Dalai Lama - Bodhisattva - Avalokitesvara
Hallo Maria,
- Was hat Nirwana mit Gottesbild zu tun?
Diese Frage hat Ralf ja schon treffend mit „nichts“ beantwortet 
Aber hierzu möchte ich gerne noch ein paar Takte sagen.
- Die Buddhisten sehen im Dalai Lama die Wiedergeburt des
Buddha. Buddha ist doch aber der Erleuchtete, der schon ins
Nirwana eingegangen ist, wie kann er dann wiedergeboren
werden?
Aus Sicht der tibetischen Buddhisten kann das Streben nach Erleuchtung auf zwei Wegen stattfinden, einmal dem des Arhat und einmal dem des Bodhisattva, wobei letzterer Weg den ersteren einschließt.
Beide Wege ähneln sich zunächst auf dem Weg zum Nirvana. Wenn der Zustand der höhchsten transzendenten Ebene im Stadium ungestörter Erleuchtung erreicht ist, dann läßt es der Arhat dabei bewenden, geht ins Nirvana ein und entschwindet somit quasi den Blicken der Welt. Der Bodhisattva hingegen entscheidet sich aus Mitgefühl für alle Lebewesen (und nicht aufgrund karmischer Zwänge) dafür, zur Welt zurückzukehren, um anderen Wesen durch seine Kenntnisse und Erfahrungen, die er gemacht hat, weiterzuhelfen.
Der Weg des Bodhisattvas geht auf die Legende über den großen Bodhisattva Avalokitesvara zurück. Avalokitsvara verbrachte die meiste Zeit seines Lebens meditierend in einer Höhle im Himalaya, bis er sich am Rand der Erleuchtung befand, am Einganz zum Nirvana. Bei seinem Eintreten ins Nirvana vernahm er plötzlich ein Weinen und Jammern. Das Geräusch wurde immer lauter bis er sich von Nirvana abwandte, und hinunterblickte, dahin, woher das Geräusch kam (daher der Name Avalokitesvara = der Herr, der hinabblickt). Er blickte hinab in die Tiefe auf diese Welt und sah unendlich viele Lebewesen, die aufgrund ihrer Unwissenheit und Mangel an Unterweisung die verschiedensten Leiden erdulten mussten. Es stieg der Gedanke in ihm auf, wie er es sich gestatten kann, ins Nirvana einzutauchen, um sich selbst zu retten, während auf der Welt noch so viele Wesen seiner Hilfe und seines Beistands bedürfen. Also entschloss er sich, zur Welt zurückzukehren.
Der Dalai Lama gilt als Manifestation des Avalokitesvara, des Bodhisattva des Mitgefühls. Als solcher wird er von den Tibetern verehrt.
„Manifestation“ muss man sich im Kontext des tibetischen Buddhismsus so vorstellen, dass hier ein bestimmter Aspekt des Buddha oder seiner Lehre „verkörpert“ (im wahrsten Sinne des Wortes) wird. Der tibetische Buddhismus ist durch eine starke (und IMHO grandiose, sofern man sie versteht
) Symbolik geprägt.
Neben dem Dalai Lama gibt es auch noch den Panchen Lama, der wiederum als Manifestation des Buddha Amitabha gilt, des Buddha des Unermeßlichen Lichts (einem der vier Dhyani Buddhas, die jeweils bestimmte Spiegelungen des Ur-Buddha darstellen). Der Ur-Buddha oder Adi-Buddha wiederum steht für die immer bestehende Buddhaschaft in allen lebenden Wesen und ist das Symbol der imm gegenwärtigen Möglichkeit der Erlösung und Befreiung.
Der Buddha Sakyamuni hingegen, ist der „historische“ Buddha, der im Allgemeinen gemeint ist, wenn Leute vom „Buddha“ reden und der ca. 400-500 v.Chr. durchs Land zog und seine Lehre verkündete. Von diesem gibt es keine „Wiedergeburten“ in dem Sinne, als dass man davon ausgeht, dass Buddha Sakyamuni immer wieder als Mensch auf der Erde geboren wird. Das Leben der „Person“ oder „Entität“ Buddha Sakyamuni „endete“ mit dem Erlöschen im Nirvana, wie du ja auch schon treffend bemerktest.
Zum Schluss nach ein paar Takte zur Vorsicht. Du sagtest, dass du für eine Prüfung lernst, da du Schülerin bist, vermute ich mal auf Schulniveau. Ich weiss, dass in deutschen Schulen viel unsinniges Zeug zum Buddhismus gelehrt wird. Daher kann es sein dass das, was du hier erfährst, nicht unbedingt mit dem übereinstimmt, was man im Rahmen der zu prüfenden Inhalte von dir erwartet. Du solltest also auf jeden Fall vergleichen, was man von dir hören will (auch wenn es u.U. schlichtweg grottenfalsch ist
).
Wenn du noch weitere Fragen hast, nur zu 
Gruß
Marion