Bis hierhin völlige Zustimmung!
dann legt man den überarbeiteten fragebogen einer stichprobe
vor und überprüft gütekriterien wie reliabilität, interne
konsistenz, trennschärfe, schwierigkeit und andere. aber wenn
(so wie micha anscheinend) für ein seminar in testtheorie eine
hausarbeit machen und die genannten gütekriterien eventuell
„per hand“ berechnen muß, dann reicht das für den anfang.
es ging ja darum, dass es wenig sinnvoll ist, uns hier nur die Fragen beurteilen zu lassen;
ohne Bezug auf das Konzept dahinter, ist dies nicht sinnvoll möglich.
- andere haben schon auf die „weiß nicht“-Kategorie
hingewiesen (da spricht schon einiges dafür)
darüber gibt es verschiedene ansichten: einigen finden die
„weiß nicht“-kategorie wichtig (weil es ja wirklich mal sein
kann, daß man eben nicht weiß, was man davon halten soll);
andere wollen durch weglassen der kategorie eine entscheidung
für eine richtung (zustimmung oder ablehnung) erzwingen; es
gibt studien die zeigen, daß leute besonders gern die mitte
ankreuzen (und anderes = antworttendenzen)
richtig;
dieses Mitte-Verhalten ist allerdings recht leicht ersichtlich, und lässt sich deshalb leicht statistisch „herausrechnen“, während aber eine „erzwungen Antwort“ auch, jedoch nicht ganz so leicht sich eliminieren lässt.
Aber, wie Du richtig sagst, wird diese Frage sehr kontrovers diskutiert, ist auch nicht von so großer Wichtigkeit und kennt auch keinen Königsweg.
Ein „Weiß nicht“ oder „Auf diese Frage kann ich nicht antworten“ zeigt aber immerhin bereits die Schwächen bestimmter Fragen auf.
- Du hast richtigerweise den Fehler vermieden, die Fragen
alle gleich zu polen, so dass also eine inhaltliche Tendenz
mit einer formalen Tendenz korrespondieren würde.
auch da gibt es unterschiedliche meinungen und sogar
testmaterialen im oben kritisierten stil, die man käuflich
erwerben muß. will sagen: der verlag hogrefe, der tests
herausgibt und für teuer geld verkauft, hat nichts gegen o.g.
format.
was ich für unsinnig halte; das „Umpolen“ erfordert sehr geringen Aufwand.
Dass einige Befragte, einfach aus Unlust solche Bögen auszufüllen, gerne mal die ganze Reihe runter „trifft vollkommen zu“, etc. ankreuzen ist erwiesen.
Was mache ich damit: auswerten oder nicht? bei beiden Optionen laufe ich Gefahr, das Falsche zu tun.
Warum also so viele Erwägungen anstellen, wenn das Umpolen so unkompliziert ist?
- Unter Umständen könnten „offene Fragen“ zumindest als
Vergleichsmaßstab zu den geschlossenen sinnvoll sein.
ja. sind aber umständlich auszuwerten, vor allem unter dem
aspekt einer hausarbeit.
Jein!
auch offene Fragen können sehr unkompliziert ausgewertet werden, etwa durch Zählen der Häufigkeit bestimmter Begriffe, etc.
Man kann sie natürlich auch kompliziert auswerten, was aber für „geschlossene Fragen“ im Grunde auch gilt, weil sich dort auch recht komplizierte Korrelationkoeffizienten, etc. finden lassen.
- Fragen wie 4), 6), vielleicht auch 10) und 15), empfinde
ich als suggestiv.
wenn das viele leute genauso sehen, dann sollten diese items
bei der itemanalyse schlechte trennschärfen haben bzw. die
güte der skala verschlechtern.
Ja, darum habe ich „vorausgesagt“, dass diese Fragen im Pretest möglicherweise durchfallen werden.
Wer würde es denn wagen „trifft vollständig zu“ anzukreuen bei
„Wie du mir, so ich dir“?
oh, da gibt es schon welche, 1. die so denken (immerhin ist
das sprichwort weit bekannt und viel zitiert) und 2. die
wahrheitsgemäß dann auch noch so ankreuzen, denn der
fragebogen ist anonym (soziale erwünschtheit fällt
wahrscheinlich nicht stark ins gewicht).
zu 1) schon richtig
zu 2) richtig, aber bestimmte Dinge würde ich nicht mal mir selbst gegenüber eingestehen, soll heißen: bestimmte Formulierungen verletzen halt eine Art Tabu.
Wenn ich mich beispielsweise als jemanden ein- und wertschätze, der nicht gerade Schwarz-Weiß denkt, dann kann es sein, dass ich einem Tit-for-Tat-Prinzip rein der Formulierung wegen nicht vollkommen zustimme, obwohl ich dies meiner „Rachsucht“ nach durchaus tun würde, etc.
Zum anderen tragen solch plakative Formulierungen die Gefahr, dass ihnen zugestimmt wird, ohne dass der Befragte dies inhaltlich voll akzeptieren würde, nur weil ihm gerade danach ist, ein wenig provokativ anzukreuzen, weil ich das Sprichwort gefällt, etc.
Wie bereits gesagt: Das alles sind Überlegungen, bevor man in den Pretest geht, keine grundsätzlichen Einwände.
Die gleiche Person würde aber vielleicht vollständig zustimmen
bei „… da erlaube ich mir in gleicher Weise zu reagieren“,
oder etwas in der Art.
kann sein. man könnte beide items aufnehmen und dann das
bessere für die überarbeitete fragebogenversion nehmen.
richtig, so sehe ich es auch
es
wird aber keinem eine antwort in den mund gelegt. suggestiv
ist was anderes.
Klar gibt es „Suggestiveres“ als das Besagte, dennoch handelt es sich in der Formulierung von Fragen sehr wohl um Suggestion, weil die Art und Weise der Formulierung einer Frage durchaus die Antwort darauf nahelegt (selbstverständlich nur innerhalb bestimmter Grenzen).
da kräuselt es mich richtig!
da wünsche ich gute Besserung!
als psychologe trifft man häufig
menschen, die meinen, der psychologe könnte durch fragen, die
eigentlich ganz was anderes bedeuten, was aus ihnen
herauskriegen, daß am besten gar nicht preis geben wollen.
besteht hier tatsächlich ein unumstrittener Konsens innerhalb der Psychologie?
das stimmt aber nicht: man kann nicht aus einer antwort auf
eine frage eine dahinterstehende theorie bestätigen.
wer hat das behauptet? ich nicht!
man kann natürlich die antwort durch eine theorie erklären
bzw. diskutieren.
man muss sie theoriegeleitet erklären, es sei denn man verzichtet darauf, und erklärt sie mit seinem „Fach-Grundwissen“, was ein Sammelsurium von Alltagswissen, wissenschaftlicher Theoreme, Routine, etc. ist.
Diese Alternative halte ich für keine Alternative.
Will man aber Fragen mittels einer bestimmten Theorie auswerten, dann muss dies natürlich in der Fragestellung selbst bereits berücksichtigt werden.
deshalb kann nicht die rede sein, daß indirekte fragen die
tatsächliche meinung besser abbilden als die direkte.
das habe ich so pauschal auch nicht behauptet!
ich habe lediglich vorgeschlagen, solche indirekten Fragen in den Apparat mit aufzunehmen.
Übrigens: dass direkte besser abbilden würden als indirekte, lässt sich pauschal auch nicht sagen!
Ich halte allerdings nach wie vor daran fest, dass bei einem so hoch-moralisiertem Thema wie dem „Verzeihen“ ein Herangehen mit indirekten Fragen eventuell die ganze moralische Meinungs-Hülle umgehen kann.
es ist sogar wahrscheinlicher, daß man sich als forscher mit
o.g. haltung selbst ins bein schießt, weil man sich in seinen
theorien verzettelt und die befragten, die sich ja auch ihre
gedanken über sinn und zweck der befragung machen, zu falschen
schlüssen darüber kommen, was man von ihnen nun „eigentlich“
wissen will.
-
wer vermeintlich theorielos vorgehen will, schießt sich nicht nur ins Bein;
diese vermeintliche Theorielosigkeit ist lediglich die Verdoppelung einer uneingestandenen Pseudo-Theoriehaftigkeit.
-
Schlüsse ziehen werden die Befragten bei direkten Fragen in gleicher Weise, das heißt:
das Problem aller geschlossenen Fragen, dass sich in der Antwort nicht ausdrückt, was sich der Befragte bei seinem Kreuz gedacht hat, tritt bei direkten wie bei indirekten Fragen in gleicher
Weise auf.
man stellt besser eine offene, ehrliche frage
Empirische Forschung hat mit Ehrlichkeit überhaupt nichts zu tun! (sonst müsste man ja auch gleich noch vorgeben, wie man die Antworten auswerten wird; das wäre dann tatsächlich offen und ehrlich, würde aber unstreitig beträchtliche Verzerrungen mit sich bringen)
und probiert,
die leute möglichst nicht in eine antwort hineinzudrängen.
eben genau darum geht es!