Symbolik statt Göttergestalten
Hallo Lisa
die Antwort von Metapher war zwar grundsätzlich richtig, aber vielleicht etwas kompliziert *g*.
Ich werde mal versuchen, das Ganze anhand von Beispielen etwas einfacher zu erläutern.
:
: Gehören die Göttergestalten also eher in den Volksglauben? So
: wie bei uns im Karneval auch noch die Dämonen ausgetrieben
: werden?
Es gibt im Buddhismus keine Göttergestalten, da Götterglaube im Buddhismus unbekannt ist. Ich
vermute mal, dass du dich bei „Göttergestalten“ im wesentlichen auf Abbildungen im tibetischen
Buddhismus beziehst. Diese Abbildungen wurden in von Gottglauben geprägten Gesellschaften
oft als Abbildungen von Göttergestalten mißinterpretiert, da dort eine Vorstellung von einer
Religion ohne Gott (oder Götter) unvorstellbar war (ist).
Tatsächlich sind diese Abbildungen jedoch stark symbolhaft. Sie stellen ein bestimmtes Prinzip
oder einen bestimmten Aspekt der buddhistischen Lehre dar.
Ein paar Beispiele:
schwarze oder dunkelblaue und braune Figuren werden von westlichen Beschreibern oft als
Dämonen angesehen. Dieser Eindruck ist jedoch falsch. Es sind keine bösen Dämonen, sondern
sie gehören dem allerhöchsten religiösen Bereich, der Buddha-Ebene an und symbolisieren z.B.
die Zerstörung der spirituellen Unwissenheit (also eigentlich etwas positives).
Ein weiteres Beispiel wäre die Darstellung des elfköpfigen und tausendarmigen Avalokitesvara,
des Boddhisattva des Mitgefühls. Sie symbolisiert das absolute Mitgefühl, das gleichzeitig in alle
Richtungen und auf alle möglichen Weisen wirkt. Die tausend Arme vertreten die zahllosen
Hilfsmittel, die dem Mitleid zur Verfügung stehen, um Lebewesen zu helfen und sie zu schützen.
Ein drittes Beispiel: die grüne Tara. Grün steht für Frieden und Erlösung. Die fünf Totenschädel,
die sie trägt, stehen für die fünf buddhistischen Weisheiten etc.
Im tibetischen Buddhismus gibt es unzählige Beispiele für symbolhafte Darstellung, Gegenstände
oder Handlungen. Sie alle haben symbolische Wertigkeiten, die den Tibetern helfen, mit dem in
Kontakt zu bleiben, was hinter den Symbolen liegt, worauf diese Symbole hinweisen - also höhere
Ebenen des Seihns, des Bewußtseins und der Realität gemäß der buddhistischen Lehre.
Also nix mit Göttergestalten etc. 
: Bin übrigens noch auf der Suche nach Literatur zum Thema
: Buddhismus. Was ich bisher gefunden habe, ist entweder eine
: Glorifizierung seitens überzeugter Anhänger oder eine
: Verteufelung seitens Andersgläubiger, die sich durch den
: Buddhismus angegriffen fühlen. Mir wäre aber eine sachliche
: Darstellung lieber.
Die beste allgemeine Einführung in den Buddhismus, die mir bekannt ist, ist das Buch: „Was ist
Buddhismus“ von Alex Kennedy. ISBN: 3442123968 Buch anschauen
Solltest du dich speziell für die tibetische symbolische religiöse Kunst interessieren, empfehle ich
dir trotzdem, zunächst dieses Buch zu lesen, da sich diese Symbolik nur dem erschließt, der im
Buddhismus halbswegs bewandert ist.
ähm…ist das Ganze nun etwas klarer geworden ?
Falls nicht, frag ruhig weiter 
liebe Grüsse
Marion