Frage zu wahlalternativen

irgendwann nach der bundestagswahl 98 trafen sich irgendwo in deutschland (hannover?) ca. 400 ‚Altlinke‘, vielleicht Fundis, die sich nicht mehr mit dem Bündnis 90/Die Grünen identifizieren konnten. Sie wollten eine eigene Initiative gründen, ein linkes Forum oder Plattform.

Wer weis was? Wo sind sie geblieben? Gibt es sie noch? Wo kann man mehr infos dazu finden?
Danke.

Die wurden eliminiert, die Leichen liegen in der Treblinka-Allee 45 in Berlin im Keller

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Hallo Florian,

zu den „Alt-Linken“ kann ich Dir leider nichts sagen, aber da Du im Betreff die Frage zu Wahlalternativen nennst, kann ich Dir nur meine Aussicht sagen: Ich habe bisher immer die Aussenseiter gewählt, weil die etablierten Parteien sowieso machen konnten, was sie wollten, und sie dies auch taten. Anfangs wählte ich die Grünen, doch sie enttäuschten masslos.
   Nun wähle nun die PDS (http://www.pds-online.de/). Wer (mir) hier Vorhaltungen machen will, ein altes Regime zu unterstützen, der möge sich die Vergangenheit und die Gegenwart der anderen Parteien betrachten. Momentan betrachte ich die PDS als Alternative; wie lange, das weiss ich nicht, aber sie ist derzeit für mich am glaubwürdigsten. (Obwohl ich das auch einmal von den Grünen dachte.)

Marco

Hallo Marco,

(mir) hier Vorhaltungen machen will, ein altes Regime zu
unterstützen, der möge sich die Vergangenheit und die
Gegenwart der anderen Parteien betrachten.

Kein Mensch wird dir sicherlich Vorhaltungen machen, weil du die Partei gefunden hast, der du vertraust. Nur der Vergleich zwischen der Vergangenheit gewisser Parteien mit der Vergangenheit der PDS hinkt gewaltig.

Die PDS ist und die Nachfolgepartei der SED, welche, was ja nicht unbekannt sein dürfte, die Geschicke von 17 MIO Menschen lenkte, dachte und bestimmte. Und das sicher nicht zum Vorteil dieser Menschen. Das werden einige auch nicht so leicht vergessen. (Leider sind das die wenigsten)

Momentan betrachte
ich die PDS als Alternative; wie lange, das weiss ich nicht,
aber sie ist derzeit für mich am glaubwürdigsten. (Obwohl ich
das auch einmal von den Grünen dachte.)

Wenn die Glaubwürdigkeit darin besteht, nur mal kurz was zu äussern und dann monatelang überhaupt nix zur Bundespolitik beizutragen, dann hast du recht. Allerdings ist das nur ein Ausweg von dreien, die es für die Wähler gibt.

Reiko

http://www.hafenmaus.de.st

Hallo Reiko!

Die PDS ist und die Nachfolgepartei der SED, welche, was ja
nicht unbekannt sein dürfte, die Geschicke von 17 MIO Menschen
lenkte, dachte und bestimmte. Und das sicher nicht zum Vorteil
dieser Menschen. Das werden einige auch nicht so leicht
vergessen. (Leider sind das die wenigsten)

Etwas bissig ausgedrückt müsste ich sagen: Sie werden vergessen. Sie werden genauso vergessen, wie man vergessen hat, dass Nazis bei der FDP und CDU unterkamen - oder u. a. dank des Vatikans nach Südamerika -, dass die SPD lt. Tucholsky eine ziemliche Enttäuschung schon in den zwanziger, dreissiger Jahren war - von heute erst gar nicht zu sprechen -, oder für eher konservativ Orientierte, dass es unter den Bündnis-Grünen ehemalige Gewalttäter gibt.
   Die PDS hat derzeit das „Pech“, dass die Zeit der DDR noch nicht so lange zurückliegt. Was das Lenken, Denken und Bestimmen anbetrifft, muss ich allerdings sagen, dass dies ebenso in der BRD auftritt, wenn auch unterschwellig und nicht so offensichtlich. Als Beleg diene Deine Aussage, die PDS würde „nur mal kurz was zu äussern und dann monatelang überhaupt nix zur Bundespolitik beizutragen“. Da ich dieser Partei nahestehe, ist es mir besonders aufgefallen, wie sehr die PDS in den beliebten Medien unterdrückt (= im Sinne von ‚nicht genannt‘) wird.
   Bei den Bündnis-Grünen kann ich es noch verstehen, da sie Regierungspartei ist, weshalb man allerdings von den drei „kleinen“ Parteien im Bundestag neben den Grünen noch die FDP, dafür aber nur sehr selten die PDS zu Wort kommen lässt, finde ich schon bezeichnend, in welcher Weise die Meinung beeinflusst wird.
   So schweigsam ist diese Partei nicht, wie ich aus eigener Anschauung weiss: Ich hatte mal einen Newsletter der dpa-Tochter „News aktuell“ (http://www.newsaktuell.de) abonniert, der mir täglich Pressemitteilungen der Parteien schickte. Am häufigsten brachte die CDU/CSU (meist Bundestagsfraktion) welche heraus, von der PDS erhielt ich jedoch keine, sondern diese musste ich direkt auf deren Seite http://www.pds-online.de abonnieren. Auf meine Anfrage bei der PDS erhielt ich den Hinweis, dass man nicht die fast 600,- DM für eine PM bezahlen wolle, weshalb man sie selbst veröffentliche.
   Ich habe noch einige PMs der CDU/CSU in meinem Mailprogramm, und zwar vom 10.01.00 bis 14.02.00. Innerhalb dieser 36 Tage veröffentlichte diese Partei 152 PMs. Hochgerechnet aufs Jahr wären das ca. 1500. Nimmt man den Rabattpreis (ab 48 PMs 170 statt 290 Euro), so sind das trotzdem 255.000 Euro bzw. eine knappe halbe Million Mark, die allein für diese PMs draufgegangen sind. Die Bundestagsfraktionen - nicht die Partei ist gemeint - finanzieren sich durch nicht gerade wenige Steuergelder, und dass dies so ist, haben wiederum die (grossen) Parteien beschlossen.
   Achja, die PDS brachte im oben genannten Zeitraum ca. 90 PMs eigenhändig heraus.

Marco

Hallo Reiko!

Die PDS ist und die Nachfolgepartei der SED, welche, was ja
nicht unbekannt sein dürfte, die Geschicke von 17 MIO Menschen
lenkte, dachte und bestimmte. Und das sicher nicht zum Vorteil
dieser Menschen. Das werden einige auch nicht so leicht
vergessen. (Leider sind das die wenigsten)

Etwas bissig ausgedrückt müsste ich sagen: Sie werden
vergessen. Sie werden genauso vergessen,

Lass mich nur soviel sagen: Gott sei dank ist das eben nicht so.

Die Leute, die unter dem Vorgänger der PDS gelittenhaben, die durch sie Repressalien, Lebensbeeinträchtigungen erfahren haben, diese werden zumeist nicht vergessen.

Wieviel politische Aktivität die PDS zeigt oder nicht zeigt, ist mir vollkommen wurscht, ich bin froh, wenn diese so gering wie möglich ist. Als Rechtsnachfolger der SED trägt die PDA die Verantwortung für hunderte Mauertote, für tausende Hinrichtungen bis 1980 im Namen des Sozialismus, für Unterdrückung der Meinungsfreiheit, für permanentes Unterlaufen der Menschenrechte. Wer von den Deutschen Verantwortung für die Verbrechen im Dritten Reich erwartet, der muss dies auch von einer Partei wie der PDS verlangen.

Ich habe Verständnis für Leute, die der PDS nahestehen, wenn sie selber keine Erfahrungen vor 1990 mit ihr machten. Aber ansonsten nicht.

CIAo

Die Ditfurth will jetzt eine neue Partei gründen. Da sie ja zu den extrem Linken der Grünen zählte (bis zu ihrem Austritt), wird wahrscheinlich eine Partei d´raus werden, die links von PDS und DKP steht.
Grüße
Raimund

Gut recherchiert!
Hi, Marco,
das mit der Finanzierung der PM-Arbeit hast du gut recherchiert. Es bringt an wichtige neue Gedanken in der Frage nach den parteipolitischen Strategien (s. meine Anfrage in dem Regierung/Opposition-Brett).
Danke.

Was das Lenken, Denken und
Bestimmen anbetrifft, muss ich allerdings sagen, dass dies
ebenso in der BRD auftritt, wenn auch unterschwellig und nicht
so offensichtlich. Als Beleg diene Deine Aussage, die PDS
würde „nur mal kurz was zu äussern und dann monatelang
überhaupt nix zur Bundespolitik beizutragen“. Da ich dieser
Partei nahestehe, ist es mir besonders aufgefallen, wie sehr
die PDS in den beliebten Medien unterdrückt (= im Sinne von
‚nicht genannt‘) wird.
   Bei den Bündnis-Grünen kann ich es noch verstehen, da sie
Regierungspartei ist, weshalb man allerdings von den drei
„kleinen“ Parteien im Bundestag neben den Grünen noch die FDP,
dafür aber nur sehr selten die PDS zu Wort kommen lässt, finde
ich schon bezeichnend, in welcher Weise die Meinung
beeinflusst wird.
   So schweigsam ist diese Partei nicht, wie ich aus eigener
Anschauung weiss: Ich hatte mal einen Newsletter der
dpa-Tochter „News aktuell“ (http://www.newsaktuell.de)
abonniert, der mir täglich Pressemitteilungen der Parteien
schickte. Am häufigsten brachte die CDU/CSU (meist
Bundestagsfraktion) welche heraus, von der PDS erhielt ich
jedoch keine, sondern diese musste ich direkt auf deren Seite
http://www.pds-online.de abonnieren. Auf meine Anfrage bei der
PDS erhielt ich den Hinweis, dass man nicht die fast 600,- DM
für eine PM bezahlen wolle, weshalb man sie selbst
veröffentliche.
   Ich habe noch einige PMs der CDU/CSU in meinem
Mailprogramm, und zwar vom 10.01.00 bis 14.02.00. Innerhalb
dieser 36 Tage veröffentlichte diese Partei 152 PMs.
Hochgerechnet aufs Jahr wären das ca. 1500. Nimmt man den
Rabattpreis (ab 48 PMs 170 statt 290 Euro), so sind das
trotzdem 255.000 Euro bzw. eine knappe halbe Million Mark, die
allein für diese PMs draufgegangen sind. Die
Bundestagsfraktionen - nicht die Partei ist gemeint -
finanzieren sich durch nicht gerade wenige Steuergelder, und
dass dies so ist, haben wiederum die (grossen) Parteien
beschlossen.
   Achja, die PDS brachte im oben genannten Zeitraum ca. 90
PMs eigenhändig heraus.

Marco

Hallo Peet,

danke für Dein Lob. Welche Deiner Anfragen im anderen Brett meinst Du genau? Du hattest ja einiges geschrieben und einiges gefragt.

Marco