. . . eine Weile her, war auch innerhalb von D, und alle Beteiligten, einschließlich der leiblichen Eltern, waren einverstanden.
Auch Hallo,
Zur rechtlichen Frage von Adoptionen von ausländischen Kindern, kann ich also nichts beitragen. Ich antworte dennoch, weil mir dies hier:
Ehepaar hat super Voraussetzungen, hat schon Erfahrung mit
einem Pflegesohn , würde von einer Vermittlungsagentur einen
positiven Sozialbericht ausgestellt bekommen.
in Verbindung hiermit:
Jugendamt stellt sich aufgrund interner Vorgaben
(Altersgrenze, Bevorzugung Kinderloser, außerdem vorhergehende
Querelen wegen dem Pflegesohn ) quer.
aufgefallen ist. Leider kann ich daraus nicht ersehen, ob der Pflegesohn noch bei dem Ehepaar lebt. Sollte dies der Fall sein, kann das Jugendamt doch gar keinen negativen Eindruck haben, würde folglich auch eine positive Bescheinigung ausstellen (müssen).
Aber genau da bist du sicher, dass das nicht so sein wird. Und das kann ich mir eigentlich nur so erklären, dass der Pflegesohn eben nicht mehr bei dem Ehepaar lebt, und die von dir genannten „Querelen“ entstanden dann vielleicht aus genau diesem Umstand. Egal, wer nun der Ansicht war, dass der Junge dort nicht mehr leben solle.
Lässt sich das Jugendamt bei
einer Auslandsadoption in irgendeiner Weise umgehen?
Das dürfte von der Frage abhängen, ob es sich um eine ‚schwache‘ oder eine ‚starke‘ Adoption handelt.
Zwei, drei Worte zu dem Begehr das Jugendamt zu umgehen:
Ich finde das kein günstiges Vorhaben. Es kann sehr gut dazu kommen, dass die neu entstandene Familie Situationen erleben wird, in denen Unterstützung/Hilfe, eine Beratung, einfach „jemand von außen“ benötigt wird, oder auch nur förderlich sein könnte. Warum wollt ihr euch diese Möglichkeit von vornherein nehmen, oder sie zumindest sehr erschweren?
Meine Berufstätigkeit liegt zwar schon etliche Jährchen zurück, aber schon „damals“ (ca Mitte 70er bis Anfang 90er) war „das Schei**-Amt“, das „böse Jugendamt“ eine Schimäre, eine -leider nicht umzubringende- Legende. In der Mehrzahl arbeiten dort Menschen, die wirklich und aufrichtig daran interessiert sind Kindern in schwierigen Lebenssituationen zu helfen. Nun mag es ja sein, dass die völlig andere „Haushaltslage“ die Mitarbeiter in finanziellen Fragen nicht mehr so großzügig sein lässt, wie sie es sich wünschen und „zu meiner Zeit“ sein konnten (Himmel, wenn ich nur daran denke, für was wir „Staatsknete“ locker machen konnten).
Aber die Vorstellung, dass die Mitarbeiter des JA immer das Problem sind, nur daran interessiert selbst gefundene gute Lösungen zu verhindern, ist einfach nicht wahr. OK OK, es gibt Ausnahmen („Ausgebrannte“, die sich nicht mehr wirklich einsetzen mögen, auch die, die den Schuss nie gehört haben) aber auch wenn man an eine solche geraten ist, ist das Ende der Fahnenstange nicht erreicht, noch lange nicht. Die „Sachbearbeiter“ (blödes Wort, ich weiß) arbeiten in Teams, haben Vorgesetzte, es gibt Beraterteams für die einzelnen Ressorts und so fort. Eine der genannten Möglichkeiten, wäre die Stelle, wo ihr den Widerspruch „Pflegesohn kann dort leben, aber negativen Bericht an die Adoptionsagentur“?? zur Sprache bringen könntet. Wenn es so ist, dass der Junge noch bei dem Ehepaar lebt. Sollte das nicht der Fall sein, und die negative Einschätzung tatsächlich aus der Pflegezeit stammen, könntet ihr auch darum bitten, diese mit allen Beteiligten und einem außenstehenden Berater zu begucken und zu bearbeiten.
Auch hierzu
Die Frage ist dringend!
Es ist wirklich ein sehr dringender und sehr wichtiger Fall!
Es wäre ein Desaster, wenn diese Adoption nicht stattfinden
würde!
noch ein paar Worte:
Ich habe 17 Jahre lang mit Kindern gearbeitet, die aus den verschiedensten Gründen im Heim leben mussten. Unser Ziel war es immer, diese Zeit „so lang wie nötig und so kurz wie möglich“ zu halten. Ich dürfte so um die 30 Pflegestellenvermittlungen (und eine Adoption) miterlebt, bzw. aktiv daran mitgewirkt, haben. Dabei habe ich u.a. eines gelernt:
Wenn wir uns in diesen Bannkreis von „sofort, auf der Stelle“ „Katastrophe“ „Himmeleinstürz“ hineinziehen ließen, auf das Karussell aus Panik und blinden Aktionismus aufstiegen, haben wir immer schlecht gearbeitet. Die Eingangsvoraussetzungen waren erstmal verdorben, und es kostete viel Zeit davon wegzukommen, an den Anfang zurückzukehren, um in besserer Atmosphäre die Situation in Ruhe zu begucken, Überlegungen anzustellen, Alternativen zu entwickeln.
Es gibt nur sehr, sehr wenige Situationen, die tatsächlich eine augenblickliche Herausnahme des Kindes erforderlich machen. Selbst bei akuter Bedrohung des Kindes reicht es meist, es nur temporär aus der Situation zu entfernen. Um später, mit einem kleinen zeitlichen Abstand, die Situaton mit unaufgeregten Erwachsenen zu besprechen.
Ich fände es sehr hilfreich für alle Beteiligten, wenn es euch gelänge, nicht diesem Sog von „ganz, ganz wichtig“ „ganz, ganz eilig“ „wäre ein Desaster“ zu erliegen. Panik ist ein schlechter Ratgeber. Innere Aufgebrachtheit und Aufgeregtheit verbraucht so viel innere Energie, die dann bei der Suche nach Lösungsmöglichkeiten, beim Erdenken von Strategien zur Problembewältigung fehlt. Ich weiß, dass das nicht leicht ist. Anfangs, als wir noch keine Beratung hatten, sind wir auch häufiger in diese Falle geraten.
Ich wünsche euch, dem Ehepaar und ganz besonders dem Kind, Kraft und Geduld. Und vor allem: Unaufgeregtheit = Ruhe!!
Grüße
Renate