Frage zum Druckverband?

Salü

Ich habe letztes mal im Deutschen-Fernsehen gesehen, dass man als Druckpolster kein Saugfähgies Polster nehmen darf. Z.B. Ein geschlossenes Taschentuchpäckli.

In der Schweiz lernt man aber, dass man etwas Saugfähgies nehmen muss. Z.B. ein dicker zusammengerollter Verband. Der Grund ist dass das Blut im Druckpolster gerinnt und dass es so ein Propfverschluss gibt.

Das mit dem nicht saugfähigem Gegenstand kann ich mir irgend wie nicht erklären.

Was ist nun richtig?

Gruss
Stifi

Hi.

na ja erst mal ist irgend ein Druckverband, der die Blutung stoppt, besser als gar keiner.

Eine nicht saugfähige Oberfläche ist leichter wieder von der Wunde zu nehmen, da sie sich nicht mit dem geronnen Blut vollgesaugt hat. Es bleiben auch weniger Fusseln in der Wunde.
Ausserdem soll das Blut die Wunde ja nicht erst durch Gerinnung schließen, sondern der Druck des Verbandes.

Also es sind Feinheiten, über die man gern philosophisch diskutieren kann, aber beim Unfall vor Ort dem Laien wenig helfen.

Gerade gibt es wieder eine solche Diskussion zum Thema „lange Kühlen“ bei Brandverletzten" (um die Wärme aus dem Gewebe zu bekommen) oder „nur kurz kühlen“ (wegen der Unterkühlungsgefahr).
Na ja, bei einem meiner Kunden hat sich einer flüssiges Eisen über den Fuss gekippt, der hat glaube ich nicht groß über eine mögliche Unterkühlung nachgedacht…

Es ist eher contraproduktiv, solche Diskussionen mit Laien in der Ersten Hilfe zu führen, da sie in der Regel zu Verunsicherung führen und nicht zu besserer Ersthilfe.

Gruss
Andreas

Hi!
Es ist eigentlich egal, was man als Druckpolster benutzt, da man eigentlich unter das Druckpolster eine Kompresse legt. Es sollte nur genug Druck auf die Wunde ausüben, damit die Gefäße, die offen sind geschlossen werden, dann kann auch nichts mehr bluten. Wenn man nichts anderes hat, dann helfen auch Tempo-Packungen, zusammengerollte Tücher etc… Man sollte nur aufpassen, dass man den Druckverband nicht zu fest macht, denn sonst besteht die Gefahr der Abbindung.
Zu den Brandwunden ist zu sagen, dass man Wunden, die sich an Extremitäten, also Arme Beine, ruhig länger kühlen kann. Den Körperstamm jedoch sollte man nicht zu lange kühlen. Auch besteht die Gefahr beim Kühlen mit zu kaltem Wasser, dass die Hitze, die noch im Gewebe ist weiter in die Tiefe zieht, da durch die extreme Kälte sich die äußeren Gefäße zusammenziehen und die Hitze im Gewebe einschliesst.

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Hi Stifi,

der Sinn eines Druckverbandes ist es, eine starke Blutung abzustellen und den Blutverlust des Patienten zu unterbinden. Dazu kommt auf die Wunde eine saubere, am besten sterile Wundauflage. Um Druck auf die Wunde auszuüben arrangiert man darüber einen geeigneten Gegenstand - am besten bewähren sich noch eingerollte Mullbinden, Taschentücher-Päckchen oder ähnliches. Das Ganze wird dann mit einem Verband außenrum fixiert.

Damit erfüllt die ganze Komposition den Sinn die Wunde sauber abzudecken und die Blutung durch Druck zu stoppen. Ob das „Druckmittel“ saugfähig oder nicht ist, spielt eigentlich keine Rolle. Schließlich will niemand einen Schönheitspreis bekommen, wenn ein Druckverband nötig ist stehen andere Probleme im Vordergrund als das, aus welchem Material das Druckmittel ist.

Schönen Gruß,

MecFleih

Hallo!

Ich hab nicht viel mehr zu sagen als meine Vorredner, mag es aber noch kurz begründen:
Zunächst: Ein Verbandpäckchen ist ein gutes Druckpolster. Klasse! Du mußt es aber nicht unbedingt auspacken, bevor Du es als solches Verwendest:smile:
Wichtig, im Fall einer solchen Blutung aber auch eher zu vernachlässigen, ist die keimfreie Abdeckung der Wunde.
Ob saugfähig oder nicht ist egal, da bei richtig angelegtem Druckverband die Wunde eben nicht mehr blutet. Blut, das nicht rauskommt, braucht weder aufgesaugt werden noch kann es danebenlaufen. Argumente wie: „Ich sehe nicht, ob der Verband die Blutung gestillt hat“ sind getrost Unsinn, denn mit 300 ml Blut ist selbst ein zusammengerolltes Handtuch eindeutig als „Das war nix“ zu erkennen.
Flusen und sowas spielen auch keine Rolle. Die Wunde wird bei der letztendlichen Versorgung noch einmal sorgfältig gereinigt. Oftmals sogar das Gefäß genäht. Da mach Dir keine Sorgen über ein paar Fusseln, denn wenn Du nix für Druckverband zur Hand hast bleibt Dir auch nur der Finger zum Draufdrücken.
Fazit: Hilf einfach! Denk nicht drüber nach! Es gibt schon genug hirnamputierte Zombies aus der Horrorfilmgesellschaft, die alle im multimedialen Zeitalter ein Mobiltelefon bei sich haben, die Dir tatenlos und ohne den Rettungsdienst zu rufen dabei zuschauen werden.

Take Care,

Marcus

Hallo Stefan,

da bringe ich immer wieder gerne den Satz:

Lieber einen infizierten (verschmutzten …) Lebenden,

als einen sterilen (sauberen …) Toten.

Solche Nebensächlichkeiten wie Fussel in der Wunde oder nicht genau sehen können ob der Verband 100 %ig wirkt (90 bis 95 % reichen völlig aus) sind blödsinnige, kleingeistige Korintenkackereien von Leuten, die zwar unterrichten, aber selten oder gar nie in der Praxis arbeiten.

Da erinnere ich mich an einen Wettbewerb des Jugendrotkreuzes, als ein Team um den (verdienten!) Sieg gebracht wurde, weil die Gänge des Kornährenverbandes (der bei der Soforthilfe sowieso nichts verloren hat!) nicht im richtigen Winkel gewickelt waren - Schwachsinn!

Gandalf

Wie siehts mit einem harten Druckpolster aus??
Salü

Danke für deine Antwort.

Frührer hiess es doch, man soll einen harten Gegenstang wie z.B. Stein, Sackmesser, nehmen, wieso ist das nicht mehr?

Kann mir jemand dies erklären?

Gruss
Stifi

Der Druckverband an und für sich…
Hi.

na ja erst mal ist irgend ein Druckverband, der die Blutung
stoppt, besser als gar keiner.

Das ist richtig.

Eine nicht saugfähige Oberfläche ist leichter wieder von der
Wunde zu nehmen, da sie sich nicht mit dem geronnen Blut
vollgesaugt hat. Es bleiben auch weniger Fusseln in der Wunde.
Ausserdem soll das Blut die Wunde ja nicht erst durch
Gerinnung schließen, sondern der Druck des Verbandes.

Ein Druckverband bestand schon immer und tut es noch aus Wundauflage - Druckpolster - Fixierung. Die Wundauflage sollte nach Möglichkeit eine (sterile) Kompresse sein, die ohnehin fusselfrei ist. Von daher ist es relativ unerheblich, was da als Druckpolster verwendet wird (wobei ich einen Stein für eher ungeeignet halte).

Also es sind Feinheiten, über die man gern philosophisch
diskutieren kann, aber beim Unfall vor Ort dem Laien wenig
helfen.

Dem Laien wird man als Ausbilder einen „perfekten“ Druckverband lehren - mit dem Zusatz, daß bei Fehlen von einzelnen Materialien bestmöglicher Ersatz verwendet wird. Man nimmt halt das Beste, was man hat. So einfach ist Erste Hilfe…

Gerade gibt es wieder eine solche Diskussion zum Thema „lange
Kühlen“ bei Brandverletzten" (um die Wärme aus dem Gewebe zu
bekommen) oder „nur kurz kühlen“ (wegen der
Unterkühlungsgefahr).
Na ja, bei einem meiner Kunden hat sich einer flüssiges Eisen
über den Fuss gekippt, der hat glaube ich nicht groß über
eine mögliche Unterkühlung nachgedacht…

Oh, das ist auch nur eine kleine Verbrennung. Bei großflächigen Brandwunden ist die Unterkühlungsgefahr erheblich und sehr ernstzunehmend. Die Lehrmeinung ist da recht eindeutig, was das Kühlen angeht - 20 Minuten mit kühlem (nicht eiskalten!) Wasser fliessend kühlen, und dabei/danach unbedingt auf Wärmeerhalt achten.

Es ist eher contraproduktiv, solche Diskussionen mit Laien in
der Ersten Hilfe zu führen, da sie in der Regel zu
Verunsicherung führen und nicht zu besserer Ersthilfe.

Mit dem Laien wird solcherlei auch nicht diskutiert. Ihm wird die Lehrmeinung beigebracht und ihm werden dazu Fragen beantwortet und fertig.

Gruß,

Malte.

Frührer hiess es doch, man soll einen harten Gegenstang wie
z.B. Stein, Sackmesser, nehmen, wieso ist das nicht mehr?

Kann mir jemand dies erklären?

Ich wills mal versuchen:
Früher hingen nicht überall Verbandkästen rum, waren San-Stationen, und Betriebssanitäter etc. vorhanden.
Wenn Du also draußen irgendwo nur nen Stein und nen Halstuch hast, wirds auch das tun.
Inzwischen gibt es für ganz Einfallslose sogar Druckverband-Päckchen…:smile:

Lieber Gruß,

Marcus