Frage zur Depression!

Hallo!

Nachdem man ja Depression mittlerweile als „Volkskrankheit“ bezeichnet- das einem wirklich oft „begegnet“-- frage ich mich, ob man das nicht von JEDEM irgendwann mal sagen kann!??

Ich möchte nun mal einen extremes Botenstoff- Missverhältnis im Hirn mal ausschliessen, welches sicher medikamentös behandelt werden muss.

Aber davon mal abgesehen-- ist es nicht so, daß jeder Mensch in eine depressive Stimmung verfallen kann, wenn nur genug geschieht, was ein Mensch als negativ einordnet??

Wer schlechte Zeiten erlebt- wird dadurch belastet…wer belastet wird, kann oft schlechter schlafen, wird anders essen…und wird so auch schöne Dinge einfach anders betrachten!

Nehmen wir nur mal Liebeskummer-- ist der gross genug, wird man sich scher tun in dieser Trauer dann nen Sonnenaufgang zu geniessen!

Und wer lange genug in schlechten Zeiten hängt…und manchmal läuft das Leben eben auch so, daß eines zum nächsten kommt…-- wird doch zwnagsläufig dann länger in einer depressiven Stimmung rumlaufen!!

Mir kommt es so vor, als ob sehr schnell von Depression als Krankheit geredet wird-- aber bei vielen Menschen nur eine Phase vorliegt, in der er ZURECHT mit sich und seinem LEben vielleicht mal hadert- anfängt das Leben auch von anderen Seiten zu erleben ( wo ist ein ganzes Leben schon ohne Schicksalsschläge??)

Ist es also nicht normal, daß fast jeder Mensch mal in solchen Phasen steckt??- und ist es dann in Wirklichkeit gar keine Depression-- sondern nur eine schlechte Zeit, die maximal den Ausdruck „depressive Verstimmung“ verdient???

Kitty

Hi Kitty

Mir kommt es so vor, als ob sehr schnell von Depression als
Krankheit geredet wird

Das ist ja gerade die „Übereinkunft“ bei solcherart Diagnosen. Wir nennen es erst „Depression“, wenn es auch einen gewissen Krankheitswert hat und behandlungsbedürftig ist.
Es ist ja bei jededweder Symptomatik und jedweder Krankheit vom behandelnden Arzt abzuwägen, ob es schon Krabkheitswert hat und behandlungsbedürftig ist. Das ist bei psychischen Erkrankungen nicht anders als bei körperlichen. Man muss ja auch nicht jeden Pickel behandeln. :wink:
Gruß,
Branden

Hi Branden!

Stimmt ja- aber man hat ja den Eindruck, daß ALLE irgendwann von ner Depression heimgesucht werden!! :wink:

Ich will ja gar nicht abstreiten,daß ein Zustand auch behandlungsbedürftig ist-- aber wenn man die Diagnose"Depression" hört- klingt das alles gleich so vernichtend KRANK…-- und ist nicht oft eine therapeutische Behandlung-- ohne Medikamente!!-- durchaus Hilfe genug, einem Menschen zu helfen???

Klar- bei manchem muss das medizinisch über Medis erfolgen!!

Und vielleicht wählt auch manch Mensch lieber den Weg der Medikation als sich therapeutisch einzulassen.

Meine Frage ist aber-- ob es denn WIRKLICH immer Depressionen sind, die diagnostiziert werden…oder ob der Zustand von Trauer und Verarbeitung, die zwangsläufig erfolgt, wenn man schwere Zeiten durchmacht-- nicht auch für einen Menschen absolut normal ist!!

Gruss
Kitty

Hi Kitty!

Nein, nicht jeder Mensch erlebt in seinem Leben irgendwann eine Depression. Es gibt auch noch Trauer, die einfach nur Trauer ist.

Es gibt Menschen, die haben eine ganze Menge Schicksalschläge erlebt, werden aber nicht depressiv. Die haben eine Trauerphase durchlebt, nicht mehr und nicht weniger. Vielleicht hält die Trauer auch länger an, aber sie verlieren dadurch nicht den Sinn in ihrem Leben.

In unserer Gesellschaft ist es halt so, dass man weder mit Trauer noch mit Depression in Berührung kommen möchte, deshalb wird beides abgelehnt und landet in derselben Schublade.

Soviel zu meiner Meinung bezüglich dieses Themas.

LiebeGrüßeChrisTine

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Hi Kitty

ist nicht oft eine
therapeutische Behandlung-- ohne Medikamente!!-- durchaus
Hilfe genug, einem Menschen zu helfen???

Natürlich. Ich habe übewiegend Patienten mit Depressionen in meiner Praxis und behandele fast alle ohne Medikamente.
Manchmal ist es jedoch auch hilfreich, in schlimmeren Phasen ein Zeitlang z.B. einen Serotoninwiederaufnahme-Hemmer zusätzlich zu verabreichen.

Klar- bei manchem muss das medizinisch über Medis erfolgen!!

Was noch lange nichts mit der Grund-Diagnosestellung „Depression“ zu tun hat. Klassisch unterscheiden wir ja üblicherweise dann nach Diagnosestellung „Depression“ noch, um welche es sich hanelt:

  1. reaktive Depression
  2. neurotische Depression bei depressiv akzentuierter Persönlichkeit
  3. „endogene“ Depression, manchmal auch im Rahmen einer Cyclothymie, also einer Erkrankung, die depressive und manische Phasen beeinhaltet.

Und vielleicht wählt auch manch Mensch lieber den Weg der
Medikation als sich therapeutisch einzulassen.

Wiegesagt, die Diagnose bestimmt noch lange nicht endgültig die Entscheidung, ob man Medikamente hinzu nimmt oder nicht.

Meine Frage ist aber-- ob es denn WIRKLICH immer Depressionen
sind, die diagnostiziert werden…oder ob der Zustand von
Trauer und Verarbeitung, die zwangsläufig erfolgt, wenn man
schwere Zeiten durchmacht-- nicht auch für einen Menschen
absolut normal ist!!

Genau darauf habe ich ja versucht zu antworten (und nicht ob Medikamente oder nicht)!
Du kannst davon ausgehen, dass ein erfahrener Facharzt nicht aus einer normalen Trauerreaktion oder einer „schweren Zeit“ mal so eben die Diagnose „Depression“ macht. Genausowenig wie der Hautarzt zum Skalpell greift, wenn der Patient einen Pickel hat.
Gruß,
Branden

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Hallo, Kitty

ich bin kein Fachmann, kann Dir zu diesem Thema aber gerne ein paar Gedanken schreiben. Es handelt sich also nur um meine persönliche Meinung. Mich fasziniert dieses Thema seit Jahren. Irgendwie ist es doch unglaublich. Nie ging es uns besser (im Durchschnitt gesehen) als in der heutigen Zeit. Seit 60 Jahren kein Krieg mehr, wir leben im Überfluss und können im Supermarkt zwischen 50 Sorten Schokolade und 200 verschiedenen Weinen, etc. wählen. Wir leben wie die Maden im Speck. Eigentlich müßten wir vor Freude ständig Luftsprünge machen. Tun wir aber nicht. Warum nicht? Offenbar gibt es einen krassen Unterschied, zwischen der objektiven Wirklichkeit und der Wahrnehmung dieser Wirklichkeit durch uns Menschen. Neben der materiellen Wirklichkeit (Wohlstand, Überfluss, Zugang zu Bildung, Kunst, etc) gibt es nämlich auch eine emotionale Wirklichkeit (Konkurrenzdruck, Leistungsdruck, Mobbing, Karrierestreben, Vergleich mit anderen, etc.) In unsere westlichen Demokratien, in denen formal die Menschenwürde zwar hoch im Kurs steht und sogar Verfassungsrang genießt, werden andererseits die Menschen z. T. auf sehr subtile Art und Weise gegeneinander ausgespielt und gegeneinander aufgebracht (Werbung schürt bewußt Bedürfnisse, Banken locken durch Werbung für Konsumentenkredite Menschen in die Verschuldung, die Medien suggerieren, dass GEld und Erfolg das Maß aller Dinge ist, Menschen werden für einen Hungerlohn beschäftigt, etc.) Den Menschen wird der Mund wässrig gemacht und das geschieht meiner Meinung nach im vollen Bewußtsein über die Konsequenzen. Unser System ist in Wirklichkeit viel menschenverachtender, als es in der Verfassung seht. Das ist nur die Theorie. Möglicherweise lehnt sich die menschliche Psyche gegen solche Dinge auf. Möglicherweise sind in diesen Zusammenhängen die Ursachen für Depressionen zu suchen.

Gruß, Rolo

Depression als Ausrede

Auch Hallo,

ich will voraussicken, dass es natürlich psychische Krankheiten gibt, die mit großem Leiden für die Betroffenen verbunden sind.

Ich glaube aber auch, dass Depression und andere Modediagnosen (Borderline, ADS) viel zu häufig selber gestellt werden (vielleicht von geldgierigen Psychologen/ Ärzten unterstützt), weil sie doch so schön als Ausrede geeignet sind!

antrieblos, unkoordiniert, faul - klingt doch blöd. Depression oder ADS klingt da schon viel besser! Und dann ist man ja auch selber gar nicht mehr verantwortlich, sondern kann auf eine Therapie warten!
Warum sollten sonst zu bestimmten Zeiten ganz bestimmte Modediagnosen wie Pilze aus dem boden schießen?

Ich denke, sehr oft wäre das Heilmittel, arbeiten und ein bisschen weniger über sich selber grübeln.
Und, ältere Leute wissen es noch, auch anderen zu helfen kann uns aus eigenen Krisen herausführen - dieses Heilmittel ist vielleicht ein bisschen in Vergessenheit geraten?

in diesem Sinne,
Anita

hallo,
da ich z. zt. selber ähnliche probleme habe bin ich momentan verstärkt im internet unterwegs um informationen zu sammeln.
momentan befinde ich mich in einer situation, die ich gar nicht so recht bei namen nennen kann. angefangen hat alles mit einem „nervenzusammenbruch“ als ich an meiner unfallstelle vorbeifuhr, 3 monate nach dem unfall. nachdem ich tagelang wie unter drogen und mit ständigen, völlig unvermittelten heulanfällen durch die gegend geisterte, bin ich zu einer psychoanalytikerin gegangen. direkt nach dem unfall hatte ich keinerlei probleme, ich hatte sehr viel glück und eigentlich hätte dieser tödlich ausgehen müssen. im nachhinein betrachtet habe ich den ausgang des unfalls aber auch nicht sonderlich wahr genommen, es war mir eher so, naja, glück gehabt halt - nur die ganzen scherereien haben mich genervt. jedenfalls hat sich bei mir wohl alles etwas verschoben - ich hatte meinen schock also 3 monate später erst. kurz vor diesem zusammenbruch schlichen sich immer wieder der gedanke ein: hmmm, wäre es eigentlich überhaupt sooooo schlimm gewesen, wenn du es nicht geschafft hättest???
nun stehe ich vor der entscheidung, eine mehrjährige therapie bei der psychoanalytikerin anzutreten die meint, der unfall sei gar nicht mein problem gewesen sondern tieferliegende gründe, der unfall hätte nur einen haarriss in meinen schutzpanzer gemacht und dieser sei immer größer geworden und letztendlich wäre der panzer gebrochen.
wir reden momentan 1 x die woche, ab januar soll es 2 x die woche werden. ich rede mit ihr sehr offen, weine sehr viel in den stunden (und auch sonst bricht es bei jeder gelegenheit aus mir raus, sobald ich nur etwas annähernd trauriges sehe oder höre oder zu viel über mich nachdenke) und bin auch ansonsten sehr verändert meinem umfeld gegenüber. ich ziehe mich sehr zurück, seltsamerweise lasse ich mich aber viel mehr auf fremde ein, die ich im chat kennenlerne (allerdings gänzlich ohne körperliche annäherungen). meine familie meide ich derzeit extrem - ich lasse niemanden an mich ran. mir nahestehende menschen schiebe ich von mir und stelle sie in frage - fremde lasse ich an mich ran, sobald sie aber zu nahe kommen kriegen sie einen regelrechten tritt von mir. ich futtere mehr als sonst vor allem süßkram (owbohl ich sonst immer sehr bedacht auf meine figur war), kann mich zum sport nicht mehr aufraffen, schlafe tief und fest und bin dennoch immerzu müde.
ich kann mich kaum noch über dinge freuen, die mich früher hätten purzelbäume schlagen können (da hat früher schon ein schöner sonnenaufgang auf dem weg zur arbeit gereicht). und extreme stimmungsschwankungen - von himmelhoch jauchzend bis zutode betrübt ist alles dabei, innerhalb von wenigen stunden.
einerseits habe ich angst durch meine „selbstauferlegte isolation“ total menschenscheu und eigenbrödlerisch zu werden, andererseits habe ich angst rauszugehen.
ich kann mich tagelang daheim vergraben, gehe nur zur arbeit und mache die notwendigsten einkäuf und ansonsten igle ich mich in meiner bude ein. dann auf einmal stopfe ich meinen terminkalender voll mit irgendwelchen dates mit fremden oder treffe menschen, die ich ewig nicht gesehen habe und die mir eigentlich nichts bedeuten. meine familie sehe ich manchmal 1 monat lang nicht, obwohl wir im gleichen ort wohnen…

sind das depressionen? über medikamente haben wir nicht gesprochen und ich will eigentlich auch keine nehmen, weil ich abhängigkeit furchtbar finde, egal wovon. ich fühl mich so zerrissen innerlich, so im ungleichgewicht und seltsam emotional und dann wieder gleichgültig…
ich mag mich einerseits so nicht, andererseits ist es mir egal, dass ich momentan alles um mich drumrum durch mein verhalten vor den kopf stoße und sicherlich auch menschen verletze, die mir nahe stehen.

was kann ich tun? wie kann diese therapie helfen? kann ich selbst noch was dazu beitragen? bin ich wirklich „krank“ oder sollte ich (so wie ich es gelernt habe von klein auf) mich weiterhin zusammenreißen und mich nicht so anstellen??

ratlose grüße,
sonja

Hallo Kitty,

mit dieser Frage beweist du, dass du noch nie unter dieser Krankheit gelitten hast. Das ist nicht negativ gemeint. Bevor ich das ganze selbst erfahren musste, habe ich vielleicht ähnlich gedacht wie du. Die Antwort lautet aber definitiv: Nein.

Viele Grüße
Ultra

Hi Sonja
Ich denke mal, mit dem Unfall (Auto?) haben deine depressiven Verstimmungen wenig ursächlich zu tun. Dieser UNfall kann höchstens eine auslösende Situation gewesen sein, welche man nicht mit der Ursachen-Genese verwechseln sollte.
Insgesamt klingt das, was du schreibst, drchaus behandlungsbedürftig, so dass as meiner (Fern-)Sicht erst einmal nichts gegen den Beginn/Versuch (Probestunden) einer Therapie spricht.
Gruß,
Branden

Hallo Rolo!

Interessante Gedanken…

Tatsächlich hört oder liest man doch immer wieder von den Problemen, die Menschen in der heutigen Zeit mit ihrer Seele haben- und diese werden als Luxus- Probleme hingestellt…weil man doch vor 200 Jahren solche „Problemchen“ nicht hatte oder kannte!!

Deine Theorie - würde das sogar unterstreichen…aber nicht, weil der Mensch in der heutigen Zeit mehr Zeit zum Nachdenken hat- und man damals von morgens bis abends auf dem Acker stand und am Abend nur noch kaputt auf sein Strohkissen sank…sonder, weil sich der Mensch vielleicht eben nicht so sehr mit dem Aussen abgleichen musste- und damit mehr er selbst sein konnte, als es heute (Konkurrenzkampf) möglich ist!!

Gruss
Kitty…ps- klar, daß es auch damals schon Depressionen gab- genauso, daß die Menschen oft nur daran denken konnten, wie man den nächsten Tag oder Winter übersteht…und man damit genug anderweitig beschäftigt war!

Hallo!

Auch ich muss sagen, Deine Frage zeigt, dass Du nie unter einer Depression gelitten hast. Ich selbst habe mal genauso gedacht und war völlig hilflos angesichts eines depressiven Freundes.

Aber davon mal abgesehen-- ist es nicht so, daß jeder Mensch
in eine depressive Stimmung verfallen kann, wenn nur genug
geschieht, was ein Mensch als negativ einordnet??

Das kann jedem passieren. Manche sind dafür anfälliger, andere stecken unglaubliche Schicksalschläge einfach weg, andere wirft schon eine Kleinigkeit völlig aus der Bahn.

Nehmen wir nur mal Liebeskummer-- ist der gross genug, wird
man sich scher tun in dieser Trauer dann nen Sonnenaufgang zu
geniessen!

Der Punkt ist, glaube ich: Kann ich mich selbst wieder rausholen aus dem Loch oder eben nicht mehr. Und: Wie belastet mich das Ganze? Und: Funktioniere ich noch im Alltag? Meistens wird (leider erst) dann gehandelt, wenn jemand nicht mehr funktioniert.

( wo ist ein ganzes Leben schon ohne
Schicksalsschläge??)

Das ist ja auch kein Wettbewerb, wem es nun schlechter gehen darf oder nicht. Entscheidend ist, wie es demjenigen damit geht.

Ich hab mal eine einleuchtende Erklärung für die Zunahme von Depressionen in unserer eigentlich guten Zeit zu erklären: Das wäre eine Art „Allergie“ der Seele. Es gibt keine existentiellen Probleme (Krieg, Hunger, Naturkatastrophen) in unserem Leben mehr. Da sucht sich die Seele (analog zum Immunsystem bei Allergien) ein Ventil zum abreagieren.
Im übrigen können Allergien auch lebensgefährlich sein und werden auch als Krankheiten behandelt. Trotz ihrer „merkwürdigen“, fast schon paradoxen Ursachen.

Grüße
kernig

was ist mit dem ICD 10 oder DSM?
hi,

zur klärung der frage, ob eine behandlungsbedürftige störung mit krankheitswert vorliegt, sollte uns doch immerhin der ICD 10 als hilfreich erscheinen.

für interessierte: das ist der international cataloque of deseases, der kapitelweise alle krankheiten und deren symptome auflistet. man kann darin rezeptbuchartig symptome finden und krankheiten zuordnen. umgekehrt muss eine depression, also eine psychische störung mit krankheitswert, eine mindestanzahl von symptomer aufweisen, um diagnostiziert (und erst recht mit medikamenten behandelt) zu werden.

in diesem zusammenhang wird nicht von verstimmung oder schlechter phase oder probleme nach lebenskrisen (das wäre eher eine sog. anpassungsstörung) gesprochen, sondern von:

„depressive stimmung, in einem für die betroffenen deutlich ungewöhnlichem ausmaß, die meiste zeit des tages, fast jeden tag, im wesentlichen unbeeinflusst von den umstzänden und mindestens 2 wochen anhaltend. zusätzlich müssen weitere symptome hinzukommen wie: verlust des selbstwertgefühls, schuldgefühle, suizidales verhaltenkonzentrationsprobleme, psychomotorische probleme, schlafstörungen, appetitstörungen. (aus:ICD-10, multiaxiales klassifikationsschema)“

damit kann man eine LEICHTE depressive episode diagnostizieren. für eine mittelgragige oder schwere depressive episode müssen weitere symptome hinzukommen oder ihre schwere noch deutlich zunehmen.

merkt ihr was?

hier ist wenig spielraum für spekulationen gelassen worden, ob man den „blues“, nachdem einem der partner weggelaufen ist, darunter zählen kann!

es stimmt, dass an der subjektiven behandlungspraxis von ärzten und therapeuten manchmal gezweifelt werden kann, aber sie sind dem ICD 10 verpflichtet (und auch zugewandt) und ich vermute, dass die, die hier nicht klar zwischen depression und verstimmung unterscheiden können, noch nie patienten mit einer wirklichen depression gesehen haben.

man sieht sie ja auch kaum -sie bleiben nämlich meistens stumm und/oder zu hause! der arzt und theraeut dagegen, sieht sie jeden tag und kann ein depressives lied davon singen, was das für eine krankheit ist!

zweifelhaft

hi,

zur klärung der frage, ob eine behandlungsbedürftige störung
mit krankheitswert vorliegt, sollte uns doch immerhin der ICD
10 als hilfreich erscheinen.

Hallo!

Ich finde den Artikel grade nicht, in dem der ICD 10 durchaus kritisch betrachtet wird.
Hier nur der Ausschnitt aus Wiki:
http://de.wikipedia.org/wiki/ICD_10#Kritik_an_der_ICD

Da tauchen zum Teil auch Krankheiten auf, die geradezu dazu geschaffen wurden, der Pharmaindustrie neue Märkte zu erschliessen. (Nein, ich bin da kein Prinzipieller Verfechter von diesen Verschwörungstheorien, aber in dem Punkt war das recht eindeutig belegt).

Nur so als Hinweis zur weiteren Diskussion gestellt, meine Ansicht zur Ursprungsfrage steht ja an anderer Stelle.

Grüße
kernig

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Hi, Kitty

Depressionen gab es sicher schon immer, man nannte es nur nicht so. Genauso wie es wahrscheinlich auch schon in der Steinzeit Krebs gab, man hatte aber noch keinen Namen dafür, bzw. konnte diese Krankheit noch nicht diagnostizieren.
Depressionen sind vor allem auch ein Phänomen der Wahrnehmung. Ich habe dies bereits an anderer Stelle mehrfach ausgeführt. Jedenfalls megainteressant das Ganze. „Die Realität können wir nicht verändern, nur die Wahrnehmung dieser Realität“ Diese Idee fasziniert mich seit Jahren. Beobachte Dich doch mal selbst: Worin besteht der Unterschied zwischen Tagen, an denen Du gut drauf bist und Tagen, an denen Du schlecht gelaunt bist? Objektiv gibt es meist keinen Unterschied (es sei denn Du hättest im Lotto gewonnen oder aber erfahren, dass Du schwer krank bist, etc.), meist ist nur die Wahrnehmung, bzw. die Brille durch die man blickt unterschiedlich. Morgens auf dem Weg zur Arbeit ein Lächeln eines bezaubernden Mädchens und der Tag ist gerettet oder ein schimpfender alter Mann und der Tag beginnt schlecht. Eigentlich ist es für die objektive Realität völlig egal, ob ein Mädchen lächelt oder ein alter Mann schimpft. Objektiv beeinflußt das mein Leben nicht, trotzdem hat es Auswirkungen auf meine Stimmung.

Wenn es für mich überhaupt ein interessantes Thema gibt, dann das hier.

Schönes Wochenende an alle, Rolo

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Die Grübelfalle
Hi, Ultra

ich hatte im Leben schon viele schlechte Phasen, weiß aber auch nicht, ob es echte Depressionen waren oder ob ich nur schlecht drauf war. Ich war nie beim Arzt oder Psychologen deswegen. Irgendwann hab ich mich dann halt aus dem Sumpf rausgezogen und meine schlechten Phasen dann mit etwas Abstand von außen betrachtet. Es war dann meist ganz amüsant im Nachhinein zu erkennen, dass man letztlich „nur“ den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen hat und dass es eigentlich gar keine echten Probleme gab. Man hat sich einfach vieles auch eingeredet. Wenn man schlecht drauf ist, verstärkt man diese Stimmung durch eine entsprechende Interpretation der Umwelt „Der Nachbar hat vorhin so unfreundlich Hallo gesagt. Der hat bestimmt was gegen mich. Ach ja und zu seinem Geburtstag letzten Monat hat er mich ja auch nicht eingeladen. Und überhaupt haben mich viele meiner Bekannten schon lange nicht mehr angerufen. Die mögen mich bestimmt auch alle nicht wirklich…usw“ Da kann man sich ganz schön reinsteigern und sich so richtig fertig machen und grübeln bis der Arzt kommt. Am Ende ist man dann tief traurig und verzweifelt, dabei simuliert man lediglich Probleme in seiner virtuellen Welt, die es objektiv gar nicht gibt. Depressionen haben glaube ich auch etwas mit einem Hang zum Selbstmitleid zu tun. Zu glauben man sei ohnmächtig dem Lauf der Dinge ausgeliefert, nicht zu erkennen, dass man selbst der Gestalter seines Schicksals und seiner Gedanken ist. Man leidet unter Urteilen über die Menschen und die Welt, die man SELBST gefällt hat. Depressionen sind insoweit auch so eine Art sich selbst erfüllender Prophezeihungen. Nur meine Meinung. Ich will niemandem zu nahe treten, der vielleicht seit Jahren unter Depressionen leidet und dem es echt beschissen geht. Meine Zeilen bitte nicht böse auffassen.
LG Rolo

Hi, Anita,

sehr mutig, was Du da schreibst :smile: Die Tatsache, dass es Mißbrauch gibt, schließt nicht aus, dass es wirklich schlimme Fälle gibt (wie Du ja auch selbst einräumst)

Was ich allerdings schon oft bei mir selbst gemerkt habe: Wenn ich viel zu tun habe und gut beschäftigt bin, also KEINE ZEIT ZUM GRÜBELN habe, geht es mir viel besser. Selbstreflektion ist eine Sache, ständiges Grübeln und gedankliche Endlosschleifen sind eine ganz andere Sache. Möglicherweise hat der moderne Mensch tatsächlich zu wenig existenzielle Probleme, daher suchen wir uns (unbewußt) andere, wie schon ein anderer Poster angemerkt hat (Depressionen als eine Art allergische Reaktion der Seele)

Gruß, Rolo