Frage zu Free Cash Flow

Hallo allesamt,
ich habe Probleme damit, eine Aufgabe in meinem BWL A Skript zu verstehen und waere sehr dankbar, wenn mir jemand ein wenig helfen koennte:

Geg.: Bilanz in t

Aktiva
SachAnlageVermoegen: 20
RohHilfsBetriebsstoffe: 5
LiquideMittel: 5

Passiva
Grundkapital: 10
Kapitalruecklage: 2
Gewinnruecklage: 1
PensRstlg: 5
Kfr. Darlehen: 12

SUMME: 30

In t+1 wurde Material im Wert von 30 gekauft, Forderungen nahmen um 20 zu. Fuer t+1 stehen weitere Daten zur Verfuegung:

Umsatzerloese: 80
Materialverbrauch: 20
Lohn/Gehaltskosten: 10
Bildung Pens.Rstlg.: 10
Investitionsausgaben: 8
Zinsaufwand: 2
AfA auf SAV: 8
Steuersatz: 40%, Steuern zurueckgestellt

a) Ermittele den Free Cash Flow auf indirektem Weg.
b) Berechne Bilanz in t+1, wenn der gesamte Free CF wird zur Tilgung der kfr. Darlehen verwendet wird.

Zu a) In der Loesung steht folgende Rechnung:
Jahresueberschuss (hier 18)

  • Bildung PensRstlg (10)
  • AfA (8)
  • Steuerrstlg (12)
  • Investition (8)
  • delta Bilanz (30)
    ergibt FCF von 10.

Nun verstehe ich aber nicht, weshalb delta Bilanz zu den nicht einzahlungswirksamen Ertraegen gehoert. Wie begruendet man das? Meine Forderungen nehmen um 20 zu, deswegen koennte ich mir jetzt erklaeren, dass diese einen nicht einzahlungswirksamen Ertrag darstellen von 20, aber woher kommen dann die restlichen 10? Etwa von den RHB (ich kaufe 30, verbrauche 20, auf Lager bleiben 10, aber weshalb soll das ein nicht einzahlungswirksamer Ertrag sein)? Ich verstehe die Logik dahinter irgendwie nicht.

Zu b) Die neue Bilanz sieht folgendermassen aus:

Aktiva
SAV: 20
RHB: 15
FoLuL: 20
LiMi: 5

Passiva
GK: 10
KRL: 2
GRL: 1
Bilanzgewinn: 18
PensRstlg: 15
SteuerRstlg: 12
Kfr. Darlehen: 2

SUMME: 60

Ich habe dazu eine Frage zur Natur des Free Cash Flows: Was kann ich mir darunter ueberhaupt vorstellen? Wenn ich damit mein Darlehen tilge, dann muss ich ja etwas zahlen, aber meine Liquiden Mittel bleiben unveraendert bei 5. Wo genau nehme ich mein FCF her und woran erkenne ich es an der Bilanz? Mir kommt es gerade so vor, als waere FCF etwas wundersam Mysterioeses, dass nirgendwo auftaucht aber trotzdem Darlehen tilgen kann…

Vielen Dank fuer Eure Hilfe,
MfG
desperatemathstudent

Hallo,
zu deinen beiden Fragen:

  1. „Nun verstehe ich aber nicht, weshalb delta Bilanz zu den nicht einzahlungswirksamen Ertraegen gehoert. Wie begruendet man das? Meine Forderungen nehmen um 20 zu, deswegen koennte ich mir jetzt erklaeren, dass diese einen nicht einzahlungswirksamen Ertrag darstellen von 20, aber woher kommen dann die restlichen 10? Etwa von den RHB (ich kaufe 30, verbrauche 20, auf Lager bleiben 10, aber weshalb soll das ein nicht einzahlungswirksamer Ertrag sein)? Ich verstehe die Logik dahinter irgendwie nicht.“

Es ist so wie du vermutest, dass der restliche Betrag von 10 tatsächlich der Saldo aus RHB ist, der im Lager ist. Da er aber in Form von Material und nicht von Geld vorliegt, ist in diesem Fall NICHT finanziell einzahlungswirksam.

  1. „Ich habe dazu eine Frage zur Natur des Free Cash Flows: Was kann ich mir darunter ueberhaupt vorstellen? Wenn ich damit mein Darlehen tilge, dann muss ich ja etwas zahlen, aber meine Liquiden Mittel bleiben unveraendert bei 5. Wo genau nehme ich mein FCF her und woran erkenne ich es an der Bilanz? Mir kommt es gerade so vor, als waere FCF etwas wundersam Mysterioeses, dass nirgendwo auftaucht aber trotzdem Darlehen tilgen kann…“

Der Cash Flow ist 1. ein ERTRAGSINDIKATOR, denn er ZEIGT AN die Höhe der vorhandenen Mittel für die Rückzahlung von Kredite und für Dividenden, d.h. die Finanzierungskapazität des Unternehmens. D.h. jedoch, das er eine RECHNERISCHE GRÖßE ist, und keine reelle (wie du ja fragst, „woher nehme ich mein FCF her?“); somit ist der Betrag von 5 an liquiden Mitteln als Größe im Unternehmen zwar vorhanden, aber nicht sofort verfügbar.
Das muss ja auch nicht sein, denn für die Rechnung z.B. vor einem Bankinstitut reicht auch der rechnerische Nachweis, denn der Cash Flow ist 2. auch ein FINANZINDIKATOR, weil er zeigt ob das Unternehmen selbst:
a) INVESTITIONEN erwirtschaften kann
b) SCHULDEN und ZINSEN tilgen kann
c) DIVIDEN auszahlen kann
d) evtl. INSOLVENZGEFÄHRDET ist, wenn negativer CF vorliegt.

So gesehen ist der CF nichts „Mysteriöses“.
Gruss
DISA123

Hallo DISA123,
vielen Dank für deine Antwort! Zu der 1 habe ich aber noch eine kleine Frage:

  1. „Nun verstehe ich aber nicht, weshalb delta Bilanz zu den
    nicht einzahlungswirksamen Ertraegen gehoert. Wie begruendet
    man das? Meine Forderungen nehmen um 20 zu, deswegen koennte
    ich mir jetzt erklaeren, dass diese einen nicht
    einzahlungswirksamen Ertrag darstellen von 20, aber woher
    kommen dann die restlichen 10? Etwa von den RHB (ich kaufe 30,
    verbrauche 20, auf Lager bleiben 10, aber weshalb soll das ein
    nicht einzahlungswirksamer Ertrag sein)? Ich verstehe die
    Logik dahinter irgendwie nicht.“

Es ist so wie du vermutest, dass der restliche Betrag von 10
tatsächlich der Saldo aus RHB ist, der im Lager ist. Da er
aber in Form von Material und nicht von Geld vorliegt, ist in
diesem Fall NICHT finanziell einzahlungswirksam.

Weshalb ist der Lagerbestand von 10 aber ein „Ertrag“ (das mit nicht einzahlungswirksam ist mir jetzt klar)? Denn im Grunde habe ich die 10 RHB auf Lager ja mit Geld gekauft, es ist doch nur eine Ausgabe, oder? Bei den Forderungen habe ich mir es so erklärt, dass sie in die Umsatzerlöse reingerechnet wurden, obwohl die Zahlung dafür noch nicht eingetroffen ist. Bei den Rohstoffen weiß ich aber nicht mehr weiter…

MfG,
desperatemathstudent