Frage zum Stottern

Hallo.

Eigentlich geht es nicht um mich. Naja schon etwas, weil das ja meine Freundin ist die stottert und über die ich reden möchte. Nunja, wo soll ich anfangen? Das ich auch mal gestottert habe und jetzt eine Freundin habe die das auch macht?

Ich kann es nicht mehr ansehen wie sie sich damit quält. Beste Fachausarbeitung im Studium geschrieben, Professoren möchten, dass sie einen Vortrag darüber macht: Tja, geht nicht, sie weigert sich vor der gesamten Hochschule irgendwas vorzutragen. Bewerbungsgespräche? Keine Chance, auch wenn sie damit langsam mal anfangen müsste sie ist ja bald fertig. Einfach mal Unbekannte ansprechen und anfreunden? Ja das ist auch doof. Und das geht so weiter und weiter…

Stottern ist ***** und ich kenne das auch und rege mich auf warum es so schwer ist Leuten zu helfen die stottern. Da wären wir auch schon bei der „Hilfe“. Sie besucht ja schon seit über einem Jahr einen Psychologen. Was wird da gemacht? Über die Kindheit geredet undso zeug. Hej im Grunde ist es mir egal über was dort geredet wird, solange es hilft. Da tut sich aber nichts. Das alles wird kein bisschen besser! Vielleicht sollte mal der Herr Psychologe die Themen wechseln? Oder mal was sinnvolles mit ihr besprechen? Das kann echt nicht sein. Sie meint aber sie fühlt sich da wohl und es wird bestimmt irgendwann was. Ich meine, der arsch da hat ihr Vertrauen gewonnen und freut sich über das Geld.

Aber bevor ich über solche „Är***“ rede, muss ich erstmal über mich berichten. Da war doch was mit dem Stottern. Ja ich war auch einer von den. Ich weiß das es sehr unangenehm ist und erinnere mich (wenn auch ungerne) an die Zeiten. Ich weiß nur, dass ich eines Tages sagte, dass es mir egal ist wie peinlich das Stottern ist und wie unangenehm mir das alles erscheint, ich rede einfach. Dann habe ich das gemacht. Das ganze wurde immer besser. Dann war das auch einfach so weg. Ich wurde einfach Selbstbewusst. Mit 15-16 konnte ich dann perfekt reden. Und das OHNE Hilfe, ohne über irgenwelche Kindheitsgespräche, ohne das ich jede Woche mit einem Typ reden musste der so getan hat ob er zuhören würde und dafür Geld kriegt.

Ja vielleicht hatte ich glück. Es ist auch egal. Ich weiß nur, wie schlimm das damals als Kind war und kann mir nur gut vorstellen wie schlimm das ist auch als Erwachsener sowas zu haben. Was will ich eigentlich fragen? Ist es normal, dass man nach einem Jahr durch die Therapie keine Fortschritte macht? Sie sagt ja selber, dass sie nicht besser wird, aber dennoch möchte sie dort bleiben. Sie will unbedingt aufhören zu stottern, aber auf keinen Fall mal einen Anderen besuchen. Und was soll das ganze mit der Kindheit?

Sie kann ja mit mir vollkommen normal reden. Im Grunde kann sie ja mit jedem normal redem dem sie vertraut bzw. wo sie sich wohl fühlt. Ich denke, dass sie vor Unbekannten einfach aufgeregt ist und angst hat. Wenn sie nur etwas selbstbewusster wäre, hätte man schon das ganze Problem gelöst. Vielleicht sollte man daran „irgendwie“ arbeiten? Wie auch immer, dafür musste man aber erst einen anderen Therapeuten oder Gruppe aufsuchen. Will sie aber nicht…

Wie kann man etwas so sehr wollen und so wenig dafür tun? Ich befürchte sie hat es schon irgendwie innerlich aufgegeben. Das ist aber echt nicht mehr schön anzusehen. Sie versucht das zu verstecken, aber ich sehe das jeden Tag, ich sehe wie sie sich damit quält und das sie das loswerden möchte. Was ist da eigentlich los?

Und ja ich war kurz davor mit dem netten Psychologen zu reden aber dann habe ich das doch gelassen, hatte das gefühl dass ich damit alles nur noch schlimmer mache. Geht das noch überhaupt? Sie hat schon mal andere „Hilfen“ aufgesucht, da ging es einfach darum, dass ihr beigebracht wurde anders zu reden, anders zu atmen etc. das hätte ihr nichts gebracht und irgendwie hat sie das Gefühl dass das Problem mit einem Psychologen gelöst werden kann. Ich finds wiegesagt okey, nur kommt sie nicht weiter… und eigentlich sind es ja bald sogar 2 Jahre wo sie schon da ist. Da müsste doch langsam was passieren? Ist es denn wirklich so schwer zu wechseln?

Hallo,

was mir da als absoluter Laie dazu einfällt:

es gibt Menschen, die fühlen sich mit ihrer Behinderung eigentlich so wohl, daß sie es nicht ändern wollen.

Erst wenn dieser Mensch sich bewußt wird, daß er die Behinderung nicht mehr mag, kann er das auch überwinden.

Dieses Bewußtwerden hast du geschafft, deine Freundin ist anscheinend noch nicht so weit.

Ob man allerdings als Freund da helfen kann, glaub ich eher nicht.

lg
g.

Hallo Shirohige,

evtl. ist die nachfolgende Seite von großem Interesse für Dich - übrigens ist Dr. Wolff von Gudenberg selbst Betroffener - vielleicht macht das ja auch seinen Erfolg aus:
http://www.kasseler-stottertherapie.de

Viele Grüße
Eve*

Hallo,

wenn ich das richtig in Erinnerung habe, gehört Dr. Gudenberg auch zu den Wissenschaftlern, die herausgefunden haben, dass Stottern nicht - wie bisher angenommen - vorrangig psychisch bedingt ist, sondern in Zusammenhang mit gewissen Hirnfunktionen steht.

Angesichts dessen wäre eine Hinwendung zu einer Sprachtherapie möglicherweise mindestens so sinnvoll wie der Besuch eines Psychotherapeuten.

Schöne Grüße,
Jule

Moin!

Du sagst, es ginge nicht um dich, den Eindruck hab ich aber schon!

Du hast das Stottern überwunden und möchtest nun deiner Freundin auch zum Nicht-Stottern verhelfen. Allerdings kannst du es ganz schlecht aushalten, dass es nicht so schnell geht wie bei dir.

Warum übst du diesen Druck auf sie aus? Ich finde du solltest akzeptieren, dass deine Freundin anders ist als du. Wenn sie es genauso stark wollte wie du, würde sie möglicherweise mehr tun.

Deine Freundin muss selbst bereit und in der Lage sein etwas zu ändern, sonst passiert gar nichts. Und ich frage mich, ob du tatsächlich beurteilen kannst, was für sie richtig ist, auch in Bezug auf ihre Therapie,

Guck mal bei dir, warum du hier so stark eingreifen willst und ob es wirklich nur um dein ‚Mitfühlen‘ geht.

just my 2 cents

Gruß, Flaschenpost

Nein, glaub mir sie will das sehr. Sonst würde sie nicht so oft heulen und nachts aufwachen und sagen das das nicht zu ertragen sei. Es ist dann wohl verständlich, dass ich mir sorgen mache und das auch sehr will dass es endlich mal besser wird. Oder siehst du gerne deine Freundin beim heulen zu? Und nein ich sage ihr kaum was, reibe ihr auch nicht unter die Nase das ich es damals konnte, mache kaum druck, wenn ich das machen würde dann wäre alles noch schlimmer. Nett dass du dabei bist mich zu analysieren, aber davon hat sie nix.

Auch wenn die Antwort eher nicht Hilfreich war, danke für die Posting. Vielleicht kann man aber irgendwie darauf aufbauen.

Gruß

Nein, glaub mir sie will das sehr. Sonst würde sie nicht so
oft heulen und nachts aufwachen und sagen das das nicht zu
ertragen sei. Es ist dann wohl verständlich, dass ich mir
sorgen mache und das auch sehr will dass es endlich mal besser
wird. Oder siehst du gerne deine Freundin beim heulen zu? Und
nein ich sage ihr kaum was, reibe ihr auch nicht unter die
Nase das ich es damals konnte, mache kaum druck, wenn ich das
machen würde dann wäre alles noch schlimmer. Nett dass du
dabei bist mich zu analysieren, aber davon hat sie nix.

Tut mir leid, wenn mein Versuch erfolglos war, ich wollte nur helfen. So wie du.

Trotzdem halte ich es für überlegenswert, wer bei euch eigentlich welche Rolle einnimmt.
Sie nimmt imhO sehr stark die Opferrolle an und appelliert damit sehr erfolgreich an deinen Helferinstinkt.

Und du bist bereit, die Verantwortung zu übernehmen.

Es ist nicht abwegig, dass sie sich zwar wünscht, nicht mehr zu stottern, letzten Endes aber doch viel mehr Angst vor der Veränderung und dem Erfolg hat. Nicht mehr zu stottern würde nämlich bedeuten, dass sie sich ihrer Angst, vor Menschen zu sprechen, stellen müsste und keine Ausrede mehr hat.

Dass sie mit vertrauten Personen problemlos sprechen kann deutet ja darauf hin, dass das Problem beim Kontakt mit fremden Personen, Autoritäten und/oder größeren Gruppen liegt.

Man spricht ja manchmal auch von ‚sekundärem Krankheitsgewinn‘: Welchen Gewinn hat deine Freundin aus ihrem Stotterproblem? Dass man sie von gewissen Dingen verschont? Dann ist das der Ansatz.

Aber sie muss das auch wirklich überwinden wollen. Vielleicht ist ihr nicht bewusst, dass Stottern für sie das kleinere Übel ist, selbst wenn es ein Übel ist!

Auch wenn die Antwort eher nicht Hilfreich war, danke für die
Posting. Vielleicht kann man aber irgendwie darauf aufbauen.

Ich entschuldige mich am besten im Voraus für meinen zweiten Versuch.

Gruß, Flaschenpost