Frage zum Referendariat

Hallo!
Ich habe Lehramt für Grundschule studiert (in BaWü) und fange nächstes Jahr mit dem Referendariat an. Könnte mir vielleicht jemand, der das Referendariat schon hinter sich hat (oder gerade dabei ist) ein wenig darüber erzählen?
Man hört ja immer, dass die Referendaren sooo viel zu tun hätten. Daher würde ich nun gerne wissen, ob man für’s Seminar - abgesehen von Unterrichtsentwürfen - viel vorbereiten muss. Wie laufen die Fachdidaktik- und Pädagogikseminare ab bzw. was macht man da so? Und wie viele Wochen ist man während den 1,5 Jahren in etwa am Seminar? Während des Praktikums und vor den Prüfungen hat man ja kein Seminar, hab ich mir sagen lassen.
Was genau ist denn nun das „Schlimme“ am Referendariat? Die zeitaufwändigen Unterrichtsvorbereitungen, die Lehrproben oder die Seminare??
Danke im Voraus für informative und aufmunternde Worte :smile:

einige Hinweise
Hallo Katrin,
zunächst mal ein Linktipp, auch das Forum beachten:
http://www.referendar.de/

Ich habe vor drei Jahren mein Ref absolviert, zwar für Realschule und in Rheinland-Pfalz, aber ich denke, einiges kann man übertragen.

Man hört ja immer, dass die Referendaren sooo viel zu tun
hätten. Daher würde ich nun gerne wissen, ob man für’s Seminar

  • abgesehen von Unterrichtsentwürfen - viel vorbereiten muss.

Da gibt es keinen „linearen“ Verlauf, es gibt Zeiten, in denen es recht ruhig zugeht und dann kommt manchmal vieles auf einmal…

Wie laufen die Fachdidaktik- und Pädagogikseminare ab bzw. was
macht man da so? Und wie viele Wochen ist man während den 1,5
Jahren in etwa am Seminar?

In den Seminaren ist man mit dem Fachleiter bzw. Leiter des Allgemeinen Seminars zusammen und lernt alles, was man an der Uni schon lernen sollte :wink:

Unterrichtsmethoden, Sozialformen, rechtliche Grundlagen, psychologische Aspekte u.s.w.

Während des Praktikums und vor den
Prüfungen hat man ja kein Seminar, hab ich mir sagen lassen.

Du hast im Verlaufe deines gesamten Refs verschiedene Lehrproben, erst unbenotet, dann benotet bis zur Examenslehrprobe. Die Seminare gehen ca. bis zur benoteten Lehrprobe, so dass du in der Zeit vor dem Examen keine Seminare mehr hast. Für die Lehrproben davor fallen aber keine Seminare aus oder werden verlegt!

Was genau ist denn nun das „Schlimme“ am Referendariat? Die
zeitaufwändigen Unterrichtsvorbereitungen, die Lehrproben oder
die Seminare??

Das empfindet jeder anders. Das Besondere ist sicherlich, dass man das Gefühl hat, häufig unter Beobachtung zu stehen (ganz im Gegensatz zur Uni!) und natürlich demzufolge auch bewertet/beurteilt zu werden. Vorsichtig ausgedrückt kann es da zu Problemen führen, je nachdem wie man mit den Fachleitern und Prüfern menschlich zurechtkommt. Beurteilungen beruhen da nicht auf irgendwelchen Klausuren, sondern obliegen der Beobachtung der Ausbilder, sprich es gibt da keinen allgemein objektiven Maßstab.
Zu erwähnen wäre natürlich noch der sog. „Praxisschock“, wenn man nach relativ kurzer Zeit vor einem Haufen Halbwüchsiger steht und denkt, das läuft schon, weil man ja selbst jung und nett zu ihnen ist…
Kurz gesagt steigt der Zeitaufwand vor Lehrproben und später während der Hausarbeit gewaltig an, du hast aber natürlich auch einige Ruhephasen, wie z.B. in den ersten Ferien. Zeitmanagement ist da alles!
Lass dich jetzt am Anfang bloß nicht von irgendwelchen Horroraussagen verrückt machen, wenn du engagiert bist und mit Jugendlichen (bzw. Kindern bei dir) umgehen kannst, ist das Ref natürlich gut zu schaffen.

Danke im Voraus für informative und aufmunternde Worte :smile:

Bitte und Gruß von Alex

Hallo,

da ich viel mit Referendaren zu tun habe, kenne ich dementsprechend genauso viele Ansichten darüber. Nicht abzustreiten ist sicherlich dies, dass es Zeiten im Referendariat gibt, die dich an deine Belastbarkeitsgrenze bringen werden. Wie du damit umgehst, hängt letztendlich von dir ab. Belastend sind Faktoren wie die Fremdbestimmung, das ständige Kontrolliert-fühlen oder sogar sein (abhängig von den Mentoren), Organisation der Dinge, die du allesamt unter einen Hut bringen musst, Ideen auf Knopfdruck zu erzeugen und dann vor allem die Kritik zu bewältigen. Das Seminar wird von einigen Referendaren als abwechslungsreiche Pause gesehen, in der sie sich vom Stress der Schule erholen können - andere empfinden die ständigen Unterbrechungen als Belastung und wiederum andere meinen, dass ihnen das Seminar für den Schulalltag nur wenig an die Hand gäbe, wiederum andere sind begeistert von dem, was sie am Seminar lernen (dies ist sicherlich auch von den Lehrbeauftragten abhängig). Du siehst also, dass man dir alles und nichts darüber berichten kann, weil jeder dies anders erlebt. Viele freuen sich auf die 2. Phase, in der sie nicht ständig das Gefühl haben, kontrolliert zu werden und in der sie ein natürlicheres Verhältnis zu ihren Klassen aufbauen können. Alles in allem hängt aber einfach viel von den Umständen ab: wie sind die Klassen, welche Unterstützung bieten mir die Schulleitung und die Kollegen, wie sind meine Mentoren, wie meine Lehrbeauftragten und was bin ich für ein Typ…

Vielleicht darf ich dir abschließend noch einige Tipps mit auf den Weg geben:
Nimm Kritik nie persönlich, sondern versuche sie immer als Anregung zu betrachten - manchmal können Mentoren und Lehrbeauftragte gar nicht beurteilen, wie viel Zeit man in die Unterrichtsvorbereitung gesteckt hat oder eben nicht und wenn dann die Stunde „zerrissen“ wird, ist man sehr deprimiert. Ich hoffe, du bist ein Mensch, der dies leicht nehmen kann.
Menschen sind verschieden. Daher rechne damit, dass du auf viele widersprüchliche Aussagen treffen wirst. Lass dich dadurch nicht verwirren. Wichtig ist, dass du von dem, was du tust überzeugt bist, und dafür auch argumentativ einstehen kannst, aber ebenso auch bereit bist, Anregungen anzunehmen.
Denke öfters an dich und gönne dir Erholungen. Schalte ab. Denn 1 1/2 Jahre nur das Thema Schule zu kennen, lässt dich innerlich verarmen und raubt dir Energie. Versuche viel von Freunden mitzunehmen, die in anderen Feldern arbeiten, denn diese Weitsicht benötigst du später für den Beruf des Lehrers und ebenso für dich.
Wenn es dir schlecht geht, verkrieche dich nicht. Suche dir Gleichgesinnte zum Reden. Nicht immer können alle Menschen nachvollziehen, was du im Referendariat durchmachst. Spar dir den Ärger des Unverständnisses. Rede mit denen über deine Probleme, welche die Situation kennen und lass dich von denen, welche die Situation des Referendariats nicht kennen, lieber ablenken. So ersparst du dir Enttäuschungen.
Beziehe deine Schüler in den Unterricht mit ein. Bitte sie um Rückmeldung. Bitte sie, dir zu sagen, ob bei ihnen die Methode ankam oder nicht. Schüler können sehr wohl beurteilen, ob ihnen der Unterricht oder die Methode etwas bringt.
Und um dir den Unterricht zu erleichtern: Führe Rituale ein. Schone deine Stimme und das von Anfang an. Ruhige Menschen, die bestimmt reden, wenn ihnen etwas nicht passt, wirken überzeugender als schreiende. Rituale wie Klingelzeichen oder Karten zur Stille helfen dir deine Nerven zu schonen.

Viel Glück und viel Spaß wünsche ich dir in einer Zeit, die dich sicher bereichern wird - mit Lebenserfahrung und dich vielleicht auch in einigen Dingen ändern wird.

Kim

P.S. Wo machst du denn dein Referendariat (Seminar)?

Danke!!!
Hallo ihr 2,
ihr habt mir sehr geholfen! Vielen Dank für eure Infos und Tipps!
Liebe Grüße
Katrin