt, die glatt 1
    sind, so dass ein Zeugnis mit kleinen Abstrichen u.U.
    glaubwürdiger sein mag - oder ist das ein Gerücht?

Das stimmt. Ein normal guter Mitarbeiter bekommt eine 3, wer sich besonders positiv hervortut und mit überdurchschnittlichen Leistungen glänzte erhält eine 2, und eine 1 gibt es für übermenschliche Überflieger - oder Flaschen, deren Selbstüberschätzung mit einem lächerlich guten Zeugnis konterkariert werden soll.

Hier ist es also anders als in der Schule, wo man nach einer 1 strebt. Bei Arbeitszeugnissen sollte man sich im Bereich 2 oder 2-3 ansiedeln wenn man einen besonders guten, aber nicht unglaubwürdigen Eindruck machen will.

  1. Irgendwo schrieb jemand, dass es wichtig sei, dass man auch
    gute Wünsche für die BERUFLICHE Zukunft erhält - ist das
    wirklich wichtig? Versteht es sich nicht vielmehr von selbst,
    dass sich „weiterhin viel Erfolg“ auf die berufliche Laufbahn
    bezieht? *amKopfkratz*

Ach - schau an, ich hatte es oben schon geschrieben! Hätt’ ich mir sparen können wo ich jetzt lese dass du es schon weißt.

  1. Zu guter Letzt: Kann es sein, dass wenn man sich zu lange
    mit all diesen kleinen Formulierungen beschäftigt, man dem
    Ganzen irgendwann eine zu große Bedeutung beimisst? *seufz*
    Ich wusste schon vorher ein bisschen was über
    Zeugnisformulierungen, aber bin jetzt noch viel kritischer
    geworden. Insbesondere, weil das mein bisher wichtigstes
    Arbeitszeugnis ist. Gleichzeitig denke ich, ich sollte mich
    vielleicht mal etwas entspannen :smile:

Das auf jeden Fall! Mach disch loggäh! :wink:

Man kann formulieren was man will, es könnte theoretisch immer alles extra mißverstanden und so verdreht werden dass es einen negativen Sinn bekommt. Aber da muß man die Kirche im Dorf lassen. Wenn nicht andauernd komische Abweichungen von der Norm auftauchen, Dinge fehlen oder andere bewußt erwähnt wurden, die man nicht erwartet, und die wichtigen Bereiche positiv beurteilt werden - ist man auf der sicheren Seite. In die fehlende Erwähnung der „beruflichen“ Zukunft würde ich z. B. nichts hineininterpretieren weil sonst nicht „weiterhin“ dort stehen würde.

„Kritischer“ wäre eher wenn dein Zeugnis insgesamt zu dick aufgetragen ist weil dann wird es unglaubwürdig. Aber ich hab’s nicht gelesen, deswegen kann ich das jetzt nicht beurteilen.

Gruß,

MecFleih

Hallo,

zunächst zu den Äußerlichkeiten. Das Zeugnis muß…

  • auf offiziellem Firmenpapier geschrieben sein
  • darf nur geknickt sein wenn man es kopieren kann ohne daß die Knicke auf den Duplikaten sichtbar sind
  • das Adressfeld darf nicht, wie bei einem Brief, ausgefüllt sein
  • das Datum SOLLTE (ist aber nicht einklagbar) auf den Tag des Ausscheidens aus dem Unternehmen datiert sein (nicht etwa auf das Datum, an dem der Text geschrieben wurde)
  • die Unterschrift muß von einem hochrangigen Vertreter der Firma (Chef, Leiter Personalabteilung, …) persönlich geleistet worden sein. „I. A. Müller, Sekretärin des Abteilungsleiters“ reicht nicht
  • unter der Unterschrift müssen Name und Funktion des Unterzeichnenden nochmal in Maschinenschrift stehen.

Nun zum Inhalt.

„Frau …, geboren …, war vom 1. Januar 2005 bis zum 31. August 2007 als Teamassistentin in der Recruiting-Abteilung von … tätig.“

OK.

„Nach Abschluss der Einarbeitungszeit umfasste das Aufgabengebiet von Frau … u.a.:“

Einarbeitungszeit würde ich streichen weil eine Einarbeitung selbstverständlich ist, außerdem solltest du das „u.a.“ streichen weil hier sollen die Tätigkeiten ja genannt werden, sonst macht es keinen Sinn.

„• Klassische Bürotätigkeiten (Posteingang, Postbearbeitung, Ablage usw.)
• Datenerfassung, Datenbankpflege und –kontrolle
• Erstellung (systemunterstützter) Korrespondenz
• Selbständige administrative Vorbereitung umfassender Bewerbungsgespräche
• Teilweise selbständige Vorbereitung aufwendiger Marketing-Aktivitäten (Workshops und Seminare)
• Unterstützung beim Aufbau einer neuen Recruiting-Datenbank
• Pflege einer internen Jobdatenbank.“

Ich füge da aus Prinzip immer noch „administrative Tätigkeiten“ hinzu, zum einen weil es gut klkingt und im weitesten Sinne macht sie jeder in jedem Job…

Ansonsten: stimmt das denn so? Fehlt was? Ist etwas falsch dargestellt? Wenn nicht: in Ordnung.
Alles, was Du mit „u.a.“ gemeint hast sollte hier aber auftauchen - wenn es nicht gerade Kaffee kochen war.

„Frau … erledigte alle Aufgaben termingerecht und in sehr guter Qualität.“

… stets termingerecht…

„Sie besitzt eine schnelle Auffassungsgabe, die es ihr erlaubte,“

… erlaubt… oder ist dir diese Fähigkeit verloren gegangen? :wink:

„sich in kurzer Zeit in ein für sie neues Themengebiet“

… Themengebiete… du bist ja immer clever, nicht nur in einem einzelnen Bereich, der dir zufällig lag.

„einzuarbeiten und bewies darüber hinaus stets Engagement, Motivation sowie ein hohes Maß an Pflichtbewusstsein und Zuverlässigkeit.“

OK.

„Überdies ging Frau … kompetent mit modernster Bürotechnik“

… also wenn schon „moderne“, aber nicht „modernste“, ich würde das aber sowieso anders formulieren weil es klingt als wäre es besonders toll dass du mit einem PC und dem Telefon umgehen kannst. Das ist aber eher Standard. Also entweder hast du tatsächlich besondere Maschinen bedient - dann erwähne sie - oder du hast allgemein gute Kenntnisse mit gängigen Büroanwendungen, dann reicht es das so zu erwähnen.

„um und behielt auch in hektischen Zeiten den Überblick.“

… hektischen Zeiten stets den Überblick…

„Aufgrund ihres Arbeitsgebiets erlangte Frau … Kenntnis von streng vertraulichen Informationen administrativer und personeller Natur, die sie jederzeit diskret behandelte.“

Würde ich ganz anders formulieren - dein Satz ist nicht schlecht oder falsch, man spürt aber sofort dass der „selbstgebastelt“ ist. :smile:
„Frau … behandelte alle vertraulichen Informationen stets mit großer Diskretion.“

„Die ihr übertragenen Aufgaben“

„Übertragen“ muß weg weil das immer so klingt als habe man sich nur bewegt wenn man dazu aufgefordert wurde. Das steht dann auch im Widerspruch zu der ansonsten attestierten Eigeninitiative. Besser: „Erledigte ihre Aufgaben…“

„erledigte Frau … stets zu unserer vollsten Zufriedenheit, ihre Leistungen entsprachen unseren Erwartungen in jeder Hinsicht. Bei Engpässen war sie immer bereit, sich über den normalen Arbeitseinsatz hinaus zu engagieren.“

„Normalem Arbeitseinsatz“ streichen - es klingt so als würdest du im Normalfall mit halber Kraft vorraus dahindümpeln und nur bei Bedarf einen Zahn zuzulegen. Besser: „immer bereits sich besonders zu engagieren“ --> sinngemäß: Engagement zeigt du sowieso immer, aber dann ganz besonders.

Wenn deine Leistungen so ungewöhnlich gut waren sollte es allerdings nicht nur bei diesen Standardfloskeln bleiben, sondern dann sollte hier idealerweise etwas dazu stehen wo deine besonderen Stärken lagen, was dein Spezialgebiet war etc.

„Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kandidaten war zu jeder Zeit vorbildlich. Bei der Zusammenarbeit war sie stets zuvorkommend und kooperativ.“

OK. Aber wie oben schon mal: wenn du so besonders gut warst sollte das nicht so allein stehen bleiben, sondern etwas ausführlicher erklärt werden, was deine besonderen Qualitäten ausmacht: „Wir schätzten an ihr besonders…“

„Frau … verlässt uns auf eigenen Wunsch, um sich einer neuen beruflichen Herausforderung zu stellen. Wir bedauern diese Entscheidung, bedanken uns für die stets sehr guten Leistungen“

OK.

„und wünschen Frau … für die Zukunft weiterhin viel Erfolg sowie persönlich alles Gute.“

„… für die berufliche und private Zukunft weiterhin alles Gute.“


Auch wenn ich es jetzt sehr auseinander genommen habe: dein Text ist in Ordnung, bis auf kleine Details sind keine schlimmen No-Go’s drin. Wenn du das Zeugnis schon hast würde ich nichts reklamieren, es ist schon OK so. Wenn man es noch nicht ausgefertigt hat kannst du es noch perfektionieren.

Gruß,

MecFleih

Lieber MecFleih,

merci für deine Antworten!

Zu deinen Erläuterungen im Einzelnen kann ich gar nicht soviel anmerken, außer dass ich alles sinnvoll finde und wünschte, ich hätte das Zeugnis jetzt noch mal vor mir, um es abzuändern (in meiner Eigenschaft als Perfektionistin). Es ist nämlich leider schon vor Längerem ausgestellt worden. Wenn ich Ex-Chef jetzt allerdings noch mal nach einer Änderung frage, argh… :smile: Ich lass es lieber. Und es ist ja insgesamt doch ganz ok.

Wie lange könnte man so ein Zeugnis eigentlich noch ändern lassen bzw. danach fragen, nur so aus Interesse?

„Aufgrund ihres Arbeitsgebiets erlangte Frau … Kenntnis von
streng vertraulichen Informationen administrativer und
personeller Natur, die sie jederzeit diskret behandelte.“

Würde ich ganz anders formulieren - dein Satz ist nicht
schlecht oder falsch, man spürt aber sofort dass der
„selbstgebastelt“ ist. :smile:

Oh, das Schmuckstück ist gar nicht von mir. :smile: Ich hatte mich vielleicht nicht ganz klar ausgedrückt: Ich habe nicht das ganze Zeugnis selbst geschrieben, sondern mein Zwischenzeugnis (damals von einem Ex-Ex-Chef erstformuliert) mit Einverständnis meines Ex-Chefs einfach so abgeschrieben und eben den Schlusssatz selbst ergänzt, da der natürlich im Zwischenzeugnis nicht drin war. Allerdings hätte ich sicher die Möglichkeit gehabt, auch sonst noch die eine oder andere Kleinigkeit - wie die meisten von dir genannten Dinge - einzufügen oder abzuändern, ohne dass jemand gemeckert hätte.

Liebe Grüße
betazoid

Und weiter geht’s…

Bei einem insgesamt gleichmäßig guten Zeugnis ändert ein
einziges „sehr“ im Schlußsatz nichts an der Gesamtbeurteilung.
Insofern brauchst du dir hier keinen Kopf machen.

Ok.

Das stimmt. Ein normal guter Mitarbeiter bekommt eine 3, wer
sich besonders positiv hervortut und mit
überdurchschnittlichen Leistungen glänzte erhält eine 2, und
eine 1 gibt es für übermenschliche Überflieger - oder
Flaschen, deren Selbstüberschätzung mit einem lächerlich guten
Zeugnis konterkariert werden soll.

Schön, dann passt ja auch das. (Also nicht die Flasche jetzt. *g*)

  1. Zu guter Letzt: Kann es sein, dass wenn man sich zu lange
    mit all diesen kleinen Formulierungen beschäftigt, man dem
    Ganzen irgendwann eine zu große Bedeutung beimisst? *seufz*
    Ich wusste schon vorher ein bisschen was über
    Zeugnisformulierungen, aber bin jetzt noch viel kritischer
    geworden. Insbesondere, weil das mein bisher wichtigstes
    Arbeitszeugnis ist. Gleichzeitig denke ich, ich sollte mich
    vielleicht mal etwas entspannen :smile:

Das auf jeden Fall! Mach disch loggäh! :wink:

Nichts schwerer als das :wink:
Nein im Ernst, das passt schon mit dem Zeugnis. Ist halt nur blöd, dass ich erst verspätet sozusagen selbst zur „Zeugnisexpertin“ wurde - dachte nämlich vorher, ich wüsste das Wichtigste bereits („vollste Zufriedenheit“ & Co.), aber einige mehr oder minder große Wissenslücken waren eben doch noch vorhanden…
Ich merk es mir fürs nächste Mal!

Schönen Abend wünsche ich dir noch,
und liebe Grüße,
betazoid

Hi,

merci für deine Antworten!

Keine Ursache, dazu sind wir ja alle hier… :wink:

Und es ist ja insgesamt doch ganz ok.

Ja genau. Wirklichen Handlungsbedarf sehe ich da auch nicht.

Wie lange könnte man so ein Zeugnis eigentlich noch ändern
lassen bzw. danach fragen, nur so aus Interesse?

Es gibt keine klare Grenze, aber Gerichte haben meistens einen Zeitraum von ca. 10 Monaten als ausreichende Spanne, um das Zeugnis zu prüfen und ggf. zu reklamieren, angesehen.

Wenn man sich mit dem Arbeitgeber einigt kann der natürlich auch nach Jahren noch ein neues Zeignis schreiben.

Liebe Grüße

auch zurück! :smile:

MicFleih