Hallo!
Gut gekontert 
… Die Verdienste der Deutschen im Kampf gegen die
Sklaverei in Afrika können nicht bestritten werden. Der
Feldzug der Wissmann-Truppe mit teilweiser Unterstützung durch
deutsche Marinestreitkräfte von 1889/90 (Buschiri- oder
Araberaufstand) war der entscheidende Schlag gegen die
Sklavenjäger und -händler in Ost- und Zentralafrika.
- Man muss den Verantwortlichen in den deutschen
Schutzgebieten zugute halten, dass sie in der Regel bemüht
waren, nach bestem Wissen und Können zum Wohl des Landes und
seiner Bewohner zu handeln…
Stimme ich zu. Es sind durchaus hehre Ziele gewesen – aus der damaligen Perspektive betrachtet. In der gegen Ende des 19.Jahrhunderts einsetzenden Militarisierung Europas und der imperialistischen Ideologie kann es durchaus als legitimes Mittel angesehen worden sein, der ganzen Welt die eigene überlegene Kultur auch mit Gewalt näher zu bringen. Wie schief das gehen kann, zeigt auch heute noch die Problematik auf, die durch die US-amerikanischen Befreier in Afghanistan und in Irak entsteht.
Im Falle Tansanias braucht man sich nur einmal den Lebenslauf des Carl Peters anzusehen, der im Auftrag der Deutsch-Ostafrika Gesellschaft die Gebiete in Tansania erwarb, die später zur Kolonie wurden. Seine Methoden: Betrug, Raub, Entführung, Bedrohung.
Der Bushiri-Aufstand war gegen die Fremdbestimmung gerichtet und die Niederschlagung mit der Zerstörung sämtlicher daran beteiligter Städte und Dörfer diente wohl mehr der Machterhaltung, als dem idealistischen Kampf gegen Sklavenhandel. Die Deutschen waren zu diesem Zeitpunkt noch selbst auf die Karawanen angewiesen, die das hochbegehrte Elfenbein auf Sklavenrücken transportierten (Lautherborn, Christian).
Aber worin liegt denn der Vorteil für die Kolonisierten, wenn sie mittels einer Hüttensteuer gezwungen werden, ihre Subsistenz-Wirtschaft aufzugeben und ihre Arbeitskraft zu Markte zu tragen, damit der Export gesteigert werden kann? Worin liegt der Vorteil, wenn Männer Frondienste auf den Baustellen der Kolonialherren ableisten mussten?
Das können nicht alle der heutigen
Machthaber in Schwarzafrika von sich behaupten. Kein deutscher
Gouverneur hat das ihm anvertraute Schutzgebiet auch nur
annähernd so heruntergewirtschaftet wie beispielsweise Mugabe
sein Simbabwe…
Ich will nicht einen Diktator wie Robert Mugabe verteidigen, oder ihn durch einen Vergleich mit den Kolonialherren in ein besseres Licht stellen. Durchaus berechtigt ist jedoch die Frage, inwieweit die Englische Kolonialherrschaft und die darauf folgende Minderheitsregierung der weißen Siedler bis 1980 die Weichen für das folgende totalitäre Regime gestellt haben. Mugabe steckte seit der Unabhängigkeitskämpfe in der Klemme zwischen den Forderungen der Mehrheit nach Landreformen (5000 Weiße besaßen 50% des fruchtbaren Landes) und der Abhängigkeit vom Know-How und Kapital der weißen Siedler (sie produzierten 80% der landwirtschaftlichen Produkte).
…Selbstgefällig ist, wie heute aus der Sicht des
Jahres 2003 die Geschichte von vor 100 Jahren beurteilt und
über die damals Handelnden gerichtet wird.
Grundlegend ist m.E. der Versuch die Intention der Handelnden zu erforschen, um die Gründe für die Auswirkungen zu verstehen. Würden wir aber nicht aus der Geschichte lernen und aus dem Wechselspiel von Ursache und Wirkung Schlüsse ziehen (und das heißt anhand des gegenwärtigen Wissens darüber zu urteilen), hieße das, die eigene und gesellschaftliche Identität aufzulösen. Selbstgefällig ist vor allem, wie selbstverständlich die eigene Kultur als universeller, überlegener Maßstab angelegt wird.
(Der sehr gute Dokumentarfilm „Befreien Sie Afrika!“ beleuchtet mit Archivmaterial sehr augenfällig das Verhältnis von Deutschland zu seinen Kolonien und späteren Entwicklungshilfepartnern.)
- Bezüglich der Opfer unter den Eingeborenen in den deutschen
Kolonialkriegen, speziell im Maji-Maji-Aufstand und im
Herero-Krieg, sei folgendes gesagt: Schuld an einem Krieg ist,
wer dazu aufruft und den ersten Schuss abgibt.
Also waren die Serben die Auslöser und Schuldigen des 1. Weltkrieges?
Wenn man den Kontext eines Konfliktes nicht betrachtet ist es unmöglich ihn auch nur annähernd zu begreifen (und hier hat B.Lau zugegebenermaßen Vorarbeit geleistet). Am Beispiel des Maji-Maji-Aufstandes war das die Vorenthaltung der Selbstbestimmung; die versuchte Umformung einer gewachsenen Gesellschaft zu einer mit westlichen Vorstellungen kompatiblen Kultur; kurz, die absolute Fremdherrschaft. Denn im Gegensatz zu anderen afrikanischen Eroberern trachteten gerade die Kolonialherren danach sich ein eigenes Paradies in der Sonne zu errichten (ich erwähne hier nur mal kurz den Wahn nach Exotik, der um die Jahrhundertwende die westliche Welt heimsuchte).
- Tatsächlich existieren zahlreiche Werke über den
Hererokrieg, von Dressler (links) über Bley (nicht viel besser
als Dressler), Krüger (Ableger von Bley), Nuhn
(Kopfschütteln), Lorenz (Fachmann), Rahn (konservativ) bis
Nordbruch (rechts), um nur einige zu nennen. Gut so, eine
demokratische Gesellschaft lebt von der Meinungsvielfalt.
Schlecht ist allerdings, dass in Deutschland das Meinungsbild
zum Hererokrieg geprägt ist von Vorurteilen und Halbwahrheiten
bis hin zu Lügen (man denke nur an das heute noch zitierte
Blaubuch für Südwestafrika – siehe hierzu u. a. die
Seiten der Gesellschaft für bedrohte Völker, von deren Inhalt
ich mich ausdrücklich distanziere), eben von ungewissen
Gewissheiten. Aus diesem Grund empfehle ich allgemein den
betreffenden Aufsatz von Brigitte Lau. Auf wenigen Seiten und
auch für den Laien verständlich werden hier diese sogenannten
Gewissheiten hinterfragt.
Ich glaube nicht, dass es Sinn macht, Wissenschaftler in „links“, „Fachmänner“ und „rechts“ einzuteilen um damit ihre Glaubwürdigkeit zu beweisen – vor allem nicht in unseren postmodernen Zeiten, wo die politischen Richtungen miteinander verschwimmen. Genauso, wie der Traditionsverband als Quelle akzeptiert werden kann, gilt das auch für die GfbV. Beide verfolgen mit ihren Daten jedoch andere Ziele, über die man sich Klarheit verschaffen sollte.
Übrigens: Brigitte Lau den Vorwurf
des Revisionismus zu machen ist so, als würde man Che einen
Konterrevolutionär nennen. Den Leuten, welche diesen Unsinn
über Brigitte Lau verbreiten, lege ich dringend nahe, sich
einmal mit deren Vita zu befassen.
Ich schrieb, „es wurde ihr durchaus Revisionismus vorgeworfen“, weil sie am überlieferten Dogma des Genozids kratzte und ihre Argumentation wurde später von Revisionisten aufgegriffen. Mir geht es nicht darum zu beweisen oder zu wiederlegen, ob ein Genozid stattgefunden hat, sondern um die Entkräftung der Ideologie, dass die Art wie wir leben universellen Charakter hat und nur das Beste für alle bedeutet, wenn sie sich dieser annehmen. Im Rahmen der Entschädigungsdebatte heißt dass, die Unrechtmäßigkeit der Besetzung per se anzuerkennen und nicht die Opfer aufzuwiegen mit den Infrastrukturmaßnahmen, welche die Kolonialherren durchführten.
Ansonsten kann ich jedem Interessierten in Sachen deutsche Kolonialgeschichte nur raten,
sich nicht einfach aus dem Internet ein oberflächiges Scheinwissen zusammenzulesen,
sondern sich anhand von Originalquellen ein eigenes Bild und eine eigene Meinung zu
verschaffen.
Dazu ein Zitat aus der Einleitung verfasst von „der Redaktion“ des Traditionsverbandes zum Text von Birgit Lau:
„Deswegen freuen wir uns ganz besonders, hier ein wissenschaftlich fundiertes Werk präsentieren zu können, das von einer anerkannten Kennerin der Materie verfasst wurde. Wie der Leser aus dem Lebenslauf von Frau Lau entnimmt, war sie nicht nur Leiterin des National Archives in Namibia, sondern gehört – wenn man Historiker überhaupt in politische Schubladen sortieren sollte - als Verfasserin eher progressiver Texte bestimmt nicht in die „rechte Ecke“. Vorwürfen, dass es sich um revisionistischen Unfug handelt, sollten damit von vorn herein „der Wind aus den Segeln genommen“ sein.“
(http://www.traditionsverband.de/magazin/einleitung.html)
Ich Danke für die interessante Diskussion (ist nicht ironisch gemeint).
Grüße,
Phil