Fragebogen Bereitschaft zu verzeiehen

Liebe Leute,

im Rahmen meines Psych-Studiums musste ich einen Fragebogen
entwerfen, den ich jetzt testen will und würde mich deshalb über
ein paar antworten freuen:

Hier geht’s zum Fragebogen, der noch bis zum 1.7.05 aktiv ist:

http://www.fragebogen.metalfish.de/

Vielen Dank,
Micha.

hallo micha,

hab den test gerade gemacht und mir sind zwei dinge aufgefallen. wenn man bei den unteren fragen angelangt ist, sehe ich nicht mehr die bewertungen der spalten, dh ich muß, bevor ich meinen punkt setze, erst wieder nach oben scrollen, um zu sehen wohin der punkt soll. weiters fehlt mir persönlich etwas zwischen " trifft ehr zu " und " trifft eher nicht zu " . es gibt fragen, die sind mir zu situationsabhängig, als das ich sie pauschal mit ja oder nein beantworten möchte. vielleicht so etwas wie " weiß nicht " oder "das ist ganz unterschiedlich "…das stört mich allerdings an vielen fragebögen!

grüße,susanne

Irgendwie ist es schade, dass man nicht, wie beim klassischen Frauenzeitschriften-Psychotest", eine Auswertung bekommt:wink:
Gruß, Dine

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hi Susanne,
ich stimme da mit Dir überein, dass eine „weiß-nicht“ Antwort bequem wäre. Allerdings wird diese Option bei vielen psychologischen Tets rausgenommen, gerade damit die Probanden eine Entscheidung zwischen ja und nein treffen müssen. Liegt ganz beim Versuchsleiter, wie er das handhaben möchte.
Aber ich persönlich würde auch noch eine weitere Stufe einbauen.

Hallo susanne,

ich finde auch, das Verzeihen ganz davon abhängt, was und wem zu verzeihen ist. Die Fragen waren eben arg pauschal. Von daher war der Fragebogen eigentlich ziemlich nutzlos.

Viele Grüße
Anna

wertest du auch irgendwann aus, was wir da so angeklickt haben?
fänd ich interessant.

dient das einer einfachen umfrage für eine statistik oder soll da nach her am ende tatsächlich auch ein „ergebnis“ für die einzelne person erscheinen?

dass man unten nicht mehr „trifft (nicht) zu“ lesen kann stört mich nicht - die paar cm lang kann ich mir das merken.

eine wie unten genannte „mittel-antwort“ würde ich auch weglassen, viele leute neigen dazu diese einfach zu nehmen.
grade nach dem ich meine kuller gemacht habe, hab ich gemerkt, dass ich in vielen situationen ähnlich handle. also gibt es für mich in sofern schon so was wie eine „pauschale“ antwort auf deine fragen.

wie gesagt, mich würde interessieren, was das ziel des bogens sein soll.

ansonsten: ein netter, einfacher fragebogen mit verständlichen fragen
(bei manchen umfragen muss man die statements ja erst dreimal lesen, um sie überhaupt zu begreifen…*g*)

Erst mal vielen Dank an alle für die vielen Antworten!

wertest du auch irgendwann aus, was wir da so angeklickt
haben?

Doch, das werde ich, allerdings gibt es keine individuelle Auswertung. Worum es in dieser Phase der Fragebogenkonstruktion erst mal geht, ist , zu testen ob die Fragen etwas taugen.

dient das einer einfachen umfrage für eine statistik oder soll
da nach her am ende tatsächlich auch ein „ergebnis“ für die
einzelne person erscheinen?

Das wäre erst in einer weiteren Phase möglich. Die gesammelten Daten, kann man dann als Normstichprobe verwenden. Dann könnte man für den einzelnen sagen, ob er eher über- oder unterdurchschnittlich bereit ist zu verzeihen etc… Um wirklich abzusichern, dass das ganze wirklich was mit der Bereitschaft zu verzeihen zu tun hat, müsste man es aber auch noch mit anderen Maßen vergleichen.

eine wie unten genannte „mittel-antwort“ würde ich auch
weglassen, viele leute neigen dazu diese einfach zu nehmen.

Das ist ein Grund warum „mittel“-antworten meistens vermieden werden. Der andere ist, dass es dann oft nicht entscheidbar ist, was mit der Mittelantwort gemeint ist. Z.B. könnte die Mittelantwort einfach auch bedeuten, „kann mit der Frage nix anfangen“. - Aber klar, es gibt auch Gründe die für eine Mittel-Antwort sprechen.

wie gesagt, mich würde interessieren, was das ziel des bogens
sein soll.

In erster Linie ist es eine Übung für das Seminar „Testkonstruktion“. Auf das Thema gestoßen, bin ich teilweise durch Kinofilme wie „Magnolia“, „The straight story“ und „Italienisch für Anfänger“ (ein Nebenthema in dem Film). Andererseits hatte ich mich in einem anderen Seminar mit dem Thema „Feindseligkeit“ beschäftigt, was sich als psychologischer Risikofaktor für Herzerkrankungen herausgestellt hat. Bei meiner Beschäftigung bin ich auch auf einen amerikanischen Forscher gestoßen, der ein Vergebungstraining als Präventionsmaßnahme anbietet.

Soviel von mir und noch mal vielen Dank an alle!

Lieben Gruß,
Micha.

Irgendwie ist es schade, dass man nicht, wie beim klassischen
Frauenzeitschriften-Psychotest", eine Auswertung bekommt:wink:

siehe oben, das ist leider in dem Stadium nicht möglich :smile:
Gruß,
Micha.

es gibt fragen, die sind mir zu situationsabhängig, als das
ich sie pauschal mit ja oder nein beantworten möchte.

Bezüglich der „mittleren“ Antwort, siehe Antwort weiter oben. Es gibt Gründe die dafür und welche die dagegen sprechen.

Was die Situationsabhängigkeit betrifft hast du sicherlich recht. Trotzdem meine ich, dass der Test eine Tendenz zeigen kann. Eine Möglichkeit wäre natürlich auch gewesen mehr Situationen abzufragen. Allerdings wird dann der Test auch schnell sehr lang. Und für dieses Seminar sollten wir uns auf 15 Fragen beschränken.

Gruß,
Micha.

Wertest du den mit SPSS aus? Hätte da eine Frage…

Hi Micha und andere!

Ich dachte mir, die Psychologen kennen sich auch gut mit SPSS aus. Ich habe nämlich auch grad eine Umfrage gestartet und habe die Fragebögen schon hier. Eine Datenmaske hab ich auch schon erstellt und könnte theoretisch mit der Dateneingabe beginnen. Ich bin mir nur unsicher, ob ich alles richtig gemacht habe. Muss ich, bevor ich die Daten eingebe, sagen, wieviele ich befragt hab, also N= was weiß ich wie viel? Oder kann da nix schief gehen, denn Arbeit ist das schon bei 250 Fragebögen… Sonst irgendwelche guten Tipps zu SPSS?
Liebe Grüße, Schmusedecke

Tipps zu SPSS

Hi Micha und andere!

Hallo Schmusedecke,

Ich dachte mir, die Psychologen kennen sich auch gut mit SPSS
aus.

Zumindest sollten sie das.

Muss ich, bevor ich die Daten eingebe, sagen,
wieviele ich befragt hab, also N= was weiß ich wie viel?

Nein, Du kannst die Daten eingeben und bei der Berechnung schließlich ggf. diejenigen Daten ausklammern, die Du nicht benötigst.

Oder
kann da nix schief gehen, denn Arbeit ist das schon bei 250
Fragebögen… Sonst irgendwelche guten Tipps zu SPSS?

Auf dieser Seite: http://www.psycho.uni-osnabrueck.de/ggediga/www/pm98/ findest Du eine große Menge Tipps zu Statistik, bei denen immer auch die Vorgehensweisen von SPSS mit Bildern gezeigt werden.

Viele Grüße,
Sam

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Hallo Micha,

würde mich deshalb
über
ein paar antworten freuen

Es hat aus meiner Sicht nicht einen allzu großen Nutzen, nur die Fragen bewerten zu lassen, denn die entscheidenden Punkte einer solchen Studie sind ja: welche Forschungsfrage wird mit dieser Fragen-Skala bedient, mit welchen theoretischen Hintergrundanahmen will man die Ergebnisse auswerten, etc.

Erst auf einer solchen Folie lässt sich dann die Zweckmäßigkeit der Fragen vernünftig beurteilen.

Zu den Fragen selbst kann man ja nicht soviel sagen, aber:

  1. andere haben schon auf die „weiß nicht“-Kategorie hingewiesen (da spricht schon einiges dafür)

  2. Du hast richtigerweise den Fehler vermieden, die Fragen alle gleich zu polen, so dass also eine inhaltliche Tendenz mit einer formalen Tendenz korrespondieren würde.

  3. Unter Umständen könnten „offene Fragen“ zumindest als Vergleichsmaßstab zu den geschlossenen sinnvoll sein.

  4. Fragen wie 4), 6), vielleicht auch 10) und 15), empfinde ich als suggestiv.

Wer würde es denn wagen „trifft vollständig zu“ anzukreuen bei „Wie du mir, so ich dir“?

Die gleiche Person würde aber vielleicht vollständig zustimmen bei „… da erlaube ich mir in gleicher Weise zu reagieren“, oder etwas in der Art.

Klar lassen sich keine tatsächlich vollkommen neutralen Fragen stellen, aber doch immerhin solche, die auf suggestiv wirkenden Sprüche wie „Rache ist süß“ verzichten.

Als Fazit würde ich also sagen, dass diese Fragen in der Art ihrer Formulierung eher einen Bias in Richtung „Verzeihen“ besitzen, in erster Linie, weil diejenigen Fragen, die das „Rachpotential“ abfragen sollen, in der Formulierung zu nahe an moralische Standards geraten, die dafür sorgen dass der Befragte dann halt doch ein „trifft eher zu“ ankreuzt als ein „vollkommen zu“, was er tatsächlich machen würde, wäre die Frage anders formuliert.

  1. Man könnte auch darüber nachdenken, zumindest einen Teil des Fragenapparates mit indirekten Fragen zu versehen.

Indirekte Fragen haben zwar den praktischen Nachteil, dass deren Auswertung (und bereits deren Formulierung natürlich) sehr viel stärker theoriegeleitet sein muss, haben gegenüber direkten Fragen aber den entscheidenden Vorteil, dass sie stärker die „tatsächliche“ Einstellung der Befragten messen, weniger die Standards herrschender Moralvorstellungen (was ja wohl nicht gerade das Zu-Messende in einer psychologischen Studie sein wird).

Viele Grüße
franz

Es hat aus meiner Sicht nicht einen allzu großen Nutzen, nur
die Fragen bewerten zu lassen

die wird als inhaltliche validierung bezeichnet: experten (in der regel) sollen beurteilen, wie gut die items (einzeln und auch insgesamt) das zu erfragende konzept erfassen.

denn die entscheidenden Punkte
einer solchen Studie sind ja: welche Forschungsfrage wird mit
dieser Fragen-Skala bedient, mit welchen theoretischen
Hintergrundanahmen will man die Ergebnisse auswerten, etc.

und danach formuliert man o.g. items und läßt sie inhaltlich validieren (mit der validierung hat sich ben eine menge arbeit gemacht, wie ich sehe).

dann legt man den überarbeiteten fragebogen einer stichprobe vor und überprüft gütekriterien wie reliabilität, interne konsistenz, trennschärfe, schwierigkeit und andere. aber wenn (so wie micha anscheinend) für ein seminar in testtheorie eine hausarbeit machen und die genannten gütekriterien eventuell „per hand“ berechnen muß, dann reicht das für den anfang.

  1. andere haben schon auf die „weiß nicht“-Kategorie
    hingewiesen (da spricht schon einiges dafür)

darüber gibt es verschiedene ansichten: einigen finden die „weiß nicht“-kategorie wichtig (weil es ja wirklich mal sein kann, daß man eben nicht weiß, was man davon halten soll); andere wollen durch weglassen der kategorie eine entscheidung für eine richtung (zustimmung oder ablehnung) erzwingen; es gibt studien die zeigen, daß leute besonders gern die mitte ankreuzen (und anderes = antworttendenzen)

  1. Du hast richtigerweise den Fehler vermieden, die Fragen
    alle gleich zu polen, so dass also eine inhaltliche Tendenz
    mit einer formalen Tendenz korrespondieren würde.

auch da gibt es unterschiedliche meinungen und sogar testmaterialen im oben kritisierten stil, die man käuflich erwerben muß. will sagen: der verlag hogrefe, der tests herausgibt und für teuer geld verkauft, hat nichts gegen o.g. format.

  1. Unter Umständen könnten „offene Fragen“ zumindest als
    Vergleichsmaßstab zu den geschlossenen sinnvoll sein.

ja. sind aber umständlich auszuwerten, vor allem unter dem aspekt einer hausarbeit.

  1. Fragen wie 4), 6), vielleicht auch 10) und 15), empfinde
    ich als suggestiv.

wenn das viele leute genauso sehen, dann sollten diese items bei der itemanalyse schlechte trennschärfen haben bzw. die güte der skala verschlechtern.

Wer würde es denn wagen „trifft vollständig zu“ anzukreuen bei
„Wie du mir, so ich dir“?

oh, da gibt es schon welche, 1. die so denken (immerhin ist das sprichwort weit bekannt und viel zitiert) und 2. die wahrheitsgemäß dann auch noch so ankreuzen, denn der fragebogen ist anonym (soziale erwünschtheit fällt wahrscheinlich nicht stark ins gewicht). aber möglicherweise zeigt sich die genannte kritik in einer geringen lösungswahrscheinlichkeit.

Die gleiche Person würde aber vielleicht vollständig zustimmen
bei „… da erlaube ich mir in gleicher Weise zu reagieren“,
oder etwas in der Art.

kann sein. man könnte beide items aufnehmen und dann das bessere für die überarbeitete fragebogenversion nehmen.

Klar lassen sich keine tatsächlich vollkommen neutralen Fragen
stellen, aber doch immerhin solche, die auf suggestiv
wirkenden Sprüche wie „Rache ist süß“ verzichten.

na ja. ich meine, diese formulierung ist wie die obere „ich erlaube mir, in der gleichen weise zu reagieren“ eher eine nettere formulierung für „rache ist süß“. vielleicht stimmen der weicheren formulierung mehr leute zu als der härteren. es wird aber keinem eine antwort in den mund gelegt. suggestiv ist was anderes.

  1. Man könnte auch darüber nachdenken, zumindest einen Teil
    des Fragenapparates mit indirekten Fragen zu versehen.

Indirekte Fragen haben zwar den praktischen Nachteil, dass
deren Auswertung (und bereits deren Formulierung natürlich)
sehr viel stärker theoriegeleitet sein muss, haben gegenüber
direkten Fragen aber den entscheidenden Vorteil, dass sie
stärker die „tatsächliche“ Einstellung der Befragten messen,
weniger die Standards herrschender Moralvorstellungen (was ja
wohl nicht gerade das Zu-Messende in einer psychologischen
Studie sein wird).

da kräuselt es mich richtig! als psychologe trifft man häufig menschen, die meinen, der psychologe könnte durch fragen, die eigentlich ganz was anderes bedeuten, was aus ihnen herauskriegen, daß am besten gar nicht preis geben wollen.

das stimmt aber nicht: man kann nicht aus einer antwort auf eine frage eine dahinterstehende theorie bestätigen.

man kann natürlich die antwort durch eine theorie erklären bzw. diskutieren.

man kann auch immer wieder die gleiche frage stellen und gucken, in was sich die personen, die unterschiedlich bzw. gleich antworten, sonst noch unterscheiden bzw. gleichen und das als bestätigung für die theorie betrachten.

die wahrheit wird man allerdings nicht herausbekommen, denn den zusammenhang zwischen theorie und antwort kann man nicht direkt sehen (die theorie ist ein latentes konstrukt, das nur indirekt beobachtet werden kann).

deshalb kann nicht die rede sein, daß indirekte fragen die tatsächliche meinung besser abbilden als die direkte.

es ist sogar wahrscheinlicher, daß man sich als forscher mit o.g. haltung selbst ins bein schießt, weil man sich in seinen theorien verzettelt und die befragten, die sich ja auch ihre gedanken über sinn und zweck der befragung machen, zu falschen schlüssen darüber kommen, was man von ihnen nun „eigentlich“ wissen will.

man stellt besser eine offene, ehrliche frage und probiert, die leute möglichst nicht in eine antwort hineinzudrängen.

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wenn deine dateneingabe umfangreich ist, dann lohnt es sich, über das einlesen von ascii-daten in SPSS zu informieren. man kann nämlich die daten statt in die datenmaske in eine txt-datei eingeben und einen syntax zum einlesen erstellen, der die variablennamen, labels usw. bestimmt. so spart man sich das drücken der entertaste zum wechseln in die nächste variable und das kann eine ganze menge sein. am besten hat man den syntax zum einlesen aber schon vor der dateneingabe parat, so daß man teildatensätze einlesen und prüfen kann, ob bis dahin alles stimmt - wenn man nämlich ein zeichen oder zeilenwechsel vergisst, werden die nachfolgenden daten nicht korrekt in SPSS geschrieben. das kann man allerdings in der textdatei korrigieren und beim nächsten einlesen ist es gerichtet.

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Danke ihr zwei! Kriegt ein Sternchen von mir! :o)
Schmusedecke

Bis hierhin völlige Zustimmung!

dann legt man den überarbeiteten fragebogen einer stichprobe
vor und überprüft gütekriterien wie reliabilität, interne
konsistenz, trennschärfe, schwierigkeit und andere. aber wenn
(so wie micha anscheinend) für ein seminar in testtheorie eine
hausarbeit machen und die genannten gütekriterien eventuell
„per hand“ berechnen muß, dann reicht das für den anfang.

es ging ja darum, dass es wenig sinnvoll ist, uns hier nur die Fragen beurteilen zu lassen;
ohne Bezug auf das Konzept dahinter, ist dies nicht sinnvoll möglich.

  1. andere haben schon auf die „weiß nicht“-Kategorie
    hingewiesen (da spricht schon einiges dafür)

darüber gibt es verschiedene ansichten: einigen finden die
„weiß nicht“-kategorie wichtig (weil es ja wirklich mal sein
kann, daß man eben nicht weiß, was man davon halten soll);
andere wollen durch weglassen der kategorie eine entscheidung
für eine richtung (zustimmung oder ablehnung) erzwingen; es
gibt studien die zeigen, daß leute besonders gern die mitte
ankreuzen (und anderes = antworttendenzen)

richtig;
dieses Mitte-Verhalten ist allerdings recht leicht ersichtlich, und lässt sich deshalb leicht statistisch „herausrechnen“, während aber eine „erzwungen Antwort“ auch, jedoch nicht ganz so leicht sich eliminieren lässt.

Aber, wie Du richtig sagst, wird diese Frage sehr kontrovers diskutiert, ist auch nicht von so großer Wichtigkeit und kennt auch keinen Königsweg.

Ein „Weiß nicht“ oder „Auf diese Frage kann ich nicht antworten“ zeigt aber immerhin bereits die Schwächen bestimmter Fragen auf.

  1. Du hast richtigerweise den Fehler vermieden, die Fragen
    alle gleich zu polen, so dass also eine inhaltliche Tendenz
    mit einer formalen Tendenz korrespondieren würde.

auch da gibt es unterschiedliche meinungen und sogar
testmaterialen im oben kritisierten stil, die man käuflich
erwerben muß. will sagen: der verlag hogrefe, der tests
herausgibt und für teuer geld verkauft, hat nichts gegen o.g.
format.

was ich für unsinnig halte; das „Umpolen“ erfordert sehr geringen Aufwand.
Dass einige Befragte, einfach aus Unlust solche Bögen auszufüllen, gerne mal die ganze Reihe runter „trifft vollkommen zu“, etc. ankreuzen ist erwiesen.

Was mache ich damit: auswerten oder nicht? bei beiden Optionen laufe ich Gefahr, das Falsche zu tun.

Warum also so viele Erwägungen anstellen, wenn das Umpolen so unkompliziert ist?

  1. Unter Umständen könnten „offene Fragen“ zumindest als
    Vergleichsmaßstab zu den geschlossenen sinnvoll sein.

ja. sind aber umständlich auszuwerten, vor allem unter dem
aspekt einer hausarbeit.

Jein!
auch offene Fragen können sehr unkompliziert ausgewertet werden, etwa durch Zählen der Häufigkeit bestimmter Begriffe, etc.

Man kann sie natürlich auch kompliziert auswerten, was aber für „geschlossene Fragen“ im Grunde auch gilt, weil sich dort auch recht komplizierte Korrelationkoeffizienten, etc. finden lassen.

  1. Fragen wie 4), 6), vielleicht auch 10) und 15), empfinde
    ich als suggestiv.

wenn das viele leute genauso sehen, dann sollten diese items
bei der itemanalyse schlechte trennschärfen haben bzw. die
güte der skala verschlechtern.

Ja, darum habe ich „vorausgesagt“, dass diese Fragen im Pretest möglicherweise durchfallen werden.

Wer würde es denn wagen „trifft vollständig zu“ anzukreuen bei
„Wie du mir, so ich dir“?

oh, da gibt es schon welche, 1. die so denken (immerhin ist
das sprichwort weit bekannt und viel zitiert) und 2. die
wahrheitsgemäß dann auch noch so ankreuzen, denn der
fragebogen ist anonym (soziale erwünschtheit fällt
wahrscheinlich nicht stark ins gewicht).

zu 1) schon richtig

zu 2) richtig, aber bestimmte Dinge würde ich nicht mal mir selbst gegenüber eingestehen, soll heißen: bestimmte Formulierungen verletzen halt eine Art Tabu.

Wenn ich mich beispielsweise als jemanden ein- und wertschätze, der nicht gerade Schwarz-Weiß denkt, dann kann es sein, dass ich einem Tit-for-Tat-Prinzip rein der Formulierung wegen nicht vollkommen zustimme, obwohl ich dies meiner „Rachsucht“ nach durchaus tun würde, etc.

Zum anderen tragen solch plakative Formulierungen die Gefahr, dass ihnen zugestimmt wird, ohne dass der Befragte dies inhaltlich voll akzeptieren würde, nur weil ihm gerade danach ist, ein wenig provokativ anzukreuzen, weil ich das Sprichwort gefällt, etc.

Wie bereits gesagt: Das alles sind Überlegungen, bevor man in den Pretest geht, keine grundsätzlichen Einwände.

Die gleiche Person würde aber vielleicht vollständig zustimmen
bei „… da erlaube ich mir in gleicher Weise zu reagieren“,
oder etwas in der Art.

kann sein. man könnte beide items aufnehmen und dann das
bessere für die überarbeitete fragebogenversion nehmen.

richtig, so sehe ich es auch

es
wird aber keinem eine antwort in den mund gelegt. suggestiv
ist was anderes.

Klar gibt es „Suggestiveres“ als das Besagte, dennoch handelt es sich in der Formulierung von Fragen sehr wohl um Suggestion, weil die Art und Weise der Formulierung einer Frage durchaus die Antwort darauf nahelegt (selbstverständlich nur innerhalb bestimmter Grenzen).

da kräuselt es mich richtig!

da wünsche ich gute Besserung!

als psychologe trifft man häufig
menschen, die meinen, der psychologe könnte durch fragen, die
eigentlich ganz was anderes bedeuten, was aus ihnen
herauskriegen, daß am besten gar nicht preis geben wollen.

besteht hier tatsächlich ein unumstrittener Konsens innerhalb der Psychologie?

das stimmt aber nicht: man kann nicht aus einer antwort auf
eine frage eine dahinterstehende theorie bestätigen.

wer hat das behauptet? ich nicht!

man kann natürlich die antwort durch eine theorie erklären
bzw. diskutieren.

man muss sie theoriegeleitet erklären, es sei denn man verzichtet darauf, und erklärt sie mit seinem „Fach-Grundwissen“, was ein Sammelsurium von Alltagswissen, wissenschaftlicher Theoreme, Routine, etc. ist.

Diese Alternative halte ich für keine Alternative.

Will man aber Fragen mittels einer bestimmten Theorie auswerten, dann muss dies natürlich in der Fragestellung selbst bereits berücksichtigt werden.

deshalb kann nicht die rede sein, daß indirekte fragen die
tatsächliche meinung besser abbilden als die direkte.

das habe ich so pauschal auch nicht behauptet!

ich habe lediglich vorgeschlagen, solche indirekten Fragen in den Apparat mit aufzunehmen.

Übrigens: dass direkte besser abbilden würden als indirekte, lässt sich pauschal auch nicht sagen!

Ich halte allerdings nach wie vor daran fest, dass bei einem so hoch-moralisiertem Thema wie dem „Verzeihen“ ein Herangehen mit indirekten Fragen eventuell die ganze moralische Meinungs-Hülle umgehen kann.

es ist sogar wahrscheinlicher, daß man sich als forscher mit
o.g. haltung selbst ins bein schießt, weil man sich in seinen
theorien verzettelt und die befragten, die sich ja auch ihre
gedanken über sinn und zweck der befragung machen, zu falschen
schlüssen darüber kommen, was man von ihnen nun „eigentlich“
wissen will.

  1. wer vermeintlich theorielos vorgehen will, schießt sich nicht nur ins Bein;
    diese vermeintliche Theorielosigkeit ist lediglich die Verdoppelung einer uneingestandenen Pseudo-Theoriehaftigkeit.

  2. Schlüsse ziehen werden die Befragten bei direkten Fragen in gleicher Weise, das heißt:
    das Problem aller geschlossenen Fragen, dass sich in der Antwort nicht ausdrückt, was sich der Befragte bei seinem Kreuz gedacht hat, tritt bei direkten wie bei indirekten Fragen in gleicher
    Weise auf.

man stellt besser eine offene, ehrliche frage

Empirische Forschung hat mit Ehrlichkeit überhaupt nichts zu tun! (sonst müsste man ja auch gleich noch vorgeben, wie man die Antworten auswerten wird; das wäre dann tatsächlich offen und ehrlich, würde aber unstreitig beträchtliche Verzerrungen mit sich bringen)

und probiert,
die leute möglichst nicht in eine antwort hineinzudrängen.

eben genau darum geht es!

2 „Gefällt mir“

Hallo schokolinda,

darüber gibt es verschiedene ansichten: einigen finden die
„weiß nicht“-kategorie wichtig (weil es ja wirklich mal sein
kann, daß man eben nicht weiß, was man davon halten soll);
andere wollen durch weglassen der kategorie eine entscheidung
für eine richtung (zustimmung oder ablehnung) erzwingen; es
gibt studien die zeigen, daß leute besonders gern die mitte
ankreuzen (und anderes = antworttendenzen)

ergänzend möchte ich bemerken, daß eine mittlere Antwortkategorie mit einiger Wahrscheinlichkeit als Ausweichmöglichkeit gewählt wird. Wenn das der Fall ist, ist die Skala nicht mehr homogen und der Summenscore nicht mehr als per-fiat-Meßwert verwendbar. Mein Doktorvater hat diesen Effekt beim NEO-FFI nachgewiesen, indem er den Fragebogen mit dem ordinalen Rasch-Modell analysiert hat. Die Antwortkategorien waren nicht mehr geordnet und es war gerade die mittlere Kategorie, die Probleme machte. Sein Artikel enthält noch ein paar weitere schöne Beispiele, wie man mit Hilfe probabilistischer Testmodelle interessante Erkenntnisse zu einem klassisch konstruierten Fragebogen gewinnen kann, weshalb ich ihn an dieser Stelle zitieren möchte:

Rost, J., Carstensen, C.H. & Davier, M. v. (1999). Sind die Big Five Rasch-skalierbar? Eine Reanalyse der NEO-FFI-Normierungsdaten. Diagnostica, 45 (3), 119-137.

Indirekte Fragen haben zwar den praktischen Nachteil, dass
deren Auswertung (und bereits deren Formulierung natürlich)
sehr viel stärker theoriegeleitet sein muss, haben gegenüber
direkten Fragen aber den entscheidenden Vorteil, dass sie
stärker die „tatsächliche“ Einstellung der Befragten messen,
weniger die Standards herrschender Moralvorstellungen (was ja
wohl nicht gerade das Zu-Messende in einer psychologischen
Studie sein wird).

da kräuselt es mich richtig! als psychologe trifft man häufig
menschen, die meinen, der psychologe könnte durch fragen, die
eigentlich ganz was anderes bedeuten, was aus ihnen
herauskriegen, daß am besten gar nicht preis geben wollen.

Projektive Verfahren und objektive Tests (sensu Cattell) sind ja nun in der Psychologie nichts Unbekanntes. :wink:

Beste Grüße,

Oliver

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als psychologe trifft man häufig
menschen, die meinen, der psychologe könnte durch fragen, die
eigentlich ganz was anderes bedeuten, was aus ihnen
herauskriegen, daß am besten gar nicht preis geben wollen.

besteht hier tatsächlich ein unumstrittener Konsens innerhalb
der Psychologie?

unumstrittenen konsens würde ich es nicht nennen, aber außer meinen eigenen erfahrungen mit dem, wie ich es nenne: telepathie-chip-phänomen (sobald du den studiengang belegt hast, kriegst du den eingepflanzt ;o)) habe ich von kollegen ähnliche erfahrungen berichtet bekommen.

man muss sie theoriegeleitet erklären, es sei denn man
verzichtet darauf, und erklärt sie mit seinem
„Fach-Grundwissen“, was ein Sammelsurium von Alltagswissen,
wissenschaftlicher Theoreme, Routine, etc. ist.

das hab ich nun wiederum nicht behauptet. vielmehr klingt für mich der satz „indirekte fragen erfassen die tatsächliche meinung besser“ nach alltagwissen.

Diese Alternative halte ich für keine Alternative.

dies ist für mich keine alternative.

Ich halte allerdings nach wie vor daran fest, dass bei einem
so hoch-moralisiertem Thema wie dem „Verzeihen“ ein Herangehen
mit indirekten Fragen eventuell die ganze moralische
Meinungs-Hülle umgehen kann.

entschuldigung, aber vielleicht liegt das einfach am begriff: „indirekte frage“ - das kommt einfach „hinten rum“ rüber, als sollte man versuchen, die leute auszutricksen. und das sollte man nicht tun. 1. weil unmoralisch und 2. weil die leute sich, wie gesagt, ihren teil denken. ich denke, das „indirket“ die sache komplizierter macht und die leute über kompliziertere sachen stärker nachdenken. die versuchen dann zu durchschauen, was denn die theorie hinter der frage ist. dabei muß die person nicht immer zum richtigen schluß kommen. es wird dann überlegt, was man denn ankreuzen muß, daß man nicht für xy gehalten wird. und das wird dann angekreuzt. so kann man nicht mehr den schluß ziehen, daß personen mit einer bestimmten antwort auch eine bestimmte ausprägung einer bestimmten latenten variablen haben.

besser wäre es, dem fragebogen noch andere maße entgegenzustellen z.b. beurteilungsaufgaben.

  1. wer vermeintlich theorielos vorgehen will, schießt sich
    nicht nur ins Bein;
    diese vermeintliche Theorielosigkeit ist lediglich die
    Verdoppelung einer uneingestandenen Pseudo-Theoriehaftigkeit.

theorielos will ich nicht vorgehen. ich will nur nicht meine theorie vor den personen verstecken. die leute sollen wissen, um was es geht. die antworten werden ihnen damit noch lange nicht in den mund gelegt.

Empirische Forschung hat mit Ehrlichkeit überhaupt nichts zu
tun! (sonst müsste man ja auch gleich noch vorgeben, wie man
die Antworten auswerten wird; das wäre dann tatsächlich
offen und ehrlich, würde aber unstreitig beträchtliche
Verzerrungen mit sich bringen)

daß empirische forschung nichts mit ehrlichkeit zu tun hat, habe ich heute auch erfahren dürfen: wir haben heute ein nettes beispiel gefunden, wie sich gegenseitig zum eigenen vorteil zitiert wird. aber das ist eine andere geschichte.

mit offen und ehrlich meinte ich nicht, daß man den leuten das ganze drumherum um das forschungsprojekt erklären sollte - zumindest nicht vorher. aber man sollte den leuten beispielsweise nicht erzählen, daß es um x geht, wenn es eigentlich um y geht.

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Naja, bin auch eher Anfänger, was SPSS angeht, aber wenn man sich an ein paar Schrullen gewöhnt hat, ist’s eigentlich ganz gut. Wenn du besser mit EXCEL zurechtkommst, kann man auch die Daten in Excel eintickern und dann in SPSS übernehmen. Aber gerade die Variablenverwaltung finde ich in SPSS ganz schick.

Alles gute für deine Auswertung,
Micha.

Hey, ich wollte mich erstmal für eure Kontroverse bedanken. Werde ich bestimmt auch in meiner Hausarbeit verwerten können… :smile:

Was die Suggestivität von „Wie du mir, so ich dir“ und „Rache ist süß“, hab’ ich mir den BDHI (Buss & Durkee Hostility Inventory) als Vorbild genommen, diese Autoren schlagen vor, dass man solche Redewendungen verwendet, weil es leichter fallen würde zu zustimmen.

Na gut, aber ich denke auch, dass der Fragebogen noch seine Schwächen hat… Es geht aber nur um eine Hausarbeit, nicht um eine Doktorarbeit :smile:

Gruß & nochmal Danke für eure Anregungen,
Micha.