ich studiere im ersten Semester Übersetzungswissenschaften und muss gerade eine Hausarbeit erledigen (Englisch-Deutsch-Übersetzung). Soweit eigentlich kein Problem, jedoch bereitet mir die indirekte Rede sowie die damit verbundene Anwendung des Konjunktivs in manchen Sätzen Probleme:
Der Leiter des Organisationskomitees der Fußball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010 hat erneut darauf beharrt, dass das Turnier im Sommer sicher über die Bühne laufen … werde/würde/wird. (ich tendiere zu „werde“)
Die Regierung Südafrikas hat erneut versichert, dass es keine ähnlichen Gewalttätigkeiten geben werde/würde. (auch hier denke ich, dass „werde“ richtig ist, oder?)
Er sagte, dass Südafrika an seiner eigenen Geschichte gemessen werden sollte/solle (?) und nicht an Vorfällen, die sich mehr als vier Flugstunden entfernt davon ereignen (?).
Hallo, Jacqui,
Dein Bauchgefühl in den ersten beiden Fällen trügt Dich nicht. Im dritten Fall ist dann das „sollte“ der Konjunktiv der Wahl.
Gruß
Eckard
Standardmodus für die indirekte Rede ist der Konjunktiv I.
Er beharrt, dass … laufen werde.
Sie versichert, dass … geben werde.
Er sagte, dass … gemessen werden solle und nicht an Vorfällen, die sich … ereignen würden.
Der Satz 3b ist verzwickter:
KI ist: ereignen (liest sich wie der Indikativ, darum wechselt man zum KII)
KII ist: ereigneten (liest sich aber wie Präteritum Indikativ, darum wechselt man zur Ersatzform mit würde)
In den ersten beiden Punkten liegst du m.E. klar richtig.
Im dritten sollte es „solle“ heißen, obwohl es sich etwas ungewohnt anhört. Im zweiten Teil hängt es davon ab, ob ein konkretes Ereignis gemeint ist. Es gab da ja einen Anschlag auf eine afrikanische Mannschaft, mea culpa ich weiß nichts näheres. Aber falls ein konkretes Ereignis zugrunde liegt, würde ich sagen „ereignete“, ansonsten „ereignen“ - aber dann stellt sich natürlich die Frage, warum 4.
vielen dank für eure antworten!! das hat mir schonmal sehr weitergeholfen, bin da mit dem konjunktiv noch etwas unsicher. allerdings finde ich, dass sie das im letzten teil mit konjunktiv II total komisch anhört (also „ereignen würden“). denn es ist ja tatsache, dass sich dort dieser vorfall ereignet hat… und es geht generell um vorfälle, die sich dort ereignen. also dass die nich mit südafrika in verbindung gebracht werden dürfen.
Der Leiter des Organisationskomitees der
Fußball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010 hat erneut darauf
beharrt, dass das Turnier im Sommer sicher über die Bühne
laufen werde.
Die Regierung Südafrikas hat erneut versichert, dass es
keine ähnlichen Gewalttätigkeiten geben werde.
Soweit richtig.
Er sagte, dass Südafrika an seiner eigenen Geschichte
gemessen werden sollte/solle und nicht an Vorfällen, die
sich mehr als vier Flugstunden entfernt davon ereignen.
Hier gibt es verschiedene Optionen: Sagte der Leiter: „Südafrika soll an seiner eigenen Geschichte gemessen werden“, oder sagte er: „Messen Sie Südafrika an seiner eigenen Geschichte!“, dann sagte er in indirekter Rede, die Republik solle an der eigenen Geschichte gemessen werden. Sagte er hingegen: „Südafrika sollte an seiner eigenen Geschichte gemessen werden“ (als Empfehlung ist das eigentlich wahrscheinlicher, die anderen Varianten klingen sehr nach Befehlen), so sagte er, die Republik sollte daran gemessen werden.
Im zweiten Teilsatz solltest (!) Du den Konjunktiv I benutzen – nicht allein, weil er sich als Indikativ lesen lässt, sondern auch, weil bereits zuvor ein Konjunktiv gefallen ist, weshalb keine Zweifel mehr bestehen. Die Ersetzung durch Konjunktiv II oder Umschreibung mit „würde“ (und hoffentlich auch mit Würde) benutzt man ja nur, um dem Leser bzw. Hörer zu signalisieren, dass jetzt wirklich eine indirekte Rede folgt, und ihn nicht im Zweifel zu lassen.