Hallo Cornetto,
1.1 Wenn Codein eine AP von 0,1 hat und Dihydrocodein eine von
0,2 (siehe Tabelle), ist es dann richtig, dass die Einnahme
von zwei 30mg-Einheiten (E) Codein grundsätzlich dieselbe
schmerzstillende Wirkung hervorruft wie die Einnahme einer
60mg-Einheit Dihydrocodein?
NEIN, es ist genau umgekehrt!
10 mg Codein entsprechen 1mg Morphin = AP 0.1
5 mg Dihydrocodein entsprechen 1mg Morphin = AP 0.2
Also entsprechen 30mg Codein 15mg Dihydrocodein.
1.2 Wenn ja: Kann es (abgesehen vom Placeboeffekt!) eine
reelle Ursache dafür geben, dass eine Person bei 1E
Dihydrocodein (zumindest subjektiv) einen größeren
schmerzstillenden Effekt als bei 2E Codein verspürt?
JA
Das ganze ist so einen Schlüssel/Schloss Geschichte.
Die Schmerzmittel hängen sich an bestimmte Rezeptoren und blockieren diese.
Dabei können sich unterschiedliche Substanzen an die gleichen Rezeptoren an hängen oder an unterschiedliche.
Unterschiedliche Substanzen können sich nun aber unterschiedlich fest an einen Rezeptor binden. Hier kommt hinzu, dass diese Rezeptoren, bei unterschiedlichen Menschen, auch etwas unterschiedlich sein können und somit die Bindung unterschiedlich sein kann.
Desweiteren ist auch auch die Anzahl, bzw. das Verhältnis, der unterschiedlichen Rezeptoren auch noch je nach Individuum unterschiedlich ist.
Wenn jetzt bei Jemanden der Anteil eines bestimten Rezeptors z.B. 10% ausmacht, wirk das Medikamt schwäscher als bei Jemandem bei dem dieser Anteil 20% liegt.
- Spricht rein medizinisch irgendetwas dagegen, innerhalb von
wenigen Stunden sowohl eine Einheit Dihydrocodein (60mg) als
auch eine(!) Einheit Codein (30mg (+ 500mg Paracetamol
(Kombipräparat))) einzunehmen (Indikation (starke Schmerzen
bekannter Ursache) natürlich vorausgesetzt)?
2.1 Wenn ja: Welche (Tages-)Höchstdosen wären jeweils zu
beachten?
(Hintergrund: Ich könnte mir gut vorstellen, dass die
jeweiligen in der Packungsbeilage vermerkten Höchstmengen
nicht addiert werden können/dürfen, da es sich bei beiden ja
um dieselbe Wirkstoffklasse handelt (Opioide).)
Hier wirds jetzt kompliziert und zu deiner konkreten Frage kann ich keine Auskunft geben.
Grundsätzlich gibt es Medikamente welche verstoffwechselt und solche die unverändert wieder vom Organismus ausgeschieden werden.
Medikamente welche verstoffwechelt werden unterscheiden sich nochmals.
Bei der einen Gruppe wirkt die Substanz in der Form wie sie zu sich genommen wurde und wird dann vom Körper in unwirksame Formen umgebaut (verstoffwechselt). Wobei „unwirksam“ nur in Sinne der Wirkung gemeint ist, die Abbauprodukte können für den Körper giftig sein.
Bei der andere Gruppe sind erst die Abbauprodukte wirksam.
Auf Grund der genetischen Vielfalt gibt es, je nach Induvidium, unterschiedlich effeziente Stoffwechsel-Typen. Es gibt auch Leute die bestimmte Gene doppelt, und somit auch die doppelte Abbau-Kapazität, haben.
Dadurch ergibt sich, dass die selbe Dosis, je nach Stoffwechselrate, bei unterschiedlichen Personen wirkungslos oder überdosiert sein kann.
Das nöchste sind noch die Interaktionen beim Stoffwechsel.
Zwei Substanzen können sich gegenseitig neutral verhalten. Es kann aber auch sein, dass die eine Substanz die Abbaurate der anderen beschleunigt oder behindert.
Es gibt Tabellen, welche die Interaktionen verschiedener Medikamente, angeben, bzw. Datenbanken welche man im Internet abfragen kann.
Allerdings gelten diese nur für normale Verstoffwechsler!
Ich selbst gehöre zu den Ultrarapid Metabolisern, habe also ein Gen doppelt. Lustigerweise gibts da ein Nord-Süd Gefälle: In hohen Norden gehören umd die 5% zu dieser Gruppe und im arabischen Raum sind es um die 30%.
Leider wird diese Thematik erst seit knapp 10 Jahren langsam erforscht.
MfG Peter(TOO)