Hi
wenn ich mich hier auch einmal einmischen dürfte…
Warum hilft man denn anderen Menschen? In aller Regel, um
irgendwas dafür zu kriegen: Anerkennung, Dankbarkeit, das
Paradies im Jenseits. Nach meiner Überzeugung gibt es keine
wirklich selbstlose Hilfsbereitschaft.
Meiner ganz persönlichen Erfahrung nach erhöht sich die eigene uneigennützige Hilfsbereitschaft, wenn mensch einmal selbst in der Situation war, unaufgefordert und unerwartet Hilfe bekommen zu haben.
Mir hat dieser Moment damals so viel Vertrauen in die Menschen (zurück) gegeben, dass ich diese Erfahrung allen wünsche. Es geht mir also vor allem um den Effekt, den diese Hilfe bei dem betroffenen Menschen auslöst, unerheblich, ob ich darin involviert bin oder nicht. Um ein kleines, relativ banales Alltagsbeispiel anzuführen: über die positiv irritierten Gesichter von Senioren, wenn ihnen beispielsweise aus dem Bus geholfen wird, freue ich mich auch, wenn nicht ich diejenige war, die ihren Arm angeboten hat, sondern ein anderer.
Der Fokus liegt auf der Geste - du bist nicht allein - und bei dem Menschen, dem geholfen wird: Ihnen das Vertrauen in ihre Mitmenschen zurückzugeben, ist aus gesellschaftlicher Perspektive betrachtet das stabilste Bollwerk, das man dieser unter Konkurrenzdruck allerorts betriebenen Angstmache entgegensetzen kann, die so viele verbitterte, reflexhaft um sich schlagende Menschen produziert hat.
Dieser Anspruch ist zwar nicht völlig selbstlos, weil er zum einen auf einer persönlichen Erfahrung beruht und zum anderen eine gesellschaftstheoretische Perspektive verfolgt, aber er tangiert insofern nicht mein Selbst, als dass es mir egal ist, ob ich dafür eine Anerkennung oder Gegenleistung erhalte. Mehr noch: es würde mich sehr stören, wenn jemand meint, mir im Gegenzug etwas Gutes tun zu müssen. Dann hat er die Botschaft nicht richtig verstanden! Und ja, ich scheitere dabei durchaus häufiger
Wie das zu erklären ist, dafür habe ich in dieser Diskussion ein paar hilfreiche Anhaltspunkte gefunden: Wenn ein Hilfsangebot mit der „Pflicht“ zur Gegenhilfe oder Anerkennung verbunden ist, verstehe ich, warum Hilfe so häufig missinterpretiert wird. Dass diese Sicht zwar nicht immer verkehrt, aber auch nicht immer richtig ist, darum ging es mir bei meinem kleinen Einwurf.
Schönen Gruß
Jessica