Frage zu Unterzucker

Hi!

Gleich vorweg: Die Frage hier entstand aufgrund des Films „Panic Room“. Wer also den Film noch sehen will --> NICHT WEITERLESEN!!!

So jetzt aber:

In diesem Film wird eine Mutter mit ihrer zuckerkranken Tochter eingesperrt. Die Tochter hat ein kleines Gerät um den Arm, dass einen immer weiter sinkenden Wert anzeigt. Irgendwann nach ein paar Stunden ist das Ding auf 40 (Einheit wird nicht erwähnt) und der Tochter wird langsam schwindlig. Außerdem bekommt sie wenig später Krämpfe. Die Mutter muss also unbedingt die Medikamente für ihre Tochter holen, um ihr eine Spritze zu geben (welche Medikamente das sind wird nicht erwähnt).

Nun die Frage: So wie das für mich aussieht läuft die Tochter in eine Unterzuckerung (der Wert auf der „Uhr“ zeigt wohl den Zucker an). Ist das „normal“ bei Zuckerkranken? Ich dachte die Unterzuckerung tritt nur ein, wenn man sich aus irgendwelchen Gründen in der Insulindosis verkalkuliert hat. Oder passiert das auch einfach so, wenn man nichts isst? Und welches Medikament wird der Tochter dann per Spritze verabreicht? Insulin wohl kaum.

Danke schonmal für die Aufklärung. Vielleicht lern’ ich ja was für den Alltag.

Ciao
Kaj

Hallo Kaj,

In diesem Film wird eine Mutter mit ihrer zuckerkranken
Tochter eingesperrt. Die Tochter hat ein kleines Gerät um den
Arm, dass einen immer weiter sinkenden Wert anzeigt.

hört sich nach viel Fantasie an. Also m.W. gibt es keine Geräte, die dauerhaft den Blutzucker (BZ) messen. Denn wie der Name schon sagt, kann der Wert nur aus dem Blut bestimmt werden. Noninvasive Messmethoden sind mir nicht bekannt.

Irgendwann nach ein paar Stunden ist das Ding auf 40 (Einheit
wird nicht erwähnt) und der Tochter wird langsam schwindlig.

Wenn es den BZ messen soll ist die Einheit mg Glucose / dl Blut. Kommt mit den 40 auch hin, denn das ist durchaus ein Wertbereich, bei dem einem schwindlig wird.

Außerdem bekommt sie wenig später Krämpfe. Die Mutter muss
also unbedingt die Medikamente für ihre Tochter holen, um ihr
eine Spritze zu geben (welche Medikamente das sind wird nicht
erwähnt).

Puuuuhhh… Coole Nummer, zusehen wie der BZ langsam in den Keller geht, um dann eine Spritze zu geben. Wenn man schon ein dauerhaft messendes Gerät hat (wie gesagt, dessen Existenz ist mir bisher nicht bekannt) würde man natürlich VOR Eintreten solcher Werte (und Folgen) bereits Glukose verabreichen - und zwar dann auch oral. Traubenzucker lutschen lassen, Cola trinken und der BZ schnellt wieder hoch.

Nun die Frage: So wie das für mich aussieht läuft die Tochter
in eine Unterzuckerung (der Wert auf der „Uhr“ zeigt wohl den
Zucker an). Ist das „normal“ bei Zuckerkranken? Ich dachte die
Unterzuckerung tritt nur ein, wenn man sich aus irgendwelchen
Gründen in der Insulindosis verkalkuliert hat. Oder passiert
das auch einfach so, wenn man nichts isst? Und welches
Medikament wird der Tochter dann per Spritze verabreicht?

Medikament der Wahl bei bewußtseinsgetrübten Patienten mit Uterzuckerung wäre Glucose. Eine Unterzuckerung kann bei Diabetikern jederzeit eintreten, auch ohne jede Überdosierung von Insulin. Viel Energieverbrauch, eine vergessene Mahlzeit, schon kann es passieren. Ist auch nicht selten oder ungewöhnlich.
Früher (als eine Blutzuckerbestimmung noch lange dauerte) war es in der Notfallmedizin Standardmaßnahme, einem bewußtlosen Diabetiker erstmal Glucose zu spritzen, da man hiervon eher ausgehen konnte als vom Gegenteil. Da heute die Meßgeräte sehr viel schneller sind wartet man meist das Meßergebnis ab.

Insulin wohl kaum.

Hoffentlich nicht :wink:

Danke schonmal für die Aufklärung. Vielleicht lern’ ich ja was
für den Alltag.

Bitte.

Wenn noch Fragen, raus damit

CLAUS

Ciao
Kaj

hört sich nach viel Fantasie an. Also m.W. gibt es keine
Geräte, die dauerhaft den Blutzucker (BZ) messen. Denn wie der
Name schon sagt, kann der Wert nur aus dem Blut bestimmt
werden. Noninvasive Messmethoden sind mir nicht bekannt.

Dacht’ ich mir auch schon. Aber das lassen wir mal unter „künstlerische Freiheit“ laufen :wink:

Puuuuhhh… Coole Nummer, zusehen wie der BZ langsam in den
Keller geht, um dann eine Spritze zu geben. Wenn man
schon ein dauerhaft messendes Gerät hat (wie gesagt, dessen
Existenz ist mir bisher nicht bekannt) würde man natürlich VOR
Eintreten solcher Werte (und Folgen) bereits Glukose
verabreichen - und zwar dann auch oral. Traubenzucker lutschen
lassen, Cola trinken und der BZ schnellt wieder hoch.

Klar. Aber geht nicht, weil die beiden quasi eingeschlossen sind und nichts zu essen haben (zu trinken nur Wasser). Und die Medikamente sind da, wo die „bösen Räuber“ sind. Muss ja irgendwie dramatisch werden.

Medikament der Wahl bei bewußtseinsgetrübten Patienten mit
Uterzuckerung wäre Glucose. Eine Unterzuckerung kann bei
Diabetikern jederzeit eintreten, auch ohne jede Überdosierung
von Insulin. Viel Energieverbrauch, eine vergessene Mahlzeit,
schon kann es passieren. Ist auch nicht selten oder
ungewöhnlich.

Das war eben der Punkt. Diese Tochter wird nachts geweckt, hat n bisschen Aufregung, ist dann in dem Raum eingesperrt und tut eigentlich nichts (zumindest nichts körperlich anstrengendes). Und ihr Blutzucker sinkt während dieser Zeit eben kontinuierlich. Aber dann ist das vielleicht doch nicht so unrealistisch, wie ich dachte. Mal abgesehen von diesem fantastischen Messgerät :smile:

Danke jedenfalls für die Antwort.

Ciao
Kaj

Das war eben der Punkt. Diese Tochter wird nachts geweckt, hat
n bisschen Aufregung, ist dann in dem Raum eingesperrt und tut
eigentlich nichts (zumindest nichts körperlich anstrengendes).
Und ihr Blutzucker sinkt während dieser Zeit eben
kontinuierlich.

RL: nächtliche Unterzuckerung tritt öfter ein, als man denkt.

Aber dann ist das vielleicht doch nicht so

unrealistisch, wie ich dachte. Mal abgesehen von diesem
fantastischen Messgerät :smile:

im RL: könnte es eine Insulinpumpe sein, die dann via Uhr verbunden wäre. Also das gibts schon. Der BZ wird ständig kontrolliert und ausgeglichen. Allerdings nur die nötige Insulin-dosis. Na, wie Du schon sagst, künstl. Freiheit…:smile:
Allerdings versteh ich dann eins nicht, sind die im Film denn
immer noch nicht soweit, daß sie Bauchspeicheldrüsen transplantieren?
Nur mal so: diese Panic Rooms gibts übrigens wirklich.
Nur so, nebenher.

Ciao
hd

Hallo,

Nun die Frage: So wie das für mich aussieht läuft die Tochter
in eine Unterzuckerung (der Wert auf der „Uhr“ zeigt wohl den
Zucker an). Ist das „normal“ bei Zuckerkranken? Ich dachte die
Unterzuckerung tritt nur ein, wenn man sich aus irgendwelchen
Gründen in der Insulindosis verkalkuliert hat. Oder passiert
das auch einfach so, wenn man nichts isst?

Du landest auch als völlig gesunder Mensch im Unterzucker,
wenn Du geraume Zeit nichts ißt. Normalerweise kompensiert
der Körper das zunächst mit Fettabbau, später durch Aus-
schüttung von Kortisol um an die Eiweißreserven (Muskulatur)
zu gehen. Wenn der Fettstoffwechsel gestört ist (z.B.
Leberprobleme) tritt die Unterzuckerung schneller ein.
Mit dem Wert um die 40 ist wohl eine Konzentration von
40mg Glukose auf einen Deziliter gemeint.

Und welches Medikament wird der Tochter dann per Spritze
verabreicht? Insulin wohl kaum.

Glukose würde man vermutlich nicht spritzen.
Denkbar wäre Glukagon - der Gegenspieler des Insulins
oder irgendwelche Streßhormone (z.B. (Nor-)Adrenalin)
oder Mittel die diese beeinflussen (Ephedrin).
Ich weiß allerdings nicht, ob sowas üblich ist.

Gruss
Enno

Hallo Kaj!

Auf das Gerät, das permanent den BZ misst, warten die Diabetiker schon lange! :wink:

Wenn das Kind, wie Du sagst, in der Nacht geweckt worden ist und sich nicht gespritzt hat (davon geh ich jetzt mal aus), muss der BZ in den nächsten Stunden ansteigen, weil das Insulin, das am Abend gespritzt worden ist, bereits aufgebraucht ist.

Hat das Kind aber Insulin gespritzt und konnte es nichts Kohlehydrathältiges einpacken / mitnehmen, dann passiert das, was Du im Film gesehen hast.

Das übliche Medikament, das in so einem Fall verabreicht (gespritzt) werden muss, ist, wie Enno schon sagte, Glucagon. Das ist ein Hormon, das in der Leber und anderen Organen gespeicherten Zucker rasch freigibt. Das ist in schweren Fällen von Unterzuckerung lebensrettend. (Bei einem Blutzucker von 20 besteht äußerste Lebensgefahr!)

Gruß

Hanna
Mutter einer zuckerkranken Tochter

Glukose-Messung
Hallo Claus!

hört sich nach viel Fantasie an. Also m.W. gibt es keine
Geräte, die dauerhaft den Blutzucker (BZ) messen. Denn wie der
Name schon sagt, kann der Wert nur aus dem Blut bestimmt
werden. Noninvasive Messmethoden sind mir nicht bekannt.

Es gibt durchaus Geräte, die quasi-kontinuierlich messen, die funtionieren dann für ein paar Tage bis Wochen.
Noninvasive Methoden gibt es auch, sind aber sehr ungenau und nicht gerade handlich.
Und in 2 bis 3 Jahren soll es auch ein Gerät geben, das dauerhaft und kontinuierlich den Glukosegehalt der Gewebsflüssigkeit misst. http://www.gluko.com (Für die Werbung kann ich jetzt echt nix! :smile: )

Gruß
Arndt

Hallo Enno,

Du landest auch als völlig gesunder Mensch im Unterzucker,
wenn Du geraume Zeit nichts ißt. Normalerweise kompensiert
der Körper das zunächst mit Fettabbau, später durch Aus-
schüttung von Kortisol um an die Eiweißreserven (Muskulatur)
zu gehen. Wenn der Fettstoffwechsel gestört ist (z.B.
Leberprobleme) tritt die Unterzuckerung schneller ein.

Könntest Du das mit dem Fettstoffwechsel und der Unterzuckerung genauer erklären? Ich bin keine Diabetikerin, bin aber oft schnell unterzuckert (und dann nicht mehr zu genießen :wink:) ). Insbesondere bei nicht-körperlichem Streß, also einfacher Büro Streß. Um das auszugleichen wird gegessen und so habe ich bereits mehrere Kilo zugenommen.

oder irgendwelche Streßhormone (z.B. (Nor-)Adrenalin)

??? Streßhormone, die dann was tun?

oder Mittel die diese beeinflussen (Ephedrin).

Bin schon ganz gespannt!

Gruß

Angelika

Hallo,

Könntest Du das mit dem Fettstoffwechsel und der
Unterzuckerung genauer erklären? Ich bin keine Diabetikerin,
bin aber oft schnell unterzuckert (und dann nicht mehr zu
genießen :wink:) ). Insbesondere bei nicht-körperlichem Streß,
also einfacher Büro Streß. Um das auszugleichen wird gegessen
und so habe ich bereits mehrere Kilo zugenommen.

Der Körper gewinnt seine Energie überwiegend aus
Kohlenhydraten und Fetten. Zur Aufrechterhaltung
des Blutzuckerspiegels dienen vornehmlich die
Kohlhydrate. Je nachdem in welchen Verhältnis Dein
Körper Fette zugunsten der Kohlenhydrate „verbrennt“,
werden die geschont und können beim Fasten den
Blutzuckerspiegel konstant halten. Insulin spielt
eine Schlüsselrolle dabei, welche Energiequelle
vorrangig verwendet wird (wenig Insulin --> Fette,
viel Insulin Blutglukose/-zucker). Der Blutzucker-
spiegel widerrum hat Einfluß auf den Insulinspiegel
(hoher Blutzucker viel Insulin).
Deine Unterzuckerungsprobleme sind evtl. in Deiner
Ernährung bedingt. Wenn Du jetzt irgendwas zuckerhaltiges
ißt, steigt zunächst Dein Blutzuckerspiegel, der Körper
schüttet daraufhin mehr Insulin aus und bedient sich
vermehrt des Blutzuckers. Der fällt daraufhin mittelfristig
unter sein Normniveau, das Resultat ist z.B. erneuter
Hunger, resp. alle Symptome einer Unterzuckerung.
Schau mal im Netz unter dem Stichwort „glykämischer Index“.
Der ist ein Maß für die Insulinreaktion des Körpers beim
Verzehr bestimmter Speisen. Anzustreben wäre es diesen
Wert niedrig zu halten.

oder irgendwelche Streßhormone (z.B. (Nor-)Adrenalin)

??? Streßhormone, die dann was tun?

Sie fördern die Spaltung von Fetten (Lypolyse) in Fettsäuren
und Glycerin und die Spaltung der Kohlhydrate in Glukose.
„Ziel“ dieser Hormone ist es den Körper in max. Einsatz-
bereitschaft zu versetzen.

oder Mittel die diese beeinflussen (Ephedrin).

Ephedrin bewirkt u.a. die Ausschüttung von (Nor-)Adrenalin.
Die Wirkungsweise ist der der Amphetamine ähnlich.

Gruss
Enno

Hallo Enno,

erst mal vielen Dank für Deine Antwort, ich war ja mit meiner Frage schon etwas spät dran. Ich hoffe ich nerve Dich nicht, aber einiges ist mir noch nicht so klar.

Deine Unterzuckerungsprobleme sind evtl. in Deiner
Ernährung bedingt. Wenn Du jetzt irgendwas zuckerhaltiges
ißt, steigt zunächst Dein Blutzuckerspiegel, der Körper
schüttet daraufhin mehr Insulin aus und bedient sich
vermehrt des Blutzuckers. Der fällt daraufhin mittelfristig
unter sein Normniveau, das Resultat ist z.B. erneuter
Hunger, resp. alle Symptome einer Unterzuckerung.
Schau mal im Netz unter dem Stichwort „glykämischer Index“.
Der ist ein Maß für die Insulinreaktion des Körpers beim
Verzehr bestimmter Speisen. Anzustreben wäre es diesen
Wert niedrig zu halten.

Soweit so klar.

Nun noch mal zu den : Streßhormonen

Sie fördern die Spaltung von Fetten (Lypolyse) in Fettsäuren
und Glycerin und die Spaltung der Kohlhydrate in Glukose.
„Ziel“ dieser Hormone ist es den Körper in max. Einsatz-
bereitschaft zu versetzen.

oder Mittel die diese beeinflussen (Ephedrin).

Ephedrin bewirkt u.a. die Ausschüttung von (Nor-)Adrenalin.
Die Wirkungsweise ist der der Amphetamine ähnlich.

Heißt das nun, Sreß ist im Falle einer Unterzuckung zu empfehlen oder zu meiden? Meine persönliche Beobachtung im Zusammenhang mit Streß und Unterzuckerung hatte ich ja bereits geschildert. Auch wie eine gestörte Fettverarbeitung (Leber) mit Unterzuckerung zusammen hängt, ist mir noch nicht klar. Wenn Dir mein Wissensdurst zu krass ist, kannst Du mir ja vielleicht einen laienverständlichen Lesetipp geben.

Vielen Dank im voraus

Angelika

Hallo,

Heißt das nun, Sreß ist im Falle einer Unterzuckung zu
empfehlen oder zu meiden?

Interessante Frage - ich würde eher zum meiden tendieren,
da Unterzuckerung ein weiterer Streßfaktor ist, d.h.
Unterzucker fördert erneut die Ausschüttung von
Streßhormonen. Auf der anderen Seite wird man bei einen
gewissen Pegel von Streß den Unterzucker einfach nicht so
schnell erreichen. Evtl. ist das auch der Grund, weshalb
man beim intensiven Arbeiten das Essen leicht vergessen
kann und dann, wenn man es merkt schon ziemlich unten ist.

Auch wie eine gestörte Fettverarbeitung (Leber)
mit Unterzuckerung zusammen hängt, ist mir noch nicht klar.

In der Leber wird die Galle produziert, die bei der
Aufspaltung der Fette eine Rolle spielt. Wenn die Leber
hier zu wenig leistet, ist der Körper mittelfristig
einfach gezwungen auf andere Energiequellen, vorzugsweise
die Kohlenhydrate auszuweichen. Damit unterzuckert man
wieder leichter.

Gruss
Enno