Frage zur Metaebene

Hallo,

in Anlehnung an die Antworten meinee Frage „weiter unten“- möchte ich noch eine Frage zur Metaebene stellen.

Es bedeutet ja- bitte sagen, wenn ich nun falsch liege- daß ich die Position eines Beobachters einnehme und damit emotional nicht mitten im Geschehen bin (bei einem Gespräch).

Jetzt ist mir unklar, wie genau ich da herangehe.

Grundsätzlich bin ich jemand, der mit Gefühl auf Menschen zugeht und ich muss mich eher anstrengen - also bewusst rangehen- daß ich Türen in mir zumache und auf Abstand gehe.

Ich bin jemand, der sich durchaus ärgern kann über andere- kann generell auch schnell auf 180 sein [impulsiv]- nach meinem Aufregen [und mal ordentlich gemeckert]ist dann für mich auch alles wieder gut und ich bin gar kein Typ der nachtragend ist.

Nun kenne ich besagte Kollegin schon einige Jahre und auch wenn mich das Verhalten von ihr natürlich echt ankratzt- kenne ich eben auch ihre anderen Seiten und wir arbeiten zT eng miteinander (sie ist ja auch nciht immer so schwierig- aber eben unberechenbar in dem Verhalten was es noch schwieriger macht.

Kurz- bedeutet Metaebene, daß ich meine emotionale Offenheit ganz einpacken muss?
Oder kann man auch dahin „switchen“, wenn es nötig wird und wieder zurückkehren, wenn die Situation vorbei ist??

Für mich ist es schwierig, denn ich bin ein Mensch, dem man schon einiges vorsetzen muss damit er für sich wirklich einen Haken hinter jemanden setzt- ich versuche den Menschen zu verstehen ( was ich bei ihr zT auch tue nur ändert mein Verständnis ja nichts an der Tatsache, daß ich sie nicht ändern kann und mich angreifen will- tut).

Vielleicht kann mir zur Metaebene mal noch etwas geholfen werden-- wie genauer man das anpackt und wo man bei sowas emotional dann steht.

Für mich bedeutet das die Möglichkeit einen perfekten Mittelweg zu finden- um den Menschen nciht komplett ablehnen zu müssen- ist das dann möglich mit der Metaebene?

danke kitty

Hallo Kitty,

ich versuche es mit mehreren Bildern, die Metaebene zu erläutern:

  1. Es gibt eine Berufsgruppe, die das bis zur Perfektion können müßten (gelingt ihnen nicht immer): das sind die Psychotherapeuten. Die bekommen manches Belastende zu hören und zu sehen, das traurig, niedergedrückt, oder auch zornig machen kann. Die Psychotherapeuten dürfen diese Gefühle nicht einfach „undisziplinert“ ausagieren und etwa den Klienten vor lauter Zorn zu Sau machen, oder was auch immer. Sondern sie sollten sie zunächst nur wahrnehmen wie etwa einen Sinneseindruck, wenn möglich Schlüsse daraus ziehen, sonst einfach im Gedächtnis behalten, eventuell dem Klienten rückmelden, je nachdem wie es in ihrer Ausbildung gelernt haben, damit umzugehen.

  2. Man könnte die Metaebene als eine sachlich-wissenschaftliche Haltung verstehen. Z. B. ein Pathologe, der Leichen obduziert, und dabei Grausiges zu sehen bekommt, üble Gerüche usw. Er läuft nicht davon und beutelt sich auch nicht vor lauter Ekel, sondern er nimmt bewußt wahr, was es zu sehen und eventuell zu riechen gibt und zieht daraus Schlüsse, die ihn zur Feststellung der Todesursache führen.

  3. Meditation: Beobachten und wahrnehmen, aber nicht beeinflussen, nur zur Kenntnis nehmen.

Das Muster wäre also: Wahrnehmen, was es zu sehen und hören gibt (Worte, Mimik, Gestik), und was die eigenen Gefühle in Reaktion darauf sind (Verletztheit, Zorn z. B.), aber nicht „blind“ und sofort mit Abwehr oder einem Wutausbruch oder Flucht reagieren, sondern alle diese Wahrnehmungen einwirken lassen und wenn die Spitzen abgeklungen sind, mit Verstand Schlüsse ziehen und eventuell Handlungen setzen.

Grüße,

I.

Hallo,

Das Muster wäre also: Wahrnehmen, was es zu sehen und hören
gibt (Worte, Mimik, Gestik), und was die eigenen Gefühle in
Reaktion darauf sind (Verletztheit, Zorn z. B.), aber nicht
„blind“ und sofort mit Abwehr oder einem Wutausbruch oder
Flucht reagieren, sondern alle diese Wahrnehmungen einwirken
lassen und wenn die Spitzen abgeklungen sind, mit Verstand
Schlüsse ziehen und eventuell Handlungen setzen.

Würde also in dem besagten Fall Folgendes bedeuten:
Ich nehme wahr, wie mit mir geredet wird und was das mit mir macht- Äger, Verletztheit…- ohne darauf erst mal direkt zu reagieren bei der Person.
Wenn ich - jetzt gerade ja mit Abstand, da ich nicht mehr in der Situation bin- dann „in mich gehe“- spüre ich diese Gefühle immer noch vorhanden sind.
Darüber nachgedacht- ist mir klar, daß sie (siehe Antwort von Jule) angstbeisst und verletzen will.
Das ändert aber meine Gefühle deshalb nicht.

Soweit sogut- NUR…was ändert sich jetzt für mich?
Ich kann keine „Handlung“ vollziehen, da nur ein entsprechender Spruch in Frage käme, wobei KEINER vermutlich der bessere Weg ist.

Wenn ich es so mache- dann werde ich trotzdem wieder verletzt beim nächsten Mal und komme doch auch nciht besser damit klar!

Irgendwas scheine ich da nicht zu verstehen- und brauch da bitte nochmal Erklärung.

kitty

Hallo Kitty,

Wenn ich - jetzt gerade ja mit Abstand, da ich nicht mehr in
der Situation bin- dann „in mich gehe“- spüre ich diese
Gefühle immer noch vorhanden sind.
Darüber nachgedacht- ist mir klar, daß sie (siehe Antwort von
Jule) angstbeisst und verletzen will.
Das ändert aber meine Gefühle deshalb nicht.

Genau so ist das.Auf eine Metaebene kommst du nämlich nur mit mediatorischer Führung oder intensivem NLP-Training.Du stehst aber in der Sache mit dir allein und du bist mittendrin.
Den Stress,den so eine Situation verursacht kannst du auch nicht mit einem Fingerschnippen bewältigen.
Die Beobachterposition kann schon helfen um die Situation zu analysieren und euer beider Verhalten besser zu verstehen.Deine Gefühle ändert das aber nachhaltig nicht und insofern bleiben reine Dissoziationsversuche Drückebergerei.

Ein gutes Gefühl zu deinem eigenen Können kann dir da meiner Meinung nach weit mehr helfen.Wenn du akzeptierst,wo sie besser ist und deine eigenen arbeitstechnischen Stärken genau kennst.
Vielleicht kannst du dir auch neue Arbeitsbereiche eröffnen die dein Kompetenzgefühl verbessern.
Naja,da jedenfalls glaube ich,dass da der Hase im Pfeffer liegt:smile:

viele Grüße
Heidi

Hallo Heidi,
da werde ich neugierig: was kann NLP denn da genau machen?
Falls du Lust hast…
Coccinelle

Hallo Kitty,
mir hilft manchmal das Modell der Transaktionsanalyse (Kind-Ich, Erwachsenen-Ich, Eltern-Ich) um klarzubekommen, was bei mir und anderen abgeht, und auch etwas emotional runterzukommen.
Kennst du das? Willst du mehr darüber wissen?
(Ganz so fatalistisch wie Heidi sehe ich die Situation nicht, wenn auch nicht einfach :smile:
Gruss
Coccinelle

Hallo,

ja- würde mich auf jeden Fall interessieren!

vielen Dank schonmal
kitty

Hallo

Würde also in dem besagten Fall Folgendes bedeuten:
Ich nehme wahr, wie mit mir geredet wird und was das mit mir
macht- Äger, Verletztheit…- ohne darauf erst mal direkt zu
reagieren bei der Person.

Normalerweise gibt es da in einem selbst mehr oder weniger automatische Muster:
Du erlebst etwas (z. B. eine verletzende Äußerung dieser Kollegin), es entstehen Gefühle von Ärger, Zorn, vielleicht Angst als Reaktion auf eine empfundene Demütigung, einen Angriff, und es folgt eine ziemlich automatische Reaktion, z. B. irgendeine Form von Abwehr, Flucht nach innen, drückst irgendwie körperlich sichtbar aus, daß Dich das getroffen hat.

Am Anfang sind diese Gefühle intensiv. Wenn Du nun ein bißchen wartest und nur versuchst, diese Gefühle wahrzunehmen, zu beobachten, dann sind sie natürlich noch da, aber nicht mehr ganz so intensiv, wie zu Beginn. Das heißt, Du kannst empfinden und auch denken (was nicht geht, wenn die Gefühle ganz intensiv sind). Du kannst nun eher eine Reaktion ausdenken, die für Dich günstiger ist. Vielleicht ist es auch besser, nichts zu tun und die Äußerung der Kollegin ins Leere laufen zu lassen. Es entsteht mehr Handlungsspielraum.

Die zweite Sache ist die, daß Gefühle nichts so Absolutes sind, das sich nicht ändert. Wenn Du überlegst, diese Kollegin hat Dich zwar mit einer verachtenden Ansage verletzt, aber Du machst Dir klar, daß sie das unterschiedslos auch bei anderen tut, wenn sie so drauf ist. Ist es dann wirklich noch das gleiche wie im ersten Moment?

So funktioniert die Metaebene, wenn ich es richtig verstanden habe:

  1. Kurz warten, bis die Gefühle von ihrem Spitzenausschlag etwas heruntergekommen sind.
  2. Danach ist es leichter möglich, die Gefühle bewußt zu beobachten und die Situation eventuell auch mit dem Verstand zu betrachten. Dadurch kann sich die Bewertung ändern und ebenso das Gefühl.

Wenn ich - jetzt gerade ja mit Abstand, da ich nicht mehr in
der Situation bin- dann „in mich gehe“- spüre ich diese
Gefühle immer noch vorhanden sind.
Darüber nachgedacht- ist mir klar, daß sie (siehe Antwort von
Jule) angstbeisst und verletzen will.
Das ändert aber meine Gefühle deshalb nicht.

Wirklich nicht? Genau das möchte ich in Frage stellen. Aber selbst, wenn es genau dieselben Gefühle sind, ermöglicht die Metaebene mehr Wahlmöglichkeiten, mit der Situation umzugehen. Das heißt, Du hast mehr Macht über die Situation, und das ist ein gutes Gefühl. Dazu ein Beispiel:

Vor einigen Jahren begann meine Mutter mit mir zu streiten, und ich fühlte mich durch eine Aussage von ihr sehr verletzt, und am liebsten hätte ich darauf eine sehr zornige Antwort gegeben. Ich wußte aber aus Erfahrung, daß der Streit nur eskalieren würde, wir beide am Ende sehr verletzt sein würden, und keiner dabei irgendeinen Gewinn haben würde. Ich habe mir die zornige Antwort verkniffen, und mir fiel statt dessen eine Antwort ein, mit der ich die Situation deeskalieren konnte. Das hat uns beiden einen vollkommen sinnlosen Streit erspart, und ich war stolz auf mich, die Nerven behalten und die Situation unter Kontrolle gebracht zu haben: Macht über die Situation. Dadurch war die ursprüngliche Verletzung nicht mehr so schlimm für mich.

Grüße,

I.

Hallo Coccinelle,

uups!:smile:Jetzt muß ich erst mal schlucken.Was ist denn an meiner Sichweise fatalistisch?Ich meine nur,Kitty müßte das Problem bei sich selber angehen.

da werde ich neugierig: was kann NLP denn da genau machen?

Nix.Der Einwurf war eher ironisch gemeint.
Damit meinte ich eine andere Metaebene,die Analyse des Kommunikationsstils der Beteiligten und ihrer optischen Signale.Das ist etwas das Kommunikationstheorien zur Verfügung stellen und läßt sich längst nicht mehr auf NLP begrenzen.Ich glaube schon dass es hilfreich ist,die oftmals beteiligten verletzenden oder manipulativen Muster in Rhetorik und Gesten genau zu kennen.Das ermöglicht eine rationale Betrachtung die auch dazu dient,das was emotional ankommt zu filtern.Impliziert immer auch die Selbstbeobachtung.So lassen sich Wechselwirkungskreise problematischer Kommunikation schon nachvollziehen.Auch der bewußte Einsatz/Veränderung von Körpersprache und Rhetorik kann Beziehungen verändern.Das alles setzt aber kompetente Führung und Auseinandersetzung mit diesen Themen voraus.
Aber Kitty will ja nicht hunderte von euro bei mutmaßlichen Scharlatanen ausgeben sondern bloß mit ihrer Kollegin klarkommen:smile:

liebe Grüße
Heidi

So, nun endlich (unter der Woche ist viel los!) zur Transaktionsanalyse bzw den Bruchstücken, die bei mir davon hängengeblieben sind. Das ist zwangsläufig sehr vereinfacht!!!

Stell dir ein Ampelmodell vor: drei Kreise übereinander. Diese versinnbildlichen drei verschiedene Ich-Zustände.
Unten: das Kind-Ich (K). Das gibt es „spontan“ oder „angepasst“. Wenn du Spass hast, Gefühle „hochkommen“, oder du Regeln und Anweisungen folgst, oder dich Kritik verletzt, bist du im K.
Oben: das Eltern-Ich (El). Das gibt es kritisch oder fürsorglich. Wenn du Anweisungen gibst, begutachtest, beurteilst, pflegst, hätschelst, dich kümmerst, bist du im El.
Beide können positiv oder negativ besetzt sein, alles hat seine Daseinsberechtigung zu seiner Zeit (bei Rot an der Ampel zu halten, ist allgemein sinnvoll - angepasstes K -, allen nach dem Mund zu reden weniger, es gibt ganz viele Beispiele).

In der Mitte, das Erwachsenen-Ich (Er). Für mich ist das eine vernünftige Position, die sachlich und eher freundlich distanziert alles abwägt und einschätzt und auf dieser Basis handelt.

Jeder Zustand hat seinen Sinn. An einem fröhlichen Abend im K zu sein macht sicher mehr Sinn als im Er. Im GEhaltsgespräch ist es unzweifelhaft besser, im Er zu sein. Wenn du deinem Kind beibringen willst, dass es nicht an die heisse Herdplatte fasst, ist El der angebrachte Ichzustand, auch wenn direkt danach wieder Spass im K angesagt sein mag.

Laut TA wechselt man ständig zwischen diesen Zuständen.

Was richtig interessant wird, ist, was zwischen zwei Personen passiert.
(dazu muss man sich die beiden Ampeln nebeneinander vorstellen, und jeweils einen Strich ziehen, welcher Ichzustand welchen beim andern anspricht)
Interaktionen zwischen El und K zum BEispiel (einer kümmert sich und einer lässt sich betüteln. oder einer schimpft und der andere ist traurig oder gekränkt oder versucht es besser zu machen). Solange diese „parallel“ laufen, kann die Transaktion unendlich weitergehen. (was wiederum nicht gut oder schlecht per se ist)

Anhalten geht durch durchkreuzen.
Und da wird es spannend. Wenn jemand dich aus dem El oder dem K anspricht, und du aus dem Er antwortest.

Für mich ist das sehr nahe an Metaebene, aber vielleicht irre ich mich. Es kann die Emotion aus empfangener Kritik rausnehmen, indem man nach dem Inhalt fragt.
Was TA sagt, ist, dass wir sehr wohl die Möglichkeit haben, die Ichzustände bewusst zu wechseln. Sicher nicht von heute auf morgen perfekt (perfekt sowieso nie), aber man kann es trainieren, indem man sich immer wieder klarmacht, wann man in welchem Ichzustand reagiert.
Sicher geht das mit Anleitung besser als ganz allein.
Aber warum nicht im Austausch mit jemand nahem, der vielleicht auch daran arbeiten will?

ich hoffe, das war ein bisschen verständlich. Wenn dich das Thema interessiert, kann ich nur empfehlen, dir weitere Infos (Bücher?) zu suchen.

LG
Coccinelle