Wer kann einem begabten Laien wenigstens einige der „Beweise“
auf der Seite schlüssig widerlegen? Klingt alles etwas komisch
aber physikalische Widersprüche habe ich noch nicht gefunden.
Hi GreenBeret!
Du wirst auch keine physikalischen Widersprüche finden, denn es gibt keine. Die Inversion an einer Kugel „z’ = R^2/z“ ist eine Standardoperation in der Funktionentheorie. Da es sich um eine konforme Abbildung handelt (d. h. die Bilder zueinander orthogonaler Kurvenscharen sind wieder orthogonal), sind die beiden Weltbilder tatsächlich völlig äquivalent zueinander, vorausgesetzt, man läßt die Lichtstrahlen in genau den Bahnen und mit genau den Geschwindigkeiten laufen, die die Transformationsvorschrift vorgibt. Ist diese Bedingung erfüllt, kann man prinzipiell mit keinem Experiment entscheiden, ob das Hohlweltmodell oder das „gewöhnliche“ der Wirklichkeit entspricht.
„Wirklichkeit“? Man mache sich klar, was „die Wirklichkeit“ bedeutet. Sie ist immer nur das, was wir sehen (und bei der Gelegeheit mache man sich auch gleich noch klar, daß „sehen“ und „mit Lichtstrahlen ausmessen“ und „mit Maßstäben ausmessen“ physikalisch alles dasselbe ist). Sätze wie „uns erscheint es so, als ob Lichtstrahen gerade laufen, aber in Wirklichkeit laufen sie gekrümmt“, sind physikalisch sinnlos, denn der Weg der Lichtstrahlen selbst definiert , was gerade ist (die Mathematiker sprechen von der „Metrik“). Das Hohlweltmodell und das gewöhnliche hat nur auf einem Blatt Papier oder dem Computerbildschirm einen anderen Look, weil das Blatt oder der Monitor eine „Überwirklichkeit“ in Form des kartesischen Pixel-Koordinatensystems definiert, in der man die Dinge (die Metrik) von „einer Stufe höher“ (einem System, auf dem eine andere Metrik gilt) betrachten kann. Das Vorhandensein dieser Stufe ist die Voraussetzung für den Spruch „So’n Quatsch“; den Bewohner selbst steht die höhere Stufe aber nicht zur Verfügung – sie haben nur ihre eigene Metrik – und deshalb sehen (im doppelten Sinne!) sie keinen Anlaß für den Spruch.
Man kann das gleiche Spiel übrigens auch mit einer viel einfacheren konformen Abbildung machen, nämlich der linearen. Das geht so: Ich behaupte „Alle 3.8 Stunden verdoppeln sich für genau eine Minute sämtliche Abstände im ganzen Universum, und während dieser Zeit laufen alle Lichtstrahlen doppelt so schnell; danach ist alles wieder wie vorher“. Beweise mir jetzt mal, daß das nicht stimmt! Du wirst einsehen, daß Du prinzipiell keine Möglichkeit hast, mich zu widerlegen. Was willst Du armer auch machen, wo sich alle Maßstäbe mit verdoppeln?
Der einzige Unterschied zwischen der 3.8-Stunden-Verdoppelung und der Hohlkugeltheorie ist, daß erstere dümmlich-einfältig, letztere aber kurios-interessant rüberkommt. Ein prinzipieller mathematischer Unterschied besteht nicht.
Gegen die Hohlwelttheorie spricht somit höchstens eine Plausibilitätsbetrachtung: Warum sollten ausgerechnet wir – die Bewohner der Erde – in einer Hohlkugel leben, die Bewohner der Mondkolonien im Jahre 2100 aber nicht (und die Bazillen auf einem Golfball, der statt in Loch 8 in einem frischen Misthaufen gelandet ist, offensichtlich auch nicht)? Anders gesprochen: Um vom „gewöhnlichen“ zum Hohlkugelmodell überzugehen, ist man gezwungen, eine Kugel festzulegen (die, deren Radius das R in der Transformationsvorschrift "z’ = R^2/z ist). Warum sollte diese Kugel aber ausgerechnet die Erde und nicht der Mond und nicht irgendein Golfball sein?
Mit freundlichem Gruß
Martin