Fragen zum Buddhismus

Hallo liebe Suchende !
Habe gestern abend im Hesssischen Fernsehen einen Bericht über ein Frankfurter „Kloster“ gesehen, wo unter anderem Patienten mit TCM behandelt wurden.
Dabei wurde auch gezeigt, wie sich die weiblichen/männlichen Mönche abends zum Essen versammelten. Überhaupt konnte ich keinen bestimmten Stil erkennen. Jedes Land hat ja so seine Eigenheiten : unterschiedliche Rot/Orangetöne der Kleidung, Buddhas Leibesumfang, Ausstattung der Tempel von bunt/üppig (China) bis zu spartanisch/schlicht (Japan).
Nun kenne ich aber von Thailand her die Sitte, daß die dortigen Mönche ihr Essen bis um 10/11 Uhr vormittags gesammelt und gegessen haben müssen. Dann wurde bis zum nächsten Tag gefastet.
Ist diese Vorschrift in den verschiedenen Ländern, wo der Buddhismus verbreitet ist, unterschiedlich?
Wie kommen eigentlich die weiblichen Glaubensschwestern zu ihrer Mahlzeit? Beim Schreiben dieser Frage fiel mir auf, in Thailand nur Männer beim Einsammeln ihrer Speisen gesehen zu haben.

Danke für eure Antworten
Sabine

Hallo liebe Suchende !

Gugug

…Jedes Land hat ja so seine
Eigenheiten : unterschiedliche Rot/Orangetöne der Kleidung,
Buddhas Leibesumfang, Ausstattung der Tempel von bunt/üppig
(China) bis zu spartanisch/schlicht (Japan).

Das liegt vor allem daran, dass die verschiedenen buddhistischen Schulen maßgeblich durch die Kultur und die Sitten der Länder geprägt wurden in denen sie sich einst entfaltet haben (und noch heute tun).

Nun kenne ich aber von Thailand her die Sitte, daß die
dortigen Mönche ihr Essen bis um 10/11 Uhr vormittags
gesammelt und gegessen haben müssen. Dann wurde bis zum
nächsten Tag gefastet.

Ja, dies ist in Theravada-Klöstern in Thailand auch meines Wissens nach so.

Ist diese Vorschrift in den verschiedenen Ländern, wo der
Buddhismus verbreitet ist, unterschiedlich?

In den verschiedenen buddhistischen Schulen, das Land ist da eher nebensächlich. Unabhängig davon besteht natürlich wie oben angeführt eine kulturelle Verflechtung.

Wie kommen eigentlich die weiblichen Glaubensschwestern zu
ihrer Mahlzeit? Beim Schreiben dieser Frage fiel mir auf, in
Thailand nur Männer beim Einsammeln ihrer Speisen gesehen zu
haben.

Es gibt auch reine Frauenklöster in Thailand. Die erbetteln sich dann halt genau so ihr Essen. Verhungern muss in Thailand ganz sicher kein Mönch, es ist die tiefste Überzeugung eines Laienbuddhisten (Buddhist, der nicht Mönch ist), dass man mit einer Essensgabe an Mönche gute Dienste sammelt, also sein Karma verbessert.

Danke für eure Antworten

Gerne doch

mfg
Simon

Moin,

Habe gestern abend im Hesssischen Fernsehen einen Bericht über
ein Frankfurter „Kloster“ gesehen, wo unter anderem Patienten
mit TCM behandelt wurden.

Meinst du vielleicht das Zentrum der Deutsch-Vietnamesischen Buddhistischen Gemeinde in Frankfurt „Phat Hue“ ? Hier der Link:

http://www.phathue.de/germansection/germanindex.htm

Überhaupt konnte ich
keinen bestimmten Stil erkennen.

Das mag daran liegen, dass die buddhistische Lehre keinen bestimmten Stil vorschreibt :smile:

Jedes Land hat ja so seine
Eigenheiten :

Nicht nur jedes Land. Es ist nicht unüblich, dass es in einem Land unterschiedliche Buddhistische Schulen mit ganz unterschiedlichen Erscheinungsformen gibt.

Nun kenne ich aber von Thailand her die Sitte, daß die
dortigen Mönche ihr Essen bis um 10/11 Uhr vormittags
gesammelt und gegessen haben müssen. Dann wurde bis zum
nächsten Tag gefastet.
Ist diese Vorschrift in den verschiedenen Ländern, wo der
Buddhismus verbreitet ist, unterschiedlich?

Dies ist weniger eine buddhistische Vorschrift, sondern eher eine bestimmte, je nach Kloster, Schule etc. variierende Ausprägungform der Verhaltensregeln für buddhistische Mönche und Nonnen.

Ein zentraler Text zur Ordensdisziplin für buddhistische Mönche und Nonnen ist der „Vinaya-Pitaka“, der jedoch nicht Bestandteil der Lehrsätze und Lehrreden ist, sondern eine eigene Abteilung bildet:

http://www.palikanon.com/

Hier findest du die 227 Regeln für Mönche:
http://www.palikanon.com/vinaya/patimokkha.html

Wo z.B. in Punkten 31-42 Aussagen über die Nahrungsaufnahme getroffen werden.

Der Vinaya-Pitaka ist historisch gewachsen und wurde nach und nach z.B. beim Auftreten bestimmter Vorfälle erweitert. Es handelte sich hier also von Anfang an nicht um ein bestimmtes, „schon immer“ so festgelegtes, starres Vorschriftenwerk. Er dient dem Zweck, das Verhalten der Mönche und Nonnen untereinander und zwischen Ordinierten und Nicht-Ordinierten/Laien zu regeln, sowie es den Ordinierten zu erleichtern, durch einen bestimmten Lebenswandel dem achfachen Pfad zu folgen.

Dieser „Geist“ des Vinaya-Pitaka ist IMHO entscheidend und hat in seiner Konsequenz zur Folge, dass Klöster/Orden Verhaltensregeln festlegen, die in übereinstimmung mit buddhistischer Lehre sinnvoll erscheinen und durchaus voneinander abweichen können.

Gruß
Marion

Hallo Sabine,
ergänzend bzw. vertiefend zu den vorangegangenen Postings noch das Folgende.

Nun kenne ich aber von Thailand her die Sitte, daß die
dortigen Mönche ihr Essen bis um 10/11 Uhr vormittags
gesammelt und gegessen haben müssen. Dann wurde bis zum
nächsten Tag gefastet.
Ist diese Vorschrift in den verschiedenen Ländern, wo der
Buddhismus verbreitet ist, unterschiedlich?

Im Theravada gelten für alle ‚Novizen‘ (Samanera) und ‚Mönche‘ (Bhikku) 10 allgemeine moralische Regeln, die dasa-sila. Die sechste sila untersagt es ihnen, nach dem Mittag noch Nahrung zu sich zu nehmen. Im Mahayana gibt es eine etwas andere ‚Liste‘ von 10 sila, wobei nur die ersten fünf mit denen im Theravada identisch sind. Dafür gelten im Mahayana alle 10 sila auch für Laien (Upasaka), im Theravada nur die ersten fünf (die sog. panca-sila).

Hinzu kommen natürlich für Ordinierte noch eine ganze Menge weiterer Ordensregeln. Im Theravada sind diese im sog. Vinaya geregelt; im Mahayana (zumindest in den mir bekannten Schulen) beruhen sie auf verschiedenen Sutren, vor allem dem Brahmajala-Sutra und den ‚Hausordnungen‘ der Klöster (jap. Shingi).

Die von Dir genannte Vorschrift ist im Mahayana unbekannt. Dafür gilt dort z.B. als Essensvorschrift für Mönche ein strenger Vegetarismus, während im Theravada das Essen von Fleisch unter bestimmten Voraussetzungen gestattet ist.

Wie kommen eigentlich die weiblichen Glaubensschwestern zu
ihrer Mahlzeit?

Grundsätzlich auf dieselbe Art wie die Mönche.

Beim Schreiben dieser Frage fiel mir auf, in
Thailand nur Männer beim Einsammeln ihrer Speisen gesehen zu
haben.

Das liegt daran, dass es dort kaum ordinierte Frauen gibt. In den Theravada-Ländern war der Nonnenorden (Bhikkuni-sasana) ausgestorben; in Sri Lanka um das Jahr 1000. Eine ‚Wiederbelebung‘ der Tradition wurde erst gegen 1900 mit der Ordination von Samaneri in Angriff genommen. Die ersten vollordinierten Nonnen (Bhikkuni) in der Theravada-Tradition gab es erst wieder nach 1950; sie wurden von chinesischen Bhikkunis ordiniert - im Mahayana war die Tradition ungebrochen.

In Thailand hatte es nie einen Bhikkuni-sasana gegeben. Auch jetzt gibt es noch nicht sehr viele buddhistische Nonnen dort; selbst in Sri Lanka sind es gerade mal ca. 250. Das einzige mir bekannte Bhikkuni-Kloster Thailands ist das Wat Song Dharma Kalyani in Nakhorn Pathom.

Freundliche Grüße,
Ralf

zur Klarstellung

Das einzige
mir bekannte Bhikkuni-Kloster Thailands ist das Wat Song
Dharma Kalyani in Nakhorn Pathom.

Sorry - gemeint war: das einzige, von dessen Existenz ich weiss. Aus eigener Anschauung kenne ich es nicht.

Ralf

Ergänzung.
Hi Ralf,

vielen Dank für Deine wissenswerten Ausführungen. Von mir nur eine kleine Ergänzung.

Es mag sein, dass es nur ein Nonnenkloster in Thailand gibt (von dem Du weisst). Aber es gibt sehr viele Klöster, in denen auch Nonnen leben. Diese in weiß gekleideten Frauen gehen für eine Zeit oder lebenslang ins Kloster. Sie sind aber den „richtigen“ Mönchen nicht gleich gestellt. Sie haben meist einen eigenen Compound auf dem Klostergelände, da der Kontakt mit Frauen für die Mönche eigentlich ein Problem darstellt.

Liebe Grüße
Burkhard

Es mag sein, dass es nur ein Nonnenkloster in Thailand gibt
(von dem Du weisst). Aber es gibt sehr viele Klöster, in denen
auch Nonnen leben. Diese in weiß gekleideten Frauen gehen für
eine Zeit oder lebenslang ins Kloster. Sie sind aber den
„richtigen“ Mönchen nicht gleich gestellt. Sie haben meist
einen eigenen Compound auf dem Klostergelände, da der Kontakt
mit Frauen für die Mönche eigentlich ein Problem darstellt.

Hallo Burkhard !
Du wirfst bei mir wieder neue Fragen auf. Bei meinem Urlaub in Khao Lak *schluchz* habe ich diese Frauen auch gesehen. Aber warum tragen sie weiß ? Dies ist doch die Farbe der Trauer. Sie werden doch nicht alle Witwen sein.!?
Das Frauen für Mönche ein Problem darstellen, habe ich damals auch gelernt. Falls eine Touri/Frau sich in die privaten Räumlichkeiten der Mönche verirren sollte, hätte dies aufwendige Reinigungszeremonien zur Folge.
Schade eigentlich, diese Voreingenommenheit Frauen generell gegenüber, man soll ja als Frau wiedergeboren werden, wenn man im Vorleben schlecht gehandelt hatte. Ansonsten wär der Buddhismus für mich die Religion der Wahl, aber ich habe da halt Probleme mit der Frauenfrage.
Bleibe ich halt weiter Atheistin.

Es grüßt dich
Sabine Haydn

Moin,

Schade eigentlich, diese Voreingenommenheit Frauen generell
gegenüber, man soll ja als Frau wiedergeboren werden, wenn man
im Vorleben schlecht gehandelt hatte. Ansonsten wär der
Buddhismus für mich die Religion der Wahl, aber ich habe da
halt Probleme mit der Frauenfrage.

Hier scheint ein grundlegendes Missverständnis vorzuliegen. Zur Lebenszeit des historischen Buddha hatten Frauen einen ziemlich schlechten Stand, was z.B. Rechte, Unabhängigkeit etc. anging. Aus diesem Grund schien ein Leben als Mann in jedem Fall attraktiver als ein Leben als Frau.

Ansonsten gibt es im Buddhismus nicht den Glauben an eine an das Individuum gebundene Wiedergeburt, wie bereits weiter unten erläutert. Dies ist hinduistisches Gedankengut.

Das Problem der Frauen in Thailand ist, dass sie nicht ordiniert sind und so ihr Status unsicher ist. Um als Nonne ordiniert zu werden, müssen eben bestimmte Voraussetzungen gegeben sein, die in vielen Teravada-Ländern erst in den letzten Jahren langsam aufgebaut werden.

Gruß
Marion