Frage zur Persönlichkeit

Hallo liebe Experten,

ich habe letztens eine Beschreibung über das Profil eines Psychopathen gelesen, in Kurzfassung: intelligent, impulsiv, aggressiv, lernt nicht aus früheren Fehlern, macht sich keine Gedanken um Konsequenzen, kann i.d.R. keine tiefergehenden Beziehungen eingehen…

Jetzt meine Frage: Ist es möglich, dass ein Psychopath gleichzeitig schizophren sein kann - oder schließt sich das aus?

Eventuell hat ja jemand auch einen Literaturtipp für mich - habe zwar schon in unserer Unibibliothek recherchiert, allerdings ohne allzu großen Erfolg. Habe natürlich auch über die verschiedenen schizophrenen Störungen gelesen, konnte aber trotzdem die Frage nicht so richtig beantworten.

Ich studiere ürbigens nicht Psychologie, deshalb schon mal sorry für eventuell ungenau ausgedrückte Formulierungen…

Vielen Dank! Melanie

das generelle problem ist die abgrenzung…
…es schliesst sich nicht aus, dass es beide von dir erwähnten krankheitsbilder beim selben patienten auftreten können, genauso wie du husten aber gleichzeitig eine virusinfektion haben kannst. es gibt allerdings typische merkmale die ausschliesslich bei der einen oder anderen krankheit auftreten, und merkmale die bei beiden auftreten, was die abgrenzung und somit die therapie erschwert.
gruss
helmut w.

Hallo Melanie

Jetzt meine Frage: Ist es möglich, dass ein Psychopath
gleichzeitig schizophren sein kann - oder schließt sich das
aus?

Theoretisch (wie Wendy schon andeutet) ist es zwar möglich, dass ein Psychopathath auch an einer Psychose (z.B. Schizophrenie)erkrankt ist, aber praktisch gesehen wird dann oftmals die kleinere der wesentlicheren Dagnose untergeordnet.
Eine Psychose ist eine sehr schwere Erkrankung, so dass in diesem Fall zunächst wichtiger ist, differentialdiagnostisch zu gucken, ob eine Psychose vorliegt oder ob keine vorliegt.
Natrlich gibt es sehr schwere Persönlichkeitsstörungen (das Wort Psychopathie benutzt man eigentlich nicht mehr) wie z.B. die antisoziale Persönlichkeit (die oftmals schwerer zu behandeln ist als z.B. eine borderline-Persönlichkeitsstörung), die aufgrund ihrer Handlungen zuweilen eine Psychose nicht auf Anhieb erkennen lässt oder umgekehrt.
Alles klar?
Gruß,
Branden

Hallo,

Jetzt meine Frage: Ist es möglich, dass ein Psychopath
gleichzeitig schizophren sein kann - oder schließt sich das
aus?

Klar gibts das! Siehe hier:

http://www.experimentalpsychologie.de/serienmoerder.htm

Viele Grüße,
Bernie

Hi,

Klar gibts das! Siehe hier:

http://www.experimentalpsychologie.de/serienmoerder.htm

Wenn das ein Beispiel ist, was besagt dann in deinem Text diese Passage hier:
„Eine Komorbidität mit der Antisozialen Persönlichkeitsstörung scheint nicht vorzuliegen, da die entsprechenden Kriterien nach dem DSM-IV (siehe Anhang A) nicht zutreffen.“?

Gruß

Metapher

Hi,

Hallo Metapher,

Klar gibts das! Siehe hier:

http://www.experimentalpsychologie.de/serienmoerder.htm

Wenn das ein Beispiel ist, was besagt dann in deinem Text
diese Passage hier:
„Eine Komorbidität mit der Antisozialen Persönlichkeitsstörung
scheint nicht vorzuliegen, da die entsprechenden
Kriterien nach dem DSM-IV (siehe Anhang A) nicht zutreffen.“?

das heisst dann wohl, dass die Kriterien für eine Antisoziale Persönlichkeitsstörung nicht zutreffen?

Gruß

Metapher

Gruß,
Bernie

1 „Gefällt mir“

Hi Bernie,

Wenn das ein Beispiel ist, was besagt dann in deinem Text
diese Passage hier:
„Eine Komorbidität mit der Antisozialen Persönlichkeitsstörung
scheint nicht vorzuliegen, da die entsprechenden
Kriterien nach dem DSM-IV (siehe Anhang A) nicht zutreffen.“?

das heisst dann wohl, dass die Kriterien für eine Antisoziale
Persönlichkeitsstörung nicht zutreffen?

Natürlich heißt es das, das hab ich auch so verstanden. Aber ich dachte, du wolltest damit ein Beispiel dafür geben, daß eine Psychose und eine (hier antisoziale) PS zugleich vorliegen kann? Du schriebst doch „Klar gibt es das …“?

Gruß

Metapher

Hi Bernie,

Hi Metapher,

Wenn das ein Beispiel ist, was besagt dann in deinem Text
diese Passage hier:
„Eine Komorbidität mit der Antisozialen Persönlichkeitsstörung
scheint nicht vorzuliegen, da die entsprechenden
Kriterien nach dem DSM-IV (siehe Anhang A) nicht zutreffen.“?

das heisst dann wohl, dass die Kriterien für eine Antisoziale
Persönlichkeitsstörung nicht zutreffen?

Natürlich heißt es das, das hab ich auch so verstanden. Aber
ich dachte, du wolltest damit ein Beispiel dafür geben, daß
eine Psychose und eine (hier antisoziale) PS zugleich
vorliegen kann? Du schriebst doch „Klar gibt es das …“?

Nein, da bringst Du was durcheinander - die Antisoziale Persönlichkeitsstörung ist nicht mit Psychopathie gleichzusetzen.

Gruß,
Bernie

Gruß

Metapher

1 „Gefällt mir“

Hi Bernie,

Nein, da bringst Du was durcheinander - die Antisoziale
Persönlichkeitsstörung ist nicht mit Psychopathie gleichzusetzen.

Ah ja, dann ist jetzt soweit alles geklärt, zumindest der Hinweis auf deinen Text: Du verwendest den Psychopathy-Begriff nach Hare, und nicht den nach K.Schneider. An vielen (zumindest deutschen) Uni-Kliniken ersetzt man die alte Bezeichnung „Psychopathie“ durch „(antisoziale) PS“, auf die sich vermutlich auch die Andeutung der Ursprungsfrage bezog.

Gruß

Metapher

Hi Bernie,

Nein, da bringst Du was durcheinander - die Antisoziale
Persönlichkeitsstörung ist nicht mit Psychopathie gleichzusetzen.

Ah ja, dann ist jetzt soweit alles geklärt, zumindest der
Hinweis auf deinen Text: Du verwendest den Psychopathy-Begriff
nach Hare, und nicht den nach K.Schneider. An vielen
(zumindest deutschen) Uni-Kliniken ersetzt man die alte
Bezeichnung „Psychopathie“ durch „(antisoziale) PS“, auf die
sich vermutlich auch die Andeutung der Ursprungsfrage bezog.

Ja, das denke ich auch - vielleicht stammt der Autor aus dem englischen Umfeld.

Grup,
Bernie

Gruß

Metapher

1 „Gefällt mir“

Ah ja, dann ist jetzt soweit alles geklärt, zumindest der
Hinweis auf deinen Text: Du verwendest den Psychopathy-Begriff
nach Hare, und nicht den nach K.Schneider …

Ja, das denke ich auch - vielleicht stammt der Autor aus dem englischen Umfeld.

Gruß
Metapher

1 „Gefällt mir“

Hallo liebe Experten,

ich bedanke mich sehr für eure Antworten, die mir schon sehr weitergeholfen haben. Eine Frage hätte ich allerdings noch: Ich hatte jetzt eher an z.B. Hannibal Lecter als den typischen Psychipath (oder Person mit antisozialer Persönlichkeit) gedacht. Als ich mir die verlinkte Beschreibung (puhh, wie gruselig) in der ersten Antwort durchgelesen habe, sind mir dazu gleich die Parallelen aufgefallen (menschliche Organe esse etc.), allerdings eben auch die großen Unterschiede. Die Figur von Hannibal Lecter macht doch eigentlich einen ganz und gar nicht verrückten Eindruck (natürlich ist das Verhalten nicht NORMAL, aber er wirkt z.B. ja nie verwirrt oder so). Im Gegenteil - er ist ja hyperintelligent und unglaublich berechnend. Mit meiner persönlichen Laien-Einschätzung hätte ich jetzt gedacht, dass das für einen Schizophrenie-Erkrankten NICHT gilt - deshalb meine Frage nach dem Ausschluss…

Also, nochmal zusammen gefasst: Es wäre also theoretisch möglich, dass es einen psychopathischen Menschen gibt (meinetwegen z.B. einen Serienmörder), der seine Taten während schizophren bedingter Ausfälle begeht?

Danke fürs Lesen:wink:
Liebe Grüße, Melanie

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo, Melanie,

Die Figur von Hannibal Lecter macht doch eigentlich einen ganz und
gar nicht verrückten Eindruck

ja, Lecter macht keinen „verrückten“ Eindruck. Das ist bei solchen Menschen nicht untypisch. Sie können sehr charmant und liebenswürdig wirken. Eigentlich als ganz nette Menschen.

Mit meiner persönlichen Laien-Einschätzung hätte
ich jetzt gedacht, dass das für einen Schizophrenie-Erkrankten
NICHT gilt - deshalb meine Frage nach dem Ausschluss…

Du hast damit nicht Unrecht. Allerdings haben Psychopathie (hier im Sinne der Antisozialen Persönlichkeitsstörung) und Schizophrenie viele Gesichter, so daß ich es nicht für ratsam halte, die genannten Vorstellungen von Psychopathie und Schizophrenie als Begründung dafür zu nehmen, daß die beiden Störungen nicht bei einer Person gemeinsam auftreten können.

In den beiden gebräuchlichen Klassifikationssystemen psychischer Störungen gibt es keine Passage, die Psychopathie und Schizophrenie gegenseitig ausschließen. DSM-IV-TR fordert für die Diagnose lediglich, daß das antisoziale Verhalten nicht ausschließlich im Verlauf einer Schizophrenie auftreten darf. Das heißt: Die Diagnosen einer Antisozialen PS und einer Schizophrenie bei einer Person sind möglich, z.B. wenn bei einer Person, bei der eine Antisoziale PS diagnostiziert wurde, später ein schizophrener Schub auftritt.

Es wäre also theoretisch
möglich, dass es einen psychopathischen Menschen gibt
(meinetwegen z.B. einen Serienmörder), der seine Taten während
schizophren bedingter Ausfälle begeht?

Ja, falls die Kriterien der Antisozialen PS nicht nur während des Verlaufs der Schizophrenie erfüllt sind.

Praktisch ergibt sich ein Problem: Die Antisoziale PS tritt v.a. bei Männern auf und kann bei ihnen erst ab einem Alter von 18 Jahren diagnostiziert werden. In diesem Lebensalter liegt bei Männern auch der Ersterkrankungsgipfel für Schizophrenie. Man müßte den Verlauf der Schizophrenie abwarten und sehen, ob das antisoziale Verhalten persistiert.

Beste Grüße,

Oliver Walter

3 „Gefällt mir“

Herzlichen Dank!!! owt.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]