Fragen zum Gebrauchtwagenkauf - MB 220D, Bj '74

Hallo liebe Experten!

Ich stehe in absehbarer Zeit vor einer Probefahrt mit einem stolzen Mercedes Benz 220D, Baujahr ’74 mit dem vagen Hintergedanken, das Ding dann auch zu kaufen.

Als Nicht-Mechaniker und auch kein sonstig technisch übermäßig begabter Mensch möchte ich aber trotzdem nicht allzu leicht über den Tisch gezogen.

Deswegen hab ich mir aus dem Internet mal einige Checklisten besorgt, worauf ich beim Gebrauchtwagenkauf zu achten habe (zB hier, vielleicht auch für euch interessant: http://www.aral.de/_download/mobilitaet/2_2_2/autoka…, gefunden bei checkliste.de [unter „KfZ“ schauen, da gibt’s jede Menge Brauchbares, finde ich])

Jetzt meine Fragen:
Dieser Benz ist doch schon knapp 30 Jahre alt; kann ich diesen Mercedes also wirklich auf all diese in dieser Liste genannten Punkte hin testen oder muss ich da ob des Alters und des damaligen technischen Standards Zugeständnisse machen? Wenn ja, wobei? Und wie kann ich im konkreten Fall unterscheiden, ob mich der Verkäufer für blöd verkaufen will?

Zum Beispiel: Ich teste wie in der Checkliste beschrieben die Stoßdämpfer, indem ich mal auf einer Seite die Karosserie runterdrücke und der Wagen schwankt daraufhin ohne Ende: Kann der Verkäufer dann sagen, das ist nicht weiter tragisch, weil die Stoßdämpfer vor 30 Jahren noch nicht das heutige Niveau hatten? Genau solche Dinge interessieren mich da besonders, damit ich einigermaßen weiß, was ich technisch vom Auto erwarten kann oder muss! Oder kann ich sagen, wenn ein Punkt der Liste nicht erfüllt wird, taugt das Auto nix? Was gilt als tolerabler Mangel und was nicht?

Wer weiß von einigen typischen „Kinderkrankheiten“ oder Schwachstellen dieses genauen Modells MB 220D, auf die ich besonders schauen sollte? Was ist von 30 Jahre alten Dieselmotoren zu halten?

Ah ja, bevor ich gleich eins verbal von allen Seiten übergezogen bekomme: Ich habe auf alle Fälle vor, einen Experten der auch was davon versteht, zur Ansicht des Wagens mitzunehmen!!! Aber ich möchte mich nicht unbedingt ganz auf den verlassen und nur blöd danebenstehen, daher mein Posting hier. Gibt ja schließlich genügend kompetente Leute hier, die mir da ein bisschen Einblick in die Technik des deutschen Automobils verschaffen können… :wink:

Noch die weiteren Daten des Wagens laut Anzeigentext:
-dunkelbeige,
-60 PS,
-140.000 km,
-original Radio mit Cassettendeck,
-Chromleisten,
-Pickerl [so heißt bei uns in Ö. die Zulassung zum Straßenverkehr = analog zum TÜV] noch bis 08/03,
-neues technisches Gutachten der Bundesprüfanstalt in Wien [was ist so was wert, kennt das vielleicht wer?];
-typische rostanfällige Stellen wie Radgehäuse komplett erneuert und geschweißt [ist das schlimm?]; Batterie neu, Tacho repariert; Kupplungsgeberzylinder neu [ist das ein wichtiger oder sensibler Teil?],
-vollständig erstklassig erhaltenes Interieur.

Ich habe auf mobile.de Kfz gleichen oder ähnlichen Typs gesucht und herausgefunden, dass dieser Wagen doch recht deutlich unter dem durchschnittlichen Verkaufspreis für die dortigen Modelle liegt – allerdings schreibt der Inserent, dass er den Wagen wegen Geldmangels rasch verkaufen will.

Ohne dass ihr jetzt auch gleich alle nachschaut :wink:: Was meint ihr, darf man für so einen Wagen im beschriebenen Zustand verlangen? Ich poste mal absichtlich keinen Verkaufspreis, weil mich interessiert, was ihr so dazu meint!

Alles in allem – was kann/soll/muss/darf ich davon halten und wie stell ich’s an, dass ich mir da keinen Schrott andrehen lasse?

Freundlichen Gruß und ein herzliches Danke an alle, die sich Zeit nehmen, mir hier allgemeine Tips zum Kauf von Gebrauchtautos oder spezielle Ratschläge hinsichtlich des Modells zu geben!

Jerry

Hallo PantherX,
also mit den normalen Checklisten für Gebrauchtwagen wäre ich bei Oldtimern vorsichtig.
Beim /8er sollte man speziell die Schweller,Radhäuser,Hinterachse,Front-und Heckscheibenrahmen sowie die unteren Ansatzpunkte von A-und C Säule genauer inspizieren.Dazu gibt es bei „Oldtimermarkt“, glaube ich, auch eine Kaufberatung.Wenn Du Neuling in Sachen Oldtimer bist,würde ich Dir empfehlen einen Profi mitzunehmen,da man schnell einen Schrotthaufen für wenig Geld kauft, der Dir bei der Restaurierung ein Loch in den Geldbeutel frisst.
Es gilt " Papier ist geduldig",was also so in der Anounce steht ist Makulatur;man muß den Wagen sehen.

Gruß
Klaus

PS:Ich hatte auch mal nen 220D,prima Auto mit viel Platz.Aber erwarte keine Wunderdinge von 60 PS bei 1,5 Tonnen;da ist bei 130km/h mit Rückenwind und bergab Schluß.

Hallo Jerry,

Ich stehe in absehbarer Zeit vor einer Probefahrt mit einem
stolzen Mercedes Benz 220D, Baujahr ?74 mit dem vagen
Hintergedanken, das Ding dann auch zu kaufen.

Das ist dann wohl ein /8 (Baureihe W114/W115), ein feines Stück Auto… Der Diesel-Motor ist bis aus die Verschleißteile (Glühkerzen, Einspritzdüsen, Steuerkette, usw.) fast unkaputtbar, es sei denn, er wird gnadenlos im Stadtverkehr geprügelt und nicht wirklich warm gefahren.

Leider habe ich im Moment nicht die Zeit, Dir wirklich ausführlich auf Deine Anfrage zu antworten. Zur Info schau Dir doch einfach mal die vielen Seiten zum /8 im Internet an.

Z.B.: http://www.strichachtclub.de/ oder auch http://www.strichacht.de/

Dort solltest Du viele Infos und auch Kontakt zu Leuten finden, die sich mit dem /8, der Technik und den Schwachstellen auskennen.

Bis denn dann,

Felix

Hallo Jerry,
die alten Diesel haben bei überwiegendem Stadtverkehr recht schnell den Dienst eingestellt. Ich würde eine Gebrauchtwagenuntersuchung beim Adac vorschlagen. Kostet wenig,
bringt viel.
MFG Peter

Noch ne Info
Hallo PantherX,
bei den /8ern bleibt der Blinkerhebel beim blinken nach rechts oft nicht hängen,sondern fällt zurück.Damit kommst Du in Deutschland nicht durch den TÜV!(Alle Prüfer kennen die Macke und checken den Hebel)Ich weiss nicht wie das bei Euch in Austria gehandhabt wird,aber fallst Du einen neuen Hebel ( gebraucht oder neu ) brauchst, richte Dich auf gesalzene Preise ein.1981 sollte der Hebel neu ca:170 DM kosten,gebraucht gabs nichts weil auf dem Schrott schon alle Hebel ausgebaut waren.
Das trifft hauptsächlich für die alten rechteckigen Hebel zu,später wurden Runde eingebaut,die das Problem nicht so kannten.
Gruß
Klaus

PS:smiley:ie Tanknadel gaukelt Dir auch schon mal einen 1/4 vollen Tank vor obwohl er leer ist.Verlass Dich lieber auf die Warnleuchte,die stimmt.

Hallo,

danke euch schon mal für die aufschlussreichen Informationen und Links, bin schwer begeistert, was für ein Sammlerstück der Strichacht schon geworden ist!

Werde auf den dortigen Seiten meine weiteren Erkundigungen einziehen!

PS:Ich hatte auch mal nen 220D,prima Auto mit viel Platz.Aber
erwarte keine Wunderdinge von 60 PS bei 1,5 Tonnen;da ist bei
130km/h mit Rückenwind und bergab Schluß.

Schneller muss er auch nicht fahren - solange er an den Ampeln einigermaßen in die Gänge kommt, ist schon gut!

Vielen Dank noch mal, freundliche Grüße,

Jerry

Schneller muss er auch nicht fahren - solange er an den Ampeln
einigermaßen in die Gänge kommt, ist schon gut!

Hi Jerry,
kommt er nicht!Das Teil ist richtig träge,selbst den 240D mit 65 PS hängst Du locker mit nem R4,nem Käfer oder ner Ente ab.
Der Motor ist nicht gerade drehfreudig und man sollte ihn auch nicht übergebühr treten.Nicht umsonst waren das mit die beliebtesten Taxifahrzeuge.
Gruß
Klaus

Hi!

Auch ich würde Dir empfehlen, die Ausgabe der Oldtimermarkt mit der /8er Kaufberatung zu bestellen.

Bei uns waren die Kisten vor 10-12 Jahren sehr populär, da sie sehr komfortabel und günstig im Unterhalt waren.
Mittlerweile sind aber eben auch die sehr guten Opa-Exemplare schon bei jungen Leuten in den Händen gewesen und wenn ich lese, dass der bisherige Besitzer den Wagen wegen Geldproblemen verkaufen muss, kann man sich ausrechnen, wie die Wartung in der letzten Zeit ausgesehen hat.
Ein 220D ist mit das solideste Auto, das es auf der ganzen Welt überhaupt gegeben hat. Eigentlich ist nur ein W123 240D noch unanfälliger.
Im heutigen Verkehr allerdings ist man mit den knapp 60 PS aber schon sehr untermotorisiert unterwegs. Es ist daher möglich, dass die Maschine in den letzten Jahren nur noch gejagt worden ist. Achte auf die Anzahl der Vorbesitzer.
„Radlauf geschweißt“ heißt keineswegs „Radlauf fachmännisch geschweißt und anständig lackiert“. Wer weiss, weshalb die von Dir genannten Chromleisten montiert sind? Allerdings ist es bei solchen Autos kein wertminderndes Manko, wenn sie schon einmal geschweißt worden sind. Nur muß es ordentlich durchgeführt sein.

Es ist daher schwer, eine Preisangabe zu machen. Für ein halbtotes Nutztier sind 400 Euro gut bezahlt. Ein schöner 3er mit leichten Gebrauchsspuren und Historie kann schon 1500 - 3000 Euro wert sein. Ein guter 2er aus erster Hand geht auch schon mal für 5000 Euro oder mehr über den Tisch.

Generell gilt: lasse Dich nicht blenden und zu nichts drängen. Wenn der Verkäufer noch 5 andere Interessenten hat und Du Dich daher sofort entscheiden musst, dann soll er die Kiste doch an die anderen verkaufen. Damals verkaufte Daimler 100.000e von den Dingern, Du wirst also noch ein anderes Angebot finden.

Grüße,

Mathias

Ich stehe in absehbarer Zeit vor einer Probefahrt mit einem
stolzen Mercedes Benz 220D, Baujahr ’74 mit dem vagen
Hintergedanken, das Ding dann auch zu kaufen.

Als Nicht-Mechaniker und auch kein sonstig technisch übermäßig
begabter Mensch möchte ich aber trotzdem nicht allzu leicht
über den Tisch gezogen.

Deswegen hab ich mir aus dem Internet mal einige Checklisten
besorgt, worauf ich beim Gebrauchtwagenkauf zu achten habe (zB
hier, vielleicht auch für euch interessant:
http://www.aral.de/_download/mobilitaet/2_2_2/autoka…,
gefunden bei checkliste.de [unter „KfZ“ schauen, da gibt’s
jede Menge Brauchbares, finde ich])

Jetzt meine Fragen:
Dieser Benz ist doch schon knapp 30 Jahre alt; kann ich diesen
Mercedes also wirklich auf all diese in dieser Liste genannten
Punkte hin testen oder muss ich da ob des Alters und des
damaligen technischen Standards Zugeständnisse machen? Wenn
ja, wobei? Und wie kann ich im konkreten Fall unterscheiden,
ob mich der Verkäufer für blöd verkaufen will?

Zum Beispiel: Ich teste wie in der Checkliste beschrieben die
Stoßdämpfer, indem ich mal auf einer Seite die Karosserie
runterdrücke und der Wagen schwankt daraufhin ohne Ende: Kann
der Verkäufer dann sagen, das ist nicht weiter tragisch, weil
die Stoßdämpfer vor 30 Jahren noch nicht das heutige Niveau
hatten? Genau solche Dinge interessieren mich da besonders,
damit ich einigermaßen weiß, was ich technisch vom Auto
erwarten kann oder muss! Oder kann ich sagen, wenn ein Punkt
der Liste nicht erfüllt wird, taugt das Auto nix? Was gilt als
tolerabler Mangel und was nicht?

Wer weiß von einigen typischen „Kinderkrankheiten“ oder
Schwachstellen dieses genauen Modells MB 220D, auf die ich
besonders schauen sollte? Was ist von 30 Jahre alten
Dieselmotoren zu halten?

Ah ja, bevor ich gleich eins verbal von allen Seiten
übergezogen bekomme: Ich habe auf alle Fälle vor, einen
Experten der auch was davon versteht, zur Ansicht des Wagens
mitzunehmen!!! Aber ich möchte mich nicht unbedingt ganz auf
den verlassen und nur blöd danebenstehen, daher mein Posting
hier. Gibt ja schließlich genügend kompetente Leute hier, die
mir da ein bisschen Einblick in die Technik des deutschen
Automobils verschaffen können… :wink:

Noch die weiteren Daten des Wagens laut Anzeigentext:
-dunkelbeige,
-60 PS,
-140.000 km,
-original Radio mit Cassettendeck,
-Chromleisten,
-Pickerl [so heißt bei uns in Ö. die Zulassung zum
Straßenverkehr = analog zum TÜV] noch bis 08/03,
-neues technisches Gutachten der Bundesprüfanstalt in Wien
[was ist so was wert, kennt das vielleicht wer?];
-typische rostanfällige Stellen wie Radgehäuse komplett
erneuert und geschweißt [ist das schlimm?]; Batterie neu,
Tacho repariert; Kupplungsgeberzylinder neu [ist das ein
wichtiger oder sensibler Teil?],
-vollständig erstklassig erhaltenes Interieur.

Ich habe auf mobile.de Kfz gleichen oder ähnlichen Typs
gesucht und herausgefunden, dass dieser Wagen doch recht
deutlich unter dem durchschnittlichen Verkaufspreis für die
dortigen Modelle liegt – allerdings schreibt der Inserent,
dass er den Wagen wegen Geldmangels rasch verkaufen will.

Ohne dass ihr jetzt auch gleich alle nachschaut :wink:: Was meint
ihr, darf man für so einen Wagen im beschriebenen Zustand
verlangen? Ich poste mal absichtlich keinen Verkaufspreis,
weil mich interessiert, was ihr so dazu meint!

Alles in allem – was kann/soll/muss/darf ich davon halten und
wie stell ich’s an, dass ich mir da keinen Schrott andrehen
lasse?

Freundlichen Gruß und ein herzliches Danke an alle, die sich
Zeit nehmen, mir hier allgemeine Tips zum Kauf von
Gebrauchtautos oder spezielle Ratschläge hinsichtlich des
Modells zu geben!

Jerry