Frage zu Vokabeln rund ums Rittertum/Heer um 1300

Hallo!

Ich studiere Literaturübersetzen und übersetze für mein Praktikum gerade einen Romanauszug aus dem Englischen, der die Invasion Nordfrankreichs durch die Engländer im 14. Jahrhundert beschreibt. Hierzu habe ich zwei Vokabelfragen, die mir hoffentlich jemand beantworten kann:

  1. Im Text wird im Zusammenhang mit Rittern das Wort ‚quest‘ verwendet, was wörtlich soviel wie Suche oder Streben bedeutet. (Die Gralssuche nennt man aber z.B. auch quest of the Grail.) Ich suche also ein Wort, das eine Reise oder Art Abenteuerfahrt bezeichnet, die von Rittern durchgeführt wird. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es ein bestimmtes Wort gibt, aber wie das oft so ist; ich komme nicht drauf.
  2. ist im Text von einem nakerer die Rede. Das ist, wie ich recherchiert habe, derjenige, der die Kesselpauke des Heeres schlägt. Nun würde ich gerne wissen, ob es dafür einen bestimmten Ausdruck gibt, oder ob man einfach Trommler oder Paukenschläger schreiben muss.

Ich wäre natürlich äußerst dankbar für Hilfe und Anregungen. Evtl kommen auch im Verlauf des Übersetzungsprozesses noch mehr fragen auf…:smile:

Schöne Grüße von Yvonne!

Servus, Yvonne,

zu 2) soweit ich weiß, ist „Kesselpauker“ als Berufsbezeichnung durchaus üblich…definitiv weiß ich es von Joseph Roth (passt in der Zeit ned ganz, ich weiß:smile:, der es verwendet. Googelt man in den Büchern mit „Kesselpauker“ wird man bis Maximilian I fündig

zu 1) fallen mir eigentlich auch nur Umschreibungen ein - allerdings ist „quest“ mittlerweile auch im Deutschen ein gebräuchliches Vokabel (bedingt durch die vielen „Ritter-Spiele“)

Hth und Gruß, jenny

Hallo, Yvonne,

  1. Im Text wird im Zusammenhang mit Rittern das Wort ‚quest‘
    verwendet,
    Ich suche also ein Wort, das eine Reise oder Art
    Abenteuerfahrt bezeichnet, die von Rittern durchgeführt wird.

„Ritterfahrt“ ist ein durchaus gebräuchlicher Terminus dafür.

Gruß
Kreszenz

Hallo!

  1. Im Text wird im Zusammenhang mit Rittern das Wort ‚quest‘
    verwendet, was wörtlich soviel wie Suche oder Streben
    bedeutet. (Die Gralssuche nennt man aber z.B. auch quest of
    the Grail.) Ich suche also ein Wort, das eine Reise oder Art
    Abenteuerfahrt bezeichnet, die von Rittern durchgeführt wird.
    Ich bin mir ziemlich sicher, dass es ein bestimmtes Wort gibt,
    aber wie das oft so ist; ich komme nicht drauf.

was spricht gegen ‚queste‘? Das englische ‚quest‘ oder französische ‚quête‘ sind ja auch nicht gerade heute gebräuchliche Wörter. Bei Wolfram von Eschenbach findet sich sogar das daraus abgeleitete Verb ‚questen‘ (Parzival 116,4).

Zur Abgrenzung von ‚Aventiure‘ und ‚Queste‘ vgl. diesen lesenswerten Essay von Dr. Ulrich Müller, Professor für Ältere deutsche Literaturan der Universität Salzburg: http://www.uni-salzburg.at/pls/portal/docs/1/549617.PDF

Freundliche Grüße,
Ralf

Hallo,

  1. ist im Text von einem nakerer die Rede. Das ist, wie ich
    recherchiert habe, derjenige, der die Kesselpauke des Heeres
    schlägt. Nun würde ich gerne wissen, ob es dafür einen
    bestimmten Ausdruck gibt, oder ob man einfach Trommler oder
    Paukenschläger schreiben muss.

die naker (von arab. naqquara, wohl über ital. nacchera und frz. nacaire ins Englische gekommen) war in der Tat eine Kesselpauke (meist paarweise gespielt), allerdings im Vergleich mit heutigen Pauken verhältnismäßig klein.

Ich würde den ‚nakerer‘ mit ‚Heerpauker‘ wiedergeben, der (als Berufsbezeichnung) mW im Deutschen allerdings erst seit dem frühen 16. Jahrhundert belegt ist. Sinnvoll ist diese Wiedergabe, weil speziell Militärmusiker - also Trompeter und Heerpauker - mit dem Hof verbunden waren und einen anderen Status hatten als gewöhnliche ‚fahrende‘ Spielleute. Dies gilt wohl auch schon für das England des frühen 14. Jahrhunderts, wo z.B. ein ‚Janino le Nakerer‘ als Minstrel in Diensten Edwards I. Longshanks stand.

Freundliche Grüße,
Ralf

Hallo Yvonne,
keiner erwartet überschwängliche Dankesbekundungen oder freigebig verteilte Sternchen, wenn er hier versucht, auf eine Frage eine hilfreiche Antwort zu geben (ok, manche schon …). Aber sich nicht einmal die Mühe zu machen, eine kurze Rückmeldung zu geben, zeugt schon von einer besonderen Art von Kinderstube.

Evtl kommen auch im Verlauf des Übersetzungsprozesses noch
mehr fragen auf…:smile:

Was mich angeht, kannst Du sie Dir in die Haare schmieren.

Und tschüss,
Ralf

Nettiquette
Hallo,

übrigens auch die Höflichkeit wurde im Mittelalter eine Tugend. Bei vielen Menschen ist sie dies heute noch. Hoffen wir das diese Tradition auch weiter in uns lebt.
Viele aus diesem Forum wenden Zeit und Mühe auf, um die Fragen, die gestellt werden zu beantworten und dies unentgeltlich, weil es ihnen Freude macht anderen zu helfen. Ein Dankeschön ist hier wirklich nicht viel verlangt.

Gruß Mirko [MOD]

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