Frage zum Berliner Schloss

Guten Tag!

Der Aufbau des Berliner Schlosses ist in vollem Gange.

Fragen:

Wie werden die Fassadenelemente an den Betonrohbau angebracht?

Besitzt jedes Schloss hinter der Fassade einen gemauerten „Kern"?

Hallo!

Der Aufbau des Berliner Schlosses ist in vollem Gange.
Wie werden die Fassadenelemente an den Betonrohbau angebracht?

Wie der historistische Kitsch in Berlin realisiert wird, ist mir nicht bekannt. Weithin üblich ist eine verdeckte Befestigung mit sog. Hinterschnittankern, in die vorgefertigte Elemente eingehängt werden.
Hat in diesem Fall den Vorzug, dass sich das Gebäude später (sollte irgendwann doch noch Vernunft einkehren) mit zeitgemäßer Fassade ausstatten lässt. Aber erstmal musste Erichs Lampenladen ganz einfach weg (schon klar, natürlich nur wg. Asbest) und statt dessen wieder ein zeitgemäßes Gebäude zu erstellen, hätte doch zu viele Fragen aufgeworfen, was der Unsinn soll.

Besitzt jedes Schloss hinter der Fassade einen gemauerten „Kern"?

Je nach Region und Epoche kamen verschiedene Baustoffe zum Einsatz, etwa in der Gegend vorkommender Naturstein, aber häufig Gemäuer aus gebrannten Ziegeln. Dabei gab es sowohl massive Mauern und ab etwa der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch 2-schaliges Gemäuer. Die Innenschale war tragend, hielt Decken und Dach und die Außenschale in einigen Zentimetern Abstand diente Wetterschutz und Verbesserung der thermischen Verhältnisse. Die Außenschale wurde durch Verputzen mit Formbrettern dreidimensional gestaltet. Aufwändiger waren aus Naturstein per Hand gehauene Zierelemente oder in speziellen Formen gebrannte Ziegel. Letzteres u. a. in der Altstadt Lüneburgs zu bestaunen.

Ich halte Zierrat (nicht nur) an Fassaden für entbehrlichen Tinnef. Man kann nämlich Gebäude nur an Funktionalität orientiert durch Formgebung, Materialauswahl und Verarbeitung ansehnlich gestalten, ohne auch nur einen Cent für Nippes und Verzierungen auszugeben.

Gruß
Wolfgang

Hallo!

Ich halte Zierrat (nicht nur) an Fassaden für entbehrlichen
Tinnef. Man kann nämlich Gebäude nur an Funktionalität
orientiert durch Formgebung, Materialauswahl und Verarbeitung
ansehnlich gestalten, ohne auch nur einen Cent für Nippes und
Verzierungen auszugeben.

Entbehrlich schon.
Aber ich finde es schön.

Es wird soviel Geld für soviel Mist ausgegeben…

Gruß Nemo,

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Es wird soviel Geld für soviel Mist ausgegeben…

Gruß Nemo,

Hallo,
Ja wenn man es Dicke hat soll das jeder so machen wie er möchte aber hier in dem Fall sind die Kassen nun mal leer so das Eltern mitunter die Klassenräume ihre Kinder selber streichen…auch wenn die Stadt den Kokolores nicht selber ganz bezahlt.

Gruß
Sepp.

Der Klassizismus kommt bereits mit weniger Zierrat aus als die Architektur im Barock und Rokoko.

Persönlich habe ich am Wiederaufbau nichts auszusetzen. Berlin besitzt bereits mehrere repräsentative moderne Bauten, u. a. das Sony Center, das Bundeskanzleramt und die Deutsche Oper.

Es ist nicht falsch, ein geliebtes Wahrzeichen, das Kriegsschäden erlitten hatte, wiederaufzubauen. Da das Schloss aus kommunistisch-ideologischen Gründen fallen musste, vergleichbar mit der Auferstehungskirche, besitzt der Wiederaufbau eine große Symbolkraft.

Hallo!

Der Klassizismus kommt bereits mit weniger Zierrat aus als die
Architektur im Barock und Rokoko.

Trotzdem bleibt ziemlich viel sinnfreies Zeug http://de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Stadtschloss#/…. Zugegeben - ist alles Geschmacksache. Schicke funktionale Gestaltung stellt an die Kreativität deutlich höhere Ansprüche als eine Replik, bei der man bloß nachahmen muss und die anspruchsvollste Beschäftigung im Aufhängen und Justieren der Fassade des Potemkinschen Dorfes besteht.

Es ist nicht falsch, ein geliebtes Wahrzeichen, das
Kriegsschäden erlitten hatte, wiederaufzubauen. Da das Schloss
aus kommunistisch-ideologischen Gründen fallen musste,
vergleichbar mit der Auferstehungskirche, besitzt der
Wiederaufbau eine große Symbolkraft.

Welche Symbolik soll’s denn sein: Das Schloß als Symbol für den Feudalismus als kurfürstliche Residenz oder vielleicht die von einem Balkon des Schlosses von Kaiser Wilhelm II am 31. Juli und 1. August 2014 gehaltenen Reden, um dem Volk den Krieg schmackhaft zu machen?

Für mich ist Kern des Anstoßes, dass die geschichtlichen Argumente für den Bau einer Replik des früheren Stadtschlosses vorgeschoben sind, zumal die Geschichte neben Glanz und Gloria vor allen Dingen eine Geschichte des Ursprungs von unsäglichem Elend war. Nachdem der Palast der Republik weg musste, koste es, was es wolle und egal wie wenig stichhaltig die Argumente waren, fehlte es an einer Idee, was man mit dem freien Platz anstellen könnte. Und wer keine eigenen Ideen hat, baut eben irgendwas nach. Damit ist dann das Problem der fehlenden Ideen und mangelnder Kreativität vom Tisch. Statt selbst zu denken, wird nach alten Fotos zurechtgebastelt.

Ich habe nichts dagegen, alte Bauwerke zu restaurieren und zu erhalten, soweit sie erhaltenswert und zeitgemäß nutzbar sind. Zur Vermeidung von Stilbrüchen muss man dabei schon mal einzelne Elemente nachbauen. Aber ein nagelneues Gebäude mit einer auf alt gemachten Fassade zu versehen, ist Disneyland.

Gruß
Wolfgang

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Servus,

anspruchsvoller (und beiläufig auch schöner) wäre es gewesen, den Palast der Republik von seiner Innenbeleuchtung zu befreien, ihn mit einem weniger asbesthaltigen Innenleben zu versehen und als ein Baudenkmal der Moderne zu erhalten, von dem es in Berlin nicht allzu viele gibt, die in architektonisch hoher Qualität ausgeführt sind.

Aber dieser dritte Aufguss von Preußens Gloria? Noja, wenns schee machd -

Schöne Grüße

MM

Hallo Wolfgang,

Trotzdem bleibt ziemlich viel sinnfreies Zeug
http://de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Stadtschloss#/….
Zugegeben - ist alles Geschmacksache. Schicke funktionale
Gestaltung stellt an die Kreativität deutlich höhere Ansprüche
als eine Replik, bei der man bloß nachahmen muss und die
anspruchsvollste Beschäftigung im Aufhängen und Justieren der
Fassade des Potemkinschen Dorfes besteht.

Es ist nicht falsch, ein geliebtes Wahrzeichen, das
Kriegsschäden erlitten hatte, wiederaufzubauen. Da das Schloss
aus kommunistisch-ideologischen Gründen fallen musste,
vergleichbar mit der Auferstehungskirche, besitzt der
Wiederaufbau eine große Symbolkraft.

Welche Symbolik soll’s denn sein: Das Schloß als Symbol für
den Feudalismus als kurfürstliche Residenz oder vielleicht die
von einem Balkon des Schlosses von Kaiser Wilhelm II am 31.
Juli und 1. August 2014 gehaltenen Reden, um dem Volk den
Krieg schmackhaft zu machen?

Für mich ist Kern des Anstoßes, dass die geschichtlichen
Argumente für den Bau einer Replik des früheren Stadtschlosses
vorgeschoben sind, zumal die Geschichte neben Glanz und Gloria
vor allen Dingen eine Geschichte des Ursprungs von unsäglichem
Elend war. Nachdem der Palast der Republik weg musste, koste
es, was es wolle und egal wie wenig stichhaltig die Argumente
waren, fehlte es an einer Idee, was man mit dem freien Platz
anstellen könnte. Und wer keine eigenen Ideen hat, baut eben
irgendwas nach. Damit ist dann das Problem der fehlenden Ideen
und mangelnder Kreativität vom Tisch. Statt selbst zu denken,
wird nach alten Fotos zurechtgebastelt.

Das Problem lässt sich durch die ganzen Jahrtausende der Geschichte verfolgen:
Die aktuelle Geschichte wird durch den Sieger einer Auseinandersetzung weiter geschrieben!
Dazu scheint auch zu gehören das gewonnene Gebiet mit den eigenen Symbolen zu markieren und Symbole der Unterlegenen verschwinden zu lassen …

Bis heute scheint die Menschheit nicht fähig zu sein, die Eigenschaft, aus der Geschichte Lehren zu ziehen, zu entwickeln.

MfG Peter(TOO)

Hi,

die Maßnahme wird vom www.bbr.bund.de in Berlin betreut,
dort kannst du dich ja mal zum Projektleiter durchfragen:wink:

LG
living free

War die Inneneinrichtung nicht das Geschmackvollste am Palast der Republik?

Servus,

anspruchsvoller (und beiläufig auch schöner) wäre es gewesen,
den Palast der Republik von seiner Innenbeleuchtung zu
befreien, […].