Grüß Dich, Junge.
Berufspraktikum
Solche polytechnischen Praktika hatten wir auch.
Sieh das nicht zu verbissen; Du sollst arbeiten gehen, um Gepflogenheiten der Arbeitswelt kennenzulernen und Erfahrungen zu sammeln. Was Du in dem Praktikum der 8. Klasse tust, ist dabei sekundär. Natürlich kannst Du die Chance nutzen und schon einmal in Deine Wunschbranche reinschnuppern. Das ist aber kein Muß.
WAS soll ich als Berufspraktikum machen? WAS soll ich studieren?
Aber was mir auch wichtig ist, ist das ich gern in Amerika später
arbeiten bzw. leben möchte und ich weiß NICHT ob ein deutsches
Studium annerkannt wird und wenn nicht gibt es eine Möglichkeit ohne
die „green card“ in Amerika 3-4Jahre zu studieren?
Gerade in Deutschland ist das Studium nicht zwingend die 1. Wahl, weil wir ein starkes Berufausbildungssystem haben. Das hat zwar auch beträchtliche Macken, besonders im Hinblick auf Durchlässigkeit zwischen Akademikern und Nichtakademikern, aber es ist eine Alternative. Eine Lehre kann also genau richtig sein für Dich. Vielleicht kannst Du auch ein paar Jahre auf der Schiene arbeiten und hast dann fundierte praktische Kenntnisse in der Hinterhand, um ein Studium aufzusetzen. Das war zu meiner Zeit z.B. für die Ingenieurwissenschaften der absolute Standard; da gab es solche reinen Schreibtisch- und Papieringenieure, wie sie heute mit purer Absicht gezüchtet werden, nicht.
Problematisch ist die Lehre im Hinblick auf die Vereinigten Staaten, denn dort existiert kein geregeltes, staatliches Berufsausbildungssystem, sondern alles ist semiakademisch und akademisch. Das heißt, das ganze wird über Colleges abgewickelt. Du mußt dann in einer Bewerbung Deine Lehre explizit hervorheben und erklären, und eben nicht, wie sich das viele immer einbilden, einfach „skilled worker“ oder sowas hinschreiben. Das kommt dem Charakter einer deutschen Lehre nicht gleich und das US-amerikanische Gegenüber versteht die Tragweite überhaupt nicht.
Deutsche Studienabschlüsse werden nicht anerkannt, sondern müssen geprüft werden. Normalerweise, wie es sich ja auch gehört, ist der Universitätsabschluß ein Master (z.B. Diplomphysiker -> Master of Science) und der FH-Abschluß ein Bachelor (z.B. Diplomingenieur (FH) -> Bachelor of Engineering). Entscheidend sind die belegten Fächer und die Leistungspunkte (credit points).
Die neuen verkorksten Abschlüsse „Bachelor“ und „Master“ werden ebenfalls nicht anerkannt, obschon sie identisch benannt sind und die nächsten Jähre auf identische Niveaus trudeln werden. Auch hier ist eine Überprüfung erforderlich.
Wenn Du in den USA arbeiten UND leben möchtest, kommst Du um die Permanent Resident Card („GreenCard“) nicht herum. Denn nur eine GreenCard ist ein lebenslang gültiges, uneingeschränktes Aufenthalts- und Arbeitsvisum. Für alles andere gibt es ein unüberschaubares Unterholz aus verschiedensten Visa. An die GreenCard zu kommen, dürfte für Dich außerdem sehr schwer werden. Das Verfahren ist teuer, Deine finanzielle Lage muß stimmen bzw. wird penibel durchleuchtet, Deine Qualifikationen werden überprüft (Schulbildung, Berufsbildung) – und ins Verfahren zu kommen, ist sogar die eigentlich Hürde. Der einzige realistische Weg ist die jährliche Lotterie (!), in der 55000 Visa per Zufallslos an mehrere Millionen Bewerber (10 Millionen und steigend) vergeben werden. Nebenbei: Die GreenCard ist kein Arbeitsvisum. Wenn Du die bekommen solltest, wird von Dir zügige Einwanderung verlangt mit gewissen Schonzeiten für Ausbildung und dergleichen. Gerade nach dem 11. September bekommst Du mächtig Ärger, wenn die Beamten an der Paßkontrolle den Eindruck haben, Du benutzt dieses Sondervisum nur zum Hin- und Herreisen, Arbeiten, Urlaub machen etc…
Übrigens: Mit einem Studentenvisum darfst Du nicht arbeiten, so daß die ultraultraultraenormen Studiengebühren durch keinen Hinzuverdienst gemildert werden können.
Die für das Vaterland moralisch schauderhafteste aber für Dich sinnvollste Variante wäre, Deine Ausbildung vollständig in Deutschland abzuschließen, d.h. ordentliche Schulbildung mit guten Zensuren, Lehre und dann kostenloses Studium, und dann mit den Abschlüssen im Rücken abzuhauen.
Die Bezahlung ist in den USA gut und oftmals besser als in Deutschland, und wenn Du in einem guten Unternehmen landest, sind Krankenversicherung und Pension kein Thema.
Allerdings mußt Du Dich in den ersten 10 Jahren auf wenig Urlaub einstellen. Im Gegensatz zum faulen Deutschland, wo 24-30 Tage bezahlter Urlaub normal sind, und dann auch noch um jeden Brückentag gekämpft wird, ist der Urlaub in den USA nach der Dauer der Zugehörigkeit zum Unternehmen geregelt. In den ersten 7-10 Jahren ca. 10 Tage im Jahr (2 Arbeitswochen), dann ca. 15 Tage (3 Arbeitswochen) und nach 15 Jahren ca. 20 Tage (4 Arbeitswochen).
In der Hotelbranche kann das allerdings anders aussehen. Die haben ja nicht einmal Feiertage, sondern es muß schließlich gearbeitet werden (Ostern, Memorial Day, 4. Juli, Thanksgiving, Weihnachten usw.).
Tschüß