Frage zu Charakteristik

Hallo,
habe gerade folgende Charakterisik des Mannes vom Text „Das Brot“ von Wolfgang Borchert gefunden. Was haltet ihr davon? Ist das überhaupt eine Charakterisierung?

Hier der Text (ohne Einleitung und Schluss):
Der Ehemann ist 63 Jahre alt. Als sich das Ehepaar in der Küche trifft hat er ein Hemd an und ist Barfuß unterwegs. Nach Meinung seiner Frau sieht er Nachts im Hemd so alt aus wie er ist. Er ist Arbeiter und beim Wiederaufbau des zerstörten Deutschlands beteiligt. Durch die Ausdrucksweise des Ehepaares kann man drauf schließen, dass die Geschichte in Norddeutschland spielt. In dieser Zeit waren Lebensmittel äußerst knapp. Aus diesem Grund steht er eines Nachts auf das er noch Hunger hat. Er isst einen Teil der Brotration des nächsten Tages. Seine Frau erwischt ihn dabei. Er versucht sich aus der Affäre zu ziehen indem er sagt „Ich dachte, hier wäre was“. Durch sinnloses umhersehen in der Küche versucht er diese Aussage zu stärken. Während dessen möchte er vom Thema ablenken indem er seine Frau darauf hinweist dass es besser für sie wäre, Schuhe anzuziehen. Seiner Frau ist es nicht entgangen, dass er von dem Brot gegessen hat. Sie kann ihn aber nicht darauf ansprechen. Sie äußert die Vermutung, dass das Geräusch wohl von draußen kommt. Er sieht drauf hin zum Fenster und geht sofort auf diese Vermutung ein. Sie tappen beide über den Korridor wieder ins Bett. Er wiederholt noch mal die von seiner Frau geäußerte Vermutung, dass das Geräusch von draußen kam. Seine Stimme klingt unecht wenn er lügt. Wenige Minuten nachdem er im Bett liegt fängt er leise und vorsichtig an zu kauen. Durch dieses Kauen schläft seine Frau sehr bald ein. Als er am nächsten Tag von der Arbeit heim kommt, bekommt er von seiner Frau vier statt drei Scheiben Brot. Es ist ihm merklich unangenehm dass er von seiner Frau beim „Brotdiebstahl“ erwischt hat.
Insgesamt kann man sagen, dass der Mann in der Geschichte sehr egoistisch gehandelt hat. In der Situation in der er sich befindet, kann mein sein Handeln jedoch sehr gut nachvollziehen.

Hallo M.o.D.,

habe gerade folgende Charakterisik des Mannes vom Text „Das
Brot“ von Wolfgang Borchert gefunden. Was haltet ihr davon?
Ist das überhaupt eine Charakterisierung?

Jein!
Wenn einer meiner Schüler mir diese Charakterisierung vorgelegt hätte, hätte ich gedacht: „Naja, zumindest hat er den Text gelesen!“ Aber damit wären wir auch schon mit dem Positiven durch.
Diese „Charakterisierung“ ist in weiten Teilen eine Abschrift des Textes mit wenig bis null Schlussfolgerungen. Die Beziehung zwischen Mann und Frau, die aufschlussreich auch für die Charakterisierung des Mannes ist, wird kaum berührt und erschöpft sich wiederum in der Abschrift des Originaltextes.

Sagen wir es vorsichtig: Meinen Schülern (zumindest ab Mittelstufe aufwärts) hätt´ ich das Ding um die Ohren gehauen :wink:

Gruß
Dine

Hallo,
danke für die Antwort. Dann ist das also nicht unbedingt ein Beispiel von dem man lernen sollte :wink:
Was würdest du da für eine Note drauf geben? Ne glatte 6 oder doch ned etwas besser?

Hi!

Was würdest du da für eine Note drauf geben? Ne glatte 6 oder
doch ned etwas besser?

Das kommt, wie gesagt, auf die Jahrgangsstufe an. Bei kleinen Fünftklässlern, die bisher kaum Charakterisierungen geschrieben haben, würde ich gewiss eine andere Note geben als bei Oberstufenschülern.

Um welche Klasse geht´s denn bei dir?

Gruß
Dine

Die Charakteristik wurde von einer Schülerin der Vorklasse für die BOS geschrieben.