heißt doch nur dass Therapeuten nicht unfehlbar sind. Würde
aber behaupten, dass einige fehlbarer als andere sind…
Hi Jenna,
ich hab nur eine kleine Vermutung, die aus deinen 2 oben gestellten Fragen und diesem Post hier entstanden ist.
Ich habe so das Gefühl, dass du mit zu vielen Erwartungen in eine Therapie reingehst. Du sprichst oben davon, dass in 10 Sitzungen noch „keine Erkenntnis“ gekommen sei.
Ziel einer Therapie (soweit ich das zu erkennen glaube, Profis berichtigt mich bitte), ist nicht „die“ kognitive Erkenntnis, die dir plötzlich die Ursachen erklärt und dann hast du’s raus. Ziel ist auch nicht unbedingt eine Heilung des Problems, sondern erstmal v.a. der Umgang mit dem Problem, das Zurechtkommen, vielleicht sogar liebgewinnen, v.a. auch indem man feststellt, dass jeder Mensch mit einer kleineren oder größeren Bürde durchs Leben zieht - seine eigene Bürde annehmen und mit ihr leben ist vielleicht eine der wichtigsten „Erkenntnisse“.
Der Therapeut, der dir nur Fragen stellt, macht das, was alle Therapeuten tun. Er wird dir nichts vohersagen. Er wird dich nicht zu seinem Mentor machen, nach dessen Vorgaben du nun handelst. Was für dich richtig ist, weißt nur du selber, aber es gilt, das herauszubekommen, was du tief in dir drinnen so glaubst zu „wissen“. Erkenntnisse ziehst du selbst, indem du dich auf seine Fragen einlässt.
Indem du Psychologiebücher und dergleichen liest und auswertest, machst du dich zu einem wunderbaren kognitiven Versteher der Therapie, was aber nicht heißt, dass du auch ein prima Patient bist - gerade Leute, die alles durchschauen wollen, haben mitunter Schwierigkeiten, das wirklich Unbewusste zuzulassen, und darum geht’s in der Therapie.
Ich kenn das zumindest selbst von mir, dass ich immer Ergebnisse sehen wollte, aber oft festgestellt hab, dass ich mir manche Dinge, die ich früher so tat, erst nach 6,7 Jahren erklären kann, obwohl ich damals auch schonmal in Therapie war.
Wirkliche Erkenntnisse gibt es mitnichten in jeder 10. Sitzung. Zumindest wenig Erkenntnisse dazu, wie du JETZT handelst. Meine Therapeutin gab mir letztens eine (für MICH wichtige) Erkenntnis, indem sie meinte, dass Veränderungen in Lebens- und Denkweisen fast nicht durch kognitives Erfassen passieren, sondern durch andere Erfahrungen. (das war einer der wenigen Aussagen, die sie tätigt, sie fragt sonst auch nur und ich weiß auch nicht, wie recht sie hat mit der Aussage, jedenfalls nimmt sie mir damit einen gewissen Druck und das ist schonmal richtig) Diesen anderen Erfahrungen erstmal Raum zu geben, kann die Therapie schaffen.
Nichtsdestotrotz glaube ich nicht, dass der Therapeut, den du da aufgeführt hast, der richtige für dich ist, aber geh auch nicht mit Einschätzungen daran, sondern schau lieber, ob das ein Mensch ist, dem du Vertrauen schenken möchtest.
(komisch auch, ich habe 3 von 4 Therapeuten, die ich kennengelernt habe, als für mich passend empfunden. Vielleicht hattest du einfach Pech.)
Gruß