Ich spiele mit dem Gedanken, zusammen mit einer amerikanischen Studentin Aufträge für Deutsch-Englisch-Übersetzungen anzunehmen. Dazu hätte ich im Vorfeld einige Fragen.
Ich bin zwar Amateur (mit Fremdsprachenkorrespondez-Ausbildung), kann aber durch die Kooperation der Muttersprachlerin (die alles kontrolliert und korrigiert) eine korrekte Übersetzung garantieren. Einmal hat sich das in eigener Sache qualitativ bereits bewährt.
Natürlich würde ich Kunden über meinen Status nicht täuschen, sondern mit offenen Karten spielen. Meine Fragen betreffen nun 1) die Preisgestaltung, 2) die Modalitäten eines Auftrags und 3) evtl. Kostproben an Interessenten.
Übersetzerbüros verlangen etwa 1,30 die Zeile. Wie sollte ich mein Preisniveau anlegen, um einerseits als Freelancer preislich attraktiv zu sein und andererseits zu vermeiden, dass der Eindruck von „billig = qualitativ schlecht“ aufkommt?
(Ich würde mich auf geisteswissenschaftliche Sachtexte – also keine Belletristik und keine Naturwissenschaft – und Drehbuchskripts – hier bin ich erfahren – beschränken).
Ich nenne mal ein Beispiel im Drehbuchbereich: ein Münchner Spracheninstitut berechnet die Übersetzung eines Drehbuchs (120 sehr locker betextete Seiten) ins Englische auf über 4000 Euro.
Wie sollten die Zahlungsmodalitäten sein? Z.B. alle zwanzig Seiten eine Zwischenzahlung oder wie?
Sollte man den ersten Interessenten eine kurze Probeübersetzung aus ihrem Text anbieten?
Proofreading durch einen Muttersprachler der Gegenseite ist normal. Damit würde ich nur Reklame machen, wenn es nicht zu sehr ins Rampenlicht gerückt wird: „…selbstverständlich ist Proofreading durch eine US-Muttersprachlerin gewährleistet“ und nicht „Als besonderen Service und Garantie für Qualität biete ich…“
Übersetzerbüros verlangen etwa 1,30 die Zeile.
Das ist in Deutschland weltweit ziemlich einzig. So gut wie überall sonst wird nach Wortzahl abgerechnet, und da Du seriöserweise ENG >> GER (nämlich hin zur Muttersprache) arbeiten wirst, sitzen Deine Auftraggeber hauptsächlich im Ausland. Gewöhne Dich von vornherein an Abrechnung nach Wortzahl. Da wirst Du bei Fachtexten mittleren Schwierigkeitsgrades mit 11-12 Cent recht ordentlich bedient sein, gleichzeitig ist es auch kaum möglich, für einen Preis darunter gute Arbeit zu machen.
Wie sollten die Zahlungsmodalitäten sein? Z.B. alle zwanzig
Seiten eine Zwischenzahlung oder wie?
Das ist frei verhandelbar.
Sollte man den ersten Interessenten eine kurze
Probeübersetzung aus ihrem Text anbieten?
Das ist bei größeren Paketen durchaus üblich. Aber das braucht auch nicht für umme sein, das lässt sich dann mit dem Paket verrechnen.
Hast Du die Frage der Haftung und einer geeigneten Versicherung bedacht?
auch beim BDÜ (Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer) nachfragen.
Arbeite seit 15 Jahren als Freelancer (Übersetzung de-fr) und die Abrechnung nach Wort Ausgangssprache setzt sich (leider) immer mehr durch.
Eins mußt du wissen: es gibt keine Grenze nach unten (manche arbeiten für 4 cent pro wort), und wenn Du zu billig anfängst und anschließend die Preise erhöhen willst, ist es dann fast unmöglich, also weniger als 10 cent pro Wort oder 95 cent die Zeile würde ich nicht verlangen.
Das Zählen nach Ausgangssprache oder Zielsprache ist doch eigentlich kein Problem, weil das Verhältnis der Wortzahl zwischen zwei Sprachen bei vergleichbaren Textarten ziemlich konstant ist - wenn man beim devis weiß, ob nach Quell- oder Zielsprache gezählt wird, kommt das aufs gleiche heraus.
Ich vermute, die Preise, die Du nennst, sind Agenturpreise, nicht Endkundenpreise? Sonst ginge es entweder um sehr einfache Texte oder um Dumpingkonkurrenz, mit der man leicht auf eine unerfreuliche Rutschbahn kommt.
tut mir Leid für die späte Antwort, viel zu tun. Also für mich spielt es ein grosse Rolle, wenn der Preis sich nach der Ausgangsprache richtet, in meinem Fall deutsch, weil französisch (Zielsprache) grundsätzlich länger ist (sogar bis 20%), das heisst dementsprechend muß ich Umsatz einbüssen, wenn ich mir auf eine solche Kalkulation einlasse.
Und die Preise, die ich genannt habe, sind (leider) Realität (ABER NICHT MEINE). Der Job ist nicht geschützt, jede® kann sich Übersetzer(in) nennen, keine Gebührenordnung…