telepathie-chip-phänomen (sobald du den studiengang belegt
hast, kriegst du den eingepflanzt ;o))
oh ja, den habe ich bei psychologie-studenten auch schon erlebt; den gibts spätestens zum Vordiplom 
Die Thematik der „indirekten Fragen“ hat jedoch damit meines Erachtens gar nichts zu tun.
das hab ich nun wiederum nicht behauptet. vielmehr klingt für
mich der satz „indirekte fragen erfassen die tatsächliche
meinung besser“ nach alltagwissen.
hätte ich das „tatsächlich“ ohne Anführungszeichen verwendet, und hätte ich den Satz nicht eng auf den Kontext von Michas Studien begrenzt gemeint, dann würde ich ihn zumindest für ein fragwürdiges Dogma halten, da hast Du recht.
entschuldigung, aber vielleicht liegt das einfach am begriff:
„indirekte frage“ - das kommt einfach „hinten rum“ rüber, als
sollte man versuchen, die leute auszutricksen. und das sollte
man nicht tun. 1. weil unmoralisch und 2. weil die leute sich,
wie gesagt, ihren teil denken.
da kann ich absolut nicht folgen:
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natürlich muss empirische Forschung immer auch unter moralisch-ethischen Gesichtspunkten betrachtet werden (das wird sie ja auch), aber inwiefern es unmoralisch sein soll, indirekte Fragen in anonymen Fragebögen zu stellen, ist mir völlig schleierhaft
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es ist klar, dass die Befragten bei allen Arten von Fragentypen beim Ausfüllen eines Fragebogens denken; man muss grundsätzlich dabei von Reaktivität ausgehen;
diese zu minimieren ist eine Aufgabe, der man sich bei der Erstellung des Fragebogens gegenübersieht; eine Variante dieser Minimierung ist der Griff zu „indirekten Fragen“, weil so in erster Linie diejenige Verzerrung wegfällt, die dadurch entsteht, dass der Befragte beim Ausfüllen die Auswertung seiner Antworten imaginiert.
Dies kann natürlich auch nach hinten losgehen, und man erhöht diese Verzerrung durch den Einsatz indirekter Fragen sogar.
Im Fall von Michas Studie geht es aber um etwas anderes:
Wenn er (und darum habe ich nach der Forschungsfrage gefragt) tatsächlich nur untersuchen möchte, wie die Befragten sich in punkto Verzeihen-Können einschätzen , dann besteht kein großer Bedarf an indirekten Fragestellungen, will er jedoch jenseits der Selbsteinschätzung eine Aussage über das Verzeihen-Können treffen, dann sehe ich mit seinen Fragen bzw. auch seinem Fragentypus keine Chance dafür.
ich denke, das „indirket“ die
sache komplizierter macht und die leute über kompliziertere
sachen stärker nachdenken.
wie gesagt; solange man Einfaches erheben möchte, dann sind „einfache“ Erhebungsinstrumente angemessen…
die versuchen dann zu durchschauen,
was denn die theorie hinter der frage ist. dabei muß die
person nicht immer zum richtigen schluß kommen. es wird dann
überlegt, was man denn ankreuzen muß, daß man nicht für xy
gehalten wird. und das wird dann angekreuzt.
das kann passieren, völlig richtig;
ich sehe allerdings überhaupt nicht, weshalb dies bei direktem Abfragen nicht der Fall sein sollte.
Auch hier überlegt der Befragte doch ganz genauso, ob er denn bei „Rache ist süß“ „trifft vollkommen zu“ ankreuzen soll, und dann eben für „rachsüchtig“ gehalten wird. Will er nicht dafür gehalten werden, dann wird er eben vielleicht nur „teilweise“ ankreuzen.
Im Gegenteil bieten indirekte Fragen eher noch die Möglichkeit diesen Effekt zu durchkreuzen, nämlich dann, wenn sie so gehalten sind, dass der Befragte gar nicht weiß, was seine Antwort denn über ihn aussagen könnte.
so kann man nicht
mehr den schluß ziehen, daß personen mit einer bestimmten
antwort auch eine bestimmte ausprägung einer bestimmten
latenten variablen haben.
ein solcher Schluss ist immer sehr prekär; könnte Micha mit seinen Fragen wirklich auf „Verzeihen-Können“ schließen, und nicht bloß auf „Sich-für-Verzeihen-Könner-Halten“?
besser wäre es, dem fragebogen noch andere maße
entgegenzustellen z.b. beurteilungsaufgaben.
das wäre ja möglicherweise durchaus ein Typus indirekter Fragestellung, nämlich dann, wenn man die Beurteilung als Indiz für etwas ansieht, das so nicht in der Beurteilsaufgabe enthalten ist.
theorielos will ich nicht vorgehen. ich will nur nicht meine
theorie vor den personen verstecken. die leute sollen wissen,
um was es geht. die antworten werden ihnen damit noch lange
nicht in den mund gelegt.
Das ist teilweise schon richtig; ich möchte mit einer Analogie antworten:
Mensch geht zu Arzt, sagt er leide unter Depressionen und führt einige Symptome an;
der Arzt vermutet auf Grund der Anamnese, der Mensch zeige ein Münchhausen-Syndrom und fragt ihn deshalb:
"Abends ist es am schlimmsten, gell?
Wenn der Patient darauf eingeht und dies in seine Symptomschilderung einbaut, dann rückt für den Arzt die Depressions-Diagnose wegen fehlendem Morgentief etwas ferner…
Hier zeigt sich, a) dass es unter Umständen kein Dogma sein darf, jemandem nicht etwas in den Mund legen zu dürfen („gell“) und b) dass es eben für die Bestätigung der „Theorie“ des Arztes wesentlich ist, dass sie „versteckt“ bleibt.
mit offen und ehrlich meinte ich nicht, daß man den leuten das
ganze drumherum um das forschungsprojekt erklären sollte -
zumindest nicht vorher. aber man sollte den leuten
beispielsweise nicht erzählen, daß es um x geht, wenn es
eigentlich um y geht.
Dass dies in manchen Fällen notwendig ist, um X erheben zu können, habe ich gerade abgehandelt (da muss ich gar nicht die eben gezogene Analogie bemühen, man denke doch nur an viele experimentelle Situationen, wo ein Sachverhalt gar nicht überprüft werden könnte, wenn die Versuchsperson davon wüsste).
Zum anderen ist dieser Aspekt der Ehrlichkeit natürlich sehr wohl von forschungsethischer Relevanz, aber ich denke, hier kann man nicht einen ganzen Fragentypus aus moralischen Gründen ablehnen;
in Einzelfällen natürlich schon, da gebe ich Dir Recht.
Viele Grüße
franz
