Hallo Carsten,
ich persönlich halte eine Diskussion (so wie sie hier zum Teil geführt wird) über den Sinn und Unsinn von Lebensversicherungen und/oder sonstigen Kapitalanlagen für eine Altersversorgung für völlig falsch, wenn noch nicht einmal geklärt ist, welcher Absicherungs- und/oder Versorgungsbedarf im Einzelfall besteht.
Ich halte das auch dann für falsch, wenn die Frage konkret gestellt wird: Ich möchte was für das Alter und/oder die evtl. Berufsunfähigkeit tun und DM … anlegen, was oder wen könnt Ihr mir empfehlen, welche Gesellschaft ist die günstigste usw. usw…
Die Diskussion über die „richtige Altersversorgung“ wurde hier schon oft geführt. Bei den naturgemäss vielen unterschiedliche Ansichten, Strategien, Vorschlägen und Hilfestellungen war/ist das Ergebnis immer das gleiche: Die „richtige Altersversorgung“ gibt es nicht! Was richtig und was falsch ist, merkt man in aller Regel erst dann, wenn das Ersparte benötigt wird, um den gewohnten Lebensstandard halten zu können.
Wichtig ist, sich darüber bewusst zu sein, dass die Rente – wenn überhaupt - in Zukunft nur noch eine Grundversorgung darstellen kann und es ohne private Vorsorge düster aussieht. Ist dieses Bewusstsein da, was bei vielen immer noch nicht der Fall ist, dann sollte an nächster Stelle zunächst einmal eine Bedarfsanalyse unter Berücksichtigung des Familienstandes erstellt werden.
Als erstes sollte der Ist-Stand ermittelt werden, dazu gehören z.B. (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
- die Rentenanwartschaften in der gesetzlichen Rentenversicherung (für alle Rentenarten)
- bestehende private Versicherungen (Kapital-Lebensversicherunge, Risiko-Lebensversicherunge, Berufsunfähigkeits-Versicherung) etc.
- Betriebliche Altersversorgung (Direktversicherung durch AG-Leistung und/oder Gehaltsumwandlung, Betriebsrente, Pensionszusage, Unterstützungskasse, usw.)
- Investmentanlagen
- Aktien
- Immobilien
usw.
Dann folgt die Ermittlung des Soll-Standes:
- was wird in welchem Fall benötigt (im Alter, bei Tod, bei Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit, im Pflegefall)
Die Differenz(en) zwischen dem Ist-Stand abzüglich dem Soll-Stand ergibt den Versorgungsbedarf in den einzelnen absicherungsbedürftigen Bereichen.
Erst dann - und wirklich erst dann (!) - stellt sich die Frage, wie diese Versorgungslücke sinnvoll und gewinnbringend unter Ausnutzung der am Markt gegebenen Möglichkeiten geschlossen werden kann bzw. sollte. Dabei müssen die persönlichen Verhältnisse wie z.B. der Familienstand, die berufliche Tätigkeit und die finanziellen Gegebenheiten berücksichtigt werden, ferner die Nutzung evtl. Steuervorteile.
Bevor all diese Dinge nicht geklärt sind, sind alle Hilfestellungen zwar gut gemeint und zum Teil auch richtig, sie treffen aber nicht den Kern der Sache.
Sie stellen verschiedene Möglichkeiten dar, ohne den Weg zum Ziel zu beschreiben und der ist nun mal ebenso wichtig wie das Ziel selbst.
Kein Fahrlehrer verlangt von seinem neuen Fahrschüler, erst einmal zu beweisen das er fahren kann, bevor er die erste Fahrstunde nehmen darf. Er stellt aber das Alter fest und prüft, ob der ‚Neue‘ berechtigt ist, den Führerschein zu machen.
Ergo kann gesagt werden, dass eine Kapital-Lebensversicherung für einen Junggesellen (wie lange noch?) nicht unbedingt das „gelbe vom Ei“ ist und eine fondsgebundene LV wohl ebenso wenig. Aber als betriebliche Atersversorgung kann das schon wieder anders aussehen … - und bei einem künftig Selbständigen erst recht, zumal hier ggf. wesentliche Änderungen bezüglich der gesetzlichen Rentenversicherung (Scheinselbständigkeit, arbeitnehmerähnliche Selbständigkeit, Pflichtversicherung als Handwerker usw.) zu berücksichtigen sind, die auf die zusätzliche Versorgung Auswirkungen haben können.
Die Bedarfsanalyse ergibt allerdings in vielen Fällen einen Versorgungsbedarf, den sich der Betreffende finanziell nicht leisten kann. Dann muss in dem Bewusstsein, dass im Bedarfsfall keine ausreichende Absicherung/Versorgung gegeben ist, abgespeckt werden auf ein Niveau, welches finanziell tragbar ist.
Und erst jetzt stellt sich die Frage, was mache ich mit meinen DM … ?
Was ist sinnvoller, eine Kapital-Lebensversicherung, eine fondsgebundene Lebensversicherung, eine Investmentanlage usw. usw.
Dabei stellt sich weniger die Frage, was derjenige, mit dem das Geschäft getätigt wird daran verdient (an der hier üblichen Schwachsinns-Diskussion über Provisionen etc., die hier jemand immer wieder gerne in Gang bringt, möchte ich mich nicht beteiligen), sondern vielmehr wie gewinnbringend er für seinen Verdienst und damit für den Anleger arbeitet.
Auch wenn Du es verständlicherweise aus steuerlicher Sicht etwas eilig hast, empfehle ich Dir, die Sache in Ruhe anzugehen, Deinen Bedarf auch im Hinblick auf Deine zukünftige selbständige Tätigkeit (wirst Du da nicht jede Mark brauchen!?) und einer evtl. Familiengründung zu ermitteln und dann zur Tat zu schreiten.
Gruss
WALTER HUETTENHAIN