Frage zu Vorgehen

Hallo,

folgendes,

hab mich gestern mit einer Person übers Netz unterhalten. Im laufe des gespräches stellte sich heraus, das sie sich umbringen will bzw. kurz davor steht. Klang alles sehr ich sag mal alternativlos habe versucht sie zu überreden mal zum Arzt zu gehen… aber ich kenn mich ja nicht aus damit. Habe schon eine Mail an den Berliner krisendienst geschickt und warte jetzt erstmal auf eine Reaktion. Ich habe das gespräch gespeichert um die Anhaltspunkte zu sichern. Vielleicht ist hier ja jemand der Hilfe kennt und sich das mal durchlesen will. Ist aber nciht wenig. Würde es dann zuschicken.
Will auch noch mal betonen das es wirklich ernst ist. Von daher bitte nur Fachmänner die wissen was sie tun.

Danke

suizidale Ankündigungen

Hi Robby

suizidale Andeutungen oder gar Ankündigungen von Gesprächspartnern gehören zu dem Schwierigsten, was einem passieren kann - und erst recht, wenn man nur Internetkontakt zu der Person hat. Auch für professionelle Gesprächspartner (z.B. Mitarbeiter der Anonymen Telefonhilfe) ist soetwas immer eine Art Meisterprüfung.

Das Problem sind die eigenen Reflexe dabei: Man neigt dazu, den anderen von seinen Gedanken und Absichten abbringen zu wollen - aber das ist gerade die falsche Reaktion. Warum es falsch ist, ist ein bißchen zu komplex für eine Erklärung hier.

Auch den direkten Verweis auf „Hilfe“ durch andere sollte man auf alle Fälle vermeiden („habe versucht sie zu überreden mal zum Arzt zu gehen…“).

Kurz gesagt bedeutet beides, daß du den Anderen in seiner Verfassung und in seinen Gedanken nicht ernst nimmst und daß du das wichtigste an diesem Gespräch nicht wahrnimmst: Daß du selbst nämlich soetwas wie der „letzte Faden“ sein könntest, als den der Andere dich gewählt hat …

Auch alle Interpretationsversuche wie z.B. „… will ja nur auf sich aufmerksam machen“ oder abstruse falsche Allgemeinplätze wie „wer es sagt, tut es nicht“ können fatale Folgen haben.

Jedenfalls eine Situation, mit der zumindest der überraschte Laie fast immer überfordert ist - das ist klar.

Da das Thema hier schon oft angesprochen wurde, gebe ich dir einige Links zu Postings, die ich dazu schon schrieb. Vielleicht ist einiges dabei, das dir nützlich erscheint.

http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

Eine ganz nützliche Liste von Hinweisen für Laien gibt es hier:
http://www.suizidprophylaxe.de/Infos_ueber_Suizid/in…

Wünsche dir, daß du die Nerven behälst

Metapher

blitzlicht & synchronizität
Hi Robby

suizidale Andeutungen oder gar Ankündigungen von
Gesprächspartnern gehören zu dem Schwierigsten, was einem
passieren kann - und erst recht, wenn man nur Internetkontakt
zu der Person hat. Auch für professionelle Gesprächspartner
(z.B. Mitarbeiter der Anonymen Telefonhilfe) ist soetwas immer
eine Art Meisterprüfung.

was du hörst, ist in dir, durfte ich mir dann regelmäßig anhören. ich höre mein eigenes suizidpotential im anderen. wenn ich es verstärke, ist es blanker voyeurismus. maximalstufe: morgen ist krieg. wie erotisierend. und alle machen mit. sowas darf man doch nicht verpassen. dabeisein ist alles, kotz. ich stell mir vor ich bringe mich um und keiner sieht es… ist das dann noch krieg? erwarte ich, dass du mich spürst, nutze ich dazu kaum meine eigene haut. ist die bilanz ausweglos, wird auch dein schmachtblick wenig daran ändern. entweder ich beziehe den kontext, in dem sich der andere befindet, ein oder ich lasse mich als sein persönlicher zufall missbrauchen. und das, was ich im internet von dem ahnen kannst, was den anderen einengt, ist minimal. gut wenn ich dann MEINE eigene lage so beschreiben kann, dass der andere ahnt, wie es mir geht. eine intensivere hilfe lässt das medium nicht zu.

Das Problem sind die eigenen Reflexe dabei: Man neigt dazu,
den anderen von seinen Gedanken und Absichten abbringen zu
wollen - aber das ist gerade die falsche Reaktion. Warum es
falsch ist, ist ein bißchen zu komplex für eine Erklärung
hier.

gut, wenn du die reflexe bemerkst und beschreibst. im internet kann er leichter zappen als im real life. schlimmstenfalls wirst du nicht von deinem „opfer“ gelesen, weil ihn andere „retter“ mehr faszinieren. es ist nicht wie samstag abends in der halbleeren kneipe.

Auch den direkten Verweis auf „Hilfe“ durch andere sollte man
auf alle Fälle vermeiden („habe versucht sie zu überreden mal
zum Arzt zu gehen…“).

utilisierender opferpassiv…

Kurz gesagt bedeutet beides, daß du den Anderen in
seiner Verfassung und in seinen Gedanken nicht
ernst nimmst und daß du das wichtigste an diesem Gespräch
nicht wahrnimmst: Daß du selbst nämlich soetwas wie der
„letzte Faden“ sein könntest, als den der Andere dich gewählt
hat …

der gedanke war aktuell. genau in dem moment, als der andere ihn geschrieben hat. wenn du ihn liest, liegt der gedanke für ihn bereits lichtjahre zurück. wie werthers wasweissich. feel spass am echtzeitphänomen. was du verstärkst, ist deine entscheidung. gut wenn du erkennst, wer von euch beiden derjenige ist, der gerade schiss hat und hilfe braucht. der leser oder der schreiber. und manchmal klärt sogar ein reichhaltiges frühstück mit entsprechendem serotonin-input, dass internet weniger isoliert als der eisblick aus deiner nachbarkoje.

Auch alle Interpretationsversuche wie z.B. „… will ja nur
auf sich aufmerksam machen“ oder abstruse falsche
Allgemeinplätze wie „wer es sagt, tut es nicht“ können fatale
Folgen haben.

wie jeder atemzug. es kommt nur darauf an wo.

Jedenfalls eine Situation, mit der zumindest der überraschte
Laie fast immer überfordert ist - das ist klar

…und dadurch spontan und damit echt reagiert. es ist ein gleichberechtigtes miteinander, bei dem einer von beiden intensiver nach nähe sucht als der andere. nach nähe zur eigenen mitte. egal wie, es ist sein weg. und du kannst reflektieren, aber verbieten kannst du ihm nichts. jedes verbot ist einladung zur grenzüberschreitung. so lange er dich neben sich erträgt, kannst du aber das, was du in dir selbst spürst, thematisieren. vielleicht hat er dann lust zu bleiben. wenn nicht, nimmt er dir dadurch nicht das recht, trotzdem glücklich zu sein.

gruß

Metapher

biggi