Frage zu Afrikanischen Kolonien

Hallo,

ich weiß nicht ganz genau ob das hier hin gehört, aber ich leg einfach mal los.

So, mich interessiert die Frage ob die alten Kolonialmächte zu Beginn des 20ten Jahrhunderts entschädigungen, auch heut noch an das jeweilige Land bezahlen. Und in welcher Form, Entwicklungshilfe o.ä.

vielen Dank für die Minute,

Gruß Nils!

Hi,

ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass direkt beim Rückzug der Kolonialmächte irgendwelche Entschädigungen gezahlt worden wären. Was zumindest die grö0ßeren Mächte (GB, FR) gemacht haben, war die Unterstützung der neuen Staaten mit Know-How, also Ausbildung der Eliten im Mutterland, das Durchsetzen eigener politischer und administrativer Strukturen in den jetzt freien Kolonien. Das hat einerseits diese Staaten stabilisiert, andererseits natürlich auch den Einfluss der ehemaligen Kolonialstaaten erhalten. Wo das nicht geschehen ist (z. B. Kongo), sind die Länder ziemlich schnell in Anarchie versunken.

Davon dass später Entschädigungen vereinbart wurden, habe ich zwar auch noch nichts gehört, es könnte aber möglich sein. Entwicklungshilfe kommt mit Sicherheit nicht aus irgendeinam Entschädigungsgedanken, sondern hat humanitäte und politische Gründe.

Hallo !

In die alten, jetzt „freien“ Kolonialländer wurden Milliarden hineingepumpt. Aber - es sind Eimer ohne Böden.

Vor allen in die, Schwarzafrikas. Es ist vollkommen sinnlos.

Gruß max

Hallo,

In die alten, jetzt „freien“ Kolonialländer wurden Milliarden
hineingepumpt. Aber - es sind Eimer ohne Böden.

Hmm, ist es nicht so, dass die Europäer und Amerikaner mehr daran interessiert waren, sich die Lieferanten billiger Rohstoffe zu erhalten, man daher immer und immer wieder diktatorische und korrupte Regimes unterstützt hat?
Wie war das mit Lumumba, dem man in Washington die absolut kalte Schulter gezeigt hat?
Wie war das mit dem Abschuss des damaligen UN-Generalsekretärs Dag Hammersköld im Flugzeug, als er sich um die Beilegung des Katanga-Konflikts im Kongo bemüht hat? In Brazaville knallten bei den Belgiern die Sektkorken, als die Nachricht vom erfolgreichen Abschuss kam!
Usw. usw. usw.

Gruß, Stucki

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Hi

Hmm, ist es nicht so, dass die Europäer und Amerikaner mehr
daran interessiert waren, sich die Lieferanten billiger
Rohstoffe zu erhalten, man daher immer und immer wieder
diktatorische und korrupte Regimes unterstützt hat?

Man hält es kaum für möglich, aber die Rohstoffeinfuhren gerade aus den ärmsten der armen Länder kann man vergessen. Der Grund liegt in der mangelhaften Infrastruktur. Der Grund für die Unterstützung diktatorischer Regime lag in der „Abwehr des Kommunismus“. Gerade die armen Entwicklungsländer haben noch dazu eine positive handelsbilanz, aber der Handelsüberschuss wird nicht in das Land investiert, sondern durch die örtlichen Kleptokraten wieder exportiert oder für unproduktive Mittel aufgewendet. Korruption tut ein übriges, um westliche Industrien eher abzuschrecken… So arbeiten beispielsweise Europäische Minen kostengünstiger als so manche Afrikanische Mine, weil besser Ausgebildetes personal, bessere infrastruktur, mehr Planungssicherheit und viel geringere Korruption besteht. Wenn man zum Eröffenen einer Mine erst mal die halbe Regierung bestechen muß, dann verlieren viele Unternehmen einfach die Lust.

Fazit:
Die Probleme der extrem armen Länder sind weitgehend Hausgemacht.
Einflüsse von aussen haben ihre Wirkungen, aber nur, weil die lokalen Eliten es zulassen.

Um es etwas überspitzt auszudrücken
Wenn sich Afrika zwischen der Sahara und dem Sambesi einfach in Luft auflösen würde, würde bei uns kein einziger Arbeitsplatz wackeln…

Gruß
Mike

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Hallo,

warum zu Beginn des 20. Jahrhunderts? Die absolute Mehrheit der afrikanischen Kolonien wurde erst in den 1960er Jahren zu unabhängigen Staaten. Manche erst in den 70ern (Angola 75, Djibouti 77, Guinea-Bissau 74, Kapverden 75, Komoren 75, Mozambique 75, u.a.) und zwei sogar noch später: Zimbabwe 1980 und Namibia (nach de-facto Regierung durch Südafrika)1990. Die teilweise vorgenommene Umbenennung von Kolonie in Protektorat änderte nichts an den Herrschaftsverhältnissen.

So weit ich weiß, sind offizielle Entschädigungen sind niemals gezahlt worden, obwohl Entwicklungshilfe bis Mitte der 90er Jahre sehr wohl mit dem Argument der Wiedergutmachung ausgeschüttet wurde, welches gerade in den 70ern und 80ern Konjunktur hatte. Danach gab es eine Argumentationsverschiebung hin zur Begründung der Entwicklungshilfe als strukturelle Unterstützung, um die betroffenen Staaten fit für den Weltmarkt zu machen. Hierbei haben vor allem der Internationale Währungsfond und die Weltbank ihre Finger im Spiel, die teils mit sehr drastischen Programmen die vollkommene Privatisierung des Wirtschaftssektors durchsetzten, mit der neoliberalen These, dass dann alles besser wird, wenn der freie Markt herrscht. Das führte letztendlich in allen diesen Ländern zu einer dramatischen Verschlechterung der Lebenssituation der Mehrheit und bereicherte die ehemalige kolonialpolitische Elite dieser Länder weiterhin. Auch entschuldigten sich die meisten ehemaligen Kolonialherren bisher nicht einmal für die von ihnen begangenen Massaker, Vertreibungen und Genozide (siehe J.Rau in Namibia, der trotz Aufforderung dafür nicht bereit war).
Das Argument der Wiedergutmachung ist auch heftig kritisiert worden, weil es angeblich nur die Abhängigkeit bestärken würde und zudem im Fall von Know-How-Transfer ein Verhältnis von Lehrmeister und Schüler etabliert.

Selbst wenn man je daran denken würde, eine Entschädigung zu zahlen, wäre sie wahrscheinlich überhaupt nicht finanzierbar, denn das aus der Ausbeutung der Kolonialstaaten erwirtschaftete Kapital seit dem Beginn des transatlantischen Sklavenhandels, über die Monokulturpflanzungen, die einen Großteil des fruchtbaren Bodens verwüsteten, den unglaublichen Umweltschäden durch Uranabbau und Erdölförderung, bis zu den Zwangsarbeitsdiensten, denen Millionen unterworfen wurden, lässt sich wohl nicht beziffern und würde die sicherlich die Vorstellungskraft sprengen.

Grüße,
Phil

Hoax vom ‚Faß ohne Boden‘
Afrika als „ein Faß ohne Boden“ anzusehen, welches, wenn es sich plötzlich auflösen würde, nicht weiter auffallen würde, ist eine bequeme Art sich auf dem durch die Ausbeutung erwirtschafteten Gewinn auszuruhen und alle Verantwortung dafür von sich zu weisen. Leider wird zu oft für das Fehlschlagen der Entwicklungspolitik die „afrikanische Mentalität“ verantwortlich gemacht und dazu möchte ich meinen Senf geben, denn es regt mich jedes Mal fürchterlich auf, wenn die Hintergründe für das Fehlschlagen nicht bekannt sind.

Die kolonialpolitischen Eliten:

  • Seit der großen Welle der Unabhängigkeitserklärungen (1960er Jahre) wurden die politischen Eliten, die zuvor von den Kolonialmächten herausgebildet wurden um die Macht der Kolonialherrschaft zu stützen, als Spielfiguren im Kalten Krieg in unglaublichem Ausmaß weiterfinanziert. Das führte bereits vor 30 Jahren zu ähnlichen Unterschieden der Kapitalverteilung, wie wir es heute in Deutschland zwischen einem ungelernten Arbeiter und dem Top-Manager eines Großkonzerns vorfinden. Diese politischen Eliten sicherten sich mit diesem Kapital die Macht, was in nahezu allen afrikanischen Staaten zu Diktaturen oder Oligarchien führte. Die kolonialpolitischen Eliten verwandelten sich im Zuge der Privatisierung in wirtschaftliche Eliten. Heute finden wir z.B. in Tansania Einkommensunterschiede, die den bereits in unserer Gesellschaft kritisierten Umfang absolut in den Schatten stellen. Ein Beispiel: ein Fischer, der zusammen mit seinen 3 Söhnen arbeitet, verdient im Schnitt 1/1000! des Einkommens eines mittleren Verwaltungsangestellten in der örtlichen Wirtschaft, der über das Familienkapital verfügen muss, um seine Ausbildung (u.a. das Erlernen von Englisch) zu finanzieren. Diese Eliten sind es, die in aller erster Linie von den Geldern der Entwicklungshilfe profitieren.

Unausgeglichene Wirtschaftsbeziehungen und Kapitalvorsprung durch Kolonialherrschaft:

  • Der Kapitalvorsprung der Industrieländer durch Ausbeutung der Kolonien ist nicht wieder aufzuholen. Meine These: den Industriestaaten geht es heute so gut, nicht weil sie produktivere Menschen per se sind, sondern weil sie seit Beginn des transatlantischen Sklavenhandels im 16. Jahrhundert einen so enormen Kapitalvorsprung durch rücksichtsloseste Ausbeutung errungen haben, der ihnen noch heute die wirtschaftlichen Vorherrschaft sichert und das Ausbeutungsverhältnis zwischen „westlichen“ Staaten und den „Entwicklungsländern“ weiterhin bestärkt. Der politische Druck auf die Erhaltung der afrikanischen Staaten, deren Einigkeit lediglich auf der Grenzziehung der ehemaligen Kolonialmächte auf der Berlin Konferenz Ende des 19. Jh. beruhen, mit dem Ziel, weiterhin billige Rohstoffproduzenten für die westliche verarbeitende Industrie zu haben, macht zu deutlich, wie wenig sich am internationalen Verhältnis in den letzten 100 Jahren geändert hat.

  • Den meisten afrikanischen Ländern geht es schlechter seit der Privatisierungswelle als zuvor. Die Änderung der Ausbeutungsmechanismen (vom Druck politischer Institutionen zum Druck von Großkonzernen) führt zu einer unkontrollierbaren Spirale nach unten. Gerade hier wirkt nun der Kapitalvorsprung besonders heftig. So wie der Kapitalvorsprung von Industrienationen gegenüber 3. und 4.Welt-Ländern, so sieht auch der Kapitalvorsprung der instrumentalisierten Elite innerhalb der 3./ 4.Weltländern gegenüber der Bevölkerungsmehrheit aus.

Zum Hoax der „faulen afrikanischen Metalität“ als Begründung der Idee vom „Faß ohne Boden“:

  • Ich habe es oft gehört, gelesen und selbst gesehen, dass Kapitalanhäufung oft den lokalen Grundsätzen der (ländlichen) sozialen Gemeinschaft widerspricht, in der Kapital verteilt wird um Verwandte und Freunde zu unterstützen – also das komplizierte soziale Netzwerk zu konstruieren. Die protestantische Ethik des Kapitalismus ist nicht universell! Hat man viel Geld, ist aber nicht bereit, es mit der Gemeinschaft zu teilen, gilt man oft als böser Mensch. Das gilt natürlich nicht für Afrika im Allgemeinen, dafür ist dieser Kontinent zu verschieden, aber es gibt Studien dazu im ländlichen Ghana, Tanzania, Mali, Zimbabwe und Namibia. Ein Beispiel: Ein Musiker auf Sansibar sagte mir, dass die Wazungu (Schimpfwort für die Weißen) böse Zauberer sind, weil sie über die Magie verfügen müssen, Geld zu zaubern, es aber keinem anderen verraten. Kein guter Mensch würde niemals so viel Geld anhäufen, ohne andere daran Teil haben zu lassen (und sei es in der Form, dass man sie für niedere Arbeiten anstellt). Deshalb sind weiße Menschen böse Zauberer und schlechte Menschen. Er würde auch diese Magie nicht lernen wollen, weil er dadurch seine Seele verlieren würde.

  • Das ist nicht afrikanische Mentalität, wie oft unterstellt, sondern die Wirkung einer sozialen Ordnung, die unter dem extremen Druck, der Fremdbestimmung und dem dauerhaften Mangel überlebt hat oder entstanden ist. Die „Mentalitätsbegründung“ ist ein ziemlich simpler Versuch, die Verantwortung von sich zu weisen. Da hilft kein Heile-Heile-Geld, welches in den meisten Fällen nur in den Taschen der Elite landet, die übrigens sehr oft im Westen ausgebildet wurden und nach westlichen Werten leben. Auch Know-How-Transfer ist zweifelhaft, da er in den meisten Fällen aus unserer Perspektive heraus gedacht wird und vollkommen an den lokalen Gegebenheiten vorbei geht, vor allem, wenn diese Transfers im Rahmen der Markterschließung erfolgen.

Grüße,
Phil

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Hi

… Der Grund
für die Unterstützung diktatorischer Regime lag in der „Abwehr
des Kommunismus“.

Was auf das Gleiche hinaus läuft: Die entwickelte Welt verbiegt die afrikanische nach seinen Interessen.

… Korruption tut ein übriges,
um westliche Industrien eher abzuschrecken… So arbeiten
beispielsweise Europäische Minen kostengünstiger als so manche
Afrikanische Mine, weil besser Ausgebildetes personal, bessere
infrastruktur, mehr Planungssicherheit und viel geringere
Korruption besteht. Wenn man zum Eröffenen einer Mine erst mal
die halbe Regierung bestechen muß, dann verlieren viele
Unternehmen einfach die Lust.

Um nur einige zu nennen: Kupferminen im Kongo, Erdöl in Nigeria … Gerade letzteres ist eine Riesensauerei. Was Shell im Nigerdelta anstellt, übersteigt jede Vorstellungskraft - Null Entwicklung, maximaler Gewinn - sowas funktioniert nur, wenn man sich eine willfährige Oligarchie hält. Aber man mischt sich ja nicht in die inneren Angelegenheiten eines Staates ein.
Was auf den Inseln vor der nigerianischen Küste jetzt und demnächst abläuft, ist ja nur zu ahnen: Sao Thomae ist eines der erdölreichsten Gegenden in Afrika. Die Amerikaner machen sich schon breit, einheimische Politiker wissen jetzt schon was passiert: Völlige Verschmutzung der Küste und des Ozeans, Verschlechterung der Lebensverhältnisse von 95% der Einwohner usw. usw. usw.

Um es etwas überspitzt auszudrücken
Wenn sich Afrika zwischen der Sahara und dem Sambesi einfach
in Luft auflösen würde, würde bei uns kein einziger
Arbeitsplatz wackeln…

Hier stimme ich Dir uneingeschränkt zu: Es würde vielleicht sogar Arbeitsplätze schaffen, da wir mehr arbeiten müssten, ziemlichen Aufwand treiben müssten, Ersatz woanders in der Welt zu finden …
George W. Bush hat vor kurzem eine riesige Summe als Subvention für die US-Baumwollfarmer bewilligt und drückt damit die (qualitativ bessere!) Baumwolle aus Afrika aus dem Markt (vielleicht weiß jemand die Summe. Die, die ich in Erinnerung habe, nenne ich nicht, da zu unwahrscheinlich hoch). Das Wegfallen Afrikas würde also keinem einzigen amerikanischen Baumwollarbeiter den Arbeitsplatz kosten :wink:)

Gruß, Stucki

hi phil,

die these der abhängigkeit der industrienationen von den rohstoffen der entwicklungsländer wird im „lexikon der populären irrtümer“ sehr schön widerlegt.
ein alternativer nobelpreisträger wies den zusammenhang von elend und mangelender demokratie nach.
warum sind denn nicht alle entwicklungsländer so elend dran, sondern nur die afrikanischen?
warum geht es denen besser, die freien handel einigermaßen zulassen?
das ist mir noch nicht ganz klar.

strubbel
=:open_mouth:)

die these der abhängigkeit der industrienationen von den
rohstoffen der entwicklungsländer wird im „lexikon der
populären irrtümer“ sehr schön widerlegt.

Danke für den Hinweis. Ich werde mal reinschmökern. In den letzten 20 Jahren hat sich zwar einiges getan, was den Rohstoff-Import aus den Entwicklungsländern angeht (sie exportieren nämlich immer weniger), doch bleibe ich bei der Ansicht, daß historisch gesehen die Ausbeutung der Rohstoffe gerade auf dem afrikanischen Kontinent einen enormen Anteil am Aufbau der Manufakturen und später der Industrie im Westen hatte (ich rede hier von einer Zeitspanne von 400 Jahren). Interessanterweise exportierten manche afrikanischen Länder in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen mehr, als heute, trotz massivem technischem Fortschritt. Das lag in der Tat an der guten Infrastruktur dieser Länder (z.B. Eritrea! - Heute ein verwüstetes Minenfeld).

ein alternativer nobelpreisträger wies den zusammenhang von
elend und mangelender demokratie nach.

Ita est. Die lokalen politischen Eliten wurden vom Westen instrumentalisiert und der Westen war in den wenigsten Fällen an einer Demokratisierung interessiert.

warum sind denn nicht alle entwicklungsländer so elend dran,
sondern nur die afrikanischen?

Ist die Frage woran du das Elend misst. Indien z.B., eine Atommacht mit Hochindustriezentren hat sieht im Schnitt ganz gut aus. Beobachtet man aber Einzelfälle aus der ärmeren Bevölkerungsmehrheit kann man wirklich nicht von „gut leben“ sprechen.

Afrika ist neben Lateinamerika der Kontinent mit der längsten Kolonialgeschichte. Der Unterschied war nur, daß in Lateinamerika Siedlerkolonien waren, in die wahnsinnige Ressourcen flossen um sie aufzubauen (und die - Beispiel Sklavenhandel - aus Afrika gezogen wurden). Den wenigen Siedlerkolonien in Afrika geht es heute auch vergleichsweise gut, weil auch dort mehr reingepumpt wurde, als herausgeholt (z.B. Südafrika).

warum geht es denen besser, die freien handel einigermaßen
zulassen?

Wem geht es besser? Indonesien? Einer der „Tigerstaaten“? Hier findet man eine enorme Kapitalakkumulation in den Händen einer kleinen Schicht. Der Rest hat nichts.

China, seit es Freihandelszonen eingerichtet hat? Der Staat profitiert zusammen mit den Funktionären.

Ein Anstieg des BSP sagt nichts über die wahren Gegebenheiten aus, wie mein Beispiel den tanzanischen Fischers belegte, der sehr sehr viel weniger als das Durchschnittseinkommen verdient.

Freier Handel kann durchaus einen großen Teil der Bevölkerung nutzen, wenn demokratische Institutionen über die Kapitalverteilung wachen. Und ich bezweifle die Idee, daß durch freien Handel automatisch Bürgerrechte geschaffen werden.

Viele Grüße,

Phil

Hi

… Der Grund
für die Unterstützung diktatorischer Regime lag in der „Abwehr
des Kommunismus“.

Was auf das Gleiche hinaus läuft: Die entwickelte Welt
verbiegt die afrikanische nach seinen Interessen.

Sagen wir mal… man vertritt seine Interessen. :-/ gab es schon immer und wird es auch immer geben.

… Korruption tut ein übriges,
um westliche Industrien eher abzuschrecken… So arbeiten
beispielsweise Europäische Minen kostengünstiger als so manche
Afrikanische Mine, weil besser Ausgebildetes personal, bessere
infrastruktur, mehr Planungssicherheit und viel geringere
Korruption besteht. Wenn man zum Eröffenen einer Mine erst mal
die halbe Regierung bestechen muß, dann verlieren viele
Unternehmen einfach die Lust.

Um nur einige zu nennen: Kupferminen im Kongo, Erdöl in
Nigeria …

Simpel gesagt: Afrika hat viele Bodenschätze, aber das Volumen, was gewonnen wird, ist gesamtwirtschaftlich Betrachtet von geringer Bedeutung für uns. Interessanterweise wird ja gerade in den Staaten, die über eine halbwegs stabile und halbwegs integere Regierung verfügen, am meisten abgebaut… Das von dir angesprochene Katanga-gebiet in DRC ist ein schönes Beispiel, wie man durch Verstaatlichung die Gans umbringen kann, die eigentlich Goldene Eier legen könnte. Auf dem Kupfermarkt ist die Katanga-Region zur Bedeutungslosigkeit geschrumpft… Man enteignet nicht straflos zweimal die Konzerne, die dort investierten…

Gerade letzteres ist eine Riesensauerei. Was Shell
im Nigerdelta anstellt, übersteigt jede Vorstellungskraft -
Null Entwicklung, maximaler Gewinn

da brauchst Du mir nix erzählen :-/

  • sowas funktioniert nur,
    wenn man sich eine willfährige Oligarchie hält. Aber man
    mischt sich ja nicht in die inneren Angelegenheiten eines
    Staates ein.

Was war zuerst da? Die Henne oder das Ei? Sprich: wenn die Politischen Pseudoeliten nicht willens sind, was für das Land zu machen, dann ist denen auch nicht zu helfen. Die Afrikanischen Staaten sind nicht die „armen Opfer“, gerade die „Kleptokraten“ sind noch eher Täter als die Konzerne selber (die ich hier keinesfalls in Schutz nehmen möchte… Drecksäcke alle miteinander, die einen mehr, die anderen weniger). Lagerstätten können eben nicht umziehen…

Was auf den Inseln vor der nigerianischen Küste jetzt und
demnächst abläuft, ist ja nur zu ahnen: Sao Thomae ist eines
der erdölreichsten Gegenden in Afrika.

mal sehen, wieviel da wirklich drinnen ist… nirgendwo wird so viel „optimistisch geschätzt“ wie bei den Rohstoffen, wenn man Investoren anlocken will (die meist keine Ahnung von der Materie haben)

Die Amerikaner machen
sich schon breit, einheimische Politiker wissen jetzt schon
was passiert: Völlige Verschmutzung der Küste und des Ozeans,
Verschlechterung der Lebensverhältnisse von 95% der Einwohner
usw. usw. usw.

Die Einheimischen Politiker können es verhindern, wenn Sie

  • ein anständiges Bergrecht einführen
  • Umweltschutzbestimmungen einführen und auf der Umsetzung beharren
  • und keine Bestechungsgelder annehmen…

Hat ja beim Nordseeöl auch geklappt, oder :smile:
Klappt sogar in einigen Afrikanischen Staaten (Namibia, Botswana…)
Komischerweise geht es gerade diesen Staaten vergleichsweise gut, vergl. z.B. mit Nigeria.

Einem Konzern isses wurscht, ob er die ganze Regierung bestechen muß oder ob er die Kohle in den Umweltschutz investiert… Geld kostet beides, und Maßnahmen für den Umweltschutz kann man sogar einfacher von der Steuer absetzen…

Um es etwas überspitzt auszudrücken
Wenn sich Afrika zwischen der Sahara und dem Sambesi einfach
in Luft auflösen würde, würde bei uns kein einziger
Arbeitsplatz wackeln…

Hier stimme ich Dir uneingeschränkt zu: Es würde vielleicht
sogar Arbeitsplätze schaffen, da wir mehr arbeiten müssten,

wieso? für was? Das mit diesen Staaten getriebene Geschäftsvolumen ist, gesamtwirtschaftlich betrachtet, minimal…

ziemlichen Aufwand treiben müssten, Ersatz woanders in der
Welt zu finden …

Nö… Aus der von mir genannten Region kommt kein einziger Rohstoff, der für die Weltwirtschaft essentiell ist… Traurig, aber wahr…

Gruß
Mike

Hallo,

wir könnten noch eine ganze Weile hier diskutieren … was bringt’s? Erstens kümmert sich die Werlt nicht drum, wenn man sich über sie aufregt, zweitens ist ja auch wirklich schwierig, umfassende Information zu bekommen und zu bewerten. Die Wirklichkeit ist weit komplexer als das, was unsereiner aus Zeitungen, Berichten, Büchern heraus holen kann. Mein Beispiel mit Sao Thomae stammt aus DIE ZEIT vor einigen Monaten, die halte ich für ziemlich seriös, mir hat’s damals die Zornesröte ins Gesicht getrieben.
Zwei Dinge sind es, die für mich den „Westen“, die entwickelte Welt als in der Schuld stehend erscheinen lassen:

  1. Jahrhunderte lang hat man die Menschen dort unterdrückt, nicht im Geringsten „nächstenliebend“ behandelt. Wenn man dort mehr hinein gepumpt hat als wieder herauskam, so ist das wohl im Wesentlichen der weißen (!) Oberschicht zugute gekommen.
  2. Wir tragen unsere angeblich so hoch stehende Moral und bessere Weltauffassung, an der die ganze Welt genesen soll, immer wie eine Monstranz vor uns her und schauen dann z.B. in Ruanda tatenlos zu, wie in 10 Wochen fast 1 Mill. (1.000.000) Menschen mit Macheten massakriert werden, schlagen aber im Irak damit herum, um die Menschen dort endlich an unserem Glück teilhaben zu lassen.

Schönes Wochenende und Gruß,
Stucki

Hallo,

speziell hinsichtlich der ehemaligen Deutschen Schutzgebiete muss schon die Frage erlaubt sein, weshalb eigentlich Entschädigungen gezahlt werden sollten. Deutschland hat in seine damaligen Schutzgebiete wesentlich mehr investiert als heraus geholt. Und da ist die Manpower der deutschen Siedler noch gar nicht mit eingerechnet. So wurden z. B. die Grundlagen der Infrastruktur des heutigen Namibia von uns Deutschen, z. T. unter großen Kosten, Mühen, und Opfern, geschaffen. Dazu gehörte auch die Herstellung des Landfriedens. Vor der Kolonialzeit herrschte im mittleren und südlichen Südwestafrika jahrzentelanger Krieg zwischen den Hereros und den verschiedenen Hottentottenvölkern. Aus diesem Grund haben z. B. die Hereros durch die Vermittlung englischer Händler Großbritannien ersucht, die Schutzherrschaft über das Land zu übernehmen. Die Briten haben aber angesichts der zu erwartenden Schwierigkeiten und des armen Landes dankend abgewunken.

Den ersten großen Feldzug in einem afrikanischen Schutzgebiet führte das deutsche Reich übrigens gegen die arabischen Sklavenjäger und -händler in Ostafrika. Dadurch wurde ein Gebiet so groß wie ganz Westeuropa von der Sklaverei befreit.

In diesem Zusammenhang sei der ehemalige Gouverneur von Togo, Graf Zech auf Neuhofen zitiert: „Den Eingeborenen hat die deutsche Verwaltung mancherlei Unannehmlichkeiten gebracht und tief in ihr Privatleben eingegriffen. Andererseits haben wir den Sklavenhandel unterbunden, das Halten von Sklaven erschwert und diese seit Jahrhunderten bestehende Praxis in kurzer Zeit nahezu beseitigt. Die Verwaltung hat ausserdem die Eingeborenen-Kulturen verbessert, Raub und Erpressung beseitigt, Schulen errichtet, Verkehrswege erschlossen, durch Tiefbohrungen viele Brunnen geschaffen und verheerende Seuchen wie etwa die Pocken ausgelöscht …“

Zu der heute weit verbreiteten Darstellung eines Völkermordes an den Hereros sei die ehemalige Leiterin des Nationalarchives von Namibia, Brigitte Lau, zitiert: „… ist geschichtlicher Unsinn, und einen „Genozid“ daraus zu machen, ein um so größerer. Der Chor der Historiker, die dies taten, bestand fast ausschließlich aus
Nicht-Namibianern, die keine realistischen
Vorstellungen von den hiesigen Verhältnissen hatten.“
und „Es ist klar, dass das Bild von deutschen Soldaten der Jahrhundertwende als geistiger Urheber eines Herero-Genozids
unangebracht und auf jeden Fall ungenau ist.“ Übrigens
galt Brigitte Lau als „linke“ und „progressive“
Historikerin, falls man Historiker überhaupt in solche
Schubladen stecken soll. Jedenfalls stand sie ganz
sicher nicht im Verdacht, die deutschen Kolonialherren
als gute Kolonialherren darstellen zu wollen.

Gruß Heike

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Deutsche Kolonialszeit / Brigitte Lau
Hallo Heike.

Hallo,

speziell hinsichtlich der ehemaligen Deutschen Schutzgebiete
muss schon die Frage erlaubt sein, weshalb eigentlich
Entschädigungen gezahlt werden sollten. Deutschland hat in
seine damaligen Schutzgebiete wesentlich mehr investiert als
heraus geholt. Und da ist die Manpower der deutschen Siedler
noch gar nicht mit eingerechnet. So wurden z. B. die
Grundlagen der Infrastruktur des heutigen Namibia von uns
Deutschen, z. T. unter großen Kosten, Mühen, und Opfern,
geschaffen. Dazu gehörte auch die Herstellung des
Landfriedens. Vor der Kolonialzeit herrschte im mittleren und
südlichen Südwestafrika jahrzentelanger Krieg zwischen den
Hereros und den verschiedenen Hottentottenvölkern. Aus diesem
Grund haben z. B. die Hereros durch die Vermittlung englischer
Händler Großbritannien ersucht, die Schutzherrschaft über das
Land zu übernehmen. Die Briten haben aber angesichts der zu
erwartenden Schwierigkeiten und des armen Landes dankend
abgewunken.

a) Das Argument ist immer das Gleiche, wenn Nationalstaaten in Gebiete einfallen, die über keine staatliche Souveränität verfügen: Herstellung von Recht und Ordnung, Aufbau der Infrastuktur, Zivilisierung (und Christianisierung) der „armen Wilden“ zu ihrem eigenen Wohl (siehe unten).
b) Die eigenen Begründungen für das Eingreifen europäischer Mächte auf dem afrikanischen Kontinent können durchaus aus der Sicht der „zivilisierten“ Besatzer wohlgesonnen klingen und in der damaligen Zeit „hehre Ziele“ bei der missionarischen Zivilisierung der Welt gewesen sein (nämlich andere an den großartigen Errungenschaften teilhaben zu lassen – im Notfall mit dem nötigen Druck). Das ändert aber nichts an dem Schaden, den sie damit angerichtet haben.

Den ersten großen Feldzug in einem afrikanischen Schutzgebiet
führte das deutsche Reich übrigens gegen die arabischen
Sklavenjäger und -händler in Ostafrika. Dadurch wurde ein
Gebiet so groß wie ganz Westeuropa von der Sklaverei befreit.

So weit meine Kenntnisse reichen, war das etwas diffiziler:

  1. Der Sklavenhandel an der Ostküste Afrikas wurde von den omanischen Sultanen betrieben, die 1841 ihr Machtzentrum von Muskat nach Sansibar verlegten. Obwohl die ersten arabischen u. persischen Machthaber bereits ab dem 8.Jahrhundert n.Chr. auf Sansibar Fuß fassten und ausgedehnte Handelrouten etablierten, übernahmen die Portugiesen (seit Vasco da Gama 1499) die Macht an der Ostküste für die nächsten 200 Jahre. Auch wenn der Sklavenhandel bis zum Beginn des 19.Jahrhunderts nicht sehr stark ausgeprägt war, profitierten nun die Portugiesen davon.

  2. Erst 1811 etablierte Sultan Sayyid Bargash Bin Said („der Große“) den großen Sklavenmarkt auf Sansibar, als sich die meisten Kolonialherren gerade von der Sklaverei losgesagt hatten (z.B. Großbritannien 1807, in ihren Kolonien: 1833). Der steigende Bedarf an Sklaven aus Ostafrika wurde zum einen durch die großangelegten Plantagen auf Sansibar ausgelöst, als auch durch französische Pflanzungen auf Mauritius und Reunion und durch Brasilianische Pflanzer, denen durch das britische Seehandelsverbot der Zugang zum Sklavenmarkt in Westafrika verschlossen war. Damit begann die Zeit eines der brutalsten Sklavenmärkte. Im Zuge der „Markterschließung“ dehnte sich der Einfluss des Sultanats bis weit ins Festland Afrikas aus. Ironischerweise führte also die Anbindung Sansibars an den internationalen Handel mit europäischen Mächten zu einem enormen Anstieg des „Umsatzes“ und die Befriedung der Gebiete, die unter den brutalen Methoden der Sklavenfänger litten, wurde dann später das Argument für deren Besetzung und Kolonisierung.

  3. Die Sklaverei an der Ostküste wurde nicht von den Deutschen abgeschafft, sondern von den Briten, die mit dem Sultan ab 1822 verschiedene Verträge zur Abschaffung des Sklavenhandels abschlossen (kein Verkauf mehr an Christen), aber erst 1876 wurde er endgültig verboten. Dennoch wurde auf dem Festland bis zum Ende des Ersten Weltkrieges weiterhin Sklavenhandel betrieben. Erst als auch das Festland britisches Protektorat wurde, nahm der unmenschliche Handel ein Ende.

  4. Die Deutschen begannen mit der Deutsch-Ostafrika Gesellschaft (Motto: „Ein Platz an der Sonne“) erst ab 1884 Hoheit über einige Gebiete durch Verträge zu erlangen. 1886-1890 handelten die Briten und Deutschen Verträge aus (Demarkation der Einflusssphären und Tausch von Sansibar gegen Helgoland) und die deutsche Kolonialzeit begann 1891.

  5. Das führte dann zum Maji Maji – Auftstand (1905-1907), der in den ersten 2 Jahren nach amtlicher Schätzung etwa 75.000 „Rebellen“ das Leben kostete. Tansanische Wissenschaftler rechnen heute mit einer Opferzahl von 250.000 – 300.000, die an den Folgen der Vernichtung ganzer Ernten durch die Besatzungsmacht starben. Auf deutscher Seite fielen 15 !!! Soldaten, da hautpsächlich Hilfstruppen aus Indigenen für die Deutschen kämpften (vgl. John Iliffe, 1979).
    (Aus sansibarischer Sichtweise wird heute übrigens die Kolonialisierung vor dem Hintergrund der christlichen Missionierung gegen den fortschreitenden Einfluss des Islams gesehen.)

Das soll nicht heißen, dass die Briten die guten Besatzer Tanganjikas waren und die Deutschen die Bösen. Tatsächlich sprechen die meisten Tansanier heute besser von der Deutschen Kolonialzeit, als von der Englischen, aber dass mag auch daran liegen, dass die Engländer noch wesentlich besser in Erinnerung geblieben sind (Unabhängigkeit 1961/63).

In diesem Zusammenhang sei der ehemalige Gouverneur von Togo,
Graf Zech auf Neuhofen zitiert: „Den Eingeborenen hat die
deutsche Verwaltung mancherlei Unannehmlichkeiten gebracht und
tief in ihr Privatleben eingegriffen. Andererseits haben wir
den Sklavenhandel unterbunden, das Halten von Sklaven
erschwert und diese seit Jahrhunderten bestehende Praxis in
kurzer Zeit nahezu beseitigt. Die Verwaltung hat ausserdem die
Eingeborenen-Kulturen verbessert, Raub und Erpressung
beseitigt, Schulen errichtet, Verkehrswege erschlossen, durch
Tiefbohrungen viele Brunnen geschaffen und verheerende Seuchen
wie etwa die Pocken ausgelöscht …“

Dazu ein kleines Gegenzitat aus einem Bericht des Bezirksamtes Kilwa (Tanganjika) von 1905:
„…Haben wir Überproduktion an ausgebildeten, intelligenten Schülern, so schaffen wir… ein Proletariat, das für die Kolonie eher von Schaden als von Nutzen ist … Denn wie bisher jeder Swahili, der nur Arabisch oder Kiswahili lesen konnte, sich als „Mwalimu“ (Lehrer) ausgab, und nicht daran dachte, seinen Unterhalt durch Handarbeit zu erwerben, glaube ich bestimmt annehmen zu können, dass die an unseren Schulen ausgebildeten Schüler sich viel zu vornehm dünken werden, noch zu arbeiten. Ein…großer Teil wird verbummeln…“
(Nationalarchiv Dar-Es-Salaam, G9/59: 8. Zitiert nach: Ansprenger, Franz, „Politische Geschichte Afrikas im 20.Jahrhundert“, - München, Beck 1997.)

Aus diesem Zitat kann man sehr schön die bodenlose Überheblichkeit der Kolonialbeamten herauslesen und dann erscheinen deren eigenen Beschreibungen auch in einem andern Licht.

Zu der heute weit verbreiteten Darstellung eines Völkermordes
an den Hereros sei die ehemalige Leiterin des Nationalarchives
von Namibia, Brigitte Lau, zitiert: „… ist
geschichtlicher Unsinn, und einen „Genozid“ daraus zu machen,
ein um so größerer. Der Chor der Historiker, die dies taten,
bestand fast ausschließlich aus
Nicht-Namibianern, die keine realistischen
Vorstellungen von den hiesigen Verhältnissen hatten.“
und „Es ist klar, dass das Bild von deutschen Soldaten der
Jahrhundertwende als geistiger Urheber eines Herero-Genozids
unangebracht und auf jeden Fall ungenau ist.“
Übrigens
galt Brigitte Lau als „linke“ und „progressive“
Historikerin, falls man Historiker überhaupt in solche
Schubladen stecken soll. Jedenfalls stand sie ganz
sicher nicht im Verdacht, die deutschen Kolonialherren
als gute Kolonialherren darstellen zu wollen.

Birgitte Lau wurde durchaus in ihrer Veröffentlichung Revisionismus vorgeworfen (Uncertain Certanities, 1989, auf Deutsch: http://members.fortunecity.com/dikigoros/hererokrieg…).
Ihre Argumente wurden interessanterweise erst kürzlich von Geschichtswissenschaftlern wieder aufgegriffen (K. Lorenz, 2001), als Herero-Chiefs damit begannen öffentlich Entschädigungen zu verlangen und Klage gegen die Deutsche Bank u.a. vor einem US-amerikanischen Gericht wegen Genozids einreichten. Die Widerlegung der Genozid-Absicht wird durch die Analyse des Aufstands aus militärstrategischer Sichtweise erreicht, wobei die Argumente (in Kürze) so aussehen:

  • viel weniger Tote, als angenommen (statt 50.000 nur 20.000).

  • Hereros sind selbst schuld, weil sie in die Wüste geflohen sind.

  • Aus militärischer Sichtweise hat die Wüste sie umgebracht und nicht General v. Trotha mit der Schutztruppe.

Die Argumentation von Lau und Lorenz folgt in dieser Hinsicht der Lobbyarbeit des Traditionsverbandes (http://www.traditionsverband.de). Ein Blick auf deren Seiten (von denen ich mich ausdrücklich distanziere) offenbart die rechte Grundhaltung (*Schauder*).
Allerdings geht es B. Lau auch darum aufzuzeigen, dass das Bild des armen, passiven Wilden ebenso eine eurozentrische Sichtweise darstellt, die so nicht aufrecht erhalten werden kann.

Insgesamt finde ich dieses Thema ziemlich schwer zu durchschauen und ich vertraue auch kaum den Zahlen, die ich selbst nannte, da sehr vieles, was darüber publiziert wurde mit einer propagandistischen Absicht veröffentlicht wurde (vgl. Horst Drechsler, 1966 (das DDR-Pamphlet gegen den Imperialismus der BRD) oder Karla Poewe, 1985 (mitunter Herleitung der Vernichtungsstrategie der Nazis von den kolonialen Erfahrungen)).

Viele Grüße,

Phil

Hallo!

  1. Die Geschichte des ehemaligen Schutzgebietes Deutsch-Ostafrika und speziell des Kampfes gegen die Sklaverei ist noch weit diffiziler, als bisher in diesem Forum dargestellt. Ich bin aber gewohnt, mich auf das Wesentliche zu beschränken und die Dinge auf den Punkt zu bringen. Die oftmals wenig ergiebigen Ausführungen drum herum überlasse ich gerne Anderen. In der Sache selber stelle ich abschließend fest: Die Verdienste der Deutschen im Kampf gegen die Sklaverei in Afrika können nicht bestritten werden. Der Feldzug der Wissmann-Truppe mit teilweiser Unterstützung durch deutsche Marinestreitkräfte von 1889/90 (Buschiri- oder Araberaufstand) war der entscheidende Schlag gegen die Sklavenjäger und -händler in Ost- und Zentralafrika.

  2. Man muss den Verantwortlichen in den deutschen Schutzgebieten zugute halten, dass sie in der Regel bemüht waren, nach bestem Wissen und Können zum Wohl des Landes und seiner Bewohner zu handeln. Das können nicht alle der heutigen Machthaber in Schwarzafrika von sich behaupten. Kein deutscher Gouverneur hat das ihm anvertraute Schutzgebiet auch nur annähernd so heruntergewirtschaftet wie beispielsweise Mugabe sein Simbabwe. Selbstgefällig ist, wie heute aus der Sicht des Jahres 2003 die Geschichte von vor 100 Jahren beurteilt und über die damals Handelnden gerichtet wird.

  3. Bezüglich der Opfer unter den Eingeborenen in den deutschen Kolonialkriegen, speziell im Maji-Maji-Aufstand und im Herero-Krieg, sei folgendes gesagt: Schuld an einem Krieg ist, wer dazu aufruft und den ersten Schuss abgibt. Die hohen Gefechtsverluste auf Seiten der Aufständischen und die Diskrepanz zu den deutschen Verlusten im Maji-Maji-Aufstand sind in erster Linie auf die Kampfweise der Maji-Maji-Krieger zurückzuführen. Diese stürzten sich (im Glauben, unverwundbar zu sein) rücksichtslos in das feindliche Feuer wie 1898 die Mahdisten bei Omdurman. Einzelheiten dazu können den zeitgenössischen Berichten entnommen werden, die ich hiermit nachdrücklich zu lesen empfehle.

  4. Tatsächlich existieren zahlreiche Werke über den Hererokrieg, von Dressler (links) über Bley (nicht viel besser als Dressler), Krüger (Ableger von Bley), Nuhn (Kopfschütteln), Lorenz (Fachmann), Rahn (konservativ) bis Nordbruch (rechts), um nur einige zu nennen. Gut so, eine demokratische Gesellschaft lebt von der Meinungsvielfalt. Schlecht ist allerdings, dass in Deutschland das Meinungsbild zum Hererokrieg geprägt ist von Vorurteilen und Halbwahrheiten bis hin zu Lügen (man denke nur an das heute noch zitierte Blaubuch für Südwestafrika – siehe hierzu u. a. die Seiten der Gesellschaft für bedrohte Völker, von deren Inhalt ich mich ausdrücklich distanziere), eben von ungewissen Gewissheiten. Aus diesem Grund empfehle ich allgemein den betreffenden Aufsatz von Brigitte Lau. Auf wenigen Seiten und auch für den Laien verständlich werden hier diese sogenannten Gewissheiten hinterfragt. Übrigens: Brigitte Lau den Vorwurf des Revisionismus zu machen ist so, als würde man Che einen Konterrevolutionär nennen. Den Leuten, welche diesen Unsinn über Brigitte Lau verbreiten, lege ich dringend nahe, sich einmal mit deren Vita zu befassen.

Ansonsten kann ich jedem Interessierten in Sachen deutsche Kolonialgeschichte nur raten, sich nicht einfach aus dem Internet ein oberflächiges Scheinwissen zusammenzulesen, sondern sich anhand von Originalquellen ein eigenes Bild und eine eigene Meinung zu verschaffen.

Gruß, Heike

Hallo!

Gut gekontert :wink:

… Die Verdienste der Deutschen im Kampf gegen die
Sklaverei in Afrika können nicht bestritten werden. Der
Feldzug der Wissmann-Truppe mit teilweiser Unterstützung durch
deutsche Marinestreitkräfte von 1889/90 (Buschiri- oder
Araberaufstand) war der entscheidende Schlag gegen die
Sklavenjäger und -händler in Ost- und Zentralafrika.

  1. Man muss den Verantwortlichen in den deutschen
    Schutzgebieten zugute halten, dass sie in der Regel bemüht
    waren, nach bestem Wissen und Können zum Wohl des Landes und
    seiner Bewohner zu handeln…

Stimme ich zu. Es sind durchaus hehre Ziele gewesen – aus der damaligen Perspektive betrachtet. In der gegen Ende des 19.Jahrhunderts einsetzenden Militarisierung Europas und der imperialistischen Ideologie kann es durchaus als legitimes Mittel angesehen worden sein, der ganzen Welt die eigene überlegene Kultur auch mit Gewalt näher zu bringen. Wie schief das gehen kann, zeigt auch heute noch die Problematik auf, die durch die US-amerikanischen Befreier in Afghanistan und in Irak entsteht.

Im Falle Tansanias braucht man sich nur einmal den Lebenslauf des Carl Peters anzusehen, der im Auftrag der Deutsch-Ostafrika Gesellschaft die Gebiete in Tansania erwarb, die später zur Kolonie wurden. Seine Methoden: Betrug, Raub, Entführung, Bedrohung.

Der Bushiri-Aufstand war gegen die Fremdbestimmung gerichtet und die Niederschlagung mit der Zerstörung sämtlicher daran beteiligter Städte und Dörfer diente wohl mehr der Machterhaltung, als dem idealistischen Kampf gegen Sklavenhandel. Die Deutschen waren zu diesem Zeitpunkt noch selbst auf die Karawanen angewiesen, die das hochbegehrte Elfenbein auf Sklavenrücken transportierten (Lautherborn, Christian).

Aber worin liegt denn der Vorteil für die Kolonisierten, wenn sie mittels einer Hüttensteuer gezwungen werden, ihre Subsistenz-Wirtschaft aufzugeben und ihre Arbeitskraft zu Markte zu tragen, damit der Export gesteigert werden kann? Worin liegt der Vorteil, wenn Männer Frondienste auf den Baustellen der Kolonialherren ableisten mussten?

Das können nicht alle der heutigen
Machthaber in Schwarzafrika von sich behaupten. Kein deutscher
Gouverneur hat das ihm anvertraute Schutzgebiet auch nur
annähernd so heruntergewirtschaftet wie beispielsweise Mugabe
sein Simbabwe…

Ich will nicht einen Diktator wie Robert Mugabe verteidigen, oder ihn durch einen Vergleich mit den Kolonialherren in ein besseres Licht stellen. Durchaus berechtigt ist jedoch die Frage, inwieweit die Englische Kolonialherrschaft und die darauf folgende Minderheitsregierung der weißen Siedler bis 1980 die Weichen für das folgende totalitäre Regime gestellt haben. Mugabe steckte seit der Unabhängigkeitskämpfe in der Klemme zwischen den Forderungen der Mehrheit nach Landreformen (5000 Weiße besaßen 50% des fruchtbaren Landes) und der Abhängigkeit vom Know-How und Kapital der weißen Siedler (sie produzierten 80% der landwirtschaftlichen Produkte).

…Selbstgefällig ist, wie heute aus der Sicht des
Jahres 2003 die Geschichte von vor 100 Jahren beurteilt und
über die damals Handelnden gerichtet wird.

Grundlegend ist m.E. der Versuch die Intention der Handelnden zu erforschen, um die Gründe für die Auswirkungen zu verstehen. Würden wir aber nicht aus der Geschichte lernen und aus dem Wechselspiel von Ursache und Wirkung Schlüsse ziehen (und das heißt anhand des gegenwärtigen Wissens darüber zu urteilen), hieße das, die eigene und gesellschaftliche Identität aufzulösen. Selbstgefällig ist vor allem, wie selbstverständlich die eigene Kultur als universeller, überlegener Maßstab angelegt wird.

(Der sehr gute Dokumentarfilm „Befreien Sie Afrika!“ beleuchtet mit Archivmaterial sehr augenfällig das Verhältnis von Deutschland zu seinen Kolonien und späteren Entwicklungshilfepartnern.)

  1. Bezüglich der Opfer unter den Eingeborenen in den deutschen
    Kolonialkriegen, speziell im Maji-Maji-Aufstand und im
    Herero-Krieg, sei folgendes gesagt: Schuld an einem Krieg ist,
    wer dazu aufruft und den ersten Schuss abgibt.

Also waren die Serben die Auslöser und Schuldigen des 1. Weltkrieges?
Wenn man den Kontext eines Konfliktes nicht betrachtet ist es unmöglich ihn auch nur annähernd zu begreifen (und hier hat B.Lau zugegebenermaßen Vorarbeit geleistet). Am Beispiel des Maji-Maji-Aufstandes war das die Vorenthaltung der Selbstbestimmung; die versuchte Umformung einer gewachsenen Gesellschaft zu einer mit westlichen Vorstellungen kompatiblen Kultur; kurz, die absolute Fremdherrschaft. Denn im Gegensatz zu anderen afrikanischen Eroberern trachteten gerade die Kolonialherren danach sich ein eigenes Paradies in der Sonne zu errichten (ich erwähne hier nur mal kurz den Wahn nach Exotik, der um die Jahrhundertwende die westliche Welt heimsuchte).

  1. Tatsächlich existieren zahlreiche Werke über den
    Hererokrieg, von Dressler (links) über Bley (nicht viel besser
    als Dressler), Krüger (Ableger von Bley), Nuhn
    (Kopfschütteln), Lorenz (Fachmann), Rahn (konservativ) bis
    Nordbruch (rechts), um nur einige zu nennen. Gut so, eine
    demokratische Gesellschaft lebt von der Meinungsvielfalt.
    Schlecht ist allerdings, dass in Deutschland das Meinungsbild
    zum Hererokrieg geprägt ist von Vorurteilen und Halbwahrheiten
    bis hin zu Lügen (man denke nur an das heute noch zitierte
    Blaubuch für Südwestafrika – siehe hierzu u. a. die
    Seiten der Gesellschaft für bedrohte Völker, von deren Inhalt
    ich mich ausdrücklich distanziere), eben von ungewissen
    Gewissheiten. Aus diesem Grund empfehle ich allgemein den
    betreffenden Aufsatz von Brigitte Lau. Auf wenigen Seiten und
    auch für den Laien verständlich werden hier diese sogenannten
    Gewissheiten hinterfragt.

Ich glaube nicht, dass es Sinn macht, Wissenschaftler in „links“, „Fachmänner“ und „rechts“ einzuteilen um damit ihre Glaubwürdigkeit zu beweisen – vor allem nicht in unseren postmodernen Zeiten, wo die politischen Richtungen miteinander verschwimmen. Genauso, wie der Traditionsverband als Quelle akzeptiert werden kann, gilt das auch für die GfbV. Beide verfolgen mit ihren Daten jedoch andere Ziele, über die man sich Klarheit verschaffen sollte.

Übrigens: Brigitte Lau den Vorwurf
des Revisionismus zu machen ist so, als würde man Che einen
Konterrevolutionär nennen. Den Leuten, welche diesen Unsinn
über Brigitte Lau verbreiten, lege ich dringend nahe, sich
einmal mit deren Vita zu befassen.

Ich schrieb, „es wurde ihr durchaus Revisionismus vorgeworfen“, weil sie am überlieferten Dogma des Genozids kratzte und ihre Argumentation wurde später von Revisionisten aufgegriffen. Mir geht es nicht darum zu beweisen oder zu wiederlegen, ob ein Genozid stattgefunden hat, sondern um die Entkräftung der Ideologie, dass die Art wie wir leben universellen Charakter hat und nur das Beste für alle bedeutet, wenn sie sich dieser annehmen. Im Rahmen der Entschädigungsdebatte heißt dass, die Unrechtmäßigkeit der Besetzung per se anzuerkennen und nicht die Opfer aufzuwiegen mit den Infrastrukturmaßnahmen, welche die Kolonialherren durchführten.

Ansonsten kann ich jedem Interessierten in Sachen deutsche Kolonialgeschichte nur raten,
sich nicht einfach aus dem Internet ein oberflächiges Scheinwissen zusammenzulesen,
sondern sich anhand von Originalquellen ein eigenes Bild und eine eigene Meinung zu
verschaffen.

Dazu ein Zitat aus der Einleitung verfasst von „der Redaktion“ des Traditionsverbandes zum Text von Birgit Lau:

„Deswegen freuen wir uns ganz besonders, hier ein wissenschaftlich fundiertes Werk präsentieren zu können, das von einer anerkannten Kennerin der Materie verfasst wurde. Wie der Leser aus dem Lebenslauf von Frau Lau entnimmt, war sie nicht nur Leiterin des National Archives in Namibia, sondern gehört – wenn man Historiker überhaupt in politische Schubladen sortieren sollte - als Verfasserin eher progressiver Texte bestimmt nicht in die „rechte Ecke“. Vorwürfen, dass es sich um revisionistischen Unfug handelt, sollten damit von vorn herein „der Wind aus den Segeln genommen“ sein.“
(http://www.traditionsverband.de/magazin/einleitung.html)

Ich Danke für die interessante Diskussion (ist nicht ironisch gemeint).

Grüße,

Phil