Frage zum Buddhismus

Hallo zusammen,

ich hätte mal eine Frage zum Buddhismus. Habe schon öfter gelesen, dass Buddhisten eigentlich nicht an einen Gott (im Sinne eines höheren Wesens) glauben. Trotzdem werden doch auch von Buddhisten verschiedene Gottheiten verehrt oder manche Menschen sogar als personifizierte Gottheit betrachtet. Oder täusche ich mich da? Was stimmt nun tatsächlich?

Vielen Dank und viele Grüsse,
Lisa

Hi Lisa

… Trotzdem werden doch auch
von Buddhisten verschiedene Gottheiten verehrt oder manche
Menschen sogar als personifizierte Gottheit betrachtet…

Nein, sowohl der mahayana als auch (erst recht) der hinayana ist von nicht-theistischen Ideen geprägt. Die Lehre des Siddharta Shakyamuni hat ihre Wurzeln im klassischen Hinduismus (und im Yoga, der aber ebenfalls non-theistisch ist, „ishvara“ ist nur scheinbar eine göttliche Gestalt), und daher gibt es zahlreiche populäre kultische Erscheinungen, bzw. rituelle Mischformen, die
die den Anschein von Gottesverehrungen haben. Z.B. ist der tathagata-amitabha-Kult oft in christlicher Analogie interpretiert worden.

Allerdings ist die buddhistische Psychologie (zumindest aus westlicher Perspektive) höchst komplex und auch für den Alltag zu sehr abstrakt, sodaß die Neigung der Vorstellungskraft zur Verbildlichung im Kult oft zum tragen kommt. Dieser Effekt (der Popularisierung) zeigt sich in fast allen religiösen Erscheinungen. Mit solchen Begriffen wie z.B. „amithabha-buddha“, „mahavairocana-buddha“, „ratnasambhava-buddha“ sind ja eher Stadien oder Aspekte der Persönlichkeitsentwicklung bzw. subjektive Bewußtseinsverfassungen gemeint, keineswegs aber reale menschliche Gestalten (erst recht keine historischen), aber vor allem auch keine göttlichen. Vor allem auf dem Boden des älteren, überaus götter-reichen Hinduismus macht der kultische Umgang aus solchen begrifflichen Konzeptionen gerne gottähnliche Gestalten - zum anschauen und auch zum anfassen…

sowit in aller Kürze…

Gruß
M.G.

Danke!
Hallo Metapher,

vielen Dank für deine ausführliche Antwort!!

Nein, sowohl der mahayana als auch (erst recht) der hinayana
ist von nicht-theistischen Ideen geprägt. Die Lehre des
Siddharta Shakyamuni hat ihre Wurzeln im klassischen
Hinduismus (und im Yoga, der aber ebenfalls non-theistisch
ist, „ishvara“ ist nur scheinbar eine göttliche Gestalt), und
daher gibt es zahlreiche populäre kultische Erscheinungen,
bzw. rituelle Mischformen, die
die den Anschein von Gottesverehrungen haben. Z.B. ist der
tathagata-amitabha-Kult oft in christlicher Analogie
interpretiert worden.

Gehören die Göttergestalten also eher in den Volksglauben? So wie bei uns im Karneval auch noch die Dämonen ausgetrieben werden?

Bin übrigens noch auf der Suche nach Literatur zum Thema Buddhismus. Was ich bisher gefunden habe, ist entweder eine Glorifizierung seitens überzeugter Anhänger oder eine Verteufelung seitens Andersgläubiger, die sich durch den Buddhismus angegriffen fühlen. Mir wäre aber eine sachliche Darstellung lieber.

Vielen Dank,
Lisa

Hallo Lisa,

Informationen kannst du von vielen Seiten erhalten.
Da sich diese aber oft selbst widersprechen machte ich mich einst auf eigene zu suchen.
Was ich fand empfinden bestimmt auch andere, es ist also kein „Allheilmittel“ von mir.
Wie du ja selbst weist gibt es viele Religionen. Manche sind mir ein Begriff, andere ein Buch mit sieben Siegeln.
Wenn ich jetzt überzeugter „-Odin-ist“ wäre, könnte ich dann behaupten Christen, Juden, Moslems,… seien alle Lügner?
Könnte ich das?
Es gibt immer mal wieder Leute die behaupten sie hätten eine Marienerscheinung gehabt, der „Glaube“ an eine Maria, Mutter Gottes ist aber zum Teil eine Ableitung aus dem heidnischen Glauben wie er vor der Christianisierung Europa füllte; Die Mormonen begründen ihren Glauben auf eine Erscheinung. Quasi jede Religion hat welche. Will man jetzt als Jude behaupten alle andersgläubigen seien Lügner?
Jene Menschen die von ihrem Glauben überzeugt sind, tun dies. Und ich kann es ihnen nicht verübeln.
Aber dann bräuchte man ja alle paartausend Jahre einen Neuen; weil der Alte nicht länger zeitgemäß ist.

Woher wollen wir den überhaupt wissen wie >Gott

Symbolik statt Göttergestalten
Hallo Lisa

die Antwort von Metapher war zwar grundsätzlich richtig, aber vielleicht etwas kompliziert *g*.
Ich werde mal versuchen, das Ganze anhand von Beispielen etwas einfacher zu erläutern.
:
: Gehören die Göttergestalten also eher in den Volksglauben? So
: wie bei uns im Karneval auch noch die Dämonen ausgetrieben
: werden?

Es gibt im Buddhismus keine Göttergestalten, da Götterglaube im Buddhismus unbekannt ist. Ich
vermute mal, dass du dich bei „Göttergestalten“ im wesentlichen auf Abbildungen im tibetischen
Buddhismus beziehst. Diese Abbildungen wurden in von Gottglauben geprägten Gesellschaften
oft als Abbildungen von Göttergestalten mißinterpretiert, da dort eine Vorstellung von einer
Religion ohne Gott (oder Götter) unvorstellbar war (ist).
Tatsächlich sind diese Abbildungen jedoch stark symbolhaft. Sie stellen ein bestimmtes Prinzip
oder einen bestimmten Aspekt der buddhistischen Lehre dar.

Ein paar Beispiele:

schwarze oder dunkelblaue und braune Figuren werden von westlichen Beschreibern oft als
Dämonen angesehen. Dieser Eindruck ist jedoch falsch. Es sind keine bösen Dämonen, sondern
sie gehören dem allerhöchsten religiösen Bereich, der Buddha-Ebene an und symbolisieren z.B.
die Zerstörung der spirituellen Unwissenheit (also eigentlich etwas positives).

Ein weiteres Beispiel wäre die Darstellung des elfköpfigen und tausendarmigen Avalokitesvara,
des Boddhisattva des Mitgefühls. Sie symbolisiert das absolute Mitgefühl, das gleichzeitig in alle
Richtungen und auf alle möglichen Weisen wirkt. Die tausend Arme vertreten die zahllosen
Hilfsmittel, die dem Mitleid zur Verfügung stehen, um Lebewesen zu helfen und sie zu schützen.

Ein drittes Beispiel: die grüne Tara. Grün steht für Frieden und Erlösung. Die fünf Totenschädel,
die sie trägt, stehen für die fünf buddhistischen Weisheiten etc.

Im tibetischen Buddhismus gibt es unzählige Beispiele für symbolhafte Darstellung, Gegenstände
oder Handlungen. Sie alle haben symbolische Wertigkeiten, die den Tibetern helfen, mit dem in
Kontakt zu bleiben, was hinter den Symbolen liegt, worauf diese Symbole hinweisen - also höhere
Ebenen des Seihns, des Bewußtseins und der Realität gemäß der buddhistischen Lehre.
Also nix mit Göttergestalten etc. :smile:

: Bin übrigens noch auf der Suche nach Literatur zum Thema
: Buddhismus. Was ich bisher gefunden habe, ist entweder eine
: Glorifizierung seitens überzeugter Anhänger oder eine
: Verteufelung seitens Andersgläubiger, die sich durch den
: Buddhismus angegriffen fühlen. Mir wäre aber eine sachliche
: Darstellung lieber.

Die beste allgemeine Einführung in den Buddhismus, die mir bekannt ist, ist das Buch: „Was ist
Buddhismus“ von Alex Kennedy. ISBN: 3442123968 Buch anschauen

Solltest du dich speziell für die tibetische symbolische religiöse Kunst interessieren, empfehle ich
dir trotzdem, zunächst dieses Buch zu lesen, da sich diese Symbolik nur dem erschließt, der im
Buddhismus halbswegs bewandert ist.

ähm…ist das Ganze nun etwas klarer geworden ?
Falls nicht, frag ruhig weiter :smile:

liebe Grüsse
Marion

Hallo Marion,

dir auch erst mal vielen Dank für deine anschaulichen Erläuterungen. Und auch für den Buchtip mit eingebautem Link :smile:). Der Preis ist ja auch annehmbar, deshalb hab ichs mir gleich bestellt.

Es gibt im Buddhismus keine Göttergestalten, da Götterglaube
im Buddhismus unbekannt ist. Ich
vermute mal, dass du dich bei „Göttergestalten“ im
wesentlichen auf Abbildungen im tibetischen
Buddhismus beziehst.

Zum Teil. Habe aber auch z.B. gelesen, dass der Dalai Lama die Verehrung irgendeines Schutzgottes verboten haben soll (stammt aus dem Internet, daher weiss ich nicht, was dran ist). Den Namen der Göttergestalt konnte ich mir leider nicht merken :smile:) und den link habe ich nicht gespeichert. Aber der Artikel klang nicht so, als hätte diese Gottheit nur symbolischen Charakter besessen (kann mich aber täuschen).

Nochmal vielen Dank und viele Grüsse,
Lisa

Hallo Gerrit,

Informationen kannst du von vielen Seiten erhalten.
Da sich diese aber oft selbst widersprechen machte ich mich
einst auf eigene zu suchen.

Ja, genau dieser Widerspruch ist das Problem. Da blickt man am Anfang kaum durch.

Wie du ja selbst weist gibt es viele Religionen. Manche sind
mir ein Begriff, andere ein Buch mit sieben Siegeln.
Wenn ich jetzt überzeugter „-Odin-ist“ wäre, könnte ich dann
behaupten Christen, Juden, Moslems,… seien alle Lügner?
Könnte ich das?

Ich hoffe, es besteht hier kein Missverständnis. Ich wollte ja gerade nicht behaupten, dass irgendjemand recht oder unrecht hätte. das genau ist der Grund, warum ich nach möglich sachlichen und objektiven (soweit das im Religionsbereich möglich ist) Informationen suche. Ich selbst gehöre keiner Glaubensrichtung an. Religionen bilden aber zu einen guten Teil die Grundlage für Kulturen und daher halte ich es für wichtig informiert zu sein.

Aber dann bräuchte man ja alle paartausend Jahre einen Neuen;
weil der Alte nicht länger zeitgemäß ist.

*grins*. Aber genau das passiert ja auch, wenn man sich die Weltgeschichte so anschaut.

Woher wollen wir den überhaupt wissen wie >Gott

Hallo Lisa

Zum Teil. Habe aber auch z.B. gelesen, dass der Dalai Lama die
Verehrung irgendeines Schutzgottes verboten haben soll (stammt
aus dem Internet, daher weiss ich nicht, was dran ist). Den
Namen der Göttergestalt konnte ich mir leider nicht merken

-)) und den link habe ich nicht gespeichert. Aber der Artikel

klang nicht so, als hätte diese Gottheit nur symbolischen
Charakter besessen (kann mich aber täuschen).

Tja, dazu kann ich mit so wenig Informationen leider auch nicht viel sagen :smile:

Tibet ist, was den Buddhismus anbelangt, sicher ein besonderer Fall. Bevor der Buddhismus nach Tibet kam, herrschte dort die Bön-Religion, ein von Schamanismus und Geistern geprägter Glaube. Es dauerte über 500 Jahre, bis sich der Buddhismus in Tibet wirklich durchgesetzt hatte (die Christianisierung Europas ging im Vergleich dazu ruckzuck). In dieser Zeit hat der Buddhismus in Tibet viele Aspekte des Bön-Glauben integriert. Jedoch besteht der Bön und sein Kult auch heute noch in Tibet eigenständig neben dem Buddhismus weiter.

Für jemanden, der nicht wirklich sehr gut informiert ist, kann der tibetische Buddhismus daher sehr verwirrend wirken. „Leider“ stolpern die meisten am Buddhismus interessierten oftmals als erstes über den tibetischen Buddhismus, da dieser durch seine „exotisch“ anmutende Ausprägung vermutlich mehr Neugierde weckt, als eher „schlichte“ Schulen des Buddhismus. Zudem hat der Dalai Lama als spirituelles Oberhaupt der Tibeter viel zum Ansehen des tibetischen Buddhismus (aber auch des Buddhismus allgemein) im Westen beigetragen. Dieser Effekt wird noch durch hervorragende tibetische buddhistische Leher, die aufgrund der chinesischen Bezatzung ins Exil gezwungen wurden, und sich teilweise im Westen niedergelassen haben, verstärkt. Für jemanden, der gerade erst anfängt, sich für Buddhismus zu interessieren, würde ich den tibetischen Buddhismus als „Einstieg“ aber vielleicht nicht unbedingt empfehlen, auch wenn der Buddhismus-Interessierte über kurz oder lang sicher auch dort landen wird :smile:

Wenn du dir die Bandbreite der buddhistischen Schulen vor Augen führen willst, dann vergleiche nur mal den japanischen Zen-Buddhismus mit dem tibetischen Buddhismus. Du wirst feststellen, dass die jeweiligen Ausprägungsformen doch sehr unterschiedlich, aber beide in ihren Grundsätzen dennoch buddhistisch sind.

Gruss
Marion

Link wieder gefunden
Hallo Marion,

vielen Dank für deine nochmalige ausführliche Antwort! Inzwischen hast du mir schon einen recht guten Überblick vermittelt.

Gestern habe ich den Link wieder gefunden, auf den mich neulich bezogen hatte (mit der tibetischen Gottheit :smile:). Falls du noch Zeit und Lust hast, würde mich Deine Meinung zu dem Text sehr interessieren.

http://www.tibet-internal.com/info1.html

Viele Grüsse,
Lisa

Hallo Lisa

Gestern habe ich den Link wieder gefunden, auf den mich
neulich bezogen hatte (mit der tibetischen Gottheit :smile:).
Falls du noch Zeit und Lust hast, würde mich Deine Meinung zu
dem Text sehr interessieren.

Danke für den Link. Ich hab mir den Bericht aufmerksam durchgelesen, aber ich befürchte, ich kann dazu nicht wirklich eine ernstzunehmende Stellungnahme abgeben, da ich nicht gerade ein Experte für den tibetischen Buddhismus bin *g*. Für mich scheint das einer dieser Fälle der Besonderheit des tibetischen Buddhismus aufgrund seiner Verbindung zum Geisterglaube der Bön-Religion zu sein.

Damit dein Link aber trotzdem nicht unkommentiert bleibt, hab ich mal einen anderen Link für dich herausgesucht:
http://www.tibetfocus.com/shugden/index.htm

dort stehen einige Artikel zu der Problematik, u.A. auch ein Interview mit dem Dalai Lama selbst zu diesem Thema.

Was von der ganzen Angelegenheit zu halten ist, muss wohl jeder selbst entscheiden. Ich kann dazu eigentlich nur mit den Achseln zucken :smile:

Ich hoffe, trotzdem ein wenig geholfen zu haben.
Gruss
Marion