Fragen eines Religionskurses

Hallo!
Im Moment diskutieren wir im Religionsunterricht über das Thema „Schöpfung und/oder Naturwissenschaften“ und suchen noch einige Denkanstösse. Der Kurs hat folgende Fragen formuliert:

1.)Warum soll Gott die Welt erschaffen haben?
2.)Wie lassen sich Schöpfungsglaube und naturwissenschaftliches Weltbild vereinbaren?
3.)Was denken Naturwissenschaftler über Schöpfung?
4.)Wie ist die Fortpflanzung des Menschen nach der Schöpfungsgeschichte vorzustellen?

Für Anregungen wären wir dankbar.
Gruß
Dennis

Hallo Dennis, hallo Religionskurs,

ich muß schon sagen, Ihr habt Euch ein richtig schön kontroverses Thema ausgesucht.

1.)Warum soll Gott die Welt erschaffen haben?

Auch wenn Norbert Högel jetzt einen Herzkasper kriegt: vermutlich hatte der liebe Gott gerade nichts besseres zu tun.

Im Ernst, Gott ist meines Erachtens eine - wessen auch immer - Erfindung, um die Menschen halbwegs unter Kontrolle zu halten. Allerdings glaube ich durchaus, daß es im Universum eine Energie gibt, die wir mit unseren Sinnen nicht erfassen können. Wenn manche Leute diese Energie Gott/Allah/Jahwe/wasweisich nennen möchten - bitte schön.

Es ist auch klar, das sich die Erde wohl kaum selbst erschaffen haben wird. Ist es dann aber nicht völlig egal, ob wir die Entstehung der Erde nun dem Urknall (= Energie) oder Gott (=Energie) zu verdanken haben? Im Grunde genommen ist es reine Auslegungssache, die sich nur auf den Namen der Energie bezieht.

2.)Wie lassen sich Schöpfungsglaube und
naturwissenschaftliches Weltbild vereinbaren?

Durchaus! Schau bitte jetzt nicht allzu genau auf mögliche Rechtschreibfehler oder ähnliches, den Text habe ich gerade zwischen zwei Terminen aus dem Polnischen übersetzt (Quelle: katholische Kirche!!!):

_Obwohl der Mensch - nach unseren Maßstäben gemessen - auf der Erde und in dem bekannten Teil des Universums etwas einzigartiges ist, wissen wir heute unstreitig, daß wir uns während Millionen von Jahren langsam und allmählich aus niedrigeren Lebensformen entwickelt haben. Das genaue Datum des Erscheines des Menschen auf der Erde werden wir vermutlich niemals genau feststellen. Ebenso wird eine Reihe von Fragen offen bleiben.

Dieser Entwicklungsprozeß (der hypothetische Zeitpunkt des Erscheines der Menschen bis heute) des läßt sich durch den Vergleich mit dem Kalenderjahr (das Vergleichsschema wurde durch R. S. Francoer entwickelt) veranschaulichen, wobei jeder „Tag“ dieses „Jahres“ einen Zeitraum von 4.000 (realistischen) Jahren umfaßt. So könnten wir anhand dieser Analogie z. B. sagen, daß der Mensch im „Januar“ gelernt hatte, sich primitiver Werkzeuge zu bedienen.

Streng genommen gibt es zwischen naturwissenschaftlichen und religiösen Thesen zur Entstehung der Welt keine Gegensätze. In beiden Fällen handelt es sich zwar um ein und dasselbe „Problem“, das aber aus verschiedenen Perspektiven betrachtet wird:

Naturwissenschaftler können nicht auf der Grundlage ihres Wissens keinerlei Aussagen über mögliche übernatürliche Ursachen treffen. Da sich Gott dummerweise weder wiegen noch messen, noch sonst irgendwie untersuchen läßt, fehlen den Wissenschaftlern schlicht die Methoden.

Die Kirchenwissenschaftler sehen die gesamte Schöpfung wiederum nicht als naturwissenschaftliches sondern als ein philosophisch-theologisches Phänomen an. Die biblische Darstellung kann also nicht als eine naturwissenschaftliche Aussage gewertet werden. Ihr Sinn besteht darin, die Tatsache aufzuzeigen, daß alles was auf der Erde weilt, seine Existenz der Schaffung durch Gott verdankt.

Falsch wäre das Aufstellen der kategorischen These ENTWEDER Schöpfung ODER Evolution. Viel zutreffender ist die Feststellung, daß die Schöpfung im Laufe der Evolution erfolgt. Man kann also auch als gläubiger Christ die Evolutionstheorie befürworten._

3.)Was denken Naturwissenschaftler über Schöpfung?

Die Frage düfte eigentlich schon unter 2.) beantwortet sein. Zwei Zitate könnte ich aber noch anbieten:

Der Mensch ist im Prinzip nichts anderes als

a) die Summe seiner Gene und anderer Bausteine, die sich im Laufe der Evolution zufällig zusammengefunden haben (wer das gesagt hat, weiß ich nicht)

bzw.

b) eine 1,80 Meter lange besondere Molekülsequenz von Kohlenstoff-, Wasserstoff-, Sauerstoff-, Stickstoff- und Phosphoratomen, die eng gewunden im Zellkern des Eis ruht, aus dem er hervorgegangen ist, und im Zellkern jeder ausgewachsenen Zelle (das war der amerikanische Genforscher J. Lederberg)

4.)Wie ist die Fortpflanzung des Menschen nach der
Schöpfungsgeschichte vorzustellen?

Dazu habe ich einen klasse Link gefunden:

http://www.nikodemus.net/catalog.php?category=1

Die Antworten findest Du in dem Artikel „Wen hat Kain geheiratet?“. Schau dort auch mal unter „Einwände gegen die Evolutionstheorie?“ nach. Das eine oder andere wird Dir bestimmt weiterhelfen.

So long

Tessa

Fragen und Antworten
Hi Dennis

1.)Warum soll Gott die Welt erschaffen haben?

Ich weiss es nicht, und den Naturwissenschaften stellt sich diese Frage auch nicht, da sie nicht zu beantworten ist
(ich hab mir aber fest vorgenommen, Gott zu fragen, wenn ich ihn mal treffe)

2.)Wie lassen sich Schöpfungsglaube und
naturwissenschaftliches Weltbild vereinbaren?

Creationismus und Nat-Wiss. weltbild sind unvereinbar. Allerdings lassen sich Evolution und Glaube durchaus vereinbaren, da die Naturwissenschaften sich nicht mit den SINN des Lebens beschäftigen.

3.)Was denken Naturwissenschaftler über Schöpfung?

Das ist, wie oben dargestellt, die frage nach dem Sinn des Lebens. Wenn es sinnlos wäre, dann erübrigt sich die Frage. Wenn man jedoch zu dem Entschluss kommt, das es wahrscheinlich sinnvoll ist (also einen über die Reproduktion hinausgehende Zweck hat) dann beginnt eine äusserst intr. gedankliche Reise, wobei man durchaus zu etwas anderen Schlussfolgerungen gelangen kann als die „Kirchenöberen“ so propagieren.

4.)Wie ist die Fortpflanzung des Menschen nach der
Schöpfungsgeschichte vorzustellen?

Die Fortpflanzung *g*
Wohl bei der Sexualkunde net aufgepasst *lach*
Naja, der Mechanismus der menschlichen Fortpflanzung sollte genauso ablaufen wie die Kollegen von der Biochemie und Genetik und Medizin beschreiben, egal ob Naturwiss. WB. oder Creationismus, immerhin können wir es täglich selbst beobachten

Gruss
Mike
(Der klitzekleine Beiträge zum naurwissenschaftlichen Weltbild erbringt)

Hi giga !
Wüsste mal gerne ob der Typ uns jetzt auf dn Arm nehmen wollte, oder ob der so blöd ist.
Bitte alle User, die dies hier lesen, vernünftig zu antworten !!!

CU ladivinita

In welchen Fettnapf…
…bin ich denn jetzt wieder getreten?

hi Pascal

  1. nein, ich will hier niemanden auf den Arm nehmen, auch wenn meine Formulierung etwas „flapsig“ ist
  2. Ich bin auch nicht vollkommen verblödet
    (Auch wenn manche Leute der Ansicht sind…)

Würdest du bitte deine Ansicht, das ich aufgrund meiner Antworten „so blöd“ wäre, ein wenig begründen, da ich ansonsten mit deinen Äußerungen nur wenig anfangen kann. Ansonsten können wir ja nichts diskutieren.

Vernünftig genug geantwortet?

Gruss
Mike

Hallo!

1.)Warum soll Gott die Welt erschaffen haben?

Diese Frage kannt du aus zwei Weisen stellen: mit der Betonung auf GOTT und mit der betonung auf ERSCHAFFEN. Je nach Betonung ist die Antwort recht unterschiedlich.

Es ist hilflos und Zeichen eigener Schwäche, einen Gott zu postulieren, um sich die Erschaffung der Welt zu erklären. Der religiöse Mensch verschiebt hier den Erklärungsnotstand in einen Bereich, den er PRINZIPIELL nicht hinterfragt (eben Gott). der Naturwissenschaftler gesteht sich ein, daß er auf diese Fragen keine Antworten hat und - möglicherweise - nie eine Antwort finden kann.

Lag die Betonung auf „erschaffen“, kann der religiöse Mensch sich noch mit den Fragen unten auseinandersetzen. Lag sie auf „Gott“, kann er hier aufhören, weil alle weitere Auseinandersetzung mit dem Thema einsichtigerweise müßig ist.

2.)Wie lassen sich Schöpfungsglaube und
naturwissenschaftliches Weltbild vereinbaren?

Garnicht. Auch entgegen dem Posting weiter unten und den Aussagen der kat. Kirche. Beide Ansätze dienen als Grundlage eines WELTBILDES, beide leider diametral entgegengesetzt. Zudem ist eine Hauptaufgabe der Religion die Definition eines ethischen Systems. Eine weitere ist die persönliche Hilfe im individuellen Leben. Beides ist eben genau NICHT Teil der Naturwissenschaft. Die Naturwissenschaft entzieht sogar alle „äußere“ Hilfe des individuellen Lebens, sie macht den Mensch klar und nackt. Das kann unschätzbar wertvoll sein, allerdings erfordert die Auseinandersetzung mit dieser Situation viel mehr Kraft, Verstand, Selbstbewußtsein, Kritikfähigkeit usw. als wenn man sich von der Religion leiten (oder einlullen?) läßt. Bedenke: Nicht jeder kann das aushalten. Viele brauchen einen Halt. den gibt die Religion.

3.)Was denken Naturwissenschaftler über Schöpfung?

Ich kann nicht für andere sprechen. Ich nehme an, du meinst konkret die Entwicklung des Lebens auf der Erde (oder etwa die Entwicklung des Universums einschließlich allem?). Die Evolutionstheorie ist eine Theorie. Nichts mehr. Aber auch nichts weniger. Sie das Modell, welches das, was wir sehen, am besten erklärt. Sehr viele Details sind noch nicht verstanden, vieles nicht bekannt. Einen Beweis hat keiner. Vielleicht finden wir ganz neue Prinzipien, morphogenetische Felder oder sonstwas Abstruses, bis wir wirklich erklären können, wie die biologische Welt entstanden ist. Vielleicht finden wir darauf auch nie eine naturwiss. Antwort (also einen Beweis einer Theorie).

4.)Wie ist die Fortpflanzung des Menschen nach der
Schöpfungsgeschichte vorzustellen?

???
Weiterentwicklung ? Übermensch ? Was ?

Tschö,
Jochen

hää?
Hallo Pascal,
was soll den der spruch?!
Ich glaube, er sieht das schon ganz richtig! Ich glaube nicht, daß sich der Chemiker, der gerade zwei Reagenzen in ein Glas schüttet fragt, warum jetzt gerade die Stoffe so aufgebaut sind daß sie miteinander eine lustige reaktion hervorrufen. er wird ausschließlich prüfen, wie die reagenzen aufgebaut sind um eine solche reaktion hervorzurufen … das ist das einzige warum, was einen wissenschaftler interessiert … den tieferen sinn dahinter wird er nicht ergründen können und wollen (wollen könnte er wohl schon *G*)
Daniel

zu extrem
re mike

Hab vielleicht ein bisschen übertrieben reagiert, aber die Frage ob wir in Sexualkunde nicht richtig aufgepasst hätten hat mich schon etwas gestört.
Hoffe Du kannst mich verstehen.

Cu Pascal

Ok Ok
Hi Pascal

ich seh es ja ein, das war nicht gerade einer meiner besten Witze… Aber er hat sich mir so aufgedrängt *grins*

meine Aussage bleibt jedoch bestehen.
es ist nicht möglich, mit naturwissenschaftlichen Methoden religiöse Kernfragen (Sinn des lebens, Existenz Gottes …) zu beantworten, da schon die Fragen sich der naturwissenschaftlichen Erkenntnisfähigkeit entziehen.

Man kann jedoch mit derartigen Methoden Aussagen der „Religion“ über die existierende Welt wiederlegen, bzw verifizieren.

So ist der Creationismus das genaue Gegenteil der Naturwissenschaften, da er die Kontinuität der Naturgesetze verneint. Die ist jedoch die Grundvorausetzung der Naturwissenschaften. Das „dumme“ bei den Nat.-Wiss. ist jetzt, das es meist nicht möglich ist, etwas zweifelsfrei und endgültig zu beweisen. Daran hängen sich dann viele leute sozusagen auf, denn sie verlangen die absolute Wahrheit. Und die KANN die naturwissenschaft nicht liefern

Der grosse Unterschied zwischen zwischen einem rein „religiösen“ Weltbild (das sich auf irgendwelche heiligen Schriften beruft) und dem naurwissenschaftlichen Weltbild liegt darin, das das nautrwissenschaftliche Weltbild per definitionem unvollständig ist. religiöse Weltbilder nehmen meist für sich in Anspruch, vollständig zu sein.

Das Problem vieler Menschen mit den Naturwissenschaften resultiert in der existenz „naturwissenschaftlicher Ideologien“ Diese versprechen die totale Kontrolle und Vorhersagbarkeit. Diese Vorhersagbarkeit ist jedoch UNMÖGLICH, wg Heisenbergs Unschärferelation, Gödels Theorem und der Chaostheorie.
Und so wenden sich Menschen enttäuscht von den Nat.-Wiss. ab, weil die Versprechungen von irgendwelchen Dünnbrettbohrern nicht erfüllbar sind, und flüchten sich in irgendwelche esoterischen Gefilde. Dort wird ihnen wieder die geistige Sicherheit und das feste Weltbild geboten, das sie suchten.

Na ja,
es bleibt schwierig

Gruss
Mike

Danksagung eines Religionskurses
Hallo, Forum :smile:

Vielen Dank für eure Antworten, die uns sehr zufriedenstellten und uns geholfen haben, den Fragen etwas näherzukommen. Eure Denkanstösse haben uns sehr weitergeholfen.
Gruß
Pascal

Hallo!

4.)Wie ist die Fortpflanzung des Menschen nach der
Schöpfungsgeschichte vorzustellen?

in der bibel is ja nur beschrieben, wie gott die eva gemacht hat. alle anderen frauen waren offenbar „einfach so da“. daß es alle mit der eva gemacht haben, davon kann man auch net ausgehen, weil ja durchaus von anderen frauen die rede is. nur offenbar scheint die niemand geboren zu haben.
allerdings is von mehreren göttern die rede. es is also anzunehmen, daß nur einer der götter adam und eva gemacht hat, und darauf bezieht sich die bekannte bibel. ein anderer gott war dann m.e. für’s erschaffen der übrigen frauen verantwortlich. nur hat den kein schriftsteller beachtet. schade eigentlich.

gruß

michael