Hallo,
es ist heutzutage wesentlich mehr Wissen in gleichem Zeitraum
zu erlernen als zu früheren Zeiten (Überforderung ist allen
bekannt).
Das glaube ich nicht. Die Themen haben sich verändert. Ob die Menge größer geworden ist, weiß ich nicht. Heute haben wir aber ein neues Problem: Wir haben Quellen zur Auswahl. Was wir heute mehr brauchen als früher, ist Medienkompetenz, um beurteilen zu können, welche Quellen vertrauenswürdig sind.
Und statt vieles wissen zu müssen, können wir es uns heute mehr als früher erlauben, nur wissen zu müssen, wie man an Wissen rankommt, wenn man es braucht. Du schreibst es ja selbst:
Wo bekomme ich am einfachsten und auf schnellstem Weg
Informationen her?
Daher sehe ich die Frage hier durchaus angebracht. Und nicht
nur wegen meiner eigenen Interessen. Schön, dass hier gefragt
und erklärend geantwortet wurde, ich hätte die Frage
auch nicht beantworten können (außer mithilfe des Internets
auf die Schnelle).
Das finde ich ja im Prinzip auch gut so. Man muss die Balance halten zwischen Hilfe bei Fragen, die aus Interesse gestellt werden und dem Fragenden *helfen*, und bei Fragen, die (mehroderweniger) aus „Faulheit“ geschrieben werden, weil der Fragende sich nicht intellektuell mit dem Thema und der leider arbeitsaufwändigen Suche nach einer Lösung beschäftigen möchte. Die letztere Version hat zwei Nachteile: 1) dem Fragenden wird nicht wirklich geholfen (vordergründig zwar durch Zeit- und Arbeitsersparnis, aber mittelfristig ist das nicht zielführend) und 2) motiviert es viele andere, ähnliche Abkürzungen zu beschreiten.
Das Thema „Hausaufgaben erledigen gibt es hier nicht“ ist
irgendwie veraltet.
Da bin ich anderer Meinung. Wichtig ist es, zu unterscheiden, ob bei Hausaufgaben geholfen wird oder ob die Hausaufgaben erledigt werden. Ich hoffe, Du erkennst den Unterschied, den ich meine. Hausaufgaben-HILFE ist m.E. absolut ok, Hausaufgaben-ERLEDIGUNG aber nicht.
PS:
Das hat mit Schummeln nichts zu tun. Im Arbeitsleben wird auch
erwartet, dass man die gestellten Aufgaben löst, und nicht den
Chef am nächsten Tag um Hilfe bei der Lösung bittet.
Einspruch!
Zunächst hat ich das Wort „Schummeln“ in Anführungszeichen gesetzt. Zum anderen ist es m.E. ein fatales Missverständnis, die Schule als „Arbeit für Kinder“ anzusehen! In der Schule sollen die Kinder doch nicht lernen, wie sie sich am besten in industrielle Arbeitsprozesse einfinden, sondern sie sollen Kompetenzen (ja, ja, ist ein Schlagwort, passt aber gut hier) entwickeln: sozial, emotionale, und auch fachliche (Medien, Politik, Sprachen, Naturwissenschaften…) entwickeln.
Dein Szenario zu Ende gedacht führt zu zwei möglichen Arbeitswelt-Formen: Entweder es gibt keine Arbeiter mehr, die Probleme selbst lösen können (dann kann man die Firmen dicht machen), oder es gibt zwei Gruppen von Arbeitern: die Gruppe, die Probleme lösen können, werden diese Leistung natürlich verkaufen. Welcher Chef würde dann Arbeiter einstellen, die sich die Fähigkeit zum Problemelösen noch dazukaufen müssen?
Ich erkläre es auch hier gerne, wenn ich kann. Wieso sollte
man Probleme nicht mit Hilfe anderer lösen dürfen?
Allegorie: Wenn man einem Fischer hilft, sein Netz zu flicken, tut man ihm Gutes. Knüpft man aber die Netze von „Fischer-Lehrlingen“, erhöht man ihre Wahrscheinlichkeit, zu verhungern.
LG
Jochen