In wie weit unterscheiden sich die Reaktionszeiten bei den
Farben? ziemlich extrem oder vernachlässigbar. Ab was für
einer Reaktionszeit hat es Nachteile und welche Nachteile
(Augenreizung oder ähnliches?).
Ziemlich extrem. Das Umschalten von einem farbton zu einem anderen kann 3mal so lange dauern, wie der Übergang von schwarz nach weiß. Selbst moderne Panels mit angegebenen Reaktionszeiten von unter 16 ms können in Wirklichkeit 25, 30 ms oder auch 40 ms brauchen, um eine Zelle umzuschalten. Deshalb sollte man sich nicht auf die angegebene Reaktionszeit verlassen, wenn man einen spiele- oder videotauglichen TFT-Bildschirm kaufen will. Es kann sein, das das Panel von Hersteller A mit 25 ms Reaktionszeit viel besser spielbar ist, als das Panel von Hersteller B mit 16 ms. Immer Testberichte lesen vor dem Kauf!
Ich weiß nicht genau, ab wecher Reaktionszeit erkennbare Nachteile auftreten, das dürfte auch sehr stark vom verwendeten Panel und der Farbinterpolationsroutine abhängen. Dauern bei einem Panel Übergänge zwischen selten dargestellten Farben besonders lange, dann fällt das nicht so auf, wie langsame Farbübergänge zwischen häufig benötigten Farbkombinationen.
Sind die Umschaltzeiten zu lang, bleiben bei schnellen Bildwechseln einige Pixel des letzten Bildes eben sichtbar im nächsten Bild stehen, das Bild wird grieselig und schlierig. Schnell bewegte Objekte in Computerspielen ziehen einen unscharfen Schweif hinter sich her, das Videobild wirkt so seltsam pixelig. Es kommen aber noch andere Funktionen dazu, die das Bild versauen können, z.B. eine schlechte Farbinterpolation. Viele TFT’s arbeiten nämlich nicht mit echten 24bit Farbtiefe sondern nur mit 16bit und interpolieren die fehlenden Zwischenfarben, indem sie benachbarte Pixel so anordnen, dass das Auge selbst den Farbton mischt (so in der Art: ein roter und einer grünen Pixel statt eines braunen). Wenn die Interpolationsroutine schlecht programmiert ist, sieht das Ergebnis oft auch recht mies aus, besonders bei Videos, wo feine Nuancen und geringe Farbabstufungen dargestelt werden müssen.
Bei stehenden Bildern oder langsamen Bildwechseln (Office, Internet) ist das alles ziemlich wurscht, wichtig sind schnelle Reaktionszeiten und gute Farbinterpolation (oder besser gar keine) bei Spielen und Videos. In FTF’s werden auch verschiedene Panel-Typen eingesetzt, die bauartbedingt in verschiedenen Bereichen ihre Stärken und Schwächen haben: während MVA/ PVA - Panels eine gute Farbtreue haben, aber meist recht hohe Reaktionszeiten, reagieren TN + Film - Panel sehr schnell, haben aber einen geringeren Einblickwinkel und schlechtere Farbtreue. Den besten Kompromiss schaffen vermutlich S-IPS-Panel, die sind aber recht stromhungrig und so richtig spieletaugliche S-IPS-Panel gibt es in 19" AFAIK noch nicht.
Was hat es mit der Interpolierung auf sich? Das hab ich nicht
ganz verstanden.
Farbinterpolation s.o.
Interpolation der Auflösung: Bei Röhrenmonitoren kann man die Auflösung (Anzahl der dargestellten Bildpunkte in horizontaler und vertikaler Richtung) ja bauartbedingt frei wählen, da hier ein Elektrodenstrahl über die Phosphorschicht der Bildröhre huscht und so das Bild auf den Monitor zeichnet. Die Anzahl der Bildpunkte wird einfach dadurch bestimmt, wie oft der Farbwert des Elektronenstrahls dabei umgeschalten wird, und dass ist in den technischen grenzen des Monitors frei wählbar.
Bei einem TFT-Bildschirm funktioniert die Bilddarstellung ganz anders, der besteht aus einer bestimmten unveränderlichen Anzahl von Flüssigkristallzellen, von denen jede eine bestimmte Farbe darstellen kann und die in ihrer Gesamtheit das Bild erzeugen. Bei einem 19"-TFT sind das meist 1280 x 1024 Kristallzellen. Das Bild besteht also fest und unveränderlich aus 1280 x 1024 Bildpunkten. Bei Computerspielen hängt die Leistung der Grafikkarte aber z.B. sehr stark davon ab, wieviele Bildpunkte sie darstellen muss. Mittelklassegrafikkarten bekommen moderne 3D-Spiele bei 1024 x 768er Auflösung meist noch problemlos hin, bei einer Auflösung von 1280 x 1024 Bildpunkten ist die Grafikkarte aber schon überfordert und das Bild ruckelt unspielbar. Deshalb kann man auch bei TFT-Bildschirmen die Auflösung verringern, da es aber technisch unmöglich ist, eine kleinere Anzahl Bildpunkte darzustellen, wird einfacheine niedrigere Auflösung interpoliert, d.h. mehrere nebeneinanderliegende Zellen zeigen dieselbe Farbe an, als wären sie ein größerer Bildpunkt. Das klappt jedoch nur bei ganzen Vielfachen der natürlichen Bildgröße gut und keiner will in 640 x 512 Pixel spielen. *g* Andere Interpolationsstufen liefern meist recht unschöne Ergebnisse, weshalb man besser darauf verzichten sollte und deshalb als Spieler eine Grafikkarte wählen sollte, welche die gewünschten Spiele in der natürlichen Auflösung des Displays ruckelfrei darstellen kann (und die ist meist empfindlich teuer).
pumpkin
- DVI-Anschluss ist absolut Pflicht (an TFT und Graka).
Was hat es mit dem DVI-Anschluss auf sich? Was macht der?
Der gibt das Bildsignal aus bzw. empfängt es. Da Röhrenmonitore ein analoges Bildsignal benötigen, wurde früher bei Grafikkarten prinzipiell das digitale Bildsignal durch einen DAC in ein analoges Signal gewandelt und dieses dann an herkömmlichen D-Sub-Ausgang der Grafikkarte ausgegeben. Ein TFT benötigt jedoch ein digitales Signal, wird er also an den analogen D-Sub-Ausgang der grafikkarte angeschlossen, muss das analoge Bildsignal im TFT wieder in ein digitales Signal zurückgewandelt werden. Da bei jeder Signalwandlung Qualität verloren geht, ist das relativ hirnrissig, so dass moderne Grafikkarten und TFT-Monitore gleich einen digitalen Anschluss haben, so dass das Bildsignal wandlungsfrei und ohne Qualitätsverlust übertragen werden kann. Das ist die DVI (Digital Visual Interface) - Buchse.
LG, Jesse