Frage zum Adoptionsrecht

Hallo!

Ich bin mir nicht sicher, ob diese Frage hierher oder ins Rechtsbrett gehört, aber ich versuch’s erst einmal hier. Die Frage ist dringend!

Folgende Situation:

Ein Ehepaar möchte ein Kind aus dem Ausland adoptieren. Das Ehepaar hat super Voraussetzungen, hat schon Erfahrung mit einem Pflegesohn, würde von einer Vermittlungsagentur einen positiven Sozialbericht ausgestellt bekommen. Das Problem: Das Jugendamt stellt sich aufgrund interner Vorgaben (Altersgrenze, Bevorzugung Kinderloser, außerdem vorhergehende Querelen wegen dem Pflegesohn) quer. Ursprünglich hieß es seitens der Vermittlungsagentur, das Jugendamt werde lediglich über den Adoptionsvorgang informiert. Dann hieß es aber plötzlich, das Jugendamt müsse eine schriftliche Bescheinigung ausstellen.

Meine Frage: Was davon ist richtig?

Es ist definitiv abzusehen, dass das Jugendamt keine positive Bescheinigung ausstellen wird. Lässt sich das Jugendamt bei einer Auslandsadoption in irgendeiner Weise umgehen?

Es ist wirklich ein sehr dringender und sehr wichtiger Fall! Es wäre ein Desaster, wenn diese Adoption nicht stattfinden würde!

Viele Grüße,
Anja

Vielleicht ist deine Frage tatsächlich in einem anderen Brett besser aufgehoben, besonders da du so dringend eine Antwort brauchst.

Ich würde sie unter „Ämter und Behörden“ einstellen.

Hallo!

Meine Frage: Was davon ist richtig?

Ja. Soweit ich weiß.

Es ist definitiv abzusehen, dass das Jugendamt keine positive
Bescheinigung ausstellen wird. Lässt sich das Jugendamt bei
einer Auslandsadoption in irgendeiner Weise umgehen?

Soweit ich weiß, nicht.
Aber die Adoption wird doch sicher über eine anerkannte Agentur gemacht - und dort sitzen genau die Experten, die auch für den speziellen Fall Bescheid wissen. Sollte es sich um eine Auslandsadoption unter Umgehung von anerkannten Agenturen handeln, kann man dem Jugendamt nur recht geben.

Gruß
Elke

Hallo Elke!

Es ist definitiv abzusehen, dass das Jugendamt keine positive
Bescheinigung ausstellen wird. Lässt sich das Jugendamt bei
einer Auslandsadoption in irgendeiner Weise umgehen?

Soweit ich weiß, nicht.

Dann ist das in diesem Fall eine Katastrophe. :frowning:

Aber die Adoption wird doch sicher über eine anerkannte
Agentur gemacht - und dort sitzen genau die Experten, die auch
für den speziellen Fall Bescheid wissen. Sollte es sich um
eine Auslandsadoption unter Umgehung von anerkannten Agenturen
handeln, kann man dem Jugendamt nur recht geben.

Die widersprüchlichen Antworten kamen ja eben gerade von verschiedenen Mitarbeitern einer solchen Agentur. Diese Agentur würde den Sozialbericht zwar erstellen, aber verschiedene Mitarbeiter haben unterschiedliche Informationen dazu gegeben, ob das Jugendamt nur informiert werden oder auch tatsächlich schriftlich zustimmen muss. Da, wie gesagt, aus bestimmten Gründen vom zuständigen Jugendamt mit Sicherheit kein positiver Bescheid zu erwarten ist, ist dieser Punkt entscheidend.

Du bringst mich mit deiner Aussage aber noch zu einer anderen Frage: Gibt es generell die Möglichkeit einer „direkten“ Adoption über die Behörden vor Ort (im Ausland)? Oder ist das nach deutschem Recht verboten und nur über bestimmte Agenturen zugelassen?

Grüße,
Anja

Hallo Anja,

Die widersprüchlichen Antworten kamen ja eben gerade von
verschiedenen Mitarbeitern einer solchen Agentur.

Das ist ja gar nicht gut. Denn die sollten das ja wissen. Vielleicht haben die sich nur am Anfang beruhigend-abwiegelnd ausgedrückt und jetzt, wo Probleme abzusehen sind, werden sie deutlicher?

Diese
Agentur würde den Sozialbericht zwar erstellen, aber
verschiedene Mitarbeiter haben unterschiedliche Informationen
dazu gegeben, ob das Jugendamt nur informiert werden oder auch
tatsächlich schriftlich zustimmen muss.

Normalerweise wird das Jugendamt beim Sozialbericht miteinbezogen.

Du bringst mich mit deiner Aussage aber noch zu einer anderen
Frage: Gibt es generell die Möglichkeit einer „direkten“
Adoption über die Behörden vor Ort (im Ausland)? Oder ist das
nach deutschem Recht verboten und nur über bestimmte Agenturen
zugelassen?

Nein. Agenturen ODER Jugendamt, bzw. Agenturen mit Jugendamt oder Jugendamt allein. (bitte beachten: ich kenne deutsches Adoptionsrecht nicht aus eigener Erfahrung).
Aber in dem von dir geschilderten Fall, wäre das IMHO sowieso nicht wichtig, weil der Kontakt zum Kind ja über eine Agentur gelaufen ist und somit eine direkte Adoption nicht mehr möglich wäre (die aber auch über das deutsche Jugendamt laufen müsste).

Ich würde mich direkt an die Agentur wenden und dort verbindliche Aussagen fordern. Ich weiß, dass das schwierig ist, weil man sich den Menschen in diesen Agenturen genau wie den zuständigen Jugendamtsmitarbeitern ausgeliefert fühlt und niemand auf den Schlips treten möchte. Außerdem sollte man vielleicht doch versuchen, einen Draht zum zuständigen Jugendamt versuchen zu kriegen (vielleicht nicht auf direktem Weg, vielleicht über Vorgesetzte o.ä.). Es hilft meiner Meinung nach nicht, jetzt bei Adoption-Sites und Organisationen um Rat zu fragen, weil man da auch wieder nur unterschiedliche Angaben hören wird, die sich widersprechen. Wenn man das Jugendamt total abschreibt, kann nur die konkrete Agentur helfen. Die müssen ja irgendwie planen, wie es mit der Adoption weitergehen soll. Die meisten Agenturen fördern auch den Austausch zwischen Adoptierwilligen untereinander, dort gibt es möglicherweise Ansprechpartner und hilfreiche Tipps. Eventuell kann es von Nutzen sein mit einem auf diesem Gebiet spezialisierten Anwalt zu sprechen.

Gruß
Elke

Hallo Elke,

danke für deine Antwort.

Die widersprüchlichen Antworten kamen ja eben gerade von
verschiedenen Mitarbeitern einer solchen Agentur.

Das ist ja gar nicht gut. Denn die sollten das ja wissen.
Vielleicht haben die sich nur am Anfang beruhigend-abwiegelnd
ausgedrückt und jetzt, wo Probleme abzusehen sind, werden sie
deutlicher?

Ohne in dieser Angelegenheit ins Detail gehen zu wollen, ist das meiner Ansicht nach nicht der Fall. Im Gegenteil, die Person, von der die Info mit der bloßen Informierung des Jugendamtes kam, erscheint mir engagierter und vertrauenswürdiger. Deswegen war die Aussage der zweiten Mitarbeiterin für die Betroffenen wie ein Schlag ins Gesicht.

Diese
Agentur würde den Sozialbericht zwar erstellen, aber
verschiedene Mitarbeiter haben unterschiedliche Informationen
dazu gegeben, ob das Jugendamt nur informiert werden oder auch
tatsächlich schriftlich zustimmen muss.

Normalerweise wird das Jugendamt beim Sozialbericht
miteinbezogen.

Aber soviel ich weiß, dürfen doch Sozialberichte auch von anerkannten Sozialarbeitern ausgestellt werden, oder? Zwar nicht für Adoptionen, die direkt übers Jugendamt laufen, aber für andere Situationen.

Du bringst mich mit deiner Aussage aber noch zu einer anderen
Frage: Gibt es generell die Möglichkeit einer „direkten“
Adoption über die Behörden vor Ort (im Ausland)? Oder ist das
nach deutschem Recht verboten und nur über bestimmte Agenturen
zugelassen?

Aber in dem von dir geschilderten Fall, wäre das IMHO sowieso
nicht wichtig, weil der Kontakt zum Kind ja über eine Agentur
gelaufen ist und somit eine direkte Adoption nicht mehr
möglich wäre (die aber auch über das deutsche Jugendamt laufen
müsste).

Nein, das stimmt so nicht. Die Agentur wurde erst kontaktiert, nachdem der Kontakt zum Kind da war. Es geht eben, was sowieso schon eine ziemliche Ausnahme ist, um die Adoption eines KONKRETEN Kindes, das nicht durch die Agentur „ausgesucht“ wurde.

Ich würde mich direkt an die Agentur wenden und dort
verbindliche Aussagen fordern.

Ja, ist schon schwierig. Die potentiellen Adoptiveltern sind durch diese zweite Aussage eben total entmutigt worden. :frowning:

Eventuell kann es von Nutzen sein mit einem auf diesem
Gebiet spezialisierten Anwalt zu sprechen.

Das ist eine gute Idee. Danke.

Viele Grüße,
Anja

Hallo Anja,

nach deinen Details würde ich mich sofort an einen Anwalt wenden.

Gruß
Elke

…ein paar Links und viele ???..
Hallo Anja,
einen Rat in diesem angedeuteten, konkreten Fall kann und möchte ich Dir nicht geben. Dafür kenne ich die Rat suchende Familie und die Hintergründe, unter denen es „Querelen“ mit dem JA bzgl. des Pflegekindes gab, nicht.
Einige Dinge bringen mich jedoch ins Nachdenken. (Wichtig: Diese sollst Du mir hier bitte gar nicht beantworten, ich möchte nicht etwas aufwühlen, was nicht „meine Baustelle“ ist, sondern eher Anregungen zur weiteren Auseinandersetzung mit dem Thema liefern, O.K.?)
Mir stellen sich vor allem folgende Fragen:
Was ist inhaltlich Thema bei den „Quereleien“ zw. betreuendem JA und den Pflegeeltern?
Sollte das bereits aufgenommene Kind vielleicht erst mal die Eingewöhnungsphase hinter sich gebracht haben, steht vielleicht aufgrund der Herkunftsgeschichte des Kindes gar keine neue Geschwisterkonstellation an, würden dadurch alte Ängste wiederaufleben?
Sollte das Kind lieber die Eltern exklusiv für sich haben? Benötigt dieses Kind soviel Aufmerksamkeit, dass ein zweites Kind schlichtweg zu kurz kommen würde?
Sieht vielleicht das JA die psychischen Belastungsgrenzen der Eltern, diese selbst übersehen vor lauter Vorfreude aber völlig, was durch ein zweites Kind auf sie zukommen würde?
Solche Dinge werden im Vorfeld einer Inpflegegabe und der darauffolgenden Kontaktanbahnung eigentlich intensiv besprochen und erläutert.
(Zumindest sollte es so sein :wink: )

Was heisst es denn wirklich:

Ehepaar hat super Voraussetzungen

Vielleicht ist das Umfeld der Familie gut geeignet- auch räumlich alles tutti, aber es gibt seitens JA Bedenken zur Aufnahme eines zweiten Kindes, welches aufgrund des Status der Auslandsadoption mit noch ganz anderen Schwierigkeiten zu kämpfen haben wird, als es ein „reguläres“ Pflegekind sowieso schon hat.

Warum wäre es

ein Desaster, wenn diese Adoption nicht stattfinden würde!

???

Es ist definitiv abzusehen, dass das Jugendamt keine positive
Bescheinigung ausstellen wird. Lässt sich das Jugendamt bei
einer Auslandsadoption in irgendeiner Weise umgehen?

Davon kann ich im Sinne des ersten Pflegekindes nur abraten. Die Familie und das JA werden ja weiterhin miteinander arbeiten. Wieder stellt sich die Frage: Was steckt dahinter?

Übrigens:
Ich weiss natürlich, dass es -wie überall auf der Welt- auch in Jugendämtern richtiggehende Flaschen gibt, Leute, die auf Regelungen (intern: Altersbeschränkung der Eltern. Kenne ich so nicht, eher ist eine gewisse Lebenserfahrung von großem Vorteil…) ebensogerne herumreiten wie auf ihrem Schreibtischstuhl.
Aber das ist nunmal nicht die Regel, sondern es sollten dort Menschen sitzen, denen das Wohl der ihnen anvertrauten Kinder/ Jugendlichen und Familien am Herzen liegt.

Der „Rucksack“, den das Pflegekind aus der Ursprungsfamilie mitbringt, bleibt ein Leben lang. Ihn zu tragen ist eine Aufgabe, welche von den Pflegeeltern und dem Kind gemeinsam bewältigt werden will. Dabei Unterstützung zu bieten, ist u.a. Aufgabe des JA.

Für weitere Informationen habe ich ein paar (m.E. empfehlenswerte) Seiten zum Thema Adoption/ Pflegekinder zusammengestellt.
Ist vielleicht für Dich und die Familie hilfreich.
http://www.moses-online.de/
http://www.pan-ev.de/
http://www.adoption.de/
http://www.adoptionsinfo.de/
http://www.adoptierte.de/
http://www.bveaa.de/
http://www.kiap.de/
Im Austausch mit anderen Pflegeeltern, können sie sicher guten Rat und Unterstützung finden.
…just my two cents…
Alles Gute und viel Kraft für die Pflegefamilie und Dich,
Finjen

. . . eine Weile her, war auch innerhalb von D, und alle Beteiligten, einschließlich der leiblichen Eltern, waren einverstanden.

Auch Hallo,

Zur rechtlichen Frage von Adoptionen von ausländischen Kindern, kann ich also nichts beitragen. Ich antworte dennoch, weil mir dies hier:

Ehepaar hat super Voraussetzungen, hat schon Erfahrung mit
einem Pflegesohn
, würde von einer Vermittlungsagentur einen
positiven Sozialbericht ausgestellt bekommen.

in Verbindung hiermit:

Jugendamt stellt sich aufgrund interner Vorgaben
(Altersgrenze, Bevorzugung Kinderloser, außerdem vorhergehende
Querelen wegen dem Pflegesohn
) quer.

aufgefallen ist. Leider kann ich daraus nicht ersehen, ob der Pflegesohn noch bei dem Ehepaar lebt. Sollte dies der Fall sein, kann das Jugendamt doch gar keinen negativen Eindruck haben, würde folglich auch eine positive Bescheinigung ausstellen (müssen).

Aber genau da bist du sicher, dass das nicht so sein wird. Und das kann ich mir eigentlich nur so erklären, dass der Pflegesohn eben nicht mehr bei dem Ehepaar lebt, und die von dir genannten „Querelen“ entstanden dann vielleicht aus genau diesem Umstand. Egal, wer nun der Ansicht war, dass der Junge dort nicht mehr leben solle.

Lässt sich das Jugendamt bei
einer Auslandsadoption in irgendeiner Weise umgehen?

Das dürfte von der Frage abhängen, ob es sich um eine ‚schwache‘ oder eine ‚starke‘ Adoption handelt.

Zwei, drei Worte zu dem Begehr das Jugendamt zu umgehen:
Ich finde das kein günstiges Vorhaben. Es kann sehr gut dazu kommen, dass die neu entstandene Familie Situationen erleben wird, in denen Unterstützung/Hilfe, eine Beratung, einfach „jemand von außen“ benötigt wird, oder auch nur förderlich sein könnte. Warum wollt ihr euch diese Möglichkeit von vornherein nehmen, oder sie zumindest sehr erschweren?

Meine Berufstätigkeit liegt zwar schon etliche Jährchen zurück, aber schon „damals“ (ca Mitte 70er bis Anfang 90er) war „das Schei**-Amt“, das „böse Jugendamt“ eine Schimäre, eine -leider nicht umzubringende- Legende. In der Mehrzahl arbeiten dort Menschen, die wirklich und aufrichtig daran interessiert sind Kindern in schwierigen Lebenssituationen zu helfen. Nun mag es ja sein, dass die völlig andere „Haushaltslage“ die Mitarbeiter in finanziellen Fragen nicht mehr so großzügig sein lässt, wie sie es sich wünschen und „zu meiner Zeit“ sein konnten (Himmel, wenn ich nur daran denke, für was wir „Staatsknete“ locker machen konnten).

Aber die Vorstellung, dass die Mitarbeiter des JA immer das Problem sind, nur daran interessiert selbst gefundene gute Lösungen zu verhindern, ist einfach nicht wahr. OK OK, es gibt Ausnahmen („Ausgebrannte“, die sich nicht mehr wirklich einsetzen mögen, auch die, die den Schuss nie gehört haben) aber auch wenn man an eine solche geraten ist, ist das Ende der Fahnenstange nicht erreicht, noch lange nicht. Die „Sachbearbeiter“ (blödes Wort, ich weiß) arbeiten in Teams, haben Vorgesetzte, es gibt Beraterteams für die einzelnen Ressorts und so fort. Eine der genannten Möglichkeiten, wäre die Stelle, wo ihr den Widerspruch „Pflegesohn kann dort leben, aber negativen Bericht an die Adoptionsagentur“?? zur Sprache bringen könntet. Wenn es so ist, dass der Junge noch bei dem Ehepaar lebt. Sollte das nicht der Fall sein, und die negative Einschätzung tatsächlich aus der Pflegezeit stammen, könntet ihr auch darum bitten, diese mit allen Beteiligten und einem außenstehenden Berater zu begucken und zu bearbeiten.

Auch hierzu

Die Frage ist dringend!

Es ist wirklich ein sehr dringender und sehr wichtiger Fall!
Es wäre ein Desaster, wenn diese Adoption nicht stattfinden
würde!

noch ein paar Worte:

Ich habe 17 Jahre lang mit Kindern gearbeitet, die aus den verschiedensten Gründen im Heim leben mussten. Unser Ziel war es immer, diese Zeit „so lang wie nötig und so kurz wie möglich“ zu halten. Ich dürfte so um die 30 Pflegestellenvermittlungen (und eine Adoption) miterlebt, bzw. aktiv daran mitgewirkt, haben. Dabei habe ich u.a. eines gelernt:
Wenn wir uns in diesen Bannkreis von „sofort, auf der Stelle“ „Katastrophe“ „Himmeleinstürz“ hineinziehen ließen, auf das Karussell aus Panik und blinden Aktionismus aufstiegen, haben wir immer schlecht gearbeitet. Die Eingangsvoraussetzungen waren erstmal verdorben, und es kostete viel Zeit davon wegzukommen, an den Anfang zurückzukehren, um in besserer Atmosphäre die Situation in Ruhe zu begucken, Überlegungen anzustellen, Alternativen zu entwickeln.
Es gibt nur sehr, sehr wenige Situationen, die tatsächlich eine augenblickliche Herausnahme des Kindes erforderlich machen. Selbst bei akuter Bedrohung des Kindes reicht es meist, es nur temporär aus der Situation zu entfernen. Um später, mit einem kleinen zeitlichen Abstand, die Situaton mit unaufgeregten Erwachsenen zu besprechen.

Ich fände es sehr hilfreich für alle Beteiligten, wenn es euch gelänge, nicht diesem Sog von „ganz, ganz wichtig“ „ganz, ganz eilig“ „wäre ein Desaster“ zu erliegen. Panik ist ein schlechter Ratgeber. Innere Aufgebrachtheit und Aufgeregtheit verbraucht so viel innere Energie, die dann bei der Suche nach Lösungsmöglichkeiten, beim Erdenken von Strategien zur Problembewältigung fehlt. Ich weiß, dass das nicht leicht ist. Anfangs, als wir noch keine Beratung hatten, sind wir auch häufiger in diese Falle geraten.

Ich wünsche euch, dem Ehepaar und ganz besonders dem Kind, Kraft und Geduld. Und vor allem: Unaufgeregtheit = Ruhe!!

Grüße
Renate

Hallo Renate,

danke für deine Antwort.

Ehepaar hat super Voraussetzungen, hat schon Erfahrung mit
einem Pflegesohn
, würde von einer Vermittlungsagentur einen
positiven Sozialbericht ausgestellt bekommen.

in Verbindung hiermit:

Jugendamt stellt sich aufgrund interner Vorgaben
(Altersgrenze, Bevorzugung Kinderloser, außerdem vorhergehende
Querelen wegen dem Pflegesohn
) quer.

aufgefallen ist. Leider kann ich daraus nicht ersehen, ob der
Pflegesohn noch bei dem Ehepaar lebt.

Ja, das tut er.

Sollte dies der Fall
sein, kann das Jugendamt doch gar keinen negativen
Eindruck haben, würde folglich auch eine positive
Bescheinigung ausstellen (müssen).

Wie gesagt, interne Vorgaben just dieses Jugendamtes, u.a. die Altersgrenze (Bewerbern über 35 Jahren wird generell kein positiver Sozialbericht erstellt).

Lässt sich das Jugendamt bei
einer Auslandsadoption in irgendeiner Weise umgehen?

Das dürfte von der Frage abhängen, ob es sich um eine
‚schwache‘ oder eine ‚starke‘ Adoption handelt.

Was meinst du damit?

Zwei, drei Worte zu dem Begehr das Jugendamt zu umgehen:
Ich finde das kein günstiges Vorhaben. Es kann sehr gut dazu
kommen, dass die neu entstandene Familie Situationen erleben
wird, in denen Unterstützung/Hilfe, eine Beratung, einfach
„jemand von außen“ benötigt wird, oder auch nur förderlich
sein könnte. Warum wollt ihr euch diese Möglichkeit von
vornherein nehmen, oder sie zumindest sehr erschweren?

Es gibt im Bekanntenkreis der Familie eine für solche Situationen akkreditierte Sozialarbeiterin, die die Nachbetreuung übernehmen würde.

Aber die Vorstellung, dass die Mitarbeiter des JA immer
das Problem sind, nur daran interessiert selbst gefundene gute
Lösungen zu verhindern, ist einfach nicht wahr.

Das will ich ja gar nicht behaupten. Aber in diesem Fall ist es nun mal so, dass das JA klipp und klar gesagt hat, dass dieses Paar aufgrund fester interner Regelungen keine Adoptionen mehr vornehmen darf. Dem gegenüber liegt ein positiver Sozialbericht eines freien Trägers von 2006 vor, bei dem diese Familie sogar als mögliche Sonderpflegestelle für Schwerstbehinderte gelistet ist. Natürlich wurde dieser Bericht erst nach sorgfältiger Prüfung ausgestellt. Die Voraussetzungen für das Kind wären also wirklich sehr gut.

Es geht in diesem Fall tatsächlich nur um die absolute Weigerung des JA, seine Zustimmung zu geben. Wahrscheinlich gäbe es zwar einen gerichtlichen Weg, aber das würde sehr lange dauern, wäre mit immensen Kosten verbunden und es ist letztlich die Frage, was dabei herauskommt.

Ich bin der Meinung - wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Nur, wie findet man diesen Weg?

Es gibt nur sehr, sehr wenige Situationen, die tatsächlich
eine augenblickliche Herausnahme des Kindes erforderlich
machen.

Augenblicklich nicht, aber das Kind MUSS dort unbedingt weg, auf längere Sicht geht es um sein Überleben. Seine Adoptionschancen generell sind aber sehr schlecht, sodass es ein Riesenglücksfall ist, dass sich diese Familie gefunden hat, die das Kind sehr gern adoptieren würde.

Ich wünsche euch, dem Ehepaar und ganz besonders dem Kind,
Kraft und Geduld. Und vor allem: Unaufgeregtheit = Ruhe!!

Danke.

Gruß,
Anja