Frage zur aktuellen Grippeschutzimpfung

Ich hab mich bisher fast jedes Jahr jährlich gegen Grippe impfen lassen, im letzten Jahr gab es ja quasi kaum die herkömmliche Grippe, dafür kam ja die Schweinegrippe. Da der Impfstoff gegen die Schweinegrippe mit vielen negativen Nebenwirkungen bekannt wurde (unlängst erst gehäfte Fälle von dauerender Müdigkeit bei Untersuchungen in Schweden), habe ich mich im letzten Jahr weder gegen die normale Grippe, noch gegen die Schweinegrippe impfen lassen. In diesem Jahr wurden die Impfstoffe ja kompiniert, der Schutz gegen die Schweinegrippe ist im herkömmlichen Impfstoff integriert. Kann mir jemand sagen, ob die bekannt gewordenen Nebenwirkungen des Schweingrippeimpfstoffes des letztes Jahres im Kombi-Impfstoff dieses Jahres beseitigt werden konnten? Und wirkt der momentan verfügbare Imstoff auch gegen den neuen Typ des Schweinegrippe, welcher derzeit z.B. in AUstralien grassiert.

Vorab: Solange das Infektionsschutzgesetz nicht Anwendung findet obliegt es jedem selbst, darüber zu entscheiden, ob er sich impfen lässt oder nicht. Das ist letztlich eine Frage der persönlichen Risikowahrnehmung und der Abwägung der individuellen Risiken.

Nebenwirkungen: Die Begleiterscheinungen einer Impfung sind bei jedem Menschen unterschiedlich. Durch den Zusatz von Adjuvanzen (Wirkverstärker) in 2009 musste mit einer heftigeren Impfreaktion gerechnet werden. Fakt ist jedoch, dass auch dieser Wirkstoff nur geringe Nebenwirkungen verursachte. Alle anderen Verlautbarungen der Medien dienten und dienen der Aufmerksamkeit und Auflagensteigerung. Der Wirkstoff ist nach wie vor gut verträglich.

Saisonaler Impfstoff: Der Impfstoff der Saison 2010/11 ist ein sog. trivalenter Impfstoff, bestehend aus A(H1N1)2009, A(H3N2) und einer B-Virus Variante. Er reagiert gut mit allen derzeit zirkulierenden Influenza Virusvarianten.

Grundsätzlich: Es liegt in der Natur der Viren, sich dem Wirt bestmöglich anzupassen. Daher verändern sich bekannte Stämme auch mit der Zeit, eine reine Überlebensstrategie. Der Impfstoff muss jedes Jahr aufs Neue abgestimmt werden. Unterjährige Veränderungen können dadurch natürlich nicht berücksichtigt werden, da die Herstellung eines neuen Impfserums etwa 6-9 Monate beträgt. Ensteht eine neue, aggressive und gut übertragbare Variante, so gilt es, die Ausbreitung zu verhindern bzw. einzudämmen. Dies war der eigentliche Grund der Impfempfehlung in 2009. Keiner konnte vorhersagen, wie sich das Virus im Laufe der Saison verhalten würde. Wir haben Glück gehabt, mehr nicht.

Aber: Über die individuelle Notwendigkeit einer Impfung berät sie am besten der Hausarzt. Er kennt Ihre persönlichen Eigenschaften, evtl. Risiken und sollte daher die erste Anlaufstelle für Fragen rund um die Grippeschutzimpfung sein.

Und wer dann ein wenig mehr wissen und sich wertfrei informieren möchte, dem empfehle ich die Seite des Robert Koch Instituts (www.rki.de)

Vielen Dank für die Antwort. Eine Frage habe ich aber noch, inwieweit würde eine Institution wie das RKI wirklich schwere Nebenwirkungen public machen, um den Preis, die Menschen evtl. zu verunsichern und das sich noch weniger Menschen impfen lassen? Dadurch, dass im letzten Jahr alles so panisch hochgepusht wurde und alles Welt sagte, die Pharmaindustrie wollte sich dadurch nur eine goldene Nase verdienen glaubt irgendwann kein Mensch mehr, wenn es wirklich gefährlich wird und hält es für Panikmache. Das finde ich als das weitaus Schlimmere, man weiß nicht, wem man noch glauben kann oder wer nur mit der Angst der Menschen viel Geld verdienen will.

Die Katastrophenforscher aus dem Bereich der Soziologie bestätigen Ihre Einschätzung. Ereignisse wie die Pandemie 2009 in Kombination mit einer verfehlten Risikokommunikation führen dazu, dass sich Laien (also der ganz normale Bürger) und Experten (Wissenschaftlicher, Politiker etc.) voneinander entfernen. Das Vertrauen in die Maßnahmen des Staates sinkt und führt letztlich zu sozialen Unruhen. Die Medien tragen auf der Suche nach einer neuen Schlagzeile zur allgemeinen Verunsicherung bei. Es entsteht ein diffuses Meinungsbild, geprägt von Ängsten und Hoffnung, Entsetzung und Wut in der Bevölkerung. Leider muss man heute sagen, dass weder Staat noch Medien verantwortlich mit dem Thema umgegangen sind. Aber vielleicht lernen wir ja aus diesen Fehlern. Die Pandemie 2009 war also nichts anderes als die Generalprobe für einen noch größeren Event.
Die Pharmaindustrie ist natürlich einer der Gewinner solcher Ereignisse. Rein wirtschaftlich gesehen, kann ich die Vorgehensweise aber durchaus nachvollziehen. Man muss sich vorstellen, dass ein Impfstoff produzierendes Pharmaunternehmen natürlich nur so viele Produktionskapazitäten vorhält, wie notwendig sind, den jährlichen Bedarf an Impfstoffen zu decken. Kommt es nun zu einer pandemischen Entwicklung durch ein neues Virus stehen eben diese Produktionskapazitäten zur Verfügung, aber auch nicht mehr. Wie groß diese Kapazitäten sind, richtet sich übrigens nach dem Impfverhalten der Bevölkerung. Wenn sich nur max. 25% der Bevölkerung jährlich impfen lassen, kann man sich leicht vorstellen, dass die Kapazitäten nicht ausreichen werden, Impfstoff für alle herzustellen. Jedenfalls nicht zeitgleich. Daher hat man die sog. Wirkverstärker eingesetzt, um möglichst schnell eine ausreichende Menge Impfstoff zur Verfügung zu stellen. Trotz dieser Maßnahme hat es dann aber noch 6 Monate gedauert, bis dieser Impfstoff zur Verfügung stand.

Hinzu kommt, dass die Pharmaunternehmen die laufende Impfstoffproduktion beenden und zugunsten der Produktion des pandemischen Impfstoffs umstellen mussten. Es entstand also erst einmal ein nicht kalkulierter Verlust. Das saisonale Grippevirus ist dann ja auch durch das pandemische Virus verdrängt worden.

Letztlich können wir von Glück sagen, dass wir wirtschaftlich dazu in der Lage sind, Bestellung in größerem Umfang zu tätigen und dabei auch Gehör finden. Andere Staaten gehen wie immer leer aus und erhalten nur wenig oder gar keinen Impfstoff.

Wie gesagt, wir hatten Glück, das Virus erwies sich als weniger aggressiv, als angenommen und verursachte i.d.R. milde Krankheitsverläufe. Die meisten Erkrankten haben die Ansteckung gar nicht als Grippe wahrgenommen, sondern als übliche Erkältung (grippaler Infekt). Die Dunkelziffer erkrankter Menschen dürfte damit weit größer sein, als die offizielle Zahl.

Zur Frage der Nebenwirkungen bin ich auch heute der Meinung, dass diese zumeist verträglich und damit kalkulierbar waren. Wie bei jeder Impfung gibt es Fälle, in denen das Immunsystem vollkommen überreagiert und schwere Nebenwirkungen auftreten. Das ist aber bei jeder Impfung möglich und daher nicht ursächlich auf dieses Impfserum oder den Einsatz von Wirkverstärkern zu schieben. Das RKI reportet nach meiner Einschätzung sachlich und fundiert, ohne dabei wesentliche Informationen zurückzuhalten. Was jedoch fehlt ist ein grundsätzliches Vertrauen in die Maßnahmen des Staates. Und das leider mit Recht.

In diesem Sinne, alles Gute für diese Saison :smile: