Hat jemand zufällig den ausgezeichneten „Memento“ im Vierten gesehen? Mir entging darin, wie es dazu kam, dass der Protagonist Lenny (Guy Pearce) auf das Foto von Natalie (Carrie-Ann Moss) die Bemerkung notierte, dass sie ihm „aus Mitleid (out of pity“ helfe (was ja faktisch nicht stimmte).
also ich hätte da noch ein paar weitere Fragen dazu… bzw. kann mir jemand den ganzen Film bitte erklären? Ich hab da echt nur Bahnhof verstanden und bin kurz vor Schluß auch noch eingeschlafen…
„aus Mitleid (out of pity“ helfe (was ja faktisch nicht stimmte).
Kann mir jemand diese Gedächntislücke füllen?
Hoffentlich irre ich mich jetzt nicht:
Ich bin nicht mehr ganz so bewandert was diesen Film angeht, aber war es nicht so, das Natalie Lenny aus Mitleid helfen wollte, weil sie auch einen geliebten Menschen verloren hat!?
Ich bin nicht mehr ganz so bewandert was diesen Film angeht,
aber war es nicht so, das Natalie Lenny aus Mitleid helfen
wollte, weil sie auch einen geliebten Menschen verloren hat!?
Den ausgerechnet Lenny gekillt hatte. Natalie hat Lenny nur ausgenützt, um ihre eigenen Pläne durchzuziehen. Soviel steht fest. Die Frage ist nur, wie sie Lenny dazu brachte, an ihr Mitleid zu glauben (so wie er es auf dem Polaroid notierte).
also ich hätte da noch ein paar weitere Fragen dazu… bzw. kann mir jemand den ganzen Film bitte erklären?
Nun, die Grundidee ist eine Umkehrung des Jason-Bourne-Motivs: hier verliert ein Mann sein Kurzzeitgedächtnis, behält aber das Langzeitgedächtnis. Also umgekehrt wie bei den Bourne-Stories.
Daraus ergeben sich phantastische Möglichkeiten für den Plot.
Es gibt zwei Erzählstränge (der schwarzweiße läuft vorwärts, der farbige rückwärts). Der Rückwärtsstrang besteht also aus Sequenzen (Szenenfolgen), die in sich natürlich „vorwärts“ laufen, die in der Aufeinanderfolge der Sequenzen aber zeitlich rückwärts montiert sind.
Besonders drastisch kommt das bei zwei Sequenzen zum Ausdruck. Erst sieht man, wie Natalie blutverschmiert hereinkommt, von Lenny nach dem Grund gefragt wird und sie über Dodd sagt, er habe sie verprügelt. So wird Lenny gegen Dodd aufgehetzt. Eine Sequenz später sieht man die Vorgeschichte - Natalie provoziert Lenny, indem sie dessen tote Frau als Hure beleidigt, woraufhin Lenny sie blutig schlägt. Sie verlässt für einige Minuten die Wohnung und kehrt dann (blutverschmiert) zurück. Lenny hat inzwischen den Vorfall vergessen und fällt auf Natalies Lügen herein.
tipp am rande: borg dir mal die dvd von memento aus. da gibts ein easteregg - irgendeine tastenkombination, mit der man den film in der „richtigen“ reihenfolge ansehen kann. dadurch wird zwar die handlung glasklar, man bemerkt aber auch, dass der film - abgesehen vom interessanten stilmittel - eigentlich ziemlich schlecht ist.
man bemerkt aber auch, dass der
film - abgesehen vom interessanten stilmittel -eigentlich ziemlich schlecht ist.
Ich weiß allerdings nicht, ob es fair ist, einen Film in einer Form negativ zu bewerten, in der er einfach nicht konzipiert ist. Wäre er vorwärts konzipiert worden, hätte Nolan (Regisseur und Autor) den Plot wahrscheinlich anders gestaltet. Bei anti-chronologischer Gestaltung musste wahrscheinlich Rucksicht auf Verständlichkeit genommen werden, was in der Umkehrung dann störend wirkt.
Übrigens bekam das Drehbuch eine Oscar-Nominierung.