Fragen an Katholiken

Liebe Katholiken,

erlaubt einem Nicht-Katholiken ein paar Fragen :smile:

  1. Eine katholische Freundin von mir glaubt traditionell katholisch, dass ein Selbstmörder grundsätzlich nicht in den Himmel kommen kann und zwar weil er vor Eintritt des Todes keine Gelegenheit mehr habe, seine Tat zu bereuen, und ohne Reue keine Vergebung der Sünde etc pp. Sie erklärte mir in diesem Zusammenhang, dass Selbstmörder heutzutage trotzdem auf katholischen Friedhöfen beigesetzt werden dürfen und auch werden - ganz im Gegensatz zu frühreren Zeiten -, weil ein Selbstmörder, der gleichsam im Zustand der Schuldunfähigkeit handelte, trotzdem Vergebung erfahren kann und wir, die Menschen, den Zustand des Selbstmörders zum Zeitpunkt seiner Tat nicht sicher bestimmen können. Wir würden uns das Urteil über Himmel und Hölle also lediglich nicht anmaßen, gleichwohl vertrete die Katholische Kirche nach wie vor, dass Suizid grundsätzlich dazu führt, dass die Seele des Verstorbenen keine Erlösung erfahren kann. Mich interessiert in diesem Zusammenhang zwar Eure persönliche Meinung und Vermutung, vor allem aber die offizielle Linie der Katholischen Kirche und ob es vielleicht einen theologischen Diskurs darüber gibt. (Im Grunde interessiert mich auch die Meinung der evangelischen Theologen, also falls sich einer hierher verirrt hat, bitte, gern!)

  2. Die Unterschiede zwischen Evangelischer und Katholischer Kirche mögen mannigfaltig sein, der Kern der Entzweiung steht aber meines bescheidenen Wissens nach stets die Frage nach der Erlösung. Gute Taten oder Glaube an Jesus? Kann mir jemand in wirklich einfachen Worten die Ansichten der beiden Kirchen erklären und auch, wie die Kompromissformel lautet, die vor einigen Jahren gefunden worden ist (zumindest habe ich so etwas mal gelesen)?

  3. Ebenfalls entzweit wurden oder werden die Kirchen durch die Frage, ob beim Abendmahl das Brot nun symbolisch für den Leib Christi steht oder ob es sich wahrhaftig um den Leib Christi handelt. Als Nicht-Getaufter, der eher evangelisch geprägt wurde, fällt es schwer, das recht zu begreifen; mir kann doch kein Katholik erzählen, dass er ernsthaft glaubt, beim Abendmahl Jesus’ Fleisch zu essen. Gleichzeitig glaubt er aber auch nicht, etwas zu essen, was dieses Fleisch nur symbolisiert. Ja, was glaubt er denn dann?

Für aufklärende Antworten ist dankbar
Levay

Hallo Levay,

zu 1) Deine katholische Freundin hat ganz Recht, sowohl mit dem Grundsatz wie mit der Einschränkung. Der Grundsatz heißt: Wer sich bewusst und aus freiem Willen gegen das Leben, das Gottes Geschenk ist, entscheidet, der entscheidet sich gegen Gott und gegen die Gemeinschaft mit ihm (also für die „Verdammnis“). Die Einschränkung heißt: Nur Gott weiß, in welchem Fall solche Bewusstheit und Freiwilligkeit vorlag und in welchem Fall Depression, Verzweiflung, unerträgliche Qual etc. einen Zwang ausgeübt haben. Erhoffen dürfen und sollen katholische Christen mit Blick auf Jesus Christus die Gnade für alle.

zu 2) Die ganze „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ findest du unter http://www.theology.de/rechtfertigungslehre.html :wink: Im Prinzip heißt der Kompromiss, dass es keinen echten Glauben geben kann, der sich nicht auch im Leben (in den „Werken“) auswirkt - wenn ers nicht tut, ist es eben keiner -, aber dass die Verbindung mit Gott durch das Leben und Tun nicht hergestellt, sondern nur vertieft und bewährt werden kann. Überwinden kann den Graben zwischen Gott und den Menschen nur Jesus Christus und das Vertrauen auf ihn (Glaube). - Meine Philosophie zu „ev.-kath.“ findest du im Übrigen hier: http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv… :wink:)

zu 3) Die katholische Eucharistielehre sagt (klassisch formuliert), dass die „Akzidentien“ von Brot und und Wein - damit ist in der scholastischen Terminologie alles Sichtbare, Schmeckbare, Wiegbare etc. gemeint - unverändert bleiben, jedoch die „Substanz“ diejenige des Leibes und Blutes Christi wird. Über die Paradoxien, die das mit sich bringt, hat schon Thomas von Aquin meditiert (schau mal bei deiner Freundin ins Gotteslob, Nr. 543-546), aber auch Martin Luther, der ja die philosophische Terminologie ablehnte, an der Sache aber genauso festhielt.

Gruß & frohe Weihnachten,
Peter

Hi,

erlaubt einem Nicht-Katholiken ein paar Fragen :smile:

weil Weihnachten ist :smile:

  1. Eine katholische Freundin von mir glaubt traditionell
    katholisch, dass ein Selbstmörder grundsätzlich nicht in den
    Himmel kommen kann

(Snip)

Mich interessiert in diesem
Zusammenhang zwar Eure persönliche Meinung und Vermutung, vor
allem aber die offizielle Linie der Katholischen Kirche und ob
es vielleicht einen theologischen Diskurs darüber gibt.

Das Lehramt der katholischen Kirche verurteilt grundsätzlich den Selbstmord, weil das Leben als Gottesgeschenk gesehen wird, über das nur Gott endgültig verfügen darf. Es wird, wie Du geschildert hast, anerkannt, dass es dabei Umstände geben kann, die die Verantwortlichkeit dafür mindern (psychische Stötungen, Angst vor unerträglichen Qualen etc.) Zur Frage der möglichen Verdammnis von Selbstmödern sagt der „Katechismus der Katholischen Kirche“: „Man darf die Hoffnung auf das ewige Heil der Menschen, die sich das Leben genommen haben, nicht aufgeben. Auf Wegen, die Gott allein kennt, kann er ihnen Gelegenheit zu heilsamer Reue geben. Die Kirche betet für die Menschen, die sich das Leben genommen haben“ (Nr. 2283).

In der Theologie wird zumeist anerkannt, dass Selbstmord in Extremsituationen auch eine sittlich motivierte Tat sein kann, etwa wenn sich jemand umbringt, der fürchten muss, unter der Folter seine Kameraden zu verraten.

  1. Die Unterschiede zwischen Evangelischer und Katholischer
    Kirche mögen mannigfaltig sein, der Kern der Entzweiung steht
    aber meines bescheidenen Wissens nach stets die Frage nach der
    Erlösung. Gute Taten oder Glaube an Jesus? Kann mir jemand in
    wirklich einfachen Worten die Ansichten der beiden Kirchen
    erklären und auch, wie die Kompromissformel lautet, die vor
    einigen Jahren gefunden worden ist (zumindest habe ich so
    etwas mal gelesen)?

Diese Entgegesetzung ist seit langem überholt. Beide Kirchen bekennen, dass nur der Glaube den Menschen rechtfertigt. Dieser ist selbst ein Gnadengeschenk Gottes. Allerdings ist - auch für beide Kirchen - der Glaube, der keine guten Werke hervorbringt, „tot“.

Die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre hält fest, dass hierin kein Grund mehr für die Kirchenspaltung zu sehen ist. Den Text gibt es u.a. auf der Homepage der Deutschen Bischofskonferenz.

  1. Ebenfalls entzweit wurden oder werden die Kirchen durch die
    Frage, ob beim Abendmahl das Brot nun symbolisch für den Leib
    Christi steht oder ob es sich wahrhaftig um den Leib Christi
    handelt.

da gibt es im Protestantismus unterschiedliche Anschauungen. Luther selbst hat an der „Realpräsenz“ festgehalten. Für mich als Katholik sind Brot und Wein tatsächlich Leib und Blut Jesu Christi, wie er selbst beim Abendmahl gesagt hat (nehmt und esst, das ist mein Leib und Blut).

Als Nicht-Getaufter, der eher evangelisch geprägt
wurde, fällt es schwer, das recht zu begreifen; mir kann doch
kein Katholik erzählen, dass er ernsthaft glaubt, beim
Abendmahl Jesus’ Fleisch zu essen. Gleichzeitig glaubt er aber
auch nicht, etwas zu essen, was dieses Fleisch nur
symbolisiert. Ja, was glaubt er denn dann?

tja, wir glauben schon komische Sachen :smile: Vor allem glauben wir, dass unsere sinnliche Wahrnehmung nicht die letzte Realität darstellt. Wir glauben, dass der Tod nicht das Ende des Lebens darstellt - gegen allen Augenschein. Ebenso, dass Christus in Brot und Wein uns leibhaftig nährt. Aber erklären kann man das wahrscheinlich nicht … trotzdem stellt die Kommunion nach alter Lehre der Kirche den Mittelpunkt des christlichen Glaubens dar und nach dem Zeugnis vieler auch den Mittelpunkt ihrer spirituellen Erfahrung.

Für aufklärende Antworten ist dankbar

HTH

Täubchen